MAK
Seite 128 
Internationale Sammler-Zeitung 
Nr. 17 
ebenso die in München sonst selten vorkommenden nord 
deutschen Fayancen. Den Höhepunkt der Auktion bildet das 
figürliche Porzellan: die Figuren gruppen von Lanz und 
Lück, die frühe Höchster Gruppe. Daneben finden sich Fi 
guren aus Berlin, aus Meißen und aus den jetzt so beachteten 
Thüringer Manufakturen: Dimbach, Veilsdorf, Volkstedt. Das 
Gebrauchsporzellan ist zumeist Meißener Herkunft und zeigt 
fast lückenlos die Entwicklung dieser Manufaktur von Böttgers 
Steinzeug bis zu Marcolini. Auch Nymphenburg ist durch 
Stücke aller Epochen gut repräsentiert. 
Die Möbel, in Süddeutschland gesammelt, entstammen 
zumeist dem 18. Jahrhundert und legen mit dem zahlreichen 
Kleingerät Zeugnis für die hohe Stufe des Kunstgewerbes 
jener Zeit ab. Bereichert wird das Bild von süddeutschem 
Kunstleben durch die zahlreichen Augsburger Bilder des 
18. Jahrhunderts. Es seien nur die Namen Götz und Nilson 
genannt, die Franck zusammenbrachte. Eine Fortführung 
seiner Sammlung bis ins 19. Jahrhundert hinein erbrachte die 
Berührung mit Münchener Künstlern, die seinen Kunstbesitz 
um manche Skizze bereichert hat. 
Endlich sei auf die reichhaltige Sammlung von Graphik 
verwiesen (gegen 400 Nummern), die manches dekorative 
Blatt des 18. Jahrhunderts, aber auch altere wertvolle Blätter 
von Aldegrever und andere enthält. 
Von dem Stein zeug seien das Westwalder und das 
thüringische, von dem Steingut neben Wedgwood-Geschirr 
die Erzeugnisse der fast verschollenen Fabrik Schäftlarn 
genannt. 
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Chronik. 
Bilder. 
(Über 1000 veigessene Gemälde.) Eine fast unglaub 
liche Meldung kommt aus Petersburg. Darnach wurden bei 
der Inventuraufnahme im Winterpalais sowie in den 
Schlössern Petropawlowsk und Zarskoje Selo tausend Kisten 
aufgefunden, die niemals geöffnet wurden. Die Kisten ent 
halten über tausend Gemälde und Skulpturen erster 
Künstler. Darunter befinden sich Gemälde von Tiepolo, 
Fragonard und Batour, die für den russischen Hof auf 
gekauft worden sind. 
(Makarts ,,Frühling".) Die Wiener städtischen Samm 
lungen haben eine interessante Leihgabe erhalten. Die Galerie 
Miethke hat ihnen für fünf Jahre Makarts letztes großes 
Ölgemälde „Der Frühling" gegen die Verpflichtung über 
lassen, das Bild der allgemeinen Besichtigung zugänglich zu 
machen. Das Werk ist im vorigen Jahre auf einer Wiener 
Auktion ausgeboten worden, fand aber wegen des hohem 
Ausrufspreises — er betrug 100.000 Kronen — keinen Käufer. 
Numismatik. 
(Tiroler Notgeld.) Der Tiroler Landesrat hat beschlossen, 
Landesnotgeld auszugeben, um dem bestehenden Mangel 
an Scheidemünzen abzuhelfen. Es werden Scheine zu 10 h bis 
zum Betrag von zwei Millionen Kronen, Scheine zu 20 h bis 
zu dem gleichen Betrag und Scheine zu 50 h bis zum Betrag 
einer halben Million ausgegeben. 
Philatelie. 
(Preisausschreiben.) Zur Erlangung von Entwürfen 
für die neuen bayrischen Marken wird nächster Tage vom 
Verkehrsministerium ein von den Vertretern der gesamten 
Münchener Künstlerschaft vereinbartes Preisausschreiben be 
kanntgegeben werden. Das Preisausschreiben wird die Wahl 
des Gegenstandes des Markenbildes völlig freistellen und die 
Teilnahme allen bayrischen und in Bayern ansässigen Künstlern 
eröffnen. Es sollen fünf erste Preise zu je 1000 Mark sowie 
50 Trostpreise zu je 100 Mark verteilt weiden. Die Künstler, 
deren Entwürfe zur Ausführung gelangen, haben neben dem 
Preis Anspruch auf ein zu vereinbarendes Honorar. Um den 
leilnehmern am Wettbewerbe eine Anregung zu geben und 
zu zeigen, wie eine musteigültige Briefmarke beschaffen sein 
muß, findet zurzeit im Münchener Kunstverein eine Aus 
stellung von Briefmarken von künstlerischem Werte statt. 
(Die Schweizer Friedensbriefmarken.) Die Sehwei 
te ischen Friedensbriefmarken liegen uns in drei Werten vor. 
Es sind künstlerisch wie technisch prachtvolle Beispiele eines 
geklärten ästhetischen Geschmacks, die sich in jeder Weise 
vorteilhaft von den berühmten deutschen Nationalversamm 
lungsmarken und den neuen 20-Heller-Marken Deutschöster 
reichs unterscheiden. Besonders schön wirkt die von O. 
Raumberger entworfene I5-Rappen-Marke. Vom, dunkel- 
violetten Hintergrund hebt sich plastisch in leicht gelblicher 
Tönung die nackte Gestalt eines liegenden verwundeten 
Kriegers ab, der, halb aufgerichtet, das zerbrochene Schwert 
neben sich, in die Feme starrt. Hinter der liegenden Figur 
erglänzt ein Strahlenbündel mit dem Trostwort „Pax", Auch 
die in einfarbiger olivgrauer Tönung gehaltene 7%-Rappen- 
Marke, entworfen von Ed. Vallet, wirkt als Bild hervor 
ragend. Zwei barhäuptige Kriegergestalten im Uniformmantel, 
die Gewehre nachlässig am Riemen zur Erde senkend, reichen 
sich über einem Schlachtfeld mit dem. Strahlenbünde] ,,1919“ 
im Hintergründe die Hände. Etwas altertümlich-traditionell 
mutet die schwebende, Blumen streuende Friedensgöttin des 
Künstlers P. Th. Robert auf dem zweiten Werte der Serie 
(zu 10 Rappen) an, die aber drucktechnisch ebenfall., eine gute 
Leistung des Stechers J. Sprenger ist. Die Figur, das Wort 
„Helvetia" und die Ziffern „10“ und „1919" sind bei dieser 
Marke in gelblicher Tönung auf satt-braunrotem Untergrund 
ausgespart. 
(Die Briefmarken der bayrischen Kriegsbe 
schädigtenfürsorge.) Wie man uns aus München berichtet, 
wurde am 25. August mit der Ausgabe der Briefmarken der 
Kriegsbeschädigtenfürsorge begonnen. Es werden an jeden 
Käufer höchstens zehn Marken von jeder Sorte — 15 und 
20 Pfennig — abgegeben. Bei einzelnen Postämtern standen die 
Käufer in langen Schlangenlinien an, um, zu einer größeren 
Markenmenge zu kommen, stellten sich manche mehrmals an, 
bis sie erkannt und zurückgewiesen wurden; sie wiederholten 
dann das gleiche Spiel in einem anderen Postamte. Vielfach 
wurde versucht, den Käufern unmittelbar nach Verlassen des 
Schalters die Marken gegen ein entsprechendes „Aufgeld" 
wieder abzunehmen. Im Hauptpostamt an der Residenz 
straße hatte man zunächst nur einen Schalter zum Verkauf 
der Kriegsbeschädigtenfürsorgemarken aufgetan, mußte aber 
aber bald, da sich zu viele Liebhaber angesammelt hatten, 
einen zweiten Verkaufsschalter öffnen. 
Die bisherigen Marken zu 10 und 15 Pfennig werden mit 
dem Aufschlag von 5 Pfennig für Kriegsbeschädigte zu 15 und 
20 Pfennig verkauft. Der Überdruck ..Freistaat Bayern“, 
der bei den alten Marken das Kopfbild bedeckte, ist bis zum 
unteren Rande der Marke gesenkt, unmittelbar darüber ist 
der Aufdruck „5 Pfennig für Kriegsbeschädigte" derart an 
gebracht, daß die in etwas fetterer Schrift gehaltenen Zeichen 
„5 Pfennig zwischen die Wertangabe der Marken zu stehen 
kommen. Der Aufdruck der fünf Zeilen bewirkt, daß das 
Markenbild ganz zurücktritt. Schön sind die Marken nicht,
	        
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