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Internationale Sammler-Zeitung
Nr. 17
noch unter Gleyre in Paris studiert und knüpfte an die großen
Traditionen Ingres und seiner Schule an. Auf seinen Studien
reisen war er auch in Deutschland und hat hier den Einfluß
der deutschen Kunst erfahren. In seiner Pariser Zeit war er
ein naher Freund Whistlers, der später so ganz andere Wege
ein«chlagen und das „enfant tenible“ der angelsächsischen
Malerei werden sollte. Poynter dagegen wurde ihr wohler
zogenstes Kind und eröffnete seine Laufbahn mit dem rasch
berühmt gewordenen Bilde ,,Israel in Ägypten“. Sein Besces
hat er geleistet, als er später der Porträtmaler der offiziellen
englischen Welt wurde.
(Die Galerie Neue Kunst, Hans Goltz, München)
eröffnet am 1. September unter dem Titel ..Herbst 1019“ihre
V. Gesamtausstellung. Sie wird unter anderem umfassen:
Gemälde und Graphik von Albert-Bloch, Davringhausen,
Derain, Eberz, Feininger, Felixmüller, Othon, Friesz, Grosz,
Heckei, Herbin, Kars, Kirchner, Klee, Kokoschka, Meiise,
Nauen, Scharff, Schnarrenberger, Schrimpf, Seewald, Uhden
und Werefkin.
(Franz Büttner Pfänner zu Thal) der langjährige
Lehrer an der Münchener Kunstakademie und Restaurator
alter Gemälde, ist im Alter von 61 Jahren auf seiner Besitzung
in Unterlaufe] bei Koburg gestorben. Einem alten Patrizier-
geschlechte Halles entstammend, folgte er als Restaurator
den Spuren Max v. Pettenkofens, dessen Restaurations-
verfahren er weiter ausbildete. Er entdeckte auch die staub
bindende Kraft clcr nicht trocknenden Öle, Stauböle für Fuß
böden, Straßenteerung usw. An der Akademie der bildenden
Künste in München hatte er viele Jahre den Lehrstuhl für
die Wissenschaft der Bilderhygiene, der Erhaltung und Wieder
herstellung von Gemälden, inne, der einzigen dieser Wissen
schaft in Deutschland. Außer mehreren Lehrbüchern über
Restaurierung und Konservierung von Ölgemälden gab er
„Anhalts Bau- und Kunstdenkmälei" (1891—1895) und
„Sagen und Märchen der Halloren“ (1887—1889) heraus.
(Neue Gmundener Keramiken.) Aus Gmunden, wird
uns geschrieben: Ein Gmundener Ereignis bildet die Neu
ausstattung der Stadt-Verkaufsstelle der Gmundener kerami
schen Werkstätte in der Theatergasse. Die prächtigen Tier
stücke, die auf den eigens in Stil und Tönung abgepaßten
Kpnsols einen prachtvollen Zimmerschmuck darstellen, sind
von großer Schönheit und zeigen wohl technisch das Voll
kommenste in der Ausfertigung. Originell ist die Gmundnerin
im blumengeschmückten Kahn. W r er für einfachen Stil
schwärmt, kommt so recht bei den Vasen auf seine Rechnung.
Besonders an den großen Exemplaren ist zu bewundern, wie
fein der künstlerische Geschmack bei der Ausführung gewirkt
hat. Grüne Alt-Gmundener Schalen, durchbrochene Teller
und Körbchen sind in ihrer anmutigen Bauernform salon
fähig geworden und eine Zierde für jeden Haushalt. Geschmack
voll sind das glatt gelbe und einfarbig blaue Service, bei dessen
Ausführung auf die praktischeste Handhabung in der Form.
Bedacht genommen ist. Das Schönste vom Schönen der ganzen
Auslage ist aber ein Figürchen, Dame in rotem Mieder und
Federhut. Sie stellt die berühmten Alt-Gmundnerinnen und
-Wienerinnen der Firma Schleiß noch in Schatten. Anklang
finden auch die aparten Schalen, die wie aus Marmor gebildet
scheinen.
Museen.
(Diebstahl in der Berliner Nationalgalerie.) In
der Nationalgalerie in Berlin wurde ein mit F. D. 1835
signiertes Ölgemälde von F. Dichlmann aus dem Rahmen
geschnitten und gestohlen.
(Ein Geschenk für das Leipiger Museum der
bildenden Künste.) Der Leipziger Kunstverein schenkte
dem Museum der bildenden Künste in Leipzig die Bronzebüste
des Generalmusikdirektors Fritz Steinbach, ein Werk Max
Klingers.
Vom Kunstmarkt.
(Doubletten aus den sächsischen Staats-
sammlungen.) Die Generaldirektion der säclisichen Staats
sammlungen für Kunst- und Wissenschaft zu Dresden hat
sich im Einverständnis mit dem sächsischen Landtag ent
schlossen, aus den großen Magazine r der Dresdner Sammlungen
Doubletten zu veikaufen. Die Porzellansammlung sowie das
historische Museum und die Gewehrgalerie enthalten vor
allem aus der Zeit Augusts des Starken so überreiche Be
stände aus allen ihien einzelnen Gebieten, daß auch bei einem
zahlenmässig scheinbar umfangreichen Verkauf eine Mindeiung
der Objekte selbst dem genauen Kenner nicht merkbar sein
wird, sind doch gerade von den frühen großen Tierplastiken,
zum Beispiel die ursprünglich von Kaendler, Kirchner und
Eberlein für das japanische Palais geschaffen wurden, bis zu
zehn und zwölf Paaren vorhanden. In anderem als dem Be
sitz des Johannoums sind diese bisher nur in verschwindend
kleiner Zahl zu finden. Durch den Entschluß der Dresdner
Museen wird nunmehr auch den anderen deutschen Museen und
Großsammlern Gelegenheit gegeben, mit diesen großen Selten
heiten ihre Sammlungen zu vervollständigen. Dieser merk
würdigsten der Porzellanabteilungen geht voraus die eine
große Anzahl an Typen enthaltende Kollektion von Boettger-
Steinzeug und weißem Boettger-Porzellan. Auch hier er
möglicht das Vorhandensein zahlloser Wiederholungen ein
großes Aufgebot hervonagendster Seltenheiten. Die Porzellane
der Höroldzeit bilden zahlenmäßig den wichtigsten Teil des
Kataloges. Hier erscheinen die großen Augustus Rex-Vasen
und -Tassen, gelbe und seladonfarbene Fondgeschirre, meist
noch mit dem fiühen chinesischen und japanischen Stil
der Hofservice. Über die bis 1735 rechnende Frühzeit hinaus
geht nur die eine große Rokokovase mit dem Porträt Lud
wigs XV. aus den 1740er Jahren. Auch aus dem riesigen
Überfluß seiner ostasiatischen Porzellane stellt das Johanneum
Doubletten von größter Qualität zum Verkauf. Ein Paar
schwarze chinesische Kugelvasen, gespritzt blaue Riesen
schüsseln, über lmndeit wundervolle Einzelgeschirre aus der
grünen Familie und große Gruppen von kobalt- und pulver
blauen Vasen, Schüsseln, Tassen usw. In der kleinen Japan
abteilung überwiegt die Gruppe der blau-rot-goldenen Arbeiten.
Die Reihe der Stücke aus dem historischen Museum er
öffnen die gewaltigen Zweihänder aus dem Anfang des 16. Jahr
hunderts. Es folgen die etwas späteren Reit- und
Fechtschwerter, die goldtauschierten Helme und Rüstungs
teile, Streithacken und Hellebarden, deren Reihen bis in
das 18. Jahrhundert hinaufreichen. Die Serien dieser Stücke
schließen die Doubletten aus der Gewehrgalerie. Sie beginnen
mit frühen Radschloßmusketen vom Ende des 15, Jahr
hunderts und gehen über die Faustrohre, Pistolen und Klein
ausrüstungsstücke wie Pulverflaschen und -hörner hinauf
bis in die Mitte de» 18. Jahrhunderts mit den Prunkwaffen
der polnischen Nobelgarden, Jagdflinten und Weidblättern.
Alle diese Stücke werden durch ihre fast durchwegs auf
berühmteste Werkstätten zurückgehende Provenienzen das
Interesse der Sammler erregen, sie werden auch diesem in
den letzten Jahrzehnten zweifellos vernachlässigten Sammel
gebiet durch die fabelhafte Größe ihrer in jahrhundertlanger
sorgfältigster Pflege erhaltenen rein kunstgewerblichen Schön
heit neue Freunde zuführen.
Der mit zirka 50 Tafeln ausgestattete Katalog ist mit
einem Vorwort des Gcheimrates Professor Dr. W. v. Seidlitz
eingeleitet. Die Versteigerung findet am 7. und 8. Oktober d. J.
in Rudolph Lepkes Kunstauktionshaus in Berlin statt.
(Auktionen in Köln.) Bei Math. Lempertz in Köln
findet am 1. September und den folgenden Tagen die Ver
steigerung der Ludwig Richter-Sammlung aus dem Besitze
von Walter Meyer (Köln) statt. Gleichzeitig wild dort eine
Sammlung von Graphik des 19. Jahrhunderts aus dem
gleichen Besitz und die graphische Sammlung Bolten
(Schwerin) versteigeit werden.