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Internationale Sammler-Zeitung 
Nr. 19 
müssen, diese entfernt sind. Hofrat Kumsch spricht 
die Überzeugung aus, daß die ursprüngliche, vermutlich 
aus Fruchtgehängen, Rollwerkornamcnten und vielleicht 
Kinderfiguren bestehende Umrahmung des Mittel 
bildes, die gleichzeitig mit der figürlichen Darstellung 
entstand, abgeschnitten wurde. Sic ist durch die gerad 
linig begrenzten Bordüren ersetzt, welche an Stelle 
der im Teppiche ausgebleichten Farben dienen. Sie 
entstammen dem Werke Aloazo Lopez de Hazo, 
Nobiliario Gcnealogico de los Reyes y Titulos de 
Espana. Madrid, Luis Sanchez 1622 und sind dargestellt 
Teil I, S. 209, 450 und 497. 
Soviel aus den sehr exakten Forschungsergebnissen 
Hofrat Kumsch’s, welche die beigegebenen schwarzen 
und farbigen Tafeln des Werkchens in dankenswerter 
Weise erläutern. 
Der gegenwärtige Besitzer des kunstvollen Wand 
teppichs ist Herr Heinrich Waldes, der in weitesten 
Kreisen durch sein großartiges Knopfmuscum in Prag- 
Wrschowitz bekannt ist. 
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Luthers Psalterbüchlein. 
Allgemein bekannt ist aus Johannes Keßlers 
„Sabbata“ die reizende Szene, da die beiden jungen 
Schweizer Studenten, Keßler und sein „Geselle“ Wolf 
gang Spengler, im Gasthaus „zum Bären“ in Jena mit 
dem von der Wartburg herabgerittenen Martin Luther 
Zusammentreffen, mit ihm ins Gespräch kommen und 
sich geistiger und leiblicher Erquickung erfreuen dürfen. 
Anschaulich erzählt Keßler, wie er und sein Freund 
den Ritter am Tische in der Herberge sitzen sehen, ein 
Schwert an der Seite, die rechte Hand auf dem Schwert 
knauf, mit der Linken ein Büchlein umfangend, das 
vor ihm liegt. „Under sollichem gsprech ward er uns 
gar haimiieh, je das min gsell das buchli, das vor im 
lag, uffhub, speret es uf; da war es ain hebräischer 
psalter. Do legt er es bald wider nider, und der rüter 
behielt das.“ 
Seit kurzem wissen wir, daß uns dieses denkwürdige 
Psalterbüchlein erhalten geblieben ist, Johannes Ficker 
hat es entdeckt und in einer Abhandlung der Heidel 
berger Akademie der Wissenschaften über „Hebräische 
Handpsalter Luthers“ (31 S. Heidelberg C. Winter 
1919) eingehend beschrieben. Es befindet sich in der 
Stadtbibliothek zu Frankfurt a. M., war an sich längst 
bekannt, aber daß es sich um jenes Exemplar handelte, 
hat Ficker erstmalig in peinlich sorgfältiger, über 
zeugender Untersuchung nachgewiesen. 
Das Büchlein hat merkwürdige Schicksale gehabt. 
Seine Wiege stand auf Schweizer Boden: Ende 1516 
druckte es Johann Froben in Basel, Konrad Pellikan 
mit Hilfe Sebastian Münsters besorgte es, und Wolf 
gang Capito fügte eine elementare Einführung in 
die hebräische Sprache bei — der erste Druck des 
hebräischen Psalters auf deutschem Boden war ein 
wissenschaftliches Ereignis! Luther bekam das Exemplar 
geschenkt durch seinen Freund Johann Lang, seine 
Widmung steht noch heute auf dem Titel von Capitos 
Beigabe, Lang war Luthers Autorität in der Wissen 
schaft der Sprachen, insbesondere des Hebräischen, 
bis er von Melanchthon abgelöst wurde. Wie nun 
Luther an der Hand dieses Geschenkes arbeitete, 
wie er insbesondere für seine, auf der Wartburg verfaßte 
Erklärung des 68. Psalms es benutzt, wie uns die 
genaue Schriftvergleichung ermöglicht, selbst die Farbe 
der Burgtinte auf der Wartburg fcstzustellen — sic 
war vom 31. Juli ab braun, vom 10. Juni bis Ende 
Juli grau — das muß man bei Filkcr selbst lesen, der 
meisterhaft, den Leser in steter Spannung haltend, 
aus Kleinem und Kleinstem Großes aufzubauen ver 
steht. 
Wohl 1523 hat Luther diesen Psalter seinem alten 
Jugendfreunde Schnabel geschenkt; als Ersatz nahm 
er ein Exemplar, das wohl ursprünglich Melanchthon 
gehörte. Es befand sich einst auf der Ratsbibliothek in 
Danzig, ist aber leider von dort spurlos verschwunden. 
Zum Glück ist es zu Anfang des 18. Jahrhunderts ein 
gehend beschrieben worden, und Ficker stellt nun fest, 
daß Luther es auf der Koburg mitgehabt, nicht minder 
bei den Tischgesprächen und bei den Sitzungen der 
Bibelrcvisionskommission, bis etwa 1532 benutzt hat. 
Und noch ein drittes Exemplar derselben Ausgabe von 
1516 war in seinen Händen und befindet sich jetzt in 
Parma. Hier sind die Akten noch nicht geschlossen, 
da eine genaue Untersuchung noch nicht möglich wurde. 
Wahrscheinlich hat cs Luther ebenfalls bei der Bibel- 
revision gedient. 
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Autographenliebhaber. 
Um das Jahr 1808 wendet sich Zelter mit der 
Bitte an Goethe, ihm für einen befreundeten Auto 
graphensammler ein paar seiner Lieder zu senden. 
Goethe sagt zu, indem er bemerkt: „Übrigens besitze 
ich selbst eine sehr schöne Sammlung von Autographis 
und manches, besonders von deutschen Schriftstellern, 
doppelt." Und drei Jahre nachher spricht er schon 
von fünfhundert Handschriften. — Damals war in 
Deutschland die Autographenliebhaberei schon ziem 
lich im Schwung! In Frankreich und England, nament 
lich in England, huldigte man ihr allerdings schon 
im 18. Jahrhundert, aber im Deutschland des beginnen 
den 19. Jahrhunderts nahm sie gewissermaßen festere 
Formen an. Die „Desideratenliste“ wanderte von 
Hand zu Hand, und durch die „Desideratenliste" 
steigerte sich bald der Autographensinn der Sammler, 
die ihre Dubletten und „minderen“ Stücke, das heißt 
Stücke, für die sie wenig übrig hatten, doch schon 
intensiver untereinander tauschten, als es anderswo 
geschah. Hier war Goethe der „Mittelpunkt“, dort 
der Fürst Metternich, hier der Chef des preußischen 
Postwesens, Carl Ferdinand Friedrich von Nagler. 
Sie alle sind ebenso temperamentvoll hinterher gewesen 
wie die „Autographenjäger“ von heute. 
Von Metternich erzählte man sich ganz drollige 
Geschichten. Eines Tages zum Beispiel bemerkte der 
Diplomat, daß in seiner Sammlung die Handschrift 
von Jules Janin, dem „.König des Feuilletons“, fehlte. 
Schnell schrieb er also nach Paris an den Grafen 
Apponyi, der dann sofort den Wunsch des Fürsten
	        
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