MAK
Seite 146 
Internationale Sammler-Zeitung 
Nr. 19 
Heraldik. 
(Gegen das neue deutsche Reichswappen.) Gegen 
das deutsche Reichswappen hat Direktor Professor Groß als 
Vertreter des Werkbundes in Sachsen folgenden Widerspruch 
an den Deutschen Werkbund in Berlin gerichtet:,, Aus Zeitungs 
nachrichten erfährt man, daß das deutsche Reichswappen, ein 
einköpfiger schwarzer Adler ohne jedes Beiwerk, von Professor 
Emil Döpler in Berlin entworfen und bereits in Ausführung 
betroffen ist. Iliegegen muß vom künstlerischen Standpunkt 
entschiedenste Verwahrung eingelegt werden. Döpler ist bei 
aller Hochschätzung nie ein Heraldiker von künstlerischem 
Blut gewesen und das neue Hoheitszeichen der deutschen 
Republik muß aus künstlerischem Blut geboren sein. Wir 
besitzen in Deutschland einen Heraldiker von Weltruf, Otto 
Hupp in Schleißheim. Warum weiß man diesen Mann nicht 
zu finden ?" 
Verschiedenes. 
(Der Erfinder der Kaltnadelradierung.) Anläßlich 
des bevorstehenden 80. Geburtstages Hans Thomas erzählt 
Willi Münch Khe, der letzte Meisterschüler des Jubilars, 
in den „Leipziger Neuesten Nachrichten“: Zu Anfang der 
neunziger Jahre war es, in Frankfurt a. M., als Thoraa sich 
besonders der Griffelkunst zuwandte. Da ihm die Kupfer- 
ätztechnik wenig Freude machte, versuchte er einen anderen 
Ausweg und sein findiger Geist ließ ihn das rechte Werkzeug 
bald entdecken. Hinter einer alten Gangwandlampe befand sich 
ein Reflexspiegel, an dem noch ein Stück Nickelblech als Ab 
fall angebracht war. Schon war das Blechstücklein zur Hand 
gebracht und bald spielte die Nadel über seine Fläche. Aus 
Strichen und Versuchen wurde ein Kopf, und die Drucklegung 
ergab ein überraschend positives Ergebnis. Neue Proben und 
Versuche entstanden, und dem Meister wurde offenbar, daß 
dies der Weg sei! Er hat ihn seither nicht mehr verlassen und 
die „Kaltnadelradierung auf vernickelter Zinkplatte“ zu hohen 
Ehren gebracht. In der Folge entstanden all die herrlichen 
Blätter, die inzwischen längst Allgemeingut des deutschen 
Volkes geworden sind, die sein Freund Dr. Beringer so sorg 
fältig ordnete und veröffentlichte. Gerade in diesen Tagen 
hat er, trotz seines hohen Alters unermüdlich arbeitend, wie 
nur Menzel es noch konnte, diei neub Selbstbildnisse radiert, 
die alle trotz der Verschiedenheit des Ausdrucks und der Er 
scheinung eindringlich und vergeistigt von seiner hohen Kunst 
und großen Seele zu uns sprechen. An seinem 80. Geburtstag, 
dem 2. Oktober, der ein Ehrentag des ganzen deutschen Volkes 
sein wird, werden diese köstlichen Graphiken wohl mit anderen 
Überraschungen seines Schaffens in weitesten Kreisen tiefsten 
Eindruck und große Freude erwecken! 
(Die größte theatergeschichtliche Sammlung der 
Welt) ist durch ein Vermächtnis in den Besitz der Harvard- 
Universität gelangt. Es ist die Sammlung eines amerikanischen 
Kaufmannes Evert Jensen Wendell, der vor 35 Jahren mit 
ein paar zufällig gekauften Schauspielerphotographien den 
Grundstock zu ihr legte. Als er 1917 im Alter von 57 Jahren 
starb, hinterließ er die größte Menge von Büchern, Druck 
schriften, Zeichnungen und Photographien über das englische 
und amerikanische Theater, die wohl je von einem Privatmann 
zusammengebracht worden ist. Die Zahl der gesammelten 
Gegenstände beläuft sich auf etwa 2 Millionen: an Büchern und 
anderen Druckschriften zählt man etwa % Million; 600.000 
Theaterzettel sind vorhanden, 360.000 Photographien und 
rund 500.000 Musikstücke. Besondere Sammlungen beschäf 
tigen sich mit Napoleon, mit Abraham Lincoln, New York 
und anderen Gegenständen, die über das eigentliche Theatei- 
thema hinausgehen. Da die Harvard-Universität bereits eine 
andere große theatergeschichtliche Sammlung von Lowe besitzt, 
so verfügt sie gegenwärtig über ein Material, ohne dessen Kennt 
nis keine Geschichte des englischen und amerikanischen The 
aters geschrieben werden kann. Wendell kaufte alles, was mit 
dem Theater zusammenhing, und bezahlte zum Beispiel 
560 Dollar für den frühesten bekannten New Yorker Theater 
zettel. 
(Der Künstler und sein Werk.) Der französischen 
Kammer liegt ein Gesetzantrag vor, wonach der Urheber 
eines Kunstwerkes Anspruch auf einen Anteil an dem 
Wertzuwachs erhalten soll, wenn cs aus erster Hand in 
anderen Besitz übergeht: der Anteil steigt von 1% bei einem 
Werte von 1000 bis 10.000 Franken, auf 3% bei einem solchen 
von über 50.000 Franken. Die Berechtigung gib für die ganze 
Dauer des Rechtsschutzes. 
(Ein afrikanisches Pompeji.) Während der politischen 
und kriegerischen Wirren der letzten Jahre sind die italienischen 
Archäologen in der Cyrenailca sein tätig gewesen und haben 
dort Kenntnis des Lebens der alten Griechen und Römei gemacht 
Nach englischen Blättern wurden in Cyrene und Umgebung 
archäologische Schätze zutage gefördert, die an die Funde 
eines Schliemann, Evans und Wood heranreichen sollen. 
Diese Funde entstammen in der Hauptsache der kolonialen 
Epoche der griechischen Zivilisation. Der Leiter dieser Aus 
grabungen ist Professor Lucio Mariani, der Direktor der 
archäologischen Abteilung des italienischen Kolonialamtes. 
Es hat ganz den Anschein, als würde sich bei Cyrene ein neues 
Pompeji auftun, vielleicht selbst noch reicher als dieses an 
Statuen und Denkmälern. Die Ausgrabungen werden noch 
fortgesetzt. Ein besonderer Bericht des italienischen Kolonial 
amtes hierüber wird in absehbarer Zeit erwartet und dürfte so 
manche überraschende Mitteilung für die aichäologische Welt 
enthalten. Die Museen von Benghasi, dem alten Beienici, 
bergen beieits viele des Studiums werte Funde. Zu letzteren 
gehören vor allem Statuen der Grazien, des Hermes von Cyrene, 
Alexanders des Großen, des Eros usw. Die schon von Ausbruch 
des Krieges in Cyrene entdeckte Statue einer Aphrodite be 
findet sich bereits im Nationalmuseum von Rom. Kenner stellen 
sie in eine Reihe mit der Venus von Milo und der von Knidos. 
Sie wurde durch einen Zufall aufgefunden. In der Nacht zum 
27. Dezember 1913 ging ein wölken bruchartiger Regen über 
Cyrene nieder, der das Erdreich an verschiedenen Stellen 
fortschwemmte. Italienische Soldaten entdeckten auf diese 
Weise jene Statue der Aphrodite Anadyomene, der abei Kopf 
und Arme fehlen. Sie wurde eist nach Benghasi, dann nach 
Rom übergefühlt, wo sie heute eines der herrlichsten Stücke 
der Sammlung des Nationalmuseums bildet. 
(„Der Wassermann.“) In Salzburg ist unter dem Namen 
„Der Wassermann“ ein neuer deutschösterreichischer Künstler 
bund mit einer Ausstellung meist religiöser Bilder hervorge 
treten. Der jungen Künstlergruppe, die sich bewußt von Wien 
freimachen will, gehören neben durchweg modernen Malern 
(Anton Faistauer, Alfred Kubin, Felix Harta u. a.) die 
Schriftsteller Hermann Bahr und Oskar A. H. Schmitz 
als Berater an. 
Museen. 
(Diebstähle in der Berliner Nationalgalerie.) 
Aus der Bildnissammlung der Berliner Nationalgalerie wurden 
zwei Ölgemälde gestohlen, die von Lucas Cranach auf Holz 
gemalt sind und Martin Luther und Philipp Melanchthon 
darstellen. 
(Das königl. Museum in Brüssel) erhielt, wie der 
„Cicerone“ meldet, als Geschenk von der Gräfin Valencia de 
Don Juan, die 1918 in Paris gestorben ist, eine Samm 
lung alter Meister, unter denen zunächst zwei Flügel eines 
Triptychons von Geert 'e,-van Sint Jans hervorragen. Einer 
der Flügel stellt die Gefangennahme Christi, der andere die 
Grablegung dar. An weiteren bedeutsamen Werken der Stif 
tung sind zu nennen : Ein Triptychon des heil. Antonius von
	        
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