Nr. 19
Internationale Sammler-Zeitung
Seite 147
Rembranclt, ferner ein solches mit Johannes dem Täufer
von Claessens, einem Meister zweiten Ranges aus der Schule
von Brügge. Weiters zwei Porträts der Erzherzoge Albert und
Isabella, die dem Pourbus zugeschrieben werden, und end
lich fünf Skizzen von Rubens. Die letztgenannten Weike
stellen den wertvollsten Teil der Stiftung dar. Sie gehören zu
der Serie jener 30 nach Ovid angefertigten Skizzen, die Rubens
für ein Jagdschloß Philipps IV. in der Nähe von Madrid
angefertigt hat, von denen das Brüsseler Museum bereits seit
Jahren drei besaß.
Vom Kunstmarkt.
(Antiquitätensammlungaus süddeutschem Schloß
besitz.) Am 20. Oktober gelangen in der Galerie Helbing
in München Antiquitäten, Waffen, alte Möbel, Teppiche,
Gobelins, Gemälde alter Meister, Bücher aus süddeutschem
Schloßbesitz zur Versteigerung. Die Sammlung enthält fast
ausnahmslos Arbeiten von hollem künstlerischen und kunst
gewerblichem Wert. Vor allem gilt dies von den zahlreichen
Schränken, die sozusagen eine Sammlung in der Sammlung
bilden. Neben drei Überbauschränken — Armoires ä deux
corps —- aus der Fontainebleauer Schule (1590—1620), einem
Burgunder Schrank mit leichem plastischen Zierat und einigen
Lothringer L'oppelschränken mit Marketerien aus dem letzten
Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts, findet sich eine Reihe deutscher
Schränke, süddeutsche Ai beiten aus ’ Augsburg, Nürnberg,
Ansbach, norddeutsche Arbeiten von Lübecker, Danziger und
Aachener Meistern beeinflußt. Die Schränke sind meist datiert
und stammen mit wenigen Ausnahmen aus der Zeit von 1600
bis 1700. Unter den Stühlen finden sich ähnlich wie unter den
Schränken französische Werkstätten. Erwähnt seien namentlich
drei Armlehnstühle aus der Zeit Ludwigs XIV. mit reicher
Petit-point-Stickerei, Erzeugnisse deutschen Kunstgewerbes
des 17. Jahrhunderts. Außer Möbeln enthält die Sammlung
eine hübsche Kollektion von Bronzemörsern, deutsche
Arbeiten des 15. bis 18. Jahrhunderts, zahlreiches Zinn,
darunter einige interessante rheinische Kaffeemaschinen um
1800 und eine kleine ausgewählte Waffe n sainml ung,
Deutsche und italienische Helme des 16. und 17. Jahrhunderts,
Zweihänder, Hellebarden, Kanonenmodelle. Zwei reich ein
gelegte Radschloßbüchsen und eine deutsche Armbrust des
frühen 18. Jahrhunderts. Die Plastik ist nur mit wenigen
Stücken vertreten. Abgesehen von zwei Steinlöwen um 1200
meist französischen Arbeiten und einem „Herkules“ aus dem
frühen 17. Jahrhundert, enthält sie noch moderne französische
Bronzen und Elfenbeinschnitzereien. Zu den Schmuckstücken
der Sammlung zählen ein großer persischer Tierteppich, vier
Hamedans und fünf Gobelins, darunter ein vlämischer Figuren
gobelin aus dem Ende des 16. Jahrhunderts, ein französischer
Gobelin, vielleicht Liller Arbeit aus der Mitte des 18. Jahr
hunderts. „Aufbruch zur Jagd“, eine Duellszenc aus „Don
Quichotte“, 18. Jahrhundert, und ein großer Wappengobelin
(Altarteppich aus der Kapelle des Kardinals Rohan in Schloß
Zabern). Ostasiatisches Kunstgewerbe und auserlesene Bücher
vollenden den Katalog, der zum Preise von M 8'— (38 Tafeln)
durch die Galerie Helbing in München zu beziehen ist.
(Miniaturensammlung Leo Lehmann, Frankfurt
am Main.) Seit der Auktion der Sammlung Jaffe ist in
Deutschland keine geschlossene größere Miniaturensammlung
von so ausgeglichener Qualität auf den Markt gekommen,
wie die am 21. Oktober in der Galerie Helbing in München
zur Versteigerung gelangende Sammlung Leo Lehmann,
Frankfurt a. M. Die deutsche, französische und besonders
englische Schule ist durch vorzügliche Stücke repräsentiert.
Es kqm dem Sammler weniger auf Vollzähligkeit bekannter
Namen als auf künstlerisch hervorragende Miniaturen an.
Aus der deutschen Schule erwähnen wir nur ein prächtiges
Emailbildnis des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz,
von dem besten deutschen Schmelzmaler Peter Boy, aus spätere r
Zeit das Porträt des Herzogs von Reichstadt von M. M.
Daffinger. Ganz hervorragend ist die englische Schule ver
treten, Peter Oliver mit einem Bildnis Williams Duke of
Hamilton, George Englcheart mit einem Brustbild Mister
Watters, Englehcarts Sohn Cox mit einem Bildnis des Dichters
Richard Brinsley Sheridan, endlich John Smarx mit einem
prächtigen Damcnbildnis. Diesen Arbeiten schließt sich eine
Reihe weiterer prachtvoll erhaltener Bildnisse der englischen
Schule an. Auf gleicher Höhe steht die Qualität der französi
schen Miniaturen. Jean Baptiste Isabey, Pierre Marie Gault,
Paraux Louis, Joseph lc Roy und ihr Kreis verbürgen dem
Kenner die hohe Qualität dieser Abteilung. Diese kurze Über
sicht rechtfertigt das Urteil, das der bedeutendste Kenner
der englischen Miniature Dr. Williamson über die Sammlung
Lehmann abgibt. In seinem grundlegenden Werke heißt cs,
daß die hier vorliegende Sammlung ausgewählte Beispiele der
englischen und der fremden Schulen besitze. Der von Dr. H.
Buchheit verfaßte Katalog, dem 20 Tafeln mit 95 Abbildungen
beigegeben sind, ist durch die Galerie Helbing in München
zum Preise von M 8'— zu beziehen.
(Bilderankäufe.) Josef Ebcrz verkaufte durch Ver
mittlung der Galerie Goltz in München an die Kunsthalle
in Hamburg ein großes Gemälde „Garten“ und an die neue
Galerie in Darmstadt ein solches „Artisten". — Louis
Corinths „Bathseba“ ist für die Dresdener Galerie angekauft
worden.
(Die Versteigerung des Nachlasses Lautenburg.)
Aus Berlin wird uns geschrieben Unter außergewöhnlich
starker Beteiligung der Sammler- und Händlerwelt fand die
Auktion des Kunst- und Gemäldenachlasses des Theater
direktors Siegmund Lautenburg statt. Die Wohnräumc
waren von einer sich drängenden und schiebenden Menschen-
massc erfüllt und die für die einzelnen Gegenstände abgege
benen Gebote gingen dementsprechend sprunghaft in die Höhe.
Zuerst gelangten die Möbel unter den Hammer. Eien reizende
alte Kommode mit eingelegter Arbeit brachte M 3000, die
dazu gehörige Vitrine M 2500. Für Bei gerescssel wurden bis
M 2500, für Bronzekronen bis M 1200 geboten. Das Speise
zimmer wurde mit M 28.000 bezahlt. Ein sehr schönes Billard
ging um den Preis von M 1600 fort. Auf die Versteigerung der
Möbel und Teppiche folgte die der Gemälde. Hier waren die
Gebote weniger lebhaft, doch gab es immerhin noch gute Preise.
So wurde für Kossaks „Napoleon vor den Pyramiden“
M 20.000, für zwei Bilder von Hirtli du Fresnes M 6000
und M 4100, für einen Kubani M 5000 und für einen schönen
Kopf von I. Kaufmann M 1900 bezahlt. Frappers „Geld
heirat" stieg auf M 25.000, ein Defregger auf M 5000. Für
ein kleines Löwenstück von Paul Meyerheim wurden nur
M 6500 erzielt.
(Gestohlene Miniaturen.) In den letzten Tagen
wurden aus dem Geschäfte des Kunsthändlers S. Kende in
Wien, Rotcnturmstraße 14, gestohlen: ein Miniaturbild, oval,
darstellend eine Dame en face mit der Hand auf dem Tisch,
in rotem dekolletierten Kleid, um den Hals eine Perlenschnur
gezeichnet „Heinrich Ferstel“; ein Elfenbein-Miniaturbild
des Herzogs Ferdinand von Modena in weißer Offiziersuniform;
ein Miniaturbild eines jungen Mannes mit grünem Rock, ge
blümter Weste, mit weißer Spitzenkrawatte und Zopffrisur,
gezeichnet „Noort Wyck“; ein Elfenbein-Miniaturbild, dar
stellend einen österreichischen Offizier, Brustbild, in ver
schnürter Uniform, gezeichnet „B. v. Guerard"; ein Elfenbein-
Miniaturbild, Brustbild, einer jungen Frau mit gekräuseltem
Haar mit rosa dekolletiertem Kleid mit hellblauer Masche;
ein englisches Elfenbein-Miniaturbild, Hüftstück einer blonden
Dame in dekolletiertem Empireklcid; hinter diesem Bilde
sind in Glas Haare und ein Zettel mit der Inschrift „Mc Caffey“.
Der Gesamtwert ist etwa K 10.000.