MAK
Nr. 2 
Internationale Sammler-Zeitung 
Seite 11 
Auch Doppelstraf geigen, in welche die Weiber, mit 
dem Gesichte zueinandergekehrt, gespannt wurden, hat 
es vielfach gegeben. Diese Strafinstrumente waren in 
fast jeder Pfleggerichtsstätte mehrfach vorhanden. 
So wurden in Bayern seinerzeit von Erding allein sechs, 
von Eichstätt drei, von Ottobeuren zwei nach München 
eingeliefert. Von Schongau, Berchtesgaden und Dettel- 
bach je eine. In meiner Sammlung befinden sich zwei 
verschiedenartig gebaute Straf geigen, die aus dem 
Pfleggerichtsamte in Wildberg (Oberö herreich) 
stammen. 
Den Vogel des Grotesken judiziellen Humors 
schossen indessen zweifellos die Vei fertiger der „Schand- 
larven“ ab. Nur wer die drastischen Zeichnungen der 
Höllcngeister in der „Versuchung des hl. Antonius“ 
von Martin Schongauer, in den „Qjalen und Greueln 
der Hölle“ von Martin de Voß, den „Lastern der 
Wollust“ von Pieter Brueghel dem Jüngeren, dem 
sogenannten „Höllenbrueghel“, kennt, kann sich eine 
Vorstellung machen, welch eine geradezu infernalische 
Erfindungsgabe auf diese Strafma: k 'n verwendet wurde. 
Diese „Schandhauben“, wie man sie auch nannte, 
waren aus Eisen geschmiedet, teilweise auch aus ge 
triebenem starken Blech gefertigt und mit schmalen 
Eisenbändern so konstruiert, daß man ihren Träger 
darunter unschwer erkennen konnte. Sie wurden wie 
ein Turnier- oder Taucherhelm über den Kopf gestülpt 
und dann am Halse geschlossen. Mitunter waren sie 
sogar bemalt; fast nie aber fehlten die ungeheuer langen 
Ohren oder Hörner. Wo nicht an Stelle des Mundes eine 
rüsselartige Verlängerung angebracht war, hing aus 
jenem eine bewegliche Zunge. Diese sowie der Rüssel 
stand mit einer „Würgbirne“ in Verbindung, die dem 
Deliquenten in den Mund geschoben wurde. Waren 
dann die Flügel dieser „Birne“ auscmandergeschraubt, 
so hinderten sie den Inkulpaten nicht nur am Schimpfen 
und Schreien, sondern jeder Lautversuch bewegte jene 
Blechzunge und löste einen pfeifenden Ton aus, der 
beim Vorhandensein eines Rüssels an der Maske sich je 
nachdem in einen trompetenden oder grunzenden ver 
wandelte. Auch bei Schmerzäußerungen, beim Stäupen 
erregten solche Töne die Lachlust des versammelten 
Volkes. 
Die Verurteilung zum Tragen solcher Masken war 
eine Zusatzstrafe zur „öffentlichen Schändung“, und 
sie wurde nicht bloß beim Prangerstehen, sondern auch 
beim Führen durch die Straßen in Anwendung gebracht, 
und zwar zumeist bei Vergehen der Beleidigung und 
Verleumdung. Solche Schandmasken, die sich in der 
Fachabteilung fast jedes Museums befinden, wurden in 
Bayern, von Pfaffenhofen, Moosburg, Erding, Otto 
beuren, Berchtesgaden, dem Patrimonialgericht auf 
Schloß Seefeld usw. nach München eingeliefert. 
Für Mädchen, die sich eher nach einer Wiege als 
nach dem Ehebett umgesehen hatten oder solche, die 
sich bei einem heimlichen Stelldichein ertappen ließen, 
lag der „Strohkranz“ mit zwei Zöpfen oder die „Schand- 
krone“ bereit. Auch von diesem Strafmittel kann das 
Nationalmuseum in München zwei Exemplare, aufweisen. 
Eines., aus vier mit Stroh umflochtenen Bügeln bestehend, 
stammt aus Berchtesgaden, eine andere, hohe, 
gleichfalls aus vier strohumwundenen Bügeln, kuppel 
förmig nach oben zusammenlaufcnd, stammt aus 
Trostberg. Diese hat noch ein kleines Dach aus Eisen 
blech, von dem einige Quasten herabhängen; unter 
jenem aber baumelt eine Kuhglocke, und zwei mächtig 
lange und dicke Strohzöpfc hängen rückwärts herunter. 
An dem Stirnstreifen ist innen eine runde, schwarze 
Tuchkappe befestigt, außen zu beiden Seiten lange 
Eselsohren, in der Mitte ein einer Narrenkappe ähn 
liches Blechschild mit Spielkartenblättern. Nach ab- 
wärts hängen zw r ei Ohrenschutzlappen, die, mit einer 
Schnur unterhalb dem Kinn gebunden, diesen grotesken 
Aufputz auf dem Kopfe festhielten. 
Wenn sich aus dem Vorstehenden schon zur Genüge 
ergibt, daß die Justizverwaltung der so oft gelobten 
„guten, alten Zeit“ selb, t für Vergehen, die heute im 
polizeilichen, geschweige denn im kriminellen Sinne 
überhaupt keine mehr sind, solche Strafen von wahr 
haft infernalischem Humor erfand, der die davon Be 
troffenen der gesellschaftlichen Ächtung preisgab, so 
ist es nicht zu wundern, daß sich das Volk dazu ver 
stand, zu diesem bürgerlichen Todschlag auch noch das 
Seine beizutragen. 
Und in der Tat berichten alte Chroniken, wie übel 
von der Menge stets dem also zur Schau gestellten, 
„armen Sünder“ und schönen Sünderinnen mitgespielt 
wurde. 
Natürlich die breite Masse betrachtete die Sachen 
am Ende doch nur als einen just für sie inszenierten 
Spektakel, um so mehr, als zu seiner Veranstaltung 
meist ein Markttag gewählt wurde, an dem es an Zuzug 
aus der weiteren Umgebung so wenig fehlte wie an 
geeigneten Wurfgeschossen aus Viktualien und sonsti 
gen Abfällen, mit denen die anzüglichen und verhöhnen 
den Zurufe ergänzt wurden. 
Dieser justizielle Humor, der an die Schadenfreude 
der Menge appellierte, ist charakteristisch für die der be 
Psyche jener breiten Volksschichten, die zweifellos 
heute noch in gleicher Weise mit allen ihrer urteils 
losen Wiedervergeltungssucht Preisgegebenen ver 
fahren würde. 
Wiener Auktion. 
Es ist als ein günstiges Symptom für die Aufnahms 
fähigkeit des Wiener Kunstmarktes zu betrachten, daß 
der in Fachkreisen als sehr vorsichtig bekannte Wiener 
Kunsthändler Herr A. Wawra sich wieder mit einer 
Auktion hervorwagt. 
Die Versteigerung, die am 29. Jänner beginnt und 
für mehrere Tage in Aussicht genommen ist, umfaßt 
Gemälde moderner und alter Meister sowie Antiqui 
täten aller Art. Die Objekte stammen zum Teile aus dem 
Nachlasse des Oberingenieurs Wladimir Strnischtie, 
der den Wiener Sammlern von seiner langjährigen 
Tätigkeit als Kunsthändler noch in Erinnerung sein 
dürfte. Strnischti ■ war mit Herrn Kubasch associiert. 
Als er sich vom Geschäfte zurückzog, wurde er Sensal 
im Dorotheum. Das Sammeln gab er auch dann nicht 
auf. Viele wertvolle Stücke, die er angeblich „im Auf 
träge“ ersteigerte, gesellten sich seinen eigenen Be 
ständen zu. Besonders bevorzugte Strnischtie Wiener 
Meister, deren er auch eine erkleckliche Anzahl zu 
sammenbrachte.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.