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Internationale Sammler- Zeitung
Nr. 20
Soweit Herr Enderes. Wir können nur wünschen,
daß, falls der Verkauf, wie es leider, den Anschein hat,
unvermeidlich sein sollte, jene Faktoren nicht über
gangen werden, die in erster Linie dazu berufen sind,
da ein entscheidendes Wort mitZureden: die praktischen
Geschäftsleute, die Antiquitätenhändler Wiens,
die den Weltmarkt gründlich kennen und der Verkaufs
kommission gute Dienste zu leisten imstande sind.
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Versammlung der Vereinigung der Antiquitätenhändler.
Behufs Stellungsnahme zum geplanten Verkauf hielt die
Vereinigung der Antiquitätenhändler Wiens im
Gremium der Wiener Kaufmannschaft eine Versammlung ab,
die sehr stark besucht war.
Der Obmann Herr A. Egger leitete die Diskussion mit
einem Referat ein, in dem er mitteilte, daß ihm im Staatsamte
für Finanzen erklärt wurde, es sei der prinzipielle Beschluß
zum Verkauf von Kunstschätzen gefaßt worden, doch sei man
sich derzeit noch nicht einig darüber, welche Kunstwerke eigent
lich verkauft werden sollen. Die Ernennung von Persönlich
keiten zur Vornahme der Schätzungsarbeiten behalte sich das
Staatsamt für den Fall, als es zum Verkaufe komme, vor. Der
Redner vertrat die Meinung, man solle überhaupt gegen den
Verkauf von Kunstwerken aus dem Staatsbesitz protestieren,
zumal der daraus entstehende Verlust niemals wieder gutzu
machen wäre und Österreich für ewige Zeiten schädigen würde.
Die Regierung sollte alles aufbieten, damit dieser Verkauf
unterbleibe. Sollte es aber dennoch zum Verkaufe kommen,
dann mögen außer den dem Stande der- Museumsbeamten
und Privatsammler entnommenen Mitgliedern der Verkaufs
kommission zur vollen Wahrung der wirtschaftlichen Interessen
des Staates auch erfahrene Kunsthändler, die den Welt
markt kennen, zur Schätzung der Objekte herangezogen werden.
Mehrere Redner wandten sich dagegen, daß gegen den Ver
kauf der Kunstgegenstände ein Protest erhoben werde. Der
Verkauf gehe die Kunsthändler nichts an, eia Protest in diesem
Sinne würde sie in der Öffentlichkeit lächerlich erscheinen
lassen. Schließlich würde ein solcher Protest keinen Zweck
und auch keinen Erfolg haben. Der Staat sei in Not, er braucht
Lebensmittel, deshalb müsse er Kunstgegenstände mangels
anderer Objekte zum Verkaufe bringen. Dieser Anschauung
trat auch zum Teil der ehemalige Abgeordnete Dr. Wilhelm.
Neu mann-Walter bei, der unter anderem meinte, daß der
Regierung nahezulegen wäre, daß der beabsichtigte Verkauf
von Kunstschätzen nicht auf bureaukratischem Wege, sondern
unter Einholung des Rates bewährter Kunsthändler erfolge,
Auch wäre die Frage zu erwägen, ob die Veräußerung frei,
händig oder durch Auktion, ob der Verkauf der Kunst
gegenstände auf einmal oder partienweise durchzuführen sei-
um ein möglichst hohes Ergebnis zu erzielen und eine Ver
schleuderung hintanzuhalten.
Herr Leo Schidloff betonte, daß es sich bei dem beab
sichtigten Verkauf der Kunstschätze um eine Ver
schleuderunghandle, wie eine solche noch nicht da war.
Drei ausländische Händler, und zwar Seligmann undDuerey
aus Paris, sowie D uv een in London, wollen die ganze aus
zirka 1000 Gobelins bestehende Sammlung um 15 Millionen
holländische Gulden, gleich einer Drittelmilliarde deutsch
österreichischer Kronen, kaufen, ein Preis, der dem enormen
Werte dieser Gobelins nicht entspreche und eine Schädigung
des Volksvermögens darstelle. Redner trat entschieden gegen
den fieien Verkauf der 1000 Gobelins auf, der nicht in Wien,
sondern in Paris oder in einer anderen Stadt des Auslandes
erfolgen soll. Wenn schon der Staat kein anderes Objekt als
diese Kunstschätze zu veräußern beabsichtigt, die doch schon
mit Rücksicht auf den hohen ethischen Wert der Stadt Wien
erhalten bleiben sollten, dann soll der Verkauf im Auktions
wege, nach vorheriger Ausstellung der Schätzein Wien, erfolgen.
Dadurch wäre es möglich, -viele Fremde nach Wien zu bringen
und einen entschieden höheren finanziellen. Erfolg zu erzielen.
Vielleicht würde sich ein Bankkonsortium finden, welches
die Werte übernimmt, dem Staate aus der Not hilft und so dieser
drohenden Verschleuderung des Volksvermögens vorbeugt.
Schließlich einigte sich die Versammlung auf folgende
Entschließung: Die Vereinigung der Antiquitätenhändler
Wiens fühlt sich aus patriotischem Interesse veranlaßt, der
Regierung nahezulegen, daß der beabsichtigte Verkauf von
Kunstschätzen, zunächst von etwa 1000 Gobelins, nicht auf
bureaukratischem Wege, sondern unter Einholung des Rates
von Kunst-, beziehungsweise von Antiquitätenhändlern, welche
den Weltmarkt kennen, erfolgt. Fragen wie die, ob die Regierung
freihändig oder durch Auktion, auf einmal oder partienweise,
in diesem oder jenemLande, durchzuführen sei, um ein möglichst
hohes Ergebnis zu erzielen, sollen nicht ohne den Rat fach
männische- Genossenschaften oder ihrer Delegierten vorge-
nommen werden, wenn die Gefahr einer Verschleuderung
vermieden werden soll.
Die Entschließung wurde durch eine Abordnungden
Staatssekretären für Finanzen und Verkehrswesen überreicht.
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Preise für Meissener Porzellan.
Noch nie sind Porzellane der Meißner Frühzeit
so hoch bezahlt worden wie bei der Auktion der Dou-
bletten aus den sächsischen Sammlungen, die Rudolph
Lcpke in Berlin am 7. und 8. Oktober durchgeführt
hat. Böttger-Steinzeug, das noch vor wenigen Jahren
für M 100 bis M 200 zu haben war, ging hiev bis auf
M 9000. Geradezu Rekordpreise erzielten die Meißner
Tiere von Kacndler und Kirchner. An dem Wett
bewerb hatte das Ausland, namentlich Dänemark,
dessen Valuta gegenwärtig am höchsten notiert, den
größten Anteil. So kaufte Ras müssen (Kopenhagen)
den 1734 von Käendler modellierten Kronengeier
für M 178.000 und die zwei sechskantigen, aus der Zeit
um 1728 stammenden Deckelvasen (nach japanischem
Muster) für M 66.500. Von Deutschen erwarb Tram er
(Kassel) den „Marder“ um M 161.000, während die
zwei bunten Papageien für M 126.000 Stibbe (Berlin)
zugeschlagen wurden. Im ganzen brachten die 542
Nummern drei Millionen Mark
Nachstehend lassen wir die Preise folgen:
Böttgers teinzeug.
Nr. 1 und 2, Zwei Deckelpokale, M2000; Nr. 3, Kaffee
kanne, M 1600; Nr. 4, Schale, M 800; Nr. 5, Desgl., M 750;
Nr. 6, Henkeltasse, M 520; Nr. 7, Desgl., M. 420; Nr, 8, Kaffee
tasse, M 410; Nr. 7, Teekanne, M 3000; Nr. 10, Tasse mit
Unterschale, M 1500; Nr. 11, Kaffeetaase, M 1280; Nr. 12,
Teekanne, M 5100; Nr. 13 und 14, Zwei Kaffeekannen, M6700;
Nr. 15, Kleine Pilgerflasche, M 4700; Nr. 16, Desgl., M 4900;
Nr. 17 und 18, Zwei Desgl., M 5600; Nr. 19 und 20, Zwei Desgl.,
M 3600; Nr. 21, Reich verzierter Becher, M 7400; Nr. 22, Desgl.,
M 7400; Nr. 23 und 24, Zwei Deckelväschen, M 4800; Nr. 25
und 26, Zwei Kaffeekannen, M 5800; Nr. 27 und 28, Zwei
Deckelväschen, M 6000; Nr. 29 Teedöschen, M 3000; Nr. 30,
Desgl., M 2000; Nr. 31, Teedöschen, M 2400; Nr. 32, Teekanne,
M 2100; Nr. 33. Bierkrug, M 2500; Nr. 34 und 35, Zwei kleine
Pilgert laschen, M 5000; Nr. 36 und 37, Zwei Kugelflaschen,
M 0500; Nr. 38 und 39, Zwei Desgl., M 5300; Nr. 40 und 41,