MAK
Seite 162 
Internationale Sammler-Zeitung 
Nr. 2l 
Sonderstellung in der bildenden Kunst besteht darin, daß er 
Leinwand, Pinsel und Farben in die Luft mitgenommen 
und im Fliegen gemalt hat. So stellt er die Erde aus der Vogel 
perspektive dar und hat jedenfalls die Malerei um eine Reihe 
eigenartiger neuer Motive und interessanter Beobachtungen 
bereichert. Er kam auf den Gedanken, sein Maleratelier in 
der Luft aufzuschlagen, als er sechs Monate bei der Flugzeug 
basis von East Fortune bei Edinburg stationiert war. „Mehr 
als 200 Stunden habe ich malend in der Luft verbracht,“ 
sagte er. „Die Bilder wurden im Luftschiff begonnen und voll 
endet, und es war ein hübsches Stück Arbeit. Bei manchen 
habe ich drei Fahrten gebraucht, um sie fertig zu bekommen. 
Mein größtes in der Luft gemaltes Bild mißt drei Fuß zu zwei 
Fuß. Es ist eine Ansicht von Edinburg. Eine Höhe von etwa 
500 Fuß eignet sich am besten zum Malen. Je langsamer sich 
das Luftschiff vorwärts bewegt, desto besser geht natürlich 
die Arbeit von statten. Ich glaube nicht, daß im Flugzeug zu 
malen möglich ist: die Schnelligkeit ist zu groß und es schwankt 
zu sehr. Drei der „Luftbilder“ Coopers sind ihres historischen 
Interesses wegen für das englische Kriegsmuseum angekauft 
worden. 
Vom Kunstmarkt. 
(Galerie St. Lukas in Wien.) Der Schutzpatron der 
Maler hat der Galerie den Namen geliehen, die die Heiren 
Herzig und Loibl, zwei in Sammlerkreisen gut akkredierte 
Persönlichkeiten, dieser Tage im stolzen Barockpalais der Mark 
grafen Pallavicini auf dem Josefsplatze in Wien eröffneten. 
Bekundete schon die Wahl des Ortes den aparten Geschmack 
der Besitzer, so kommt er noch mehr in der Zusammenstellung 
der Bilder zum Ausdruck, die die Prachträume füllen. Ein 
interessanteres Eröffnungsprogramm läßt sich heute kaum 
zusammenbriiigen. Besonderes Glück hatten die Herren Herzig 
und Loibl mit den Holländern, mit denen sie denn auch mit 
Recht die Parade aufziehen. Oder dürfte man es mit Namen 
wie Keirincx, Everdingen oder Willem Claesz Heda 
nicht tun ? Viel schönere Stilleben hat Heda nicht gemalt, als 
jenes, das man hier zu sehen bekommt. Der Keirincx — eine 
Schneelandschaft gemahnt lebhaft, an den vorzüglichen 
Breughel im Hofmuseum, der das gleiche Motiv behandelt. 
Saeys ist mit zwei großartigen Architekturbildern vertreten, 
deren Echtheit auch ohne Signatur augenfällig wäre. Der be 
rühmte Schöpfer der Fresken in der Stadtpfarrkirche zu Krems, 
Anton Franz Maulpertsch, ist hier ebenso zu finden, wie der 
Hofmaler Maria Theresias, Martin van der Meytens, dessen 
Wertschätzung man in den letzten Jahren oft zu erproben 
Gelegenheit hatte. Dieser Schwede, der sich in Wien so natu 
ralisiert hat, daß man ihn den Österreichern beizuzählen pflegt, 
hat augenscheinlich eine Persönlichkeit aus der Umgebung 
der Kaiserin auf die Leinwand gebannt, die charakteristische 
Habsburgerlippe würde sogar auf einen kaiserlichen Prinzen 
hinweisen. Jules Dupre, einer der Hauptvertreter der „Pay 
sage intime“ ist durch eine Landschaft repräsentiert, die, wie 
alle seine Werke, von schlichter, tiefer Poesie durchtränkt ist. 
Von Anton Ebert ist in der Galerie St. Lukas ein Damen 
porträt, das die Vorzüge dieses trefflichen Waldmüller-Schülers 
aufweist. Sehr wirkungsvoll ist auch das Gemälde „Im Atelier“ 
des Spaniers Los Rios. Von neueren Meistern nennen wir noch 
Tom Dreger, Eduard von Lichtenfels („Misurina“), Heicke 
(„Fischfang“), Anton Hansch und Sidorowicz, die mit 
Arbeiten vertreten sind, die auf volle Würdigung der Kenner 
rechnen dürfen. 
(Gemäldeauktion bei S. Kemle.) Im Kunstauktions 
institut von S, Kende in Wien wird am 3. November und den 
folgenden Tagen eine Sammlung von Gemälden alter und 
moderner Meister, Aquarellen und Miniaturen aus Wiener 
■'Privatbesitz versteigert. Hervorzuheben sind von alten Meistern 
„Begegnung Jesus mit seinem Vater“, ein figurenreiches 
koloristisch hervorragendes Bild des seltenen Bologneser 
Malers dal Solo, ein sehr schönes, der Schule Paolo Vero- 
neses entstammendes Werk „Auffindung Moses ; ferner 
ein interessantes Bild von Jacopo da Bassano; ein kleiner 
Adrian van Ost ade, zwei sehr schöne Landschaften des Wiener 
Hofmalers R. Megan, eine Gesellschaftsszene von Chr. Jan- 
neck und ein dem „Kremserschmidt“ zugeschriebenes 
weibliches Bildnis von großem Charme. Unter den modernen 
Meistern seien erwähnt: Julius von Blaas, H. Charlemont, 
Emma Ciardi, A. Egger-Lienz, Ed. Ender, j. Flüggen, Doktor 
Friedländer, Fr. Gauermann mit einem Hauptwerke, J. von 
Guerard, E. Hamman, Th. Hörmann, R. C. Huber (Getreide 
ernte), D. Induno, C. Jaquand, E. Jettei, J. Knapp, E. Lichten 
fels, F. von Lenbach, Löffler-Radimno, A. Müller, Z. Noter 
mann, E. Rau, J. E. Schindler, A. Schrödl u. a. Von Waldmüller 
enthält die Kollektion eines seiner schönsten Werke „Die 
Kranzeijungfer“, ein Bild mit 12 Figuren aus der besten Epoche 
des Meisters. Unter den Aquarellen und Miniaturen finden wir 
Werke von A. Decker, J. Ender I.. Fischer, J. Kriehuber, 
F. Lieder, E. Peter u. a. 
(Die Versteigerung der Sammlung X.), mit der 
Leo Schidlof in Wien sein neues Kunstauktionshaus er- 
öffnete, hatte einen sensationellen Erfolg, Unter lebhafter 
Beteiligung von Sammlern und Kunsthändlern aus dem In- 
und Auslande wurden sowohl für die Altwiener als auch für 
die ausländischen Gemälde und Miniaturen Preise bezahlt, 
wie sie Wien bisher nie gekannt hat. Nahezu sämtliche Schätzun 
gen wurden überboten. Die Versteigerung, die kaum zwei 
Stunden dauerte, brachte K 1,746.000, ein Betrag, der wohl 
noch nie auf einer Wiener Versteigerung an einem Tage erzielt 
wurde. 
Es notierten : 
Meister des 17. und 18. Jahrhunderts. Nr. 1, Joost 
C, Drooch-Sloot, Holländische Landschaft, K 6500; Nr. 2, 
Englische Schule. Porträt einer Dame, K 5500; Nr. 3, Englische 
Schule, Porträt einer Dame, K 4000; Ni. 4, Frans Francken, 
Kreuzigung Christi, K 4000; Nr. 5, Holländische Schule, 
Die junge Frau und der alte Mann, K 7000; Nr. 6, Holländische 
Schule, Der junge Mann und die alte Frau, K 6000; Nr. 7, 
Holländische Schule, Bildnis eines Ratsherrn, K 11.000; 
Nr. 8 und 9, Italienische Schule, Hafenplatz in Venedig und 
Ansicht in Venedig, K 5000; Nr. 10, Lampi, Bildnis eines 
Grafen Saurau, K 25.000; Nr. 11, Molenaer, Die Schenke, 
I< 120.000; Nr. 12, Monogrammist T. R„ Gesellschaftsszene, 
K 8500; Nr. 13, Österreichische Schule, Porträt des Hof- 
juwelicrs Schwab, K 3000; Nr. 14, Schule des Gerard Dow, 
Die Gemüsehändlerin, K 13.500; Nr. 15, Toorenvliet, Der 
Kesselflicker, K 20.000; Nr. 16, Jan Verkolje, Musizierende 
Gesellschaft, K 100.000. 
Meister des 19. Jahrhunderts. Nr. 17, Rud. von Alt, 
Einzug der Kaiserin Elisabeth, K 9000; Nr. 18, Ders., Das 
Rathaus in Brüssel, K 32.000; Nr. 19, Ders., Michaelcrplatz 
mit dem alten Burgtheater, K 26.000; Nr. 20, Ders., Ansicht 
des Alt-Ausseerse.es, K 32.000; Nr. 21, Eugen von Blaas, 
Porträt eines jungen Mädchens, K 9500; Nr. 22, Ders., Die 
Heimkehr des Jägers, K 9000; Nr. 23, Tina Blau, Ansicht 
von Rothenburg a. d. Tauber, K 5000; Nr. 24, Defregger, 
Die Tochter des Künstlers, K 13.500; Nr. 25 Eybl, Bildnis 
eines kleinen Mädchens, K 4800; Nr. 26, Ders.. Porträt eines 
Barons James Kavanagh, K 8500; Nr. 27, Ludwig Hans 
Fischer, Ansicht von London, K 7500; Nr. 28, Grützner, 
Nachdem Frühstück, K60.000; Nr. 29, C. Gügel, Das Orangen 
mädchen, K 5800; Nr. 30, Harlon, Porträt eines jungen 
Mannes, K 19.500; Nr. 31, Theod. von Hörmann, Ansicht 
von Paris, K 4500; Nr. 32, Ders., Ansicht von Paris, K 4000; 
Nr. 33, Ders., Teilansicht von Paris, K 3700; Nr. 34, Hugo 
Kaufmann, Fröhliche Unterhaltung, K 46.000; Nr. 35, 
Lawrence zugeschr., Porträt eines jungen Mannes, K 11.000; 
Nr. 36, Carl Marko, Der Fischzug Petri, K 42.000; Nr. 37, 
Mich. Neder, Der Kutscherstreit, K 13.500; Nr. 38, Ders.,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.