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Zentralblatt für Sammler, Liebhaber und Kunstfreunde.
Herausgeber: Norbert Ehrlich.
11. Jahrgang. Wien, 15. November 1919. Nr. 22.
Interessante Autographensammlungen.
Aus zwei bekannten Autographensammlungen, den
Sammlungen Eduard Weiß (München) und des Van
Santen-Kolff setzt sich das reichhaltige Material
zusammen, das Leo Liepmannssohn in Berlin am
28. und 29. November zur Versteigerung bringt.
Historische Persönlichkeiten wechseln mit berühmten
Gelehrten, Schriftstellern und Künstlern ab.
In der historischen Abteilung fällt zunächst ein Brief
des Großherzogs Carl August von Sachsen-Weimar,
des Freundes Goethes, an den Generalleutnant von
Grawert auf, der interessante Einzelheiten über die
unglückliche Schlacht bei Jena enthält. Der Großherzog,
der selbst ein Korps befehligt hatte, übt scharfe
Kritik an der preußischen Führung und spricht von
den unmittelbaren Folgen für sein Land. „In meiner
moralischen Gefangenschaft sitze ich hier und
aibeite aller Hand über den geschichtlichen u. rationellen
Theil der Vorfälle zwischen d. 1. Oct. u. letzten Nov.
1806 aus. Bey manchen Stellen, auf die man stößt,
bleibt einem der Verstand stehen, wie so etwas möglich
war. Wie der Landgrafenberg nicht, besetzt werden
konnte, der das Observatorium für Jena und den
ganzen Saalgrund war . . .“ „Ueberhaupt bin ich an
Pferden, Wagen, Silber, Wein geplündert worden, das
Land hat gering gerechnet den Werth von 3 Millionen
Thalern Verlohnen, dazu bezahlen wir 600.000 rthl-Contribution
Ohne meine Frau, die den Frz.
Kayser im Schlosse bewirthet u. die ihm auf gewisse
Weise imponierte, wäre alles verlohren gewesen . ..“
Von großem historischen Interesse ist auch ein
Brief des Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen
an Melanchthon, dem in dieser Zeit der Landgraf
Philipp von Hessen durch den Skandal seiner
Doppelehe mit einem sächsischen Hoffräulcin schweren
Kummer Verursachte. Melanchthon hatte zwar im
Dezember 1539 ebenso wie Luther dazu seine bedingte
Zustimmung in der Form eines geheim zu haltenden
Beich.trates gegeben, doch bereitete ihm die wirkliche
Eingehung der Doppelehe und ihr Bekanntwerden
(März 1540) solchen Schmerz, daß er unterwegs auf
einer Reise zu einem Religionsgespiäch nach Hagenau
zu Weimar in eine tötliche Krankheit fiel, aus der ihn
Luthers Zuspruch wie durch ein Wunder wieder herausriß.
In vorliegendem Briefe sucht ihn in seiner Seelennot
und körperlichen Qual sein Landesfürst aufzurichten.
„Können nicht anders erachten, denn es muß sich aus
dem zutragen, daß Ihr Euer Kümmerniß aus unseres
Vettern u. Brüdern, des Landgrawen zu Hessen Handlung
empfangen, nicht sinken lasset, sondern dasselbig
je zu Zeiten wieder hefftig, wie im Anfang geschehen,
zu Herzen ziehet so müsst Ihr dennoch an Euch
nichts erwiedern lassen, die Ursachen berürtcr Bekümmerniß
nunmehr beiseits u. aus dem Sinne thun,
welche auch des Ansehens bei uns Gottlob nicht sind,
daß man sich so emsig u. groß der halben bekümmern
sollte, dieweil Ihr dann die Ehrwürdigen.. .Martin
Luther u. Justus Jonas bei Euch habt, die Euch dermaßen
rathen, wie sie selbst u. Doktor Martinus sonderlich
gemeldeten Handels halber thun . .Er hofft,
ihn bald in Eisenach begrüßen zu können und auf dem
Wege nach Hagenau zu sehen.
Die Abteilung verzeichnet weiters Briefe von
Bismarck und dessen Gattin, von Blücher, Katharina
II. von Rußland, Kaiserin Eugenie, Friedrich II.
von Preußen, Erzherzogin Maria Josefa, der Mutter
des Kaisers Karl, Maximilian I., Gentz, Stanislaus II.
August von Polen, Wallenstein, der Kaiser
Wilhelm I. und Wilhelm II. u. a.
Aus der zweiten Abteilung, die Dichter, Philosophen
und Gelehrte umfaßt, heben wir hervor: Briefe
von Goethe, Grillparzer, Heine, Kant, Edrnond de
Goncourt, Casanova, Chamisso, Fichte, Bürger, Dahn,
Jean Paul, Honore de Balzac, Arndt, Baumbach,
Georg Brandes, Tycho de Brahe, Grabbe, Hamerling
usw. Von Otto Erich Hartleben ist hier das Manuskript
seines Gedichtes
Am Rosenmontag liegen zwei
Die kalten Hände noch verschlungen,
Das Leben stürmte rauh vorbei
Die beiden habe ns nicht bezwungen —
Und überwunden grüßen sie
Den Sieger, dem das Glück begegnet —
Im Tod verbunden segnen sie
All jene, die das Leben segnet.
Hebbel ist mit zwei prachtvollen Briefen an
Palleske vertreten. In dem ersten verbreitet sich der
Dichter in sehr anziehender Weise über seine Erlebnisse
im Revolutionsjahrc 1848 und über die Folgen
der unruhvollen Zeit: „Allerdings bin ich im Jahre 1848,
was auch die Weser Zeitung dagegen einzuwenden
haben mag, am Leben geblieben. Im März wäre ich
allenfalls bereit gewesen, mit auf eine Barrikade zu
steigen, auch fiel damals eins der ersten Opfer im
Ständehause an meiner Seite und bespritzte mich mit
seinem Blut. Das rührte einfach daher, daß ich mit
einem Bekannten trotz des Schießens aus dem Gebäude
auf die Straße ging, indem ich die Schüsse, die
ich allerdings hörte, für blinde hielt. Damals bekam
ich einen Anfall von Berserkerwut und ich tat allerlei,