MAK
Seite 166 
Internationale Sammler-Zeitung 
Nr. 22 
ff 
an das ich mich nicht gern erinnere, weil es in un 
freiem Zustande geschah und der Entbindung von 
einer elektrischen Materie glich. Im Oktober hätte ich 
mich eher niederschießen lassen, als eine Barrikade 
bestiegen..„Was würden sie (die Leute) sagen, 
wenn sie wüßten, daß ich in den Märztagen ... ein 
ganzes Drama auf der Straße konzipierte, das unter 
dem TitelZwei Todesurteile' bald fertig werden wird!“ 
Der zweite Brief enthält eine sarkastische Schilderung 
des Bef indens. des Dichters. „— Nein, obgleich ich es 
anerkennen muß, daß man billigerweise der größeren 
Hälfte seiner lieben Nächsten Freude machen sollte, 
und obgleich daraus für mich eigentlich die Verpflich 
tung folgt, baldmöglichst ins Gras zu beißen, da ich 
vielen im Wege bin und nur wenigen etwas biete: 
ich kann meinen Feinden nur noch sehe geringe Hoff 
nungen eröffnen! .. es existiert in Deutschland kein 
belletristisches oder politisches Blatt, in welchem ich 
nicht schmachvoll behandelt worden wäre.“ 
Von Theodor Körner finden wir sehr anregende 
Briefe über die Erlebnisse und Eindrücke auf seiner 
Reise ins Riesengebirge, die ihn bekanntlich zu einer 
Anzahl von Gedichten anregte, von Laube eine ganze 
Briefsammlung (32 Briefe), die nicht nur ein charakte 
ristisches Bild von seiner Tätigkeit als Theaterleiter 
und Schriftsteller gibt, sondern auch einen bedeut 
samen Beitrag für die Theatergeschichte der Städte 
Leipzig und insbesondere Wien (25 Briefe sind allein 
von da datiert) liefert. Fritz Reuter, der hervorragende 
plattdeutsche Dichter, spiegelt sein Wesen in zehn 
Briefen wider, die zum Teil gar nicht, zum Teil nur 
mit Auslassungen veröffentlicht sind. 
In der Abteilung „Bildende Künstler“ begegnen 
wir Albert Bassermann, Friedrich Beckmann, dem 
Schöpfer der bekannten Berliner Volksfigur des ,,Ecken 
stehers Nante", Arnold Böcklin, Benj. Constant, 
Coquelin, Peter Cornelius, Garrick, Iffland, Irving, 
Josef Kainz, Lenbach, Max Liebermann, Lortzing, 
Adolf Menzel, Oberländer, Ernesto Rossini, Giovanni 
Segantini, Stephan Sinding, Spitzweg, Steinle, Alma 
Tadema, Elisabeth Vigee Lebrun u. a. 
In der Abteilung „Musiker“ figuriert Beethoven 
mit einigen Manuskripten, so mit einem Fragment 
aus der ersten Niederschrift seiner letzten fertig 
gewordenen Komposition aus dem berühmten, in stür 
mischer Lust vorüberrauschenden 6. Satze (Finale, 
Allegro) seines „phantasietrunkensten Quartettes" in 
B-dur (op. 130). Zum Finale dieses Quartettes hatte 
bekanntlich Beethoven ursprünglich die mit einer 
Einleitung versehene „Große Fuge“ aus dem op. 133 
bestimmt. Nachdem das Werk in dieser Gestalt seine 
erstmalige Aufführung am 21. März 1826 erlebt hatte, 
wünschte der Verleger M. Artaria, Beethoven möge 
die Fuge durch ein „zugänglicheres“ Stück ersetzen. 
Beethoven verstand sich nur murrend zu dieser Än 
derung. Im November desselben Jahres während 
des Aufenthaltes bei seinem Bruder in Gneixendorf 
schrieb er jenes Finale, das dem Quartett als bleibender 
Schlußstein angefügt wurde und das zeigt, wie unver 
wüstlich die humoristische Ader in Beethoven bis an 
sein Lebensende fortpulsierte. Das Manuskript umfaßt 
die Takte 95 bis 172, ferner 173 bis 193 (letztere nur skiz 
ziert) des angeführten 6. Satzes von op. 130 und ist 
von vorzüglichster Erhaltung. 
Von Haydn bringt die Auktion ein kostbares 
Stück, Skizzen aus einem Notensystem, von Liszt 
das Manuskript „Die drei Zigeuner"sowie mehrere Briefe, 
von Schubert die Manuskripte von „Der Morgenkuß", 
„Die Fröhlichkeit“, „Tiefes Leid" von Schulze, nebst 
einer Skizze zu einem nicht veröffentlichten Liede 
von Schulze „0 Quelle, was strömest du rasch und 
wild“, von Richard Strauß, Mendelssohn-Bartholdy, 
Nicolai, Robert Schumann, Spohr, Ambroise Thomas 
und Tschaikow’sky Manuskripte und Briefe, von Richard 
Wagner mehrere Briefe, von denen zwei ungedruckt 
sind. In einem, datiert Zürich, 28. März 1851, erschließt 
er Gottfried Semper sein ganzes Herz übe, seine große 
Lebensnot, die ihn nahezu an seiner Kunst verzweifeln 
läßt. „Am vernünftigsten wäre es wohl, man könnte dem 
ganzen illusorischen Krame den Rücken kehren und mit 
vollen offenen Sinnen sich in das leben werfen. Was 
soll uns die kunst, da wir kaum zum leben kommen, 
dessen blühte erst die kunst sein soll ? .. .Ich lebe hier 
ziemlich still und zurückgezogen: mit unsrer öffentlichen 
publikumskunst kann ich mich nicht mehr abgeben. 
Daß die heimliche priyatkunst auch keine kunst ist, 
weiß ich auch, und so bin ich im ganzen widerlich 
daran. Am aufrichtigsten und zweckmäßigsten kommt 
mir immer noch mein arbeiten vor, wenn ich auf mehr 
oder weniger theoretischem wege unsre feige intelligenz 
zu revolutionieren suche: ich habe jetzt wieder ein 
größeres Buch beendigt: Oper und Drama. Auf die 
Jugend, die noch nicht in der alten Routine sich einge 
wöhnt hat, wirke ich am meisten. Vielleicht mache ich 
mich mit diesem Frühjahr aber doch an die Musik zu 
meinem Siegfried . . .“ 
Wir müssen uns auf diese Proben beschränken. 
Autographenlicbhabei werden gewiß nicht verabsäumen, 
sich den Katalog kommen zu lassen, wo sie noch vieles 
Begehrenswerte finden werden, das wir nicht einmal 
streifen konnten. 
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Die Sammlung de Ridder. 
Am 9. Dezember findet in der Galerie Hel'bing in 
München die Auktion der nicht sehr umfangreichen, 
aber gewählten Qualitätssammlung de Ridder (Frank 
furt a. M.) statt, deren hauptsächlichste Stücke aus 
Majolika, Glas und Edelmetall bestehen. Unter dem zahl 
reichen Urbino- und Faenza-Geschirr ragt eine 
Fontana-Schüssel um 1550, eine gebuckelte Faentiner- 
Schüssel und ein früher Gubbio-Teller mit prächtigem 
Luster hervor. Außergewöhnliche Stücke sind eine blond 
farbige Palissy-Schüssel mit der Befreiung der Andro 
meda und ein deutscher Fayencekrug mit der Anbetung 
der Könige von Hausmaler W. R. Unter dem Glas 
stehen an erster Stelle prächtige Emailgläser, wie das 
älteste datierte deutsche Emailglas von 1554 
mit dem Wappen Ortenburg-Fugger. Für die Geschichte 
der Glasmalerei sind besondere Bedeutung dem böh 
mischen Färbereiglas aus dem 18. Jahrhundert, einem 
fränkischen Bergwerksglas von 1682 und einem Will 
komm von 1611 mit dem Wappen Anhalt-Pfalz beizu 
messen. Unter den geschnittenen Gläsern Schlesiens, 
Böhmens und Potsdams sind recht schöne Exemplare. 
Eine umfangreiche Kollektion bilden die Zwischen 
goldgläser um 1730, von denen alle drei Maler vertreten 
sind. Die Künstlergläser aus dem Schaperkreis von 
Preußlcr und D. Wolff ergänzen den Überblick über 
die mannigfaltige Technik der Barockzeit, Einige vene-
	        
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