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Internationale Sammler-Zeitung
befaßt sich heute mit Antiquitätenhandel? Fast ist
man versucht, zu sagen: alle die, die sonst keinen Beruf
haben. Bald ist es ein dramatischer Künstler, dem auf
der Bühne kein Erfolg blühte, bald eine früher galante
Dame, deren verblühte Reize leicht in Einklang gebracht
werden können mit den verblaßten Möbeln
und Stichen, die sie verkauft, bald pensionierte Abwartsfrauen
oder auch viel zu hübsche junge Leute.
Es gibt auch sehr seltsame Antiquitätenhandlungen,
wo bei diskretem Licht musiziert und Tee herumgereicht
wird. Unter den Händlern befinden sich solche mit
hochtönenden Namen, die einem französischen Ohr
weh tun müssen. Alle erweisen sich bei vollem Mangel
an Kunstverständnis als gerissene Geschäftsleute.
Seit einiger Zeit verlegen sich auch die großen Warenhäuser
auf den Handel mit Altertümern. Seltsamerweise
sind die wirklichen „klassischen“ Antiquitätenhändler
über die neue Konkurrenz nicht sonderlich
aufgeregt. „Die großen Warenhäuser haben in Wahrheit
mit richtigen Altertümern absolut nichts zu schaffen,"
bemerkte einer der angesehensten Antiquare, „denn
ein Kenner, der auch nur ein wenig auf sich hält, kauft
dort nicht. Mißkennen Sie die Seele des wahren Sammlers
nicht! Er hat eine instinktive Abneigung gegen jede
Warenanpreisung. In den großen Warenhäusern aber
ist alles Anpreisung. Der Amateur liebt es, nach Schätzen
zu suchen, zu stöbern. Und diese Möglichkeit findet
er nur bei uns. Er liebt es auch, mit uns über dieses
oder jenes interessante Stück zu plaudern und er sieht
es gerne, wenn man über die Qualität dessen, was man
ihm verkauft, Bescheid weiß."
Simont begab sich nach dieser Unterredung mit
seinem Gewährsmann in ein Warenhaus, Abteilung
Antiquitäten, und verlangte nach dem Departementschef.
Dieser schien ein Fachmann zu sein, der es in
seinem Antiquitätenh.andel nicht weit gebracht hatte.
Die Antiquitäten, die dort verkauft wurden, bezieht
man aus den Gegenden, woher alle die neuinstallierten
„Antiquare“ ihre Ware her haben. Es handelt sich
meist um Ameublements im Stile Louis XVI., Directoire
und Empire, und um die sogenannten „patriotischen“
Eßzimmer im Straßburger und Lothringer Stil, die man
am besten aus Tours bezieht. Auch in Annemasse und
in Pau gibt es Fabriken, die derartige Stilmöbel mit
der nötigen Patina versehen und liefern; auf Bestellung
werden sie auch in Liseux hergestellt. Alle die Brotgitter,
die gesuchten Provinzmöbel, die unsern Behausungen
ein so heimeliges Aussehen verleihen,
stammen aus Arles, wo ihnen ein geschicktes Handwerker
den unbestreitbaren Stempel der Echtheit
auf drückt.
Sicher ist, daß ein Kenner und Liebhaber von
Geschmack seinen Bedarf an Antiquitäten niemals
dort decken wird, wo er seine Krawatten bezieht.
Und von dieser Zuversicht getragen, erwarten die
richtigen Pariser Antiquare nach wie vor ruhig und
gelassen ihre sachverständigen Kunden . ..
Ein Spitzwegschwindel in Hamburg.
Das „Hamburger Mittagsblatt" schreibt:
In einer Kunstauktion in Hamburg erschienen im Mai
dieses Jahres zusammen mit einem Bilde Fritz v. Uhdes
„Das Familienkonzert" — in guter Gesellschaft also — auch
zwei von Meister Spitz weg: „Die beiden Lerchen" und
„Aus alter Zeit". Es war nichts weiter Auffälliges dabei.
Allein ein junger Hamburger Kunstsachverständiger E.Müller,
stellte mit seinen wissenschaftlichen Hilfsmitteln fest, daß dieser
angebliche Fritz v. Uhde nur eine Nachbildung sei, verkleinert
und mit abgeänderter Bezeichnung. Das Urbild hängt im Wallraf-Richartz-Museum
in Köln. Die beiden Spitzwegs scheinen
wenigstens bedenklich. Die Bilder wurden alle drei verkauft.
Die beiden Spitzwegs errangen M 11.000 und M 10.600. Der
hübsche Anfang mochte zu weiterem Vorgehen ermutigen.
Man übersah, daß gleich zu Anfang auch ein Auge wach geworden
war, das alles, was an Spitzwegs in der nächsten Zeit
in Hamburg sich auftat, nachprüfend überwachte.
Ganz wenig war es nicht. Herr Otto Beständig-Semperhaus
verkaufte an zwei bekannte Kunstfreunde unter der
Hand vier Bilder dieser Art, darunter eines: „Das Flötenkonzert“.
Echt Spitzwegsches Motiv: ein alter Herr bläst
seiner Geliebten von Anno dazumal begeistert auf der Flöte vor.
Preis M 18.000. In der Tat befindet sich dasselbe Motiv auf
einem echten Spitzweg in Elberfeld. Von diesem Bild tauchten
hier vier Abwandlungen auf, obwohl doch Meister Spitzweg
sich niemals wiederholte und in keinem bekannten Fall ein
zweites Mal dieselben Gesichter malte. Herr Beständig gab an,
er habe diese Bilder aus dem Nachlaß einer Enkelin des Meisters
überkommen und sei beauftragt, sie nun zu verwerten.
Auch andere Spitzwegs waren im Verkehr. Die Firma
Nehring zeigte einen Spitzweg „Der Barbier" an, der Händler
Jülich-Drebbahn eine kleine Landschaft. Und Fräulein
Dodeck wurde ein Bild: „Naturforscher mit Affe" angeboten,
das sie auf das Bestimmteste als Fälschung erkannte. Es
wurden auch der Kunsthandlung Gildenberger-Rathausmarkt
zwei solche Bilder angeboten, das eine „Büßerin"
betitelt, die mindestens verdächtig sind. Zwei weitere in Privathänden,
eine „Flußlandschaft" und ein kleines „Der Botaniker",
nur 15 cm hoch, für M7000'—verkauft, erscheinen zweifelhaft.
Und nun geschah das allermerkwürdigste. Ein derartiges
Bild „Das Ständchen“, signiert Stefan van Reht — das ist
die Signatur des hiesigen Malers Prediger — war von diesem
Maler fürM 300‘—dem Gastwirt Härtel in der Alsterhalle verkauft,
der aber hatte es wegen zu starken Firnisgeruches zurückgereicht.
Drei Wochen später bot Herr Beständig es der Firma
Hugo Harnisch für M'45.000, an und siehe da, die Signatur
van Reht war ausgelöscht — an ihrer Stelle zeigte sich die
schräge Raute mit dem großen S., das Malerzeichen Meister
Spitzwegs. Herr Härtel sah es und erkannte es; daraufhin
holte Herr Beständig es wieder ab.
Von jetzt an zog sich Herr Betändig von diesem bedenklichen
Geschäft zurück. Eine andere Persönlichkeit trat auf
den Plan, ein Herr von Münchow. Zunächst erkundigte sich
dieser Herr bei Fräulein Dodeck höflich, woran doch der Verkauf
des schönen Bildes gescheitert sei, und war erstaunt, als
er den wahren Grund erfuhr. Für die Echtheit des Bildes könne
er einstehen, es sei seit vielen Jahren im Besitz seiner Familie
gewesen. —Unmittelbar darnach bot er dasselbe Bild (im Werte
von M 300'—) einem uns wohlbekannten Herrn in Wandsbek
für M 55.000 an. Der fand den Preis zu hoch, von Münchow
ermäßigte Schritt für Schritt die Forderung auf 45.000,
35.000, 25.000. Der Käufer überlegte, behielt das Bild vorläufig
da, erkundigte sich bei der Firma Harnisch. Die überstellte
es sofort der Kunsthalle. Dort aber hatte schon vor geraumer
Zeit der oben genannte Kunstsachverständige Herr
E'. Müller seine Beobachtungen mitgeteilt und ebenfalls
auf seine Anregung hatte der, der die erste Kopie des Flötenkonzerts
und noch ein anderes, den „Angler" erworben, diese
beiden Bilder dort eingereicht. Als nun der neue Spitzweg,
„Das Ständchen“, kam, war man schon orientiert. Für alle
drei ward einwandfrei festgestellt, auch Von Direktor Dr. Pauli,
daß es unechte Spitzwegs seien. Die Malerei ist im Verhältnis