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MAK

Full text : Jahrgang 11 (1919) (24)

Nr.  24

Seite  l8ä

Internationale  Sammler-Zeitung

befaßt  sich  heute  mit  Antiquitätenhandel?  Fast  ist
man  versucht,  zu  sagen:  alle  die,  die  sonst  keinen  Beruf
haben.  Bald  ist  es  ein  dramatischer  Künstler,  dem  auf
der  Bühne  kein  Erfolg  blühte,  bald  eine  früher  galante
Dame,  deren  verblühte  Reize  leicht  in  Einklang  gebracht ­
  werden  können  mit  den  verblaßten  Möbeln
und  Stichen,  die  sie  verkauft,  bald  pensionierte  Abwartsfrauen ­
  oder  auch  viel  zu  hübsche  junge  Leute.
Es  gibt  auch  sehr  seltsame  Antiquitätenhandlungen,
wo  bei  diskretem  Licht  musiziert  und  Tee  herumgereicht
wird.  Unter  den  Händlern  befinden  sich  solche  mit
hochtönenden  Namen,  die  einem  französischen  Ohr
weh  tun  müssen.  Alle  erweisen  sich  bei  vollem  Mangel
an  Kunstverständnis  als  gerissene  Geschäftsleute.
Seit  einiger  Zeit  verlegen  sich  auch  die  großen  Warenhäuser ­
  auf  den  Handel  mit  Altertümern.  Seltsamerweise ­
  sind  die  wirklichen  „klassischen“  Antiquitätenhändler ­
  über  die  neue  Konkurrenz  nicht  sonderlich
aufgeregt.  „Die  großen  Warenhäuser  haben  in  Wahrheit
mit  richtigen  Altertümern  absolut  nichts  zu  schaffen,"
bemerkte  einer  der  angesehensten  Antiquare,  „denn
ein  Kenner,  der  auch  nur  ein  wenig  auf  sich  hält,  kauft
dort  nicht.  Mißkennen  Sie  die  Seele  des  wahren  Sammlers
nicht!  Er  hat  eine  instinktive  Abneigung  gegen  jede
Warenanpreisung.  In  den  großen  Warenhäusern  aber
ist  alles  Anpreisung.  Der  Amateur  liebt  es,  nach  Schätzen
zu  suchen,  zu  stöbern.  Und  diese  Möglichkeit  findet
er  nur  bei  uns.  Er  liebt  es  auch,  mit  uns  über  dieses
oder  jenes  interessante  Stück  zu  plaudern  und  er  sieht

es  gerne,  wenn  man  über  die  Qualität  dessen,  was  man
ihm  verkauft,  Bescheid  weiß."
Simont  begab  sich  nach  dieser  Unterredung  mit
seinem  Gewährsmann  in  ein  Warenhaus,  Abteilung
Antiquitäten,  und  verlangte  nach  dem  Departementschef. ­
  Dieser  schien  ein  Fachmann  zu  sein,  der  es  in
seinem  Antiquitätenh.andel  nicht  weit  gebracht  hatte.
Die  Antiquitäten,  die  dort  verkauft  wurden,  bezieht
man  aus  den  Gegenden,  woher  alle  die  neuinstallierten
„Antiquare“  ihre  Ware  her  haben.  Es  handelt  sich
meist  um  Ameublements  im  Stile  Louis  XVI.,  Directoire
und  Empire,  und  um  die  sogenannten  „patriotischen“
Eßzimmer  im  Straßburger  und  Lothringer  Stil,  die  man
am  besten  aus  Tours  bezieht.  Auch  in  Annemasse  und
in  Pau  gibt  es  Fabriken,  die  derartige  Stilmöbel  mit
der  nötigen  Patina  versehen  und  liefern;  auf  Bestellung
werden  sie  auch  in  Liseux  hergestellt.  Alle  die  Brotgitter, ­
  die  gesuchten  Provinzmöbel,  die  unsern  Behausungen ­
  ein  so  heimeliges  Aussehen  verleihen,
stammen  aus  Arles,  wo  ihnen  ein  geschicktes  Handwerker ­
  den  unbestreitbaren  Stempel  der  Echtheit
auf  drückt.
Sicher  ist,  daß  ein  Kenner  und  Liebhaber  von
Geschmack  seinen  Bedarf  an  Antiquitäten  niemals
dort  decken  wird,  wo  er  seine  Krawatten  bezieht.
Und  von  dieser  Zuversicht  getragen,  erwarten  die
richtigen  Pariser  Antiquare  nach  wie  vor  ruhig  und
gelassen  ihre  sachverständigen  Kunden  .  ..

Ein  Spitzwegschwindel  in  Hamburg.

Das  „Hamburger  Mittagsblatt"  schreibt:
In  einer  Kunstauktion  in  Hamburg  erschienen  im  Mai
dieses  Jahres  zusammen  mit  einem  Bilde  Fritz  v.  Uhdes
„Das  Familienkonzert"  —  in  guter  Gesellschaft  also  —  auch
zwei  von  Meister  Spitz  weg:  „Die  beiden  Lerchen"  und
„Aus  alter  Zeit".  Es  war  nichts  weiter  Auffälliges  dabei.
Allein  ein  junger  Hamburger  Kunstsachverständiger  E.Müller,
stellte  mit  seinen  wissenschaftlichen  Hilfsmitteln  fest,  daß  dieser
angebliche  Fritz  v.  Uhde  nur  eine  Nachbildung  sei,  verkleinert
und  mit  abgeänderter  Bezeichnung.  Das  Urbild  hängt  im  Wallraf-Richartz-Museum
  in  Köln.  Die  beiden  Spitzwegs  scheinen
wenigstens  bedenklich.  Die  Bilder  wurden  alle  drei  verkauft.
Die  beiden  Spitzwegs  errangen  M  11.000  und  M  10.600.  Der
hübsche  Anfang  mochte  zu  weiterem  Vorgehen  ermutigen.
Man  übersah,  daß  gleich  zu  Anfang  auch  ein  Auge  wach  geworden ­
  war,  das  alles,  was  an  Spitzwegs  in  der  nächsten  Zeit
in  Hamburg  sich  auftat,  nachprüfend  überwachte.
Ganz  wenig  war  es  nicht.  Herr  Otto  Beständig-Semperhaus
  verkaufte  an  zwei  bekannte  Kunstfreunde  unter  der
Hand  vier  Bilder  dieser  Art,  darunter  eines:  „Das  Flötenkonzert“. ­
  Echt  Spitzwegsches  Motiv:  ein  alter  Herr  bläst
seiner  Geliebten  von  Anno  dazumal  begeistert  auf  der  Flöte  vor.
Preis  M  18.000.  In  der  Tat  befindet  sich  dasselbe  Motiv  auf
einem  echten  Spitzweg  in  Elberfeld.  Von  diesem  Bild  tauchten
hier  vier  Abwandlungen  auf,  obwohl  doch  Meister  Spitzweg
sich  niemals  wiederholte  und  in  keinem  bekannten  Fall  ein
zweites  Mal  dieselben  Gesichter  malte.  Herr  Beständig  gab  an,
er  habe  diese  Bilder  aus  dem  Nachlaß  einer  Enkelin  des  Meisters
überkommen  und  sei  beauftragt,  sie  nun  zu  verwerten.
Auch  andere  Spitzwegs  waren  im  Verkehr.  Die  Firma
Nehring  zeigte  einen  Spitzweg  „Der  Barbier"  an,  der  Händler
Jülich-Drebbahn  eine  kleine  Landschaft.  Und  Fräulein
Dodeck  wurde  ein  Bild:  „Naturforscher  mit  Affe"  angeboten,
das  sie  auf  das  Bestimmteste  als  Fälschung  erkannte.  Es
wurden  auch  der  Kunsthandlung  Gildenberger-Rathausmarkt ­
  zwei  solche  Bilder  angeboten,  das  eine  „Büßerin"

betitelt,  die  mindestens  verdächtig  sind.  Zwei  weitere  in  Privathänden, ­
  eine  „Flußlandschaft"  und  ein  kleines  „Der  Botaniker",
nur  15  cm  hoch,  für  M7000'—verkauft,  erscheinen  zweifelhaft.
Und  nun  geschah  das  allermerkwürdigste.  Ein  derartiges
Bild  „Das  Ständchen“,  signiert  Stefan  van  Reht  —  das  ist
die  Signatur  des  hiesigen  Malers  Prediger  —  war  von  diesem
Maler  fürM  300‘—dem  Gastwirt  Härtel  in  der  Alsterhalle  verkauft, ­
  der  aber  hatte  es  wegen  zu  starken  Firnisgeruches  zurückgereicht. ­
  Drei  Wochen  später  bot  Herr  Beständig  es  der  Firma
Hugo  Harnisch  für  M'45.000,  an  und  siehe  da,  die  Signatur
van  Reht  war  ausgelöscht  —  an  ihrer  Stelle  zeigte  sich  die
schräge  Raute  mit  dem  großen  S.,  das  Malerzeichen  Meister
Spitzwegs.  Herr  Härtel  sah  es  und  erkannte  es;  daraufhin
holte  Herr  Beständig  es  wieder  ab.
Von  jetzt  an  zog  sich  Herr  Betändig  von  diesem  bedenklichen ­
  Geschäft  zurück.  Eine  andere  Persönlichkeit  trat  auf
den  Plan,  ein  Herr  von  Münchow.  Zunächst  erkundigte  sich
dieser  Herr  bei  Fräulein  Dodeck  höflich,  woran  doch  der  Verkauf ­
  des  schönen  Bildes  gescheitert  sei,  und  war  erstaunt,  als
er  den  wahren  Grund  erfuhr.  Für  die  Echtheit  des  Bildes  könne
er  einstehen,  es  sei  seit  vielen  Jahren  im  Besitz  seiner  Familie
gewesen.  —Unmittelbar  darnach  bot  er  dasselbe  Bild  (im  Werte
von  M  300'—)  einem  uns  wohlbekannten  Herrn  in  Wandsbek
für  M  55.000  an.  Der  fand  den  Preis  zu  hoch,  von  Münchow
ermäßigte  Schritt  für  Schritt  die  Forderung  auf  45.000,
35.000,  25.000.  Der  Käufer  überlegte,  behielt  das  Bild  vorläufig ­
  da,  erkundigte  sich  bei  der  Firma  Harnisch.  Die  überstellte ­
  es  sofort  der  Kunsthalle.  Dort  aber  hatte  schon  vor  geraumer ­
  Zeit  der  oben  genannte  Kunstsachverständige  Herr
E'.  Müller  seine  Beobachtungen  mitgeteilt  und  ebenfalls
auf  seine  Anregung  hatte  der,  der  die  erste  Kopie  des  Flötenkonzerts ­
  und  noch  ein  anderes,  den  „Angler"  erworben,  diese
beiden  Bilder  dort  eingereicht.  Als  nun  der  neue  Spitzweg,
„Das  Ständchen“,  kam,  war  man  schon  orientiert.  Für  alle
drei  ward  einwandfrei  festgestellt,  auch  Von  Direktor  Dr.  Pauli,
daß  es  unechte  Spitzwegs  seien.  Die  Malerei  ist  im  Verhältnis
            
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