Nr. 3
Internationale Sammler-Zeitung
Seite 19
gehung der ihr wohlbekannten Vorschriften versuchte,
die ihrer Obhut anvertrauten Kunstgüter zu verkaufen;
wenngleich anderseits zugebilligt werden muß, daß die
Nonnen inmitten einer Pracht und Herrlichkeit vergangener
Jahrhunderte, umgeben von Werten, die nach
Millionen Kronen zählen, seit vielen Jahren Mangel und
Not leiden und seit dem Kriege ein Hungerdasein
führen. Es wird behauptet, daß die Benediktinerinnen
im Kloster am Nonnberg ihr weltliches Gut, bestehend
aus Feldern und Wiesen, wenig erfolgreich bewirtschaften
und darum in einer Zeit, in der die Bodenprodukte
zu hohem Wert gelangten, keine Erträgnisse
hatten. Da ihnen auch andere Einkünfte nicht zuGebote
stehen, so hat die Äbtissin schon vor Jahren es unternommen,
durch Verkauf von Antiquitäten aus dem
Besitze des Klosters sich jene Barmittel zu schaffen,
die die Erhaltung der Schwestern erforderte. Geldschwicrigkeiten
veranlaßten vor einigen Jahren schon
den Verkauf von Kupferstichen, darunter sehr wertvoller
Unika. Schon damals intervenierte das Staatsdenkmalamt,
an das die Äbtissin gewiesen wurde, und
veranlaßte, um eine Ausfuhr nach Deutschland zu verhindern,
den Ankauf der Graphika durch unsere Hofbibliothek.
Im Jahre 1917, als der Erlös aus dem Verkaufe
der Kupferstiche verausgabt war, wanderten
zwei Tapisserien, Jagdszenen darstellend, in den Besitz
eines bekannten Großindustriellen. Auch damals wurde
das Staatsamt von dem beabsichtigten Verkauf in
Kenntnis gesetzt und gab seine Zustimmung, da es sich
um Objekte handelte, die örtlich keinen Zusammenhang
mit dem sonstigen Kunstschatze des Klosters hatten.
Es muß erwähnt werden, daß der als Käufer auftretende
Industrielle zu jener Zeit auf einen prächtigen Gobelin
reflektierte, dessen Verkauf durch das Kloster das
Staatsdenkmalamt jedoch strengstens untersagte. Nun
ist dieserGobelin und mit ihm eine große Anzahl anderer
Kunstobjekte von der Äbtissin ohne Verständigung des
Staatsdenkmalamtes doch verkauft worden. Ein Wiener
Agent, welcher sich mit der Erwerbung von
Antiquitäten und deren Verkauf an Museen und bedeutendere
Antiquitätenhändler beschäftigt, war vor
einigen Wochen bei der Abtissin, und es gelang ihm, sie
zu bewegen, in den heimlichen Verkauf und ebenso
heimlichen Abtransport der Kunstsachen zu willigen.
Soviel bis jetzt festgestellt wurde, ist ein flämischer
Gobelin mit der Jahreszahl 1472, die Geschichte der
Judith darstellend, eine wundervolle niederländische
Verdure aus dem 15. Jahrhundert, ein Kanzelteppich,
deutsche Arbeit aus dem Jahre 1386, ein Glasfenster aus
dem Anfang des 15. Jahrhunderts, eine Reihe von gotischen
Skulpturen und Malereien, ein Kokosnußpokal,
eine der seltensten Arbeiten der Holzschnitzkunst, im
Jahre 1648 hergestellt, Kästchen aus der gleichen Zeit,
Teller von Deruta, zwei besonders schön gearbeitete
Vela (Kelchtücher) und ein Gebetbuch in Handschrift
mit Randleisten, eine Regensburger Arbeit aus dem
Jahre 1510 verkauft worden. Der Agent gab für diese
Schätze K 300.000, während Kenner sie mit K 800.000
bewerten.
Nach den zitierten Gesetzen verfallen die zustandegebrachten
Kunstwerke zugunsten eines öffentlichen
Museums.
Die bezeichneten Kunstobjekte wurden in Koffern
ur.d Kistchcn nach Wien gebracht und Händlern zum
Kaufe angeboten, und tatsächlich waren schon viele
Stücke dieses Kunstgutes veräußert, als Hofrat Dr. Leisching,
der Direktor des Museums für Kunst und Industrie,
davon Kenntnis erhielt und das Staatsdenkmalamt
darauf aufmerksam machte. Das Amt und dessen
Sekretär Dr. Hans Tietze nahmen sofort die Hilfe der
Polizei und des Magistrats in Anspruch, um so rasch als
möglich die Stellen ausfindig zu machen, an die die
einzelnen Objekte gelangt w r aren. Die Gegenstände
wurden auf Grund geistlicher und weltlicher Bestimmungen,
außerdem auf Grund des Gesetzes vom 5. Dezember
1918 beschlagnahmt und befinden sich bereits im
Museum für Kunst undlndustrie in sicherem Gewahrsam.
Gleichzeitig wurde das Landesdenkmalamt für Salzburg
verständigt und ihm aufgetragen, eine genaue Inventarisierung
des Klosterschatzes am Nonnberg vorzunehmen
und die dort befindlichen Kunstwerke zu beschlagnahmen,
damit ein- für allemal diesem Antiquitätenhandel
ein Ende gemacht werde.
Die Auktion bei Wawra.
Die in der vorigen Nummer angekündigte Versteigerung
von Gemälden moderner und alter Meister aus
dem N achlasse des Oberingenieurs Wladimir Strnischtie
(Wien) und aus Ritter von Vintlerischem Besitz
(Bruneck), die C. J. Wawra in Wien in den letzten
Jännertagen durchführte, nahm einen flotten Verlauf.
Mit Ausnahme eines Waldmüller, der kein entsprechendes
Anbot fand und daher zurückgezogen wurde,
gingen die Bilder zu guten Preisen ab. Käufer waren
vorzugsweise Wiener Sammler, nur relativ wenig
wanderte in die Provinz.
Es notierten:
Ölgemälde und Aquarelle moderner Meister.
Nr, 1, John Quincy Adams, Am Kanal, K 800; Nr. 2,
Agricola, der Zinsgroschen, K 2300; Nr. 3, Ajdukiewicz,
In der . Wüste, K 3000; Nr. 4, Rud. von Alt, Maria-Taferl,
M 3600; Nr. 5, Ambros, Lautenspieler, K 100; Nr. 6, Amerling,
Mädchenkopf, K 550, Nr. 7, Bakalowicz, Frauenporträt,
K 600; Nr. 8, Barbarini, Landschaft, K600; Nr. 9,
Bartolozzi, Cipriani del. Pomona, K 140; Nr. 10, Bensa,
Auf Kundschaft, K 310, Nr. 11, Ders., Praterfahrt der Kaiserin
Elisabeth, M 1000, Nr. 12. Ders., In der Reitschule, K 950,
Nr. 13, Jul. Berger, Nacht, K 100, Nr. 14, Berres, Pferdeherde,
K 340; Nr. 15, Beyschlag, Aktstudie, K 180; Nr. 16,
Eugen v. Blaas, Der Brief, K 10i500; Nr. 17, Ders., Mädchenkopf,
K 5300; Nr. 20, Paul Böhm, Ungarisches Bauernmädchen,
K 470; Nr. 21, Bossi, Parkeingang, K 310; Nr. 22,
Brager, Straße in Kairo, K 620; Nr. 23, Braling, In der
Küche, K 120; Nr. 24, Brocky, Im Park, K 9300; Nr. 25,
Brozik, Der König (siehe die Abb. in Nr. 2), K4300; Nr. 26,
Bühlmeyer, Liegendes Kalb, K 300; Nr. 27, Calame,
Les Montagne du Valais K 1600; Nr. 28, Carron, Selbstbildnis,
K 6500; Nr. 29, Ders., Mädchenpopf, K 1500; Nr. 30,
Ed. Charlemont, Beduine, K2400; Ni. 31, Ders., Menukarte,
K 100; Nr. 32, Hugo Charlemont, Stilleben, K 2800;
Ni. 33, Ders., Schloßgarten in Frain, K 1200; Nr. 34, Cresswell-Hall,
Landschaft,- K 280; Nr. 23, Pauline Caro,
Französin; K 140, Nr. 36, Daffinger, Alpenveilchen, K 340;