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Nr. 3 
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Seite 23 
Internationale Sammler-Z itung 
und Sinibaldo Scorca, von Niederländern Jan und Pieter 
Breughel, Josef van Craesbecke, Jan Fyt, Jost van Kessel, 
Gerrit Lundens, Otto Marcellis, Jan Mabuse, Willem van 
Mieris, Molenaer, Caspar Netscher, Bemard van Orley, Jan 
Pieters, David Teniers, Tilborgh, J. B. Weenixund Wouwerman. 
Von neueren Meistern sammelte Dr. Stern hauptsächlich 
Rudolf von Alt, von dem er eine Reihe ausgezeichneter Aqua 
relle noch zu sehr mäßigen Preisen kaufen konnte. Wie es 
heißt, hat Dr. Stern die Sammlung seinem Neffen, dem Kom 
ponisten Oskar Straus vermacht, der, selbst ein verständiger 
Sammler, das teure Erbe hüten wird. 
(Die Stradivari Bronislaw Hubermanns.) Dem be 
kannten Geigenvirtuosen Bronislaw Hubermann ist aus 
seinem Wiener Absteigquarder im Hotel Imperial eine Stra 
divari gestohlen word,en, die mit K 250.000 bewertet wird. Die 
Geige ist dunkelrot lackiert, sehr flach und hat einen großen 
reparierten Sprung auf der linken Deckenseite. Hubermann 
hat für deren Zustandebringung eine Belohnung von K 10.000 
ausgesetzt. 
(Der Genfer Altar der Brüder van Eyk.) In 
belgischen Blättern tauchen unter der Billigung Bettenhoves, 
des Direktors der Brüsseler Museen, Forderungen auf, die eine 
Ergänzung des Genfer Altars der Brüder van. Eyk durch 
die Tafeln des Berliner Museums unter dem Schlachtruf „Ent 
schädigung“ verlangen. 
(Ein großer Kunstskandal) versetzt Paris in Auf 
regung und wird seine Kreise bis über die Grenzen Frank 
reichs ziehen. Vor einiger Zeit wurden zwei Bildhauer fest 
genommen, die falsche Rodins in Bronze und Marmor an 
fertigten. Sie nahmen zu diesem Zwecke die Kopie eines 
echten Werkes und änderten sie. So wurde aus dem Bruder 
mörder Kain, der verzweifelt am Boden liegt, durch einige 
kleine Manipulationen ein erschlagener Grubenarbeiter. All 
mählich stellte sich heraus, daß dieser Betrieb einen unge 
heuerlichen Umfang angenommen hatte. Täglich wird ein 
neuer Bildhauer verhaftet, eine neue Fälschung aufgedeckt. 
Der Direktor des Luxemburg wird beschuldigt, die Betrü 
gereien unterstützt zu haben. Hunderte der gefälschten Rodins 
wurden in Paris und auch im Auslande abgesetzt. 
(Lichtbilder-Ausstellung.) Aus Berlin wird uns be 
richtet: Suse Byk hat in der Kunst- und Buchhandlung von 
Reuß und Pollack am Kurfürstendamm eine sehenswerte 
Ausstellung von Lichtbildern veranstaltet. Die liebens 
würdige und ansprechende Art dieser Wiedergaben drückt sich 
am gewinnendsten in den Kinderbildern aus, die nach Aus 
führung und Auffassung wohl am höchsten stehen, doch haben 
auch anmutige Frauen, und manche von weitbekannten Namen , 
wie Resi Langer, Birgitt Engeil, Sybii Smolowa, Therese 
Schnabel hier eine fesselnde Wiedergabe gefunden, denen sich 
aus dem männlichen Kreise Berühmtheiten wie Liebermann, 
Fulda, Einstein, Köhler, Schnabel, Zech, Graf Rödern und 
anderen allschließen. Es ist anzuerkennen, wie hier mit künst 
lerisch gehobenen Mitteln der Beleuchtung und Modellierung 
die Persönlichkeitswerte bildhaft herausgearbeitet wurden. 
(Eine bayerische Kunstkammer.) In München 
hat sich eine bayerische Künstlergewerkschaft (Kunstkammer) 
gebildet, zu der auch die wirtschaftlichenVerbände der Bühnen 
künstler, Tonkünstler und Schriftsteller gehören. Diese Kunst 
kammer ist von der Regierung als die Organisation der 
bayerischen Künstler ausdrücklich anerkannt worden. Der 
Ministerpräsident siciierte ihr Sitz und Stimme im Zentral 
parlament sowie Referenten im Ministerium zu. Die Künstler 
gewerkschaft verfolgt keinerlei politische oder kunstpolitische, 
sondern lediglich wirtschaftliche Zwecke. 
(Sonderausstellung Brockhusen.) Der Vorsitzende der 
„Freien Sezession“ in Berlin, Herr Theo von Brockhusen, 
hat bei Ferdinand Möller eine .Sonderausstellung veran 
staltet. 
(Auffrischung vergilbter photographischer Bilder.) 
Sammler von Photographien werden nicht selten die Wahr 
nehmung gemacht haben, daß ältere Bilder immer mehr und 
mehr verblassen. Um sich von solchen Verlusten zu schützen, 
empfiehlt es sich, die verblassenden Bilder sorgsam vom Karton 
abzulösen und in einer Lösung auszubleichen, die aus zwei 
Kubikzentimeter Salzsäure, acht Gramm Chlornatrium, acht 
Gramm Kaliumchromate und 250 Kubikzentimeter destil 
lierten Wassers besteht. Nach diesem Bade ist eine recht gründ 
liches Auswässern des Bildes vorzunehmen, das man dann wieder 
mit einem stark verdünnten alkalischen Entwickler hervorruft. 
Museen. 
(Neuerweibungen des Goethe-Nationalmuseums 
in Weimar.) Direktor Dr. H. Wahl hat ein von Luise Seidler 
in Lebensgröße gemaltes Bildnis der etwa zwanzigjährigen 
Freundin Goethes, Minchen Herzlieb, fürs Goethehaus aus 
Berliner Familienbesitz erworben. Das reizende Bild ist die 
einzige Darstellung des Mädchens, das Goethe einst „mehr als 
billig geliebt“ hatte, außer dem bekannten Miniaturporträt von 
Johanna Frommann imGoethehause. Sodann wurde deinGoethe 
Nationalmuseum noch ein anderes Porträt einverleibt, ein 
prächtiges Miniaturbild, das Lord Byron darstellt. Es stammt 
aus dem Jahre 1823, wo es der Dichter dem englischen Konsul 
Barry in Genua kurz vor seiner Einschiffung nach Griechen 
land schenkte. Die Witwe Barrys legte es später in die Hände 
der Gattin Julius Rodenbergs in Berlin, diese überwies es nun 
mehr dem Weimarischen Goethehause. 
Vom Kunstmarkt. 
(Der künstlerische Nachlaß Ernst Stöhrs.) In den 
nächsten Tagen kommt der künstlerische Nachlaß Emst 
Stöhrs unter den Hammer: In der Wiener „Sezession“, 
die den Aufstieg des Künstlers gesehen, wird noch einmal, 
ehe es in alle Winde zerstreut wird, das Lebenswerk Stöhrs 
an uns vorüberziehen, das wahrlich verdienen würde, in 
einem Museum für immer vereinigt zu bleiben. Wo aber findet 
sich der Mäzen bei uns, der die allerdings bedeutenden Mittel 
für diesen Zweck zur Verfügung stellen würde ? Dem Kata 
loge hat Alfred Wawra liebevoll den Charakter eines Gedenk 
buches gegeben: Am Eingang grüßt uns das wohlbekannte 
Selbstbildnis des Künstlers, das sich jetzt im Privatbesitz 
befindet. Josef Engelhart und Karl Graf teilen sich in die 
nicht leichte Aufgabe, das komplizierte Wesen Stöhrs zu würdi 
gen. Zeichnet Engelhart in seiner prägnanten Art mit wenigen, 
kernigen Strichen den Vielseitigen, so versenkt sich Graf 
mit innigem Behagen in die Persönlichkeit Stöhrs, den er 
von seinem Vaterhause am Rathausplatz zu St. Pölten bis 
zu seinem Grabe in Melk begleitet. Nach dieser Biographie 
erübrigte sich wohl eine eingehendere Schilderung der Bilder, 
die nur mit Titel angeführt sind. Den Beschluß des Katalogs 
bilden Reproduktionen der besten Werke Stöhrs, wie: Die 
Nacht, Christus am Kreuz, der Entwurf zum Bilde Zuflucht, 
Adam und Eva, Straße in Althammer, Versöhnung, Weih 
nachtsabend, Faune, Wocheiller See mit Triglav usw. 
(Versteigerung bei Kende und Schidlof.) Wien ist 
diesmal bei S. Kende und Schidlof Trumpf. Unter den 
Ölgemälden sowohl wie auch unter den Aquarellen und Hand- 
zeichnungen, die sie in ihrer am 10. Februar beginnenden 
Auktion bringen, dominieren die Wiener, und zwar sind es 
so ziemlich durch die Bank gut akkreditierte Namen. Wir 
greifen aus der Fülle heraus: Rudolf Alt, Amerling, Fendi, 
Füger, Gauermann, Kriehuber, Canon, Ranftl, Waldmüller, 
Weidner, und von den jüngeren Greil, Ruß, Rumpler, Romako, 
Anton Nowak, Lach, Kasparides und Gause. München ist 
durch einen prächtigen Grützner (Der Kardinal), die Schweiz 
durch Herkomer, Alexander Calame und seinen Sohn Artur 
vertreten. Zwei Stilleben mit Vögeln und ein Obststilleben, 
monogrammiert mit E. M. G. 854, beziehungsweise 855, weisen 
auf den unglücklichen Kaiser Maximilian von Mexiko, der 
1867 zu Queretaro erschossen wurde.
	        
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