Internationale
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Zentralblatt für Sammler, Liebhaber und Kunstfreunde.
Herausgeber: Norbert Ehrlich.
11. Jahrgang. Wien, 1. April 1919. Nr. 7.
Therese Krones-Andenken.
ii.
Von Anny v. Newald-Grasse (Wien).
War in den einleitenden Zeilen dieser Reminiszenz*)
von der Persönlichkeit der Therese Krones und den von
ihr hinterlassenen Andenken im allgemeinen die Sprache,
so sei heute auf die Einzelheiten dieser Andenken näher
eingegangen. Die Sammlung Newald dürfte jetzt
(abgesehen von dem, was sich noch im Besitz von mir
nicht bekannten entfernten Verwandten der Krones be
finden mag) die größte sein, was Anzahl und Art der
Krones-Andenken betrifft. Doch lasse ich mich gern be
lehren. Die Sammlung habe ich vor Jahren von der mir
sehr werten Großnichte der Krones, von Fräulein Karo-
line Zehden in Wels (geboren 1848, gestorben 5. März
1917), erworben.
Diese durch verschiedene Quittungen und Authen-
tiken beglaubigten Stücke aus dem ehemaligen Besitz
der Therese Krones bestehen aus: einem dreiteiligen
Schmuck aus Rubinen und Perlen in schöner, alter
Fassung, einem Paar Ohrgehänge und einem Anhänger.
Die Ohrgehänge haben in den siebziger Jahren einen
anderen, sicheren Verschluß bekommen, an Stelle des
dünn gewordenen alten; der Anhänger bekam zur selben
Zeit eine Broschennadel. Die Fassung aller drei Stücke
blieb unverändert.
Albertine Krones-Zehden hat unzählige Male ihren
Verwandten erzählt, daß die Tante Reserl“ einen un-
gemein langen, sehr schlanken Hals gehabt habe, und
sie hat den rückwärts von einem Halsband durch
zogenen Anhänger so getragen, daß er von der obersten
Linie des Halses bis zum „Halsgrüberl“ reichte. Weitere
Andenken sind: eine Glückskorallc in Silberfassung,
unbedingt ein Herrenuhrketten-Anhängsel, jedenfalls
eine Dedikation; ein zierliches, einfaches „Petschier-
stöckel" mit einem eingravierten „K“; zwei Visitkarten
von Wenzel Scholz und Ferdinand Raimund; ein großes
weißes Tafeltischtuch für zehn Personen. Eingewebt
10 Teller; um jeden Teller gruppiert Messer, Gabel,
Löffel; in der Mitte des Tischtuches Unterlagen für drei
Schüsseln, zwischen den Tellern verteilt sechs Salz-
fäßchen, in den Ecken des Tuches je eine Vase mit
Blumen. Das eingewebte Muster des Geschirrs und der
Geräte ist ungemein zierlich gearbeitet, und es wäre
das Stück auch ohne seine Geschichte ein originelles
* Vergleiche Artikel der,,Internationalen Sammler-Zeitung“
vom 15. März 1919.
Exemplar. Wenn es nur zum Erzählen anfangen könnte!
Es ist nicht groß, dieses Tischtuch; und wenn jeder der
eingewebten zehn Teller den richtigen aus Steingut oder
Porzellan an der richtigen Stelle stehen hatte, dann
dürften die Souper- oder Dinerteilnehmer wohl sehr
enge aneinander gesessen haben. Alle nur möglichen
kulinarischen Kunstwerke Alt-Wiens (garbescheiden im
Vergleich mit Künstlersoupers bei Sacher zum Beispiel
aus dem Jahre 1913) oder einfachere Darbietungen, wie:
Schinken, Butter, Rettich und Bier, mögen bei lustigen
Gelagen, wie sie die Krones so sehr liebte, in ihrer
Wohnung über das weiße Tuch gewandert sein; und gar
manchem „Stingelglas", gefüllt mit goldigem „Aisecker“,
oft auch mit Champagner, zerbrach der Fuß auf diesem
vielleicht kostbarsten Stück Tafelwäsche der Krones.
Heiße Händedrucke mögen seine herabhängenden Kan
ten verborgen haben. Es hat die Stimmen seiner Be
sitzerin, Raimunds, von Scholz, Wenzel Müller, Schuster,
Tomaselli und wie alle Freunde und Freundinnen der
Diva hießen, gehört, wie sie in Lebenslust und Wehmut,
in Freude und Zorn, in Liebe und Haß ertönten. Auch
das harte Deutsch Jaroszynskis. Und es hat sie alle
gesehen. Schade, daß es nicht die Eigenschaften eines
Grammophons und zugleich eines Spiegels hat; — dann
wüßte man, wie Raimund und die Krones gesungen
haben. Und dann wüßte man, wie die Krones, die viel
leicht oft auf diesem Tischtuch Brotkügelchen gedreht
hat, ausgesehen habe, ob die beiden Bilder, die auch
zur Sammlung gehören, ähnlich sind.
Das eine Bild zeigt ein Brustbild der Künstlerin
(Lithographie — leider so ungeschickt beschnitten, daß
der Name des Steinzeichners fehlt; als Drucker erscheint
Mansfeld) als Luise in der Zauberparodie „Kabale und
Liebe". Nach der Familientradition soll dies das beste
Bild der Krones und ein von ihr ,,bestelltes“ gewesen
sein. Es zeigt sie in einem prächtigen „Spitzleib“ mit
bauschigen Ärmeln, reichem Schmuck und einem federn -
und bändergeschmückten Hut. Das. Bild steckt in dem
Originalrahmen, in dem es im guten Zimmer der Künst
lerin hing.
Das zweite Bild zeigt ein Szenenbüd: die Krones und
Raimund (diesen als Aschenmann!). Auch dieses Bild
soll nach ihren Angaben angefertigt sein und zierte ihre
Wohnung. Leider verschwand der Originalrahmen, und
Josef Krones, ihr Bruder, ließ in den dreißiger Jahren