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Internationale S ammler-Zeitung
Nr. 7
heute* (gepolstert) aus mahagoniähnlichem Holz mit schöner,
^zierlicher Metallboule; auf den Lehnen reizende Holz
einen neuen für das Bild anfertigen, der es noch
umgibt.
An weiteren Andenken wären zu nennen: ein
Stückchen weißer Spitze von einem Wäschestück; das
Nähnecessaire der Krones aus Elfenbein mit zarter
Goldeinlage und farbigen Blümchen (es enthält Schere,
Fingerhut und Nähnadelbüchse; der Fingerhut, ge
brochen und wundervoll wieder zusammengeklebt, ist
unglaublich klein). Die Großnichte der Krones sagte
lächelnd: „Meine Mutter sagte immer, daß sie es für
sehr fraglich halte, daß die Reserl-Tant’ viel mit ihm
genäht habe.“ Aber diese Necessaires aus Silber oder
Elfenbein waren in Alt-Wien für jedes bessere Frauen
zimmer geradezu als zur Ausstattung gehörig üblich.
Aus dem Besitz von Josef Krones, dem einzigen
Bruder der Therese, stammen die im folgenden aufge
zählten Stücke: ein massiver Nähstock von Frau Alber
tine; eine Visitkarte von Nestroy; ein Originalbrief des
Direktors Carl an Josef Krones’ Witwe; ein Abschrift
des Testaments der Therese Krones für Josef Krones
(de dato 29. Dezember 1830, also einen Tag nach dem
Tode der Künstlerin, sofort nach der Testaments
eröffnung kopiert).
Als Ergänzung zu diesen unzweifelhaft aus dem
Besitze der Geschwister Krones stammenden Stücken
gehören der Sammlung Newald noch an etliche Bilder
von Albertinens Kindern; das interessanteste ist das, das
Albertine (den „.kleinen Zeitvertreib“ der Wiener
Soubrette) als junge Frau mit ihrem Töchterchen Karo-
line zeigt, ein Bild aus den Anfängen der Lichtbildkunst.
Auch Theodor Zehden, der ehemalige prächtige Opern
sänger, dessen Andenken in Linz noch nicht erloschen
ist, erscheint in einigen schönen Bildern. Das interessan
teste verschiedener alter Dokumente der Familie Krones-
Zehden ist der lateinisch abgefaßte Trauschein von
Albertine Krones, Schauspielerstochter aus Agram, und
Theodor Zehden, der bezeugt, daß diese sich am 30. Jän
ner 1843 in Jassy im Fürstentum Moldau vermählten.
Zuletzt sei noch eines geschriebenen Rollenheftes,
und zwar das mit den Zensurvermerken aus dem Jahre
1818 versehene Exemplar des Souffleurs Schack, einer
Posse von M. Tenelli, „Rochus Pumpernickel auf eine
andere Manier“, erwähnt. (Schack war der Gatte der
ebenfalls an der Leopoldstädter Bühne beschäftigten
Schauspielerin Mad. Schack.) Im Rollenbuch eingeklebt
befindet sich ein Theaterzettel von einer Aufführung der
Posse (in der die Krones eine unbedeutende Rolle hatte)
vom 5. März 1822. Mit Vergnügen verfolgt man in dem
Heft das Wüten des vormärzlichen Zensurstiftes.
Eine hübsche Sammlung von echten Kroncs-Möbeln
besitzt Fräulein K. R. in Wien. Es sind dies sechs Rohr
sessel, ein gepolsterter Sessel und ein Schlaff au teuil
einlagen, Blumenkörbe, Notenblätter, Lorbeerkränze,
Liren, Posaunen, Bänder, Masken usw. Der ursprüng
liche Überzug der Polsterteile war lichtblau mit gelben
Blümchen, ist aber wiederholt erneuert worden. Der
Sammlung K. R. gehören außerdem noch ein großer
Garderobeschrank mit großer Wäschelade und ein
geräumiger Schubladekasten mit vier Laden, die von
zwei Flügeltüren verdeckt sind (reiche Eierstableisten
zieren ihn), an. Diese zehn Möbelstücke, ziemlich ge
schickt restauriert und trotz der Heiklichkeit der zarten
Bouleeinlagen prachtvoll erhalten, wurden seinerzeit
von der Krones, in den zwanziger Jahren, an Schuld
zahlungsstatt dem Großvater der heutigen Besitzerin
der Möbel übergeben. Beide Teile, Gläubiger und Schuld
nerin, wohnten im Weintraubenhaus, gegenüber dem
Leopoldstädtertheater, später das x\lliiertenhaus ge
nannt. Er, der Gläubiger, hatte dort das Gasthaus „Zur
Weintraube" und lieferte der Krones, die übrigens von
ihm und seiner Gattin heiß verehrt wurde, täglich das
Essen und die diversen Soupers und Diners, die in ihrer
Wohnung veranstaltet wurden. Da sie einmal ihre
Schuld bei dem freundlichen Wirt schon sehr groß ange
wachsen sah, übergab sie ihm an Zahlungsstatt die an
geführten Möbel, die sich im Laufe der Jahre auf Kind
und Kindeskinder vererbt haben, stets als Krones-An-
denken hochgeehrt wurden und die — wie auch die im
Besitze der Schreiberin dieser Zeilen befindlichen —
einmal dem Museum der Stadt Wien zufallen werden.
Im alten Cafe Weghuber stand viele Jahrzehnte
lang eine Zimmerorgel aus dem Besitze der Krones, die
unter anderem auch das „Brüderlein fein" spielte. Das
interessante Stück wurde bei der Auflösung des alten
Geschäftes zur Reparatur gegeben und ganz zerlegt.
Es dürfte in Bälde vom Meister Orgelbauer wieder zu
sammengestellt sein. Und noch von einem Stück weiß
ich einiges zu berichten, wenngleich es mir noch nicht ge
lungen ist, die Spur des Weges, den es genommen hat,
aufzufinden. Das ist ein Ofenschirm aus der Sommer
wohnung der Krones in Heiligenstadt, dem bekannten,
jetzt der Stadt Wien gehörigen Krones-Häuschen. Der
hübsche Ofenschirm trug eine polnische Widmung, die
in der Übersetzung etwa: „Lieber sterben, als einen
Deutschen lieben!“ hieß. Die Krones hatte dieses
Stück, das von Severin Jaroszynski stammte, nach
dessen traurigem Ende einfach in der Sommerwohnung
belassen. Er wurde nebst anderen Möbeln und mit dem
ganzen Haus nach Jahren verkauft; später gelangte er
auf dem Wege der Versteigerung in eine andere Heiligen
städter Familie, zuletzt in die Hände des Schriftstellers
Ludwig Wegmann, jetzt Ordensgeistlicher in Kärnten.
Handzeichnungeii alter
Die für den 26. März anberaumt gewesene Ver
steigerung von Handzeichnungen mußte vom
Auktionsinstiiut Dr. Ignaz Schwarz in Wien auf den
14. und 15. April verschoben werden, da der Katalog,
wie es bei den jetzigen Druckerei Verhältnissen kaum
anders möglich ist, nicht rechtzeitig fertiggestellt
werden konnte. Inzwischen ist nun der sehr geschmack
volle Katalog erschienen, der uns eine Übersicht liber
das reiche Material gestattet, das unter den Hammer
kommt.
Die Handzeichnungen gliedern ^ich in zwei Gruppen,
von denen die der alten Meister die größere und natur-
und moderner Meister.
gemäß auch wertvollere ist. Wie finden da die besten
Namen, so ist, um nur einiges hervorzuheben, Agostino
Caraccio mit vier Federzeichnungen vertreten, von
denen ^besonders der nackte Mann, der das Hemd über
dem Kopfe auszieht, Interesse erregen wird; Lodovicö
Caracci ist durch eine staffagierte Landschaft und
„Musizierende Engel in Wolken“ repräsentiert. Von
Claude Lorrain ist eine Ansicht einer Festung mit
Türmen und Bogenstellungen vorhanden, deren Wert
leider durch einige Flecken beeinträchtigt ist.
Fragonard ist in der Sammlung nicht vertreten,
doch weist eine Landschaft mit Turmruine auf dessen