Nr. 7
Internationale Sammler- Zeitung
Seite 5S
(Die Versteigerung der Bibliothek Hirth.) Aus
München wird uns geschrieben: Bei der Versteigerung der
Bibliothek Dr. Georg Hirths, die im Antiquariat Emil Hirth
stattfand, wurden vielfach Preise bezahlt, die dem gegen
wärtigen Tiefstand des Geldes entsprechend kaum als dauernd
oder als Norm gelten können. So wurde für manches Werk,
das auch in der berühmten Auktion Piloty im Mai vorigen
Jahres zum Ausbot kam, jetzt schon das Doppelte angelegt.
Den höchsten Preis, M 9050, erzielte „Dei Spiegel des mensch
lichen Lebens“ von Rodericus von Zamora, in Augsburg bei
Günther Zainer etwa 1476 gedruckt mit 56 altkolorierten
Holzschnitten. M 5450 brachte die erste Ausgabe des schönsten
Holzschnittwerkes der italienischen Frührenaissance, der
Hypnerotomachia Poliphili, gedruckt in Venedig bei Aldus
Manutius 1499. Eine Luthersche Hauspostille (Jena 1597)
wurde mit 5200 M bezahlt, aber nicht etwa des an sich ziemlich
■wertvollen Buches wegen, als wegen des prunkvollen, vom
kurfürstlich sächsischen Hofbuchbinder Krause stammenden
Einbandes mi 1 ' dem Bild Christi auf dem vorderen Deckel,
wundervoller Bemalung in Emailfaibe, Goldpressung und reich
ziseliertem Schnitt. Die berühmte Topographie von Merian
mit zahlreichen gestochenen Städteansichten erzielte M 5100,
das ,.Theatrum Europaeum“, verlegt von Merian 1643 bis
1738, M 2200, das Holzschnittwerk Hieronymus, Straßburg
um 1477, mit 150 Holzschnitten, M 3900, und ein Pariser
Horenbuch von 1511, ebenfalls mit Holzschnitten, Tierorna
menten, M 3650. Aesops Fabeln brachten in, einer venezianischen
Ausgabe von 1491 M 2000, in einer deutschen von 1479 M 1420;
Lavaters Physiognonrische Fragmente fanden für M 1355,
die erste Gesamtausgabe von Schillers Werken für AI 810
Liebhaber. Die Bibliothek in Berlin, die Akademie für Graphik
in Leipzig, die Staatsbibliothek, die Graphische Sammlung
and das Nanonalmuseum machten keine wesentlichen Er
werbungen. Eine Anzahl Stücke wurde für Schweden erworben.
(Eine neue Gesamtausgabe der Werke Stendhals.)
Der französische Verleger Edouard Champion plant die Heraus
gabe einer neuen Auflage sämtlicher Werke Stendhals. Einige
Bände sind bereits in Druck, andere in Vorbereitung. Als Ein
leitung ist eine Arbeit P. Arbelets ,,Le jeunesse de Stendhal",
gedacht; dieser folgen „Rom", „Neapel“ und Florenz“. Daran
soll sich „L'Histoire de la peinture en Italie“ mit einem Vorwort
von Arbelet und das Tagebuch Stendhals anschließen.
Bilder.
(Die Sammlung Conrad Fiedlers.) ln Partenkirchen
starb dieser Tage Frau Mary Balling, die Gattin des General
musikdirektors Michael Balling, die Witwe Hermann Levis,
die in erster Ehe mit Conrad Fiedler, dem großen Kunst-
theoretiker und Freunde Hans von Marees, verheiratet war.
Bestimmungsgemäß fällt mit ihrem Tode die große Sammlung
von Werken, vor allem Marees', der Berliner Nationalgalerie
zu. Ein Teil der Bilder waf bereits nach der Jahrhundert
ausstellung in der Sammlung; als Tschudi ging, zog Frau
Balling die Werke zurück, die nun jetzt nach ihrem Tode dem
Museum zufallen. In der Hauptsache handelt es sich dabei
um Werke Mar6es’: nach Meier-Graefes großem Katalog
besaß Frau Balling noch über 300 Arbeiten des Malers der
Hesperidenbilder, eine Fülle ven Studien und Entwürfen,
daneben aber auch eine große Reihe von Gemälden. Ein Selbst
bildnis Marees’ ist darunter und zwei Porträts von Fiedler,
der heilige Martin, der Philippus mit dem Kämmerer und der
orangenpflückende Reiter, ferner die römische Vigne, die
Villa Borghese in der Landschaft und die Jünglinge im Orangen
hain, der farbige Entwurf für das Mittelbild der Werbung und
die schönen Putten von dem großen Triptychon. — Neben
Werken Marees’ besaß Fiedler des weiteren eine große Samm
lung von Arbeiten Böcklins, Feuerbachs und vor allem
Thomas. Mit Plastiken ist vor allem Adolf Hildebrand
vertreten.
(Ein Schlachtenbild von Fritz von .Uhde.) Aus
Leipzig wird uns geschrieben: Der verstorbene Maler Fritz
von Uhde hat, während er im Karabinierregiment in Borna
bei Leipzig als Offizier diente, ein Gemälde geschaffen, das
das Regiment im Gefecht bei Buzanzy zeigt, und das im Bornaer
Offizierskasino aufgestellt war. Da das Kasino jetzt zur Auf
lösung kommt, hat der Vorstand das Kunstwerk dem Städti
schen Museum der bildenden Künste in Leipzig als Leihgabe
überwiesen.
Fayencen.
(Stockelsdorfer Fayencen.) Im „Cicerone" faßt Karl
Schaefer das bisher bekannte Material über die Stockels
dorfer Fayencen zusammen. Im März 1763 erhielt Peter Gr aff
die Erlaubnis zur Anlage der Manufaktur, die unter Buchwald
(1773—1776) ihre Blütezeit erlebte. Die eigentlichen Glanz
stücke waren mit Landschaften und Figurenszenen in reicher
Muffelfarbenpalette bemalte Öfen, die meist bloß den Auf
satz auf gußeisernem Feuerkasten bildeten. Auffällig und
bezeichnend für Stockelsdorf ist das helle, saftige Blaugrün,
dirrch dessen Fläche die schwarze Untermalung und Umriß-
zeichnung durchscheint und das besbnders gerne zur Staffierung
der plastischen Teile an den Öfen verwendet wurde, daneben
das leuchtende Gold, das im Stil schon behebt war.
Handschriften.
(Neue Dante-Manuskripte.) Während des Krieges
sind in Italien neue Dante-Manuskripte gefunden worden,
die die Tiaktate „De vulgari eloquentia“ und „De monarchia“
enthalten. Der Text dieser Schriften ist nun, von Berthalot
herausgegeben, in Druck erschienen. Die vielen Textprobleme,
die der Traktat „De vulgari eloquentia“ bietet, sollen durch
die neuen Lesarten zum größten Teil gelöst worden sein.
Numismatik.
(Münzfund.) Aus Olten wird uns geschrieben: In einem
Bauernhaus bei der Kirche Niedergösgen wurde ein sehi
wertvoller Münzfund gemacht. Die Münzen, unter denen sich
zahlreiche goldene Stücke befinden, sind sehr gut erhalten.
Erfreulicherweise sind unverzüglich die nötigen Afaßnahmen
ergriffen worden, um den Fund zu sichern.
Philatelie.
(Bayrische Überdrucke.) Die von uns angekündigten
bayrischen Überdrucksmarken sind bereits ausgegeben worden.
(Tod eines berühmten Markensammlers.) Der
kürzlich in New York im Alter von 82 Jahren verstorbene
weltbekannte Kunsthändler Duveen war auch ein eifriger
Briefmarkensammler und seine Sammlung gilt allgemein als
eine der wertvollsten und schönsten in den Vereinigten Staaten.
Besonders berühmt wurde die Mauritius-Sammlung des von
holländischen Eltern stammenden, persönlich ungemein liebens
würdigen Kunstfreundes und Ästheten. Es befinden sich dar
unter die beiden größten Markenseltenheiten der Welt, die
beiden Mauritius-,,Post-Office“-Marken 1 Penny rot und
2 Penny blau vom Jahre 1847 in Prachtexemplaren, von denen
selbst das deutsche Reichspostmuseum nur je ein leider lädiertes
und geflicktes Stück besitzt. Duveen hatte diese Raritäten
seinerzeit aus der englischen Avery-Sammlung erworben und