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Internationale Satnmler-Zeitung
Nr. 8
geschildert hat. Die breite, kühne Pinselführung, die unwider
stehlich lebendige Auffassung des Momentanen, die kräftige,
frische Farbengebung zeigen Frans Hals in seinem besten
Stile. Das Bild, das der Forschung wohl bekannt und auch
in Bodes Werk aufgeführt ist, gehört der späteren Zeit des
Meisters an. Seine Erwerbung wird von der schwedischen
Kunstwelt warm willkommen geheißen.
(Eine Fabrik falscher Zorn-Radierungen.) Durch
die Verhaftung eines Mannes, der eine falsche Radierung,
von Zorn zum Kauf anbot, ist es der Kopenhagener Polizei
gelungen, einer Fabrik solcher Fälschungen auf die Spur zu
kommen. In der letzten Zeit sind in Kopenhagen, Göteborg
und anderen Städten zahlreiche falsche Radierungen von
Zorn in den Handel gekommen. Der Verhaftete, der ursprüng
lich alle Angaben über seine Person verweigerte, ist, wie die
Polizei feststellen konnte, von Stockholm nach Südschweden
und Dänemark gekommen, um die Fälschungen an den Mann
zu bringen. Man vermutet daher, daß die Fabrik in Stockholm
liegt.
Numismatik.
(Römische Münzkunde.) Luden Naville in Genf
veröffentlicht im neuesten Jahrgang der „Schweizerischen
Numismatischen Zeitschrift" einen Aufsatz über die römischen
Kaiser und deren Titel Princeps Juventutis. Auf Grund äußerst
sorgfältiger und exakter Detailuntersuchung kommt der ge
lehrte Spezialforscher zu durchaus überzeugenden Schlüssen;
sie bestehen hauptsächlich darin, daß eine gewisse Zahl von
Kaisern, jedenfalls von Aurelian an, den Titel „Chef der be
rittenen Jugend" führte.
Philatelie.
(Künstliche Fehldrucke.) In der Staatsdruckerei in
Wien wurden Unregelmäßigkeiten entdeckt, welche die Ein
leitung einer Untersuchung zur Folge hatten. Wie diese ergab,
handelt es sich um die künstliche Herstellung von Fehl
drucken, die für den Staat als solche wertlos sind, dafür aber
um so größeren Liebhaber- und Handelswert für Markenhändler
und Markensammler besitzen. Nun wird dem Vizedirektor
der Staatsdruckerei Friedrich Hesse zur Last gelegt, daß er
solche Fehldrucke habe künstlich herstellen lassen, ohne daß
aber einer der anderen Beamten oder einer der damit beschäf
tigt gewesenen Arbeiter eine Kenntnis davon gehabt hätte.
Der Vizedirektor, der in Verwahrungshaft genommen wurde,
gestand dieses Vorgehen zu, erklärte aber, daß ihm jede Schä
digungsabsicht gefehlt habe. Er wollte angeblich die Fehldrucke
nicht in den Handel bringen, sondern zur Bereicherung seiner
eigenen Versammlung verwenden. Infolge seiner Verantwortung
wurde der Beschuldigte wieder auf freien Fuß gesetzt, doch ist
es wahrscheinlich, daß gegen ihn eine Anklage wegen Betruges
oder mindestens Mißbrauchs der Amtsgewalt erhoben werden
wird.
(Erinnerungsmarken an die Deutsche National
versammlung.) Das Preisausschreiben ..des Reichspostmi
nisteriums zur Erlangung künstlerischer Entwürfe für Er
innerungsmarken an die Nationalversammlung hat 4682 Ent
würfe gezeitigt. Es erhielten je einen 1. Preis von 2000 Mark:
Ernst Böhm, Charlottenburg, Willi Schmidt oder Schuster.
München (der Name soll nicht genau zu entziffern sein), und
Georg Matthey, Berlin; je einen 2. Preis in der Höhe von
1500 Mark; Ernst Böhm, Charlottenburg, Hugo Frank,
Stuttgart, und Willy Schultz, München; je einen 3. Preis von
1000 Mark: Willi Schmidt oder Schuster, München, Pro
fessor Weiß, Berlin, Georg Matthey, Berlin und Hugo Frank,
Stuttgart. Zur Ausführung sind die folgenden Entwürfe emp
fohlen: 10 Pfennig-Marke Hugo Frank, Stuttgart, 15 Pfennig-
Marke Böhm, Charlottenburg, 25 Pfennig-Marke Matthey,
Berlin.
Verschiedenes.
(Die Schicksale der großen Kameen.) Fernand de
Mel y weist im Märzheft der Pariser Zeitschrift „La Renaissance
de l’Art franfais et des industries de luxe" nach, daß der herr
liche Wiener Kanreo mit der Darstellung des Kaisers Augustus,
zweier Feldherren aus seiner Verwandtschaft, allegorischen
Gestalten, Soldaten und Kriegsgefangenen, ein berühmtes
Kunstwerk der augusteischen Epoche, das in Gipsabgüssen
in unzähligen Sammlungen der Welt verbreitet ist, aus dem
Kirchenschatz von Saint-Semin in Toulouse stammt. Das
Juwel hat also, wie der Onyx von Schaffhausen, das mantua-
nische Gefäß von Braunschweig, der Koblenzer Kameo von
St. Castor in Paris und die meisten berühmten geschnittenen
Steine des Altertums, weite Reisen und viele .Handänderungen
hinter sich. Mit dem Schaffhauser Juwel hat das Wiener das
gemein, daß .beide aus augusteischer Zeit stammen und daß
über den Verbleib beider während des 16. Jahrhunderts Dunkel
herrscht, während sie im folgenden Jahrhundert wieder auf
tauchen.
(Berliner Ausstellungen.) Die Freie Sezession zu
Berlin bereitet für den 15. Mai in ihrem Ausstellungshause
am Kurfürstendamm eine Frühjahrsausstellung vor. Sic wird
diesmal nicht nur Gemälde und Plastik, sondern auch Graphik
und Zeichnungen enthalten und soll bis zum 1. Juli geöffnet
bleiben. — Eine juryfreie Kunstausstellung wird von
der Gruppe der ehemalig feldgrauen Künstler im wirtschaft
lichen Verbände bildender Künstler Berlins vorbereitet. Der
wirtschaftliche Verband hat sich mit einer Eingabe gegen die
Einreihung der photographischen Sachverständigenkammer
in die künstlerische Sachverständigenkammer an die zustän
digen Stellen gewandt.
(Eingemauerte Kunstschätze.) Aus Ödenburg wird
uns gemeldet: Im Forchensteiner Schloß des Fürsten Nikolaus
Esterhazy fand die Inventarisierungskommission nach eifrigem
Suchen Kunstschätze von. riesigem Werte eingemauert. Es
waren darunter Gold- und Silberschüsseln und Pokale, darunter
einer in halber Manneshöhe mit einem Edelstein verziert,
der aus der Zeit Matthias Corvinus stammt. Die Schätze wurden
unter Sperre gelegt. Nach den Erhebungen ist die Einmauerung
der Schätze längstens vor zwei Wochen erfolgt.
(„Verschleppung“ der Großen Berliner Kunst
ausstellung.) Der „Berliner Lokalanzeiger" schreibt: In
Künstlerkreisen hört man verschiedentlich die Ansicht äußern,
die Regierung habe ein Interesse daran, die Große Berliner
Kunstausstellung zu verschleppen oder gar, über ihre alten
Räume am Lehrter Bahnhof anderweitig zu verfügen. Wir haben
an amtlicher Stelle um eine Äußerung zu diesen Stimmen ge
beten. Man bezeichnete hier diese Vorwürfe als völlig unbe
gründet, als Phantasterei. Die Verzögerung der nötigen Instand
setzungsarbeiten im Glaspalast am Lehrter Bahnhof rührt
von dem heillosen Materialmangel her. Es seien die für die mili
tärische Benutzung der Hallen entfernten Gliederungswände
wieder zu errichten, und besondere Schwierigkeiten mache die
Abdämpfung der Beleuchtung. Sie geschah .vor dem Kriege
durch Velarien, die jetzt aber nicht zu haben sind.
Nun sei man auf Glasdecken angewiesen. Da entstehe
aber eine neue Schwierigkeit, die bei dem neuen Museum auf
der Museumsinsel sich leider herausgestellt habe: das heutige
Gas wirke, grünlich, was den Genuß der Kunstwerke wesentlich
beeinträchtige. Es muß da also irgendein anderer Ausweg
gefunden werden. Der Vertreter der Regierung versicherte,
daß alle Maßnahmen zum beschleunigten Beginn der Bau
arbeiten im Gange sind. Über den Termin für die Eröffnung
der „Großen Berliner" kann heute noch nichts Bestimmtes
mitgeteilt werden.
(Eine Wagnerreliquie aus dem Jahre 1848.) Das
interessante. Schreiben vom 16. Mai 1848, in dem Richard
Wagner bei dem damaligen sächsischen Minister des Innern
Martin Oberländer um eine Audienz nachsucht, um dem