MAK
Seite 68 
Internationale Sammler-Zeitung 
Nr. 9 
Eine nummernreiche Sammlung von einzelnen 
Füllungen, fast alles Kölner Arbeiten, zeigt die belieb 
testen Holzschnitzerornamente des 16. Jahrhunderts. 
Holbein, Peter Flötner und einzelne deutsche Klein 
meister sind die Schöpfer dieser Motive, die in immer 
neuen Abwandlungen den Formenschatz der zeitge 
nössischen Holzschnitzer abgaben. Es handelt sich bei 
dieser Sammlung hauptsächlich um Füllungen von 
Stollenschränken und Truhen. Oft ist das gleiche Muster 
paarweise, oft auch zu vier Stücken vorhanden, den 
Architekten und Kunstschreinern zur willkommenen 
Ausbeute. 
Eine andere Abteilung des Katalogs ist die Folge der 
Steinzeugarbeiten, wobei das Schwergewicht auch 
hier auf den Erzeugnissen der rheinischen Töpferkunst 
liegt. Die verschicdnen Werkstätten des Westerwaldcs, 
Höhr, Grenzhausen, Nassau usw. sind mit prächtigen 
Schenkkannen und Krügen vertreten; Siegburg, Raeren, 
Köln und Frechen schließen sich würdig an. 
Die Abteilung der Porzellane beschränkt sich fast 
ausschließlich auf Ostasien und bevorzugt vor allem 
Schüsseln und Teller. Kostbare, farbenprächtige Teller 
aus China in Famille-rose-Malerie wetteifern mit den Er 
zeugnissen von Imari. Die einzelnen Muster sind in 
Reihen von oft 20, 30 und mehr Exemplaren vorhanden, 
alles in allem eine Sammlung, wie sie heute sehr selten 
auf den Markt kommt. 
Die Silber- und Elf enbeinarbeiten sind meistens 
aus neuerer Zeit, doch finden sich unter ihnen glänzende 
Meisterstücke reproduzierender Kunst. 
Unter den Gemälden ist zu nennen ein aus dem Be 
sitz der Kölner Familie Schaaffhausen stammendes, 
dem Rubens zugeschriebenes Werk, darstellend die 
Jungfrau von Orleans, ferner ein holländisches Frauen 
bildnis von einem unbekannten Maler des 17. Jahr 
hundert und ein Flötenspieler in der Manier des 
Gerhard Honthorst. 
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Künstliche 
Der Schwindel mit den künstlichen Fehldrucken, über den 
wir in der vorigen Nummer berichteten, hat ein Todesopfer ge 
fordert: Der Vizedirektor der Staatsdruckerei Regierungsrat 
Friedrich Hesse, einer der Hauptbeschuldigten, hat seine Tat 
mit dem Leben gesühnt. 
Nach den gepflogenen Erhebungen ließ Hesse seit mehreren 
Jahren künstliche Fehldrucke hersteilen, mit denen er einen 
schwunghaften Handel trieb. Mit Vorliebe benützte er die Feld 
postmarken und die Marken für Bosnien, von denen er 
Marken in unrichtigen Farben oder unrichtigem Papier, Marken 
mit falschem Unterton oder falschem Aufdruck, gezähnte und 
ungezähnte Marken machen ließ. Nicht selten kombinierte er 
auch diese absichtlichen Fehler. 
Bisher konnten wir im Handel vierzehn solcher künstlichen 
Fehldrucke feststellen, und zwar: 
1. Österreichische Feldpost, 1. Ausgabe mit doppeltem Auf 
druck, gezähnt. 
2. Dieselbe Ausgabe, ungezähnt. 
3. Österreichische Feldpost, 2. Ausgabe, ungezähnt. 
4. Österreichische Feldpost mit verkehrtem Aufdruck 
„Feldpost“. 
5. Feldpost Kaiser Karl, ungezähnt. 
6. Feldpost für Rumänien, ungezähnt. 
Fehldrucke. 
7. Feldpost für Rumänien mit verkehrtem Aufdruck. 
8. Feldpost für Rumänien mit andersfarbigem Aufdruck 
(schwarz statt rot bei den niederen, rot statt schwarz bei den 
höheren Werten). 
9. Bosnien, Kaiser Franz Josefs-Ausgabe, ungezähnt. 
10. Bosnien, 1912er Ausgabe, ungezähnt. 
11. Bosnien, 1916er Ausgabe, ungezähnt. 
12. Bosnien, 1916er Ausgabe in anderen Farben, gezähnt, 
13. Dieselbe Marke, ungezähnt und 
14. Bosnien, Kaiser Karl-Ausgabe, ungezähnt. 
Jede dieser Ausgaben ist in vollständigen Serien 
erzeugt worden und steht ziemlich hoch im Preise. 
Hesse selbst und seine Frau gingen in die Briefmarken 
handlungen, um diese Marken zu verkaufen; seine Frau wurde, 
nachdem die Polizei von der Sache erfahren hatte, von einem 
Polizeiagenten ertappt, als sie gerade 5000 Kronen für eine 
Lieferung einnahm. Bei der Hausdurchsuchung in Hesses 
Wohnung fand man eine Unmenge von solchen gefälschten 
Marken; Hesse hatte sie schon mit den Liebhaberpreisen, die er 
dafür einzunehmen gedachte, bezeichnet. Eine Nachrechnung 
ergab, daß er eine Viertelmillion Kronen einzunehmen 
hoffte. 
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Chronik. 
Bibliophilie. 
(Vereinigung wissenschaftlicher Verleger.) Die Ver 
lage G. J. Göschen, J. Guttentag, Georg Reimer in Berlin, 
Veit & Co. in Leipzig und Karl J. Trübner in Straßburg haben 
sich zu einem Unternehmen, der Vereinigung wissenschaftlicher 
Verleger Walter de Gruyter & Co., mit dem Hauptsitz in Berlin, 
verschmolzen. Die Tätigkeit der vereinigten Verlage umfaßt 
sämtliche Wissenschaftsgebiete, insbesondere Rechtswissen 
schaften, Sprachwissenschaften und Naturwissenschaften. Die 
Verlage gehören zu den ältesten und bekanntesten Deutsch 
lands; Göschen wurde 1785, Reimer 1749, Guttentag 1820, Veit 
1834 gegründet. Um die alten berühmten Namen auch in Zu 
kunft zu erhalten, ist deshalb vorgesehen, sie in die neue Firma 
einzubringen, und dieser insgesamt hinzuzufügen. Die letzten 
Inhaber der Einzelfirmen, Wilhelm v. Crayen, Dr. Walter de 
Gruyter, Otto v. Halem, Oskar Schuchardt und Dr. Kurt 
T hesing, bleiben die Leiter des Gesamtunternehmens. 
Bilder. 
(Die Sammlung Busch verkauft.) Die Mainzer Samm 
lung des Geheimen Kommerzienrats Busch ist, wie uns ge 
meldet wird, in die Hände des Kunsthandels übergegangen.
	        
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