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Internationale Sammler-Zeitung
Nr. 9
Eine nummernreiche Sammlung von einzelnen
Füllungen, fast alles Kölner Arbeiten, zeigt die belieb
testen Holzschnitzerornamente des 16. Jahrhunderts.
Holbein, Peter Flötner und einzelne deutsche Klein
meister sind die Schöpfer dieser Motive, die in immer
neuen Abwandlungen den Formenschatz der zeitge
nössischen Holzschnitzer abgaben. Es handelt sich bei
dieser Sammlung hauptsächlich um Füllungen von
Stollenschränken und Truhen. Oft ist das gleiche Muster
paarweise, oft auch zu vier Stücken vorhanden, den
Architekten und Kunstschreinern zur willkommenen
Ausbeute.
Eine andere Abteilung des Katalogs ist die Folge der
Steinzeugarbeiten, wobei das Schwergewicht auch
hier auf den Erzeugnissen der rheinischen Töpferkunst
liegt. Die verschicdnen Werkstätten des Westerwaldcs,
Höhr, Grenzhausen, Nassau usw. sind mit prächtigen
Schenkkannen und Krügen vertreten; Siegburg, Raeren,
Köln und Frechen schließen sich würdig an.
Die Abteilung der Porzellane beschränkt sich fast
ausschließlich auf Ostasien und bevorzugt vor allem
Schüsseln und Teller. Kostbare, farbenprächtige Teller
aus China in Famille-rose-Malerie wetteifern mit den Er
zeugnissen von Imari. Die einzelnen Muster sind in
Reihen von oft 20, 30 und mehr Exemplaren vorhanden,
alles in allem eine Sammlung, wie sie heute sehr selten
auf den Markt kommt.
Die Silber- und Elf enbeinarbeiten sind meistens
aus neuerer Zeit, doch finden sich unter ihnen glänzende
Meisterstücke reproduzierender Kunst.
Unter den Gemälden ist zu nennen ein aus dem Be
sitz der Kölner Familie Schaaffhausen stammendes,
dem Rubens zugeschriebenes Werk, darstellend die
Jungfrau von Orleans, ferner ein holländisches Frauen
bildnis von einem unbekannten Maler des 17. Jahr
hundert und ein Flötenspieler in der Manier des
Gerhard Honthorst.
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Künstliche
Der Schwindel mit den künstlichen Fehldrucken, über den
wir in der vorigen Nummer berichteten, hat ein Todesopfer ge
fordert: Der Vizedirektor der Staatsdruckerei Regierungsrat
Friedrich Hesse, einer der Hauptbeschuldigten, hat seine Tat
mit dem Leben gesühnt.
Nach den gepflogenen Erhebungen ließ Hesse seit mehreren
Jahren künstliche Fehldrucke hersteilen, mit denen er einen
schwunghaften Handel trieb. Mit Vorliebe benützte er die Feld
postmarken und die Marken für Bosnien, von denen er
Marken in unrichtigen Farben oder unrichtigem Papier, Marken
mit falschem Unterton oder falschem Aufdruck, gezähnte und
ungezähnte Marken machen ließ. Nicht selten kombinierte er
auch diese absichtlichen Fehler.
Bisher konnten wir im Handel vierzehn solcher künstlichen
Fehldrucke feststellen, und zwar:
1. Österreichische Feldpost, 1. Ausgabe mit doppeltem Auf
druck, gezähnt.
2. Dieselbe Ausgabe, ungezähnt.
3. Österreichische Feldpost, 2. Ausgabe, ungezähnt.
4. Österreichische Feldpost mit verkehrtem Aufdruck
„Feldpost“.
5. Feldpost Kaiser Karl, ungezähnt.
6. Feldpost für Rumänien, ungezähnt.
Fehldrucke.
7. Feldpost für Rumänien mit verkehrtem Aufdruck.
8. Feldpost für Rumänien mit andersfarbigem Aufdruck
(schwarz statt rot bei den niederen, rot statt schwarz bei den
höheren Werten).
9. Bosnien, Kaiser Franz Josefs-Ausgabe, ungezähnt.
10. Bosnien, 1912er Ausgabe, ungezähnt.
11. Bosnien, 1916er Ausgabe, ungezähnt.
12. Bosnien, 1916er Ausgabe in anderen Farben, gezähnt,
13. Dieselbe Marke, ungezähnt und
14. Bosnien, Kaiser Karl-Ausgabe, ungezähnt.
Jede dieser Ausgaben ist in vollständigen Serien
erzeugt worden und steht ziemlich hoch im Preise.
Hesse selbst und seine Frau gingen in die Briefmarken
handlungen, um diese Marken zu verkaufen; seine Frau wurde,
nachdem die Polizei von der Sache erfahren hatte, von einem
Polizeiagenten ertappt, als sie gerade 5000 Kronen für eine
Lieferung einnahm. Bei der Hausdurchsuchung in Hesses
Wohnung fand man eine Unmenge von solchen gefälschten
Marken; Hesse hatte sie schon mit den Liebhaberpreisen, die er
dafür einzunehmen gedachte, bezeichnet. Eine Nachrechnung
ergab, daß er eine Viertelmillion Kronen einzunehmen
hoffte.
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Chronik.
Bibliophilie.
(Vereinigung wissenschaftlicher Verleger.) Die Ver
lage G. J. Göschen, J. Guttentag, Georg Reimer in Berlin,
Veit & Co. in Leipzig und Karl J. Trübner in Straßburg haben
sich zu einem Unternehmen, der Vereinigung wissenschaftlicher
Verleger Walter de Gruyter & Co., mit dem Hauptsitz in Berlin,
verschmolzen. Die Tätigkeit der vereinigten Verlage umfaßt
sämtliche Wissenschaftsgebiete, insbesondere Rechtswissen
schaften, Sprachwissenschaften und Naturwissenschaften. Die
Verlage gehören zu den ältesten und bekanntesten Deutsch
lands; Göschen wurde 1785, Reimer 1749, Guttentag 1820, Veit
1834 gegründet. Um die alten berühmten Namen auch in Zu
kunft zu erhalten, ist deshalb vorgesehen, sie in die neue Firma
einzubringen, und dieser insgesamt hinzuzufügen. Die letzten
Inhaber der Einzelfirmen, Wilhelm v. Crayen, Dr. Walter de
Gruyter, Otto v. Halem, Oskar Schuchardt und Dr. Kurt
T hesing, bleiben die Leiter des Gesamtunternehmens.
Bilder.
(Die Sammlung Busch verkauft.) Die Mainzer Samm
lung des Geheimen Kommerzienrats Busch ist, wie uns ge
meldet wird, in die Hände des Kunsthandels übergegangen.