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MAK

Full text : Jahrgang 12 (1920) (1)

Nr.  1

Seite  7

Internationale  Sammler-Zeitung

Verschiedenes.
(Neuentdeckte  minoische  Inschriften  auf  Kreta.)
Wie  die  Times  melden,  hat  der  Ephor  der  kretischen  Altertümer ­
  H  adzidakis  beim  Dorfe  Malis  in  der  Nähe  von  Kandia
auf  Kreta  Überreste  einer  Stfdt  aus  minoischer  Zeit  mit  goldgeschmückten ­
  Säulenstrümpfen  und  Inschriften  entdeckt.
Sir  Arthur  Evans,  der  zurzeit  in  Oxford  weilende  Erforscher
der  kretischen  Königspaläste,  bemerkt  dazu,  daß  es  sich  wahrscheinlich ­
  nicht  um  Inschriften  auf  Architekturresten,  wie
deren  auf  Kreta  bisher  noch  nicht  gefunden  worden  sind,
sondern  wohl  um  Tontäfelchen  mit  Inschriften  handle,  wie
wir  deren  aus  Knossos,  Phaistos  usw.  tausende  besitzen.
Der  erste,  der,  ohne  in  der  Gelehrtenwelt  zunächst  Glauben
zu  finden,  durch  seine  Ausgrabung  von  Troja  das  Vorkommen
von  Schriftzeichen  in  homerischer  Zeit  festgestellt  hat,  war
Heinrich  Schliemann.  Aber  während  es  sich  in  Troja,  Mykenä,
Orchomenos,  Menidi,  Nauplia  usw.  meist  nur  um  vereinzelte
Schriftzeichen  handelte,  ist  auf  Kreta  eine  ganze  Literatur,
anscheinend  auch  von  längeren  Texten  aus  jener  vorgriechischen
oder  altgriechischen  Zeit  ans  Tageslicht  gekommen,  die  einige
als  minoische,  andere  als  mykenische  und  wieder  andere  als
ägäische  bezeichnen.  Leider  sind  ja  gleich  der  hettitisehen  Bilderschrift ­
  aus  Kleinasien  so  auch  die  Schriftsysteme  Kretas,  unter
denen  Evans  eine  ältere  Bilderschrift  und  eine  jüngere  mehr
lineare  Form  unterscheidet,  noch  imentziffert,  so  daß  wir  nicht
einmal  wissen,  ob  sie  einer  alten  Form  des  Griechischen  oder
aber  einer  mit  kleinasiatischen  Idiomen  verwandten  Sprache
der  Ureinwohner  Kretas  angehören.  Da  man  aber  eine  den  kretischen ­
  Inschriften  ähnelnde  Silbenschrift  von  der  Insel  Zypern
entziffert  hat,  so  besteht  die  Hoffnung,  daß  das  über  kurz  oder
lang  auch  mit  den  Tontäfelchen  von  Kncssos,  Phaistos  usw.
gelingen  könnte.
(Ausstellung  alter  Glasscheiben.)  Jüngst  wurde  in
Paris  eine  Ausstellung  alter  Glasgemälde,  die  während  des
Krieges  in  Sicherheit  gebracht  worden  waren  und  nun  wieder
an  ihren  alten  Bestimmungsort  zurückkehren,  eröffnet.  Es
handelt  sich  um  Glasgemälde  von  hohem  Wert,  die  aus  den
Kirchen  Saint-Henry,  St.  Severin,  St.  Gervais,  Saint  Germain
1‘Auxerrois  und  Saint  Etienne  du  Mont  stammen.  Es  sind
Überbleibsel  aus  einer  an  derartigen  Kunstschätzen  überreichen
Zeit.  Der  Nationalismus  des  achtzehnten  Jahrhunderts  war
der  Gotik  durchaus  nicht  hold,  und  die  llluminaten  gingen  so
weit,  die  ,.gotischen  Bizarroien“  im  Verlaufe  des  achtzehnten
Jchrhunderts  zu  entfernen  und  sie.  durch  einfache  Glasscheiben
in  den  Kirchen  zu  ersetzen.  Man  kann  sich,  wie  Andre  Michel
im  ,,  Journal  des  Debats“  richtig  bemerkt,  heute  vom  Glanze
der  Kapellen  des  Hotels  St.  Paul,  des  College  de  Navarre  und
der  Chapelle  des  Celestines  kaum  mehr  einen  Begriff  machen.
Paris  besaß  eine  eigene  Glasmalerschule,  die  im  engsten  Kontakt
mit  den  zeitgenössischen  Malern,  Bildhauern  und  Architekten
stand  und  Hand  in  Hand  mit  diesen  arbeitete.  Die  Schule  entstand ­
  im  vierzehnten  Jahrhundert,  entwickelte  sich  im  fünfzehnten ­
  und  erreichte  im  sechzehnten  eine  erstaunliche  Blute.
Sie  stand  in  nichts  hinter  der  Glasmalerkunst  der  Normandie,
der  Champagne  und  Burgunds  zurück.  Ihr  Ruhm  drang  weit
über  die  Grenzen  des  Landes  hinaus.  Papst  J  ulius  II.  ließ  den
Pariser  Meister  Guileaume  des  Marcillat,  dessen  Scheiben
heute  noch  die  Kathedrale  von  Arezzo  schmücken  und  der
Vasari  in  Entzücken  versetzte,  nach  Italien  kommen.  Von  diesen
Meisterwerken  sind  aber  verhältnismäßig  wenige  auf  unsere
Zeit  gekommen.  Die  ausgestellten  Scheiben  entstammen  teilweise ­
  dem  fünfzehnten  Jahrhundert,  teilweise  der  zweiten
Hälfte  und  dem  Ende  des  sechzehnten  und  dem  beginnenden
siebzehnten  Jahrhundert.  Die  Scheiben  tragen  die  Namen  der
Meister  Cousin,  Linaigrier,  Henriet,  Enguerrand,  Leprince,
Michu,  Desengines  und  Mounier.  Die  meisten  beziehen  sich  auf
biblische  Stoffe,  andere  auf  die  Heiligenlegcnde,  die  interessantesten ­
  auf  die  Märtyrergeschichte.

Vom  Kunstmarkt.
(Die  Cliodowiecki-Au  ktion  bei  C.  G.  Börner.)
Die  Versteigerung  der  C.hodowiecki-Sammlung  von  i\l.  Stecliow
(Berlin),  die  vom  10.  bis  13.  Dezember  v.  J.  bei  C.  G.  Boerner
in  Leipzig  stattfand,  hat  Beachtung  in  den  weitesten  Kreisen
gefunden.  Als  Käufer  erschienen  das  Leipziger  Museum  der
bildenden  Künste,  das  Kunstgewerbemuseum,  das  Stadtgeschichtliche ­
  Museum,  die  Deutsche  Bücherei,  das  Berliner
Kupferstichkabinett,  Kunsthändler  und  zahlreiche  Privatsammler. ­
  Die  Preise  waren  überaus  hoch,  Eine  Miniatur  auf
Elfenbein,  Halbfigur  einer  sitzenden  Dame,  kam  auf  M  22.500,
die  Elfenbeinminiatur  Friedrichs  des  Großen  auf  M  9500,  das
einzige  Ölbild,  Kaiserin  Katharina!  I.  von  Rußland,  aufM  11.000.
Von  Bleistiftzeichnungen  erzielten  „Vier  Damen  beim  Kartenspiel“ ­
  M  6000,  „Zwei  Herren  beim  Kerzenlicht  an  einem  Tisch“
M  6500,  ein  Aquarell,  des  Künstlers  Tochter  Susanne,  M  10.000,
die  Rötelzeichnung  „Lotte,  die  Pistolen  übergebend“,  M  6000.
-  -  Von  den  Studien  zu  den  Radierungen  brachten  „Die  Zelte
im  Berliner  Tiergarten“  und  „König  Friedrich  TI.  Wachtparade“
M  20.600.  Von  den  Radierungen  erzielten  unter  anderen  „Ankunft ­
  der  Franzosen  in  Deutschland“  M  3500,  „Der  große
L’Hombre-Tisch“  M  18.500,  die  „Vier  Damen  am  Fenster“
M  4500,  dasselbe  Blatt,  getuscht.  M  5300.  Zwei  Bände
Kopien  nachCh.  stiegen  auf  M4800.  Als  Kuriosum  sei  erwähnt,
daß  auch  die  Kastenmappen,  in  denen  ciie  Kunstblätter  aufbewahrt ­
  wurden,  sehr  hoch  im  Preise  standen.
(8.  Weizinger-Versteigerung.)  Die  am  15.  Dezembe
abgehaltene  8.  Kunstauktion  der  Firma  Dr.  F.  X.  Weizinger
&  Co.  in  München  fand  unter  lebhafter  Beteiligung  von
Münchener  und  auswärtigen  Käufern  statt.  Porzellane,  Teppiche ­
  und  Stilmöbel  erzielten  hervorragende  Resultate.  Besonders ­
  zu  erwähnen  sind  hierunter  folgende  Nummern:
Nr.  98,  2  Delfter  Dessertschalen,  17.  Jh.,  M  1000;  Nr.  131,
Knabe  und  Mädchen  in  Zopftracht,  Höchst-Damm,  M  900;
Nr.  178,  Venus,  Frankenthal,  um  1760  bis  1770,  M  10.600;
Nr.  179,  Jüngling,  Frankenthal,  um  1765  bis  1775,  M  6900;
Nr.  787,  Stehender  Knabe,  Wien,  um  1760  bis  1780,  M  1700;
Nr.  789,  Gärtnerjunge,  Höchst,  Modell  Melchior,  M  2400;
Nr.  308,  Italienischer  Salon,  Florentiner  Spätrenaissance,
M  16.000;  Nr.  313,  Augsburger  Barockschrank.  M  5200;  Nr.  319,
Wiener  Kommodenschrank  mit  Aufsatz,  M  4600;  Nr.  399,
Ovales  Tischchen,  Louis  XVI.,  M  2000;  Xr.  353,  Waschschränkchen ­
  mit  Wasserbehälter,  Spätrenaissance,  M  4200;  Nr.  387,
Don  Quichotte.  Buch  mit  31  Kupferstichen.  Lüttich  1776,
M  820;  Nr.  356,  Spiegel  mit  reichgeschmückten  vergoldeten
Barockrahmen,  M  620;  Nr.  358,  Ovaler  Rahmen,  Lindenholz,
reich  geschmückt,  M  770;  Nr.  424,  Morgenstern,  Meeresbrandung, ­
  M  2450;  Nr.  433,  K.  Rottmann,  1856,  Golf  von  Neapel,
M  10.000;  Nr.  498,  Aubissontcppich,  520X450,  M  19.000;
Nr.  509,  Schlangenteppich  (Bescliir),  380X  175,  M  10.200;
Nr.  514,  Beloutschistan,  280X205,  M  7600;  Nr.  520,  Gürtel,
unteritalienisch,  M  400;  Nr.  550,  Spiegel,  etruskisch,  M  800;
Nr.  657,  Halsamphora,  chalkidiscb,  M  1425.
(Auktion  bei  Lepke.)  Die  am  25.  und  26.  November
bei  Rudolph  Lepke  in  Berlin  durchgeführte  Auktion  (alte
Gemälde  und  Antiquitäten  aus  einem  schlesischen  Schloß,
Porzellansammlung  Dr.  Heinrich  Rose  (Wiesbaden)  und
94  Glaspokalen  aus  Berliner  Privatbesitz)  hatte  einen  ausgezeichneten ­
  Erfolg.  Es  notierten:
Gemälde  alter  Meister.
Nr.  3,  J.  Lingelbach,  Hafenpartie,  M  3500;  Nr.  4,  Ders.,
Hirten  mit  ihrem  Vieh  am  Meeresufer,  M  3300;  Nr.  6,  D.
Vosmaer,  Landschaft,  IM  8000;  Nr.  9,  Raibolini-Francia,
Bartloser  junger  Mann  mit  schwarzem  Barett,  M  18.500;
Nr.  10,  Brouwer,  Chirurgische  Operation,  M  4600;  Nr.  12
Jan  de  Wet,  Christus  am  Seeufer,  in  einem  Kahne  stehend
dem  Volke  predigend,  M  4200;  Nr.  14,  Th.  Mattenheimer,
Blumen  und  Fruchtstück  mit  Stieglitz  als  Staffage,  M  10.200;
Nr.  15,  Desgl.,  M  10.200;  Nr.  16,  Pietro  Liberi,  Delila  im  Be-
            
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