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Internationale 
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Zentralblatt für Sammler, Liebhaber und Kunstfreunde. 
Herausgeber: Norbert Ehrlich. 
12. Jahrgang. Wien, 15. Mai 1920. Nr. 10. 
Friedrich Imhoof-Blamer. 
Der Altmeister der Numismatik. 
In Winterthur (Schweiz) ist der große Numis 
matiker Dr. Friedrich Imhoof-Blumer, den Theodor 
Mommsen den einsichtigsten und weitsichtigsten aller 
lebenden Münzforscher nannte, im Alter von 82 Jahren 
gestorben. 
Seit Eekhels Tode (1795) hat kein Gelehrter sich 
solche Verdienste um die griechische Münzkunde er 
worben wie Imhoof-Blumer. Am 11. Mai 183& in 
Winterthur geboren, trat er mit 16 Jahren in das 
väterliche Geschäft ein. Nach Ablauf einer dreijährigen 
Lehrzeit führten Geschäftsreisen den jungen Mann, 
in dem sich schon mit 13 Jahren die Freude am Sam 
meln heimischer Münzgepräge gezeigt hatte, nach dem 
Orient. Hier, auf den Stätten der antiken Kulturen, 
erwachte in ihm die Liebe zur Wissenschaft, die durch 
spätere große Reisen stets neue Nahrung erhielt. Be 
sonders die griechischen Münzen waren es, denen er 
sein Interesse zuwendete und denen er schließlich die 
Kraft seines ganzen Lebens widmete. Eine großartige 
im Laufe, der Jahre zusammengebrachte Sammlung 
Schweizer Münzen schenkte Imhoof-Blumer im Jahre 
1870 dem Museum seiner Vaterstadt. Zur selben Zeit 
trat er aus dem väterlichen Geschäft aus und ergab 
sich nun ganz seiner Wissenschaft, der griechischen 
Münzkunde. Imhoof-Blumer empfand es schmerzlich, 
daß er kein Griechisch konnte und ihm deshalb die 
Sprache seiner Lieblinge unverständlich war. Mit Feuer 
eifer machte er sich deshalb in reifen Jahren daran, 
Griechisch zu lernen, was ihm auch bald gelang. Vor 
zügliche Verbindungen in Griechenland und Klein 
asien, ein scharfer Blick und umfassende Kenntnisse 
ermöglichten es ihm, eine der großartigsten Sammlungen 
griechischer Münzen zusammenzubringen, die sich je 
mals im P; ivatbssitz befunden ha.t. Diese Sammlung, 
ungefähr 20,000 Münzen umfassend, ging im Jahre 
1900 für'den. Preis von M 460.000 in den Besitz des 
Berliner Münzkabinetts über. 
Ein großes Verdienst Imhoof-Blumers war es, 
daß er seine Schätze schnell und gründlich nach der 
numismatischen, archäologischen und epigraphischen 
Seite hin wissenschaftlich verwertete. In einer großen 
Reihe von Aufsätzen, die in deutschen, österreichischen, 
englischen, holländischen, belgischen und schweizeri 
schen Zeitschriften erschienen- sind, hat er seine For 
schungen nieder gelegt. An größeren Werken erschienen 
von ihm: Porträtköpfe auf römischen Münzen (1879), 
Monnaies grecques (1883), Die Münzen der Dynastie 
von Pergamon (1884), Porträtköpfe auf antiken Münzen 
hellenischer und hellenisierter Völker (1885), Griechische 
Münzen (189 "J, Lydische Stadtmünzen (1897), Klein 
asiatische Münzen (1901/02). Mit P. Gardner zusammen 
veröffentlichte Imhoof-Blumer: Numismatic commen- 
taiy on Pausanias (1885), mit O. Keller; Tier- und 
Pflanzenbilder auf Münzen und Gemmen des klassischen 
Altertums (1889). 
Zahlreiche Ehrungen wurden dem Gelehrten im 
Laufe seines an wissenschaftlichen Erfolgen so reichen 
Lebens zuteil: er war Mitglied der Akademien von 
Berlin, München, Göttingen, Wien, Amsterdam und des 
Institut de Fra.ncc, Ehrendoktor der Universität 
Zürich, Ehrenmitglied einer großen Anzahl wissenschaft 
licher, voi allem numismatischer Vereine und Inhaber 
der höchsten Auszeichnung, die der König von Preußen 
einem Gelehrten verleihen kann, der Friedensklasse 
des Ordens Pour le medte. Imhoof-Blumer leitete auch 
das von der königlichen Akademie der Wissenschaften’ 
in Berlin herausgegebene Corpus nummorum anti- 
quorum, zu dessen Förderung er selbst Fr. 100.000 
stiftete. 
Lag aber auch die Bedeutung der Lebensarbeit 
Imhoof-Blumers in dessen numismatischer Tätigkeit, 
so hat er auch Kunstblätter und schöne Bücher mit 
heißem Bemühen gesammelt. In einem Feuilleton in 
der „Neuen Züricher Zeitung" erzählt uns Emil Er- 
matinger darüber: Imhoof-Blumer besaß Hunderte 
von deutschen und französischen Kunstdrucken. Die. 
deutschen liebte er nicht allzusehr. Sie waren ihm — 
und wer mußte ihm nicht recht geben? — meist zu 
plump, der Satzspiegel durch die schweren, dicken 
Lettern zu schwarz, die Illustrationen nicht fein genug. 
Aber die französischen! Da leuchtete sein Auge, wenn 
er die Vorzugsausgabe einer berühmten Gedichcsamm-. 
lung, etwa der Emaux et Camöes, oder eines bekannten 
Romans, wie der Salammtö, zeigte, mit dem klaren, 
festen, elfenbeinernen Papiei, den graziös entworfenen, . 
in zartesten Tönen überhauchten Holzschnitten. Und 
dazu die Einbände, aie er sich eigens von dem Brüsseler 
Weckesser komponieren und ausführen ließ. Sie waren 
mit ihren geistvollen Ornamenten, die harmonisch auf 
das Buch abgesummt waren, mit den bunten Leder 
blättchen, die zierlich und scharfgeschnitten m die 
Ounamentlinien eingelegt waren, mit ihrer klaren und! 
sparsamen Vergoldung und ihren herrlichen Vors.atz- 
p?.pieren oder -seiden wahre Wunder der Buchbinderei
	        
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