MAK
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Internationale Sammler-Zeitung 
Nr. 10 
und machten die Bücher vollends zu Kunstwerken. 
Und welche Sorge trug er selber zu diesen Kostbarkeiten, 
mit welcher Ehrfurcht nahm er sie aus den schönen 
Hüllen und wies sie dem Beschauer! Mit welch anmut 
voller Entschiedenheit konnte er sie wiederum dem 
Besucher entführen, wenn dieser, mit seinem Wesen 
nicht vertraut oder im Entzücken sich vergessend, 
die köstlichen Bände selber zur Hand nehmen wollte. 
Diese Werke waren auch für ihn nur zum Beschauen, 
nicht zum Lesen. Er besaß in der Regel von ihnen 
noch eine zweite, die gewöhnliche Ausgabe zum Hand 
gebrauch. Denn er schaute die Bücher nicht nur von 
außen an. Er war nicht nur ein Sammler, sondern auch 
ein Leser. Er kannte die neuere und neueste fran 
zösische und deutsche Literatur wie kaum ein zweiter 
vor ihm. 
Kupferstiche. 
Nach der Auktion Davidsohn, deren erster Teil Rauffmann, Masson, Nanteuil, Reynolds, G. F. Schmidt, 
soeben unter sensationellem Erfolge bei Börner in Vernet, Wille, Woollett und ancere. Uber hundert 
Leipzig versteigert wurde, bringen Hollstein & Nummern nehmen die Farbenstiche und Farben- 
Fig. 1. Rembrandt, Abraham Francz. 
P.uppel in Berlin gemeinsam mit der Frankfurter 
Kunstfirma Max Ziegert eine Sammlung von Kupfer 
stichen des 15. bis 18. Jahrhunderts auf den Markt. 
In der Quantität der Sammlung Davidsohn nachsteh :nd, 
enthält diese Sammlung Blätter, die an Qualität jener 
nichts nachgeben, ja viele darunter sind von einer 
Schönheit, wie sie selten noch-anzutreffen ist. 
Der prachtvoll ausgestattete, mit 46 Tafeln ge 
schmückte Katalog, der 2742 Nummern verzeichnet, 
gliedert sich in zwei Teile, deren erster alte Meister 
umfaßt, während der zweite englische und französische 
Blätter des 17. und 18. Jahrhunderts enthält. Den 
Höhepunkt der ersten Abteilung bildet das Rembrandt- 
Werk, das ziemlich komplett ist. Es finden sich da 
äußerst seltene Blätter, wie zum Beispiel das sogenannte 
Hundertguldenblatt, Clement de Jonghe, die Synagoge; 
andere, wie Rembrandt und Saskia, Rembrandt zeich 
nend, Die Kreuzabnahme bei Fackelschein, Die Ver 
kündigung an die Hirten, Abraham liebkost den Isaak, 
Abraham Francz (siehe Fig. 1) sind in prachtvollen 
Abdrucken vorhanden. Gleich vorzüglich sind auch 
Dürer, van Dyck, Wenzel Hollar, Lukas van Leyden 
und Adrian van Ost ade vertreten. Eine Kollektion 
von der Qualität und Vollständigkeit der Blätter des 
Cornelis Sloos van Amstel dürfte nicht leicht zu 
finden sein. 
In der zweiten Abteilung, französische und englische 
Blätter des 17. und 18. Jahrhunderts, figurieren Namen 
wie Alix, Bartolozzi, Bonnet, Boucher, Chodowiecki, 
Demarteau, Drevet, Fragonard, Freudeberg, Janinet, 
drucke ein, deren sich Napoleona und Städte 
ansichten anschließen. 
Unsere Abbildung (Fig. 2) gibt einen entzückenden 
Farbstich nach Morland von Levilly wieder. Er ist 
„The Squires Door“ betitelt und zeigt eine junge Dame 
in Reitkostüm, die einem kleinen Mädchen ein Almosen 
reicht. Im Hintergrund wartet ein Diener mit Pferden. 
* * 
* 
Über die Auktion Davidsohn liegt uns folgender 
Bericht vor: Bei der Auktion Davidsohn erregten zu 
nächst die Blätter von Burgmair d. Ä. großes Interesse. 
Ein Bildnis Kaiser Maximilian I. in Rüstung zu Pferde, 
auf M 3000 geschätzt, wurde für M 8100 verkauft, das 
„Junge Paar und der Tod“, ein prachtvoller Clair- 
obskur-Schnitt von drei Platten, auf M 6000 geschätzt, 
für M 26.000. Der junge Maximilian in der Münze 
brachte M 6600, Auszug von Landsknechten M 7000, 
"der Kaiser auf einem Piunkwagen, ein Stück aus dem 
Triumphzuge, M 10.000. Zwei Blätter des Canaletto, 
auf je M 700 geschätzt, wurden für M 3000, beziehungs 
weise M 3200 verkauft! Sehr hohe Preise erzielten die 
Holzschnitte von Lukas Cr an ach; ein Heiliger Christo- 
phorus M 44.000, zwölf Blatt „Masken der Apostel“ 
M 35.000, der heilige Johannes, predigend, M 14.500, 
das schöne große Blatt der „Hirschjagd“ M 13.500 
(geschä'zt auf M 2000’—). 
Die einzigartige, an Vollständigkeit und Schönheit 
kämm zu übertreffende Dürer-Sammlung fand die 
gebührende Würdigung. Von den 82 Kupferstichen
	        
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