MAK
Nr. 10 
Internationale Sammler-Zeitung 
Seite 77 
Dem Beispiel des Landes Oberösterreich folgt nun 
auch Niederösterreich, das in der letzten Sitzung der 
Landesversammlung den Beschluß gefaßt hat, Notgeld 
auszugeben. Das nieder Österreichische Landesnotgeld 
wird in drei Gattungen künstlerisch hergestellt werden, 
und zwar zu 10, 20 und 50 Heller. Auf den Zehnheller 
scheinen wird clas Bild der alten Burg der Babenberger 
nebst den landschaftlichen Reizen der Donau dargestellt 
•sein, während auf den Zwanzighellerscheinen das 
südliche Bild der Weinzettelwand, überragt von der 
Rax und dem Schneeberg, prangen und in Emblemen 
das’Industriegebiet dieser Gegend gezeigt wird. Auf den 
Fünfzighellerscheinen kommt der Segen der Arbeit 
zum Ausdruck, die Umrahmung wird alle Produkte, die 
die Landesagrikultur hervor bringt, versinnbildlichen. 
Das Wachauer Notgeld ist bereits in zwei Auflagen 
erschienen, die vollständig vergriffen sind. Auf Grund 
eines. Wettbewerbes hat die Gemeinde Spitz künst 
lerische Entwürfe für eine neue Ausgabe gewonnen, 
die in der zweiten Hälfte Mai dem Verkehr übergeben 
wird. — In einigen Tagen gelangt das Notgeld der 
Gemeinde Loiben zu 10, 20 und 50 Heller zur Ausgabe. 
Die Entwürfe stammen von Professor Otto Luhde in 
Krems. Sammler wenden sich an Vizebürgermeister 
Riemer in Loiben in der Wachau. ■— Die Marktgemeinde 
-Lilienfeld, verausgabt in. diesem Monat Notgelo zu 
10, 20 und 50 Heller mit Bildern des als die Perle des 
:Traisentales bezeichneten Marktes. — Die Gemeinde 
Würnsdorf bei Pöggstall gab Gutscheine zu 10, 
20 und 50 Heller aus. Sammler mögen sich an Josef 
Berger jun. in Pöggstall wenden. — Die Gemeinde 
Weitenegg a. D. gibt Gutscheine zu 10, 20 und 
50 Heller im Betrage von K 56.000 aus. 
Mitte Mai gibt die Stiftskellerei in Göttweig (Post 
Furth in Nieder Österreich) Notgeld zu 20 und 50 Heller 
in kleiner Anzahl aus. — Des weiteren kündigt die 
Gemeinde Allen.tsteig Notgeld an. Sammler mögen 
sich an Herrn Ferdinand Kurz in Allentsteig wenden.. 
In Perncrsdorf hat der.Kaufmann Alois Schiferl 
recht primitives Notgeld zu 10, 20 und 50 Heller, aus 
gegeben, bei dem der Vermerk „Nachahmung wird 
bestraft" recht heiter anmutet. 
In Loosdorf (Bezirk Melk) werden Notgeldscheine 
zu 10, 20 und 50 Heller zur Ansgabe gelangen. Der 
Entwurf dieser Scheine stammt von der Hand des 
dortigen Malers Alois Krakowitzer. — Die Gemeinde 
St. Nikola an der Donau verausgabt Scheine zu 10, 
20 und 50 Heller, die mit den Bildern des Donaustrudels, 
der Ruine Werfenstein und des Marktes. St. Nikola 
geziert sind. 
Aus Wiener-Neustadt wird uns berichtet: Der 
hiesige Gemcinderat beschloß die Ausgabe von Stadt- 
’geld, und zwtr von 100.000 Stück zu 50, 200.000 Stück 
zu. 20 und 100.000 Stück zu 10 Heller. 
Chronik. 
AUTOGRAPHEN. 
(Ein Bach-Fund in Mühlhausen.) Einen unbekannten 
Brief Johann Sebastian Bachs — vom .21. Mai 1735'— hat 
Archidiakonus Thiele in Mühlhausen i. Th. gefunden. Das 
Schreiben ist an den damaligen Bürgermeister Christian Petri 
gerichtet. Bach bedankt sich darin für die Mitteilung, daß sein 
Sohn Johann Gottfried Bernhard zur Probe für die Organisten 
stelle an der Marienkirche zugelassen sei. Der junge Bach hat 
diese Stelle später erhalten und sie bis zu seiner Übersiedlung 
nach Sängerhausen versehen. 
HANDSCHRIFTEN. 
(Ein Indiandermanuskript aus der Zeit der 
Entdeckung Amerikas.) Unter den Antiquitäten der 
kürzlich in New York verkauften Sammlung Walter T. 
Wallace befand sich eine historisch wie litei arisch weltvolle 
Handschrift des alten, die Halbinsel Yukatan bewohnenden 
Stammes der Maya-Indianer, der bereits zur Zeit der Ent 
deckung von Amerika durch Christoph Columbus eine eigene 
Literatur besaß. Die Handschrift wurde für 105 .Pfund Sterling 
von der United States Art Association erworben. —- Das 
Gesamtergebnis der Versteigerung der Wallace-Sammlung 
belief sich auf 3% Millionen Pfund Sterling. Ein altes ägyp 
tisches Gemälde auf Leinwand erzielte 50 Guineen, ein Blatt 
aus dem Koran in kufischer Handschrift 20 Pfund Sterling. 
(Grabbe-Ausstellung.) Zur Erinnerung an 
Grabbes Immatrikulation an der Leipziger Universität, die 
vor 100 Jahren — am 5. Mai 1820 — stattfand, hat das Stadt 
geschichtliche Museum in Leipzig die wesentlichen Stücke 
der bedeutenden Leipziger Grabbe-Sammlung Alfred Berg 
mann mit einer Autographengruppe aus der läppischen 
Landesbibliothek und der Leipziger Universitätsbibliothek, 
die gerade für Grabbes Leipziger Studentenzeit hübsche Er 
gänzungen bringt, zu einer Grabbe-Ausstellung vereinigt. 
Handschriften des Lustspiels „Scherz, Satire, Ironie und tiefere 
Bedeutung" sowie der ,. Shakespearomanie“, Bruchstücke 
der Hermannsschlacht geben in das Schaffen des Dichters, 
zahlreiche Briefpröben — vielfach ungedruckte . —• in' seine 
menschlichen ,und literarischen Beziehungen Einblick. Auch 
der Tatsache wird gedacht, daß es ein moderqei Leipziger 
Dichter, Hs.nns Jobst, war, der Grabbe wieder dem heutigen 
Theaterbesucher in eindrucksvoller. Weise nahe gebracht hat. 
PHILATELIE. 
(Versteigerung von Kriegsausstellungsmarken.) 
Die königlich ungarische Post und Telegraplien-General- 
direktion schreibt eine öffentliche Offertverhandlung für den 
Verkauf der im Jahre 1917 anläßlich der Kriegsausstellung 
auf der Margarethenmscl ausgegebenen, mit der Aufschrift 
„Jözsef föhereeg veze ezredes hadikiällitäsä 1 korona" über 
druckten, aus dem Verkehr gezogenen und noch im Besitze 
der Post befindlichen 10- und 15-h-Postwertzeichen aus. 
Seinerzeit wurden 560.000 Stück 10-h- und'ebensoviel 15-h- 
Marken hergestellt. Zur Feilbietung gelangen 374.000 Stück 
1-C-h- und ebensoviel l£-h-Marken. Die Post- und Telegraphen- 
GenereDirektion erklärt, daß a.ußci den für das Museum der 
Post zuiückbelialtenen je 50 Bogen 10- unci 15-l>Marken 
keine weiteren im Besitze der Post verbleiben, daß solche 
Wertzeichen nicht mehr hergestellt und daß sie, falls' Sich 
solche dennoch im Besitze der Post vorfinden sollten, kom 
missioneil vernichtet werden. Die schriftlichen Offerte sind 
m versiegeltem Briefverschluß spätestens bis zum 15. Juni 1920, 
vormitta.gs 11 Uhr, an die Wirtscha.ftssektion der Post- und 
Telegraphen-Generaldirektion (Budapest, II., Albrecht ut 3, 
II. 29) zu richten. Die Marken werden unter dem Nominal 
preis nicht veräußert. 
VERSCHIEDENES. 
(Aus dem Dorotheum.) Der Staatssekretär für lnneies 
und Unterricht hat den Sekretär des österreichischen Sta.ats- 
denkmalamtes Dr. Paul Buberl zum Direktionsrate des 
Dorotheums in Wien ernannt. Dt. Buberl wird in den nächsten 
Wochen die Leitung der Kunstabteilung des Dorotheums 
übernehmen und mit der Aufgabe betraut werden, die Kunst
	        
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