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Nr. 10
Internationale Sammler-Zeitung
auktionen des Institutes auf eine moderne Basis zu stellen;
ihm zur Seite wird Kommissär Adolf Paxa-Keucher, der
sich beim kunstsinnigen Publikum allgemeiner Sympathien
erfreut, stehen. Heri Dr. Buberl genießt in kunstgelehrten
Kreisen den besten Ruf. Während seiner langjährigen Ver
wendung im Staatsdenkmalamte kam er mit den Wiener
Kunsthändlern und Sammlern in -vielfache Berührung, ist
ihnen demnach kein Fremder. Sein reiches kunsthistorisches
Wissen wird es ermöglichen, die vor kurzem ins Leben gerufene
Schätzungsstelle der Kunrtabte'lung des Dorotheums für alle
Kunstgebiete auszubauen, um so einem gerade in letzter Zeit
besonders zutage tretenden Bedürfnisse des Wiener Kunst
marktes entgegenzukommen, der bisher einer offiziellen Be
ratungsstelle für den Verkehr mit Kunstgütern entbehrte.
Bei der Verfassung der Kunstauktionskataloge wird künftighin
auch der wissenschaftlichen Bearbeitung ein breiterer Spiel
raum eingeräumt werden. Der bisherige Leiter der Kunst
abteilung des Dorotheums, Direktionsiat August Bittner
wird an Stelle des mit Ende April in den Ruhestand tretenden
Direktionsrates Johann Podgornik oie Leitung des Ver
satzamtes übernehmen.
(General der Infanterie von Teuffenbach.) In
dem General der Infanterie, Albin Freiherrn von Teuffen
bach, der 85jährig in Graz verschied, verliert die „Internatio
nale Sammlerzeitung" einen warmen Freund und Förderer,
dessen Andenken sie stets hochhalten wird. Der General,
der in der vorderen Reihe der vaterländischen Schriftsteller
stand, hat auch wiederholt in unserem Blatte das Wort er
griffen. Wir erinnern insbesondere an seine vortreffliche Arbeit
über „Irene Spilimbergo", die in der Nummer vom 1. Dezember
1914 erschien. Anläßlich des 60. Gedenktages auf das Attentat
auf Kaiser Franz Joseph veröffentlichte Teuffenbach in der
„Internationalen Sammlerzeitung" einen Artikel, „Der 18. Fe
bruar 1853", betitelt, der neben einer authentischen Dar
stellung des Anschlages ein Wiener Gedenkblatt auf das Er
eignis und den Schild des Grafen O’Donell wiedergab. („In
ternationale Sammlerzeitung" Nr. 3 vom 1. Februar 1913.)
Ein andermal wieder schrieb Teuffenbach über „Die Wert
schätzung Fragonards", worin er die wechselnde Bewertung
der Bilder dieses Meisters besprach. („Internationale Sammlcr-
zeitung" Nr. 10 vom 15. Mai 1913.) General Teuffenbach,
der vor dem Kriegsausbruch in Görz lebte, hat dort interessante
Sammlungen hinterlassen, über deren Schicksal während des
Krieges uns nichts bekn.nnt geworden ist. Nach Weckbeckers
„Handbuch der Kunstpflege in Österreich“ besaß er zirka
10.000 Kupferstiche, Holzschnitte, Stahlstiche Lithographien,
Kupferstichwerke, alte Holzschnittwerke und Inkunabeln,
einige seltene Medaillen, beiläufig 150 Handzeichnungen,
darunter auch viele von hervorragenden Künstlern, ferner
eine ansehnliche Bibliothek und eine wertvolle Autographen
sammlung.
(Professor Dr. Moritz Benedikt.) In Wien ist,
82jährig, der lrervo. ragende Nervenpathologe Professor Doktor
Moritz Benedikt gestorben, ln den letzten Jahren verörfent-
lichte er die Ergebnisse seiner Forschungen über „Wünschel
rute und Pendel“, die jedoch in Kunst kreisen mit großer
Skepsis aufgenommen wurden. Namentlich wurde seine Be
hauptung stark angezwcifelt, daß es mit Hilfe der Wünschel
rute möglich sei, festzustellen, ob es sich um ein Originalwerk
eines großen Meisters handle oder nicht. Professor Benedikt
war übrigens auch selbst passionierter Sammler von Bildern
der Wiener Schule. Er besaß Werke von Waldmüller, Canon,
Alt und anderen. Seine große Bücherei ging letztwillig an Pro
fessor Dr. Neuburger über, der sie aber der Wiener Univer
sität widmete.
(Zur Geschichte des Gewandverschlusses.) Wir
erhalten vom Kriopfmuseum in Prag folgende Zuschrift:
Verehrliche Redaktion! Wir haben die Rezension über den
im Altertumsverein in München stattgehabten Vortrag des
Herrn Hofrates Pachinger „Zur Geschichte des Gewandver-
schlusses“ mit Interesse gelesen, können jedoch nicht umhin,
darauf hinzuweisen, daß unser Museum keinesfalls als „Ge-
wandmuseum“ begründet wurde und auch nicht in ein solches
ausgestaltet werden soll. Unser Sammelgebiet ist zwar ein
eng mit der Trachtengescbichte verknüpftes, auf ihr basieren
des, geht aber nicht, wie durch den Namen „Gewandmuseum"
angedeutet ist, m der Trachtengeschichte auf. Wir legen daher
Wert darauf, daß unser Sammelgebiet in dem repräsentativen
Organ aller Sammler kreise, Ihrer „Internationalen Sammler-
Zeitung“, untei seinem wahren Namen und mit seinen wahren
Tendenzen erwähnt wird. Damit möchten wir auch zugleich
die sprachlich unschöne Bezeichnung ,, Gewand museum" ein
für allemal abgelehnt haben. Hochachtungsvoll Dr. Paula
Wahle."
VOM KUNSTMARKT.
(Versteigerung im Dorotheum.) Die 308. Kunst
auktion des Dorotheums umfaßt eme reichhaltige und ge
schmackvolle Sammlung von Kunstobjekten. Unter den Ge
mälden alter Meister sind hervorragende Italiener, Franzosen
und Niedeiländer des siebzehnten, achtzehnten und neun
zehnten . Jahrhunderts vertreten. Das Glanzstück bildet wohl
ein prächtiger Correggio. Von modernen Künstlern sind her
vorzuheben: Da.rnaut, Hugo Charlemont, Albert Rieger, Koep-
pel, Dücker, R. Jellinek, Karl Reichert, Ch. Beitier, Anton
Schück. Überdies begegnet m?,n reizenden Aquarellen, Minia
turen, Bleistiftzeichnungen und Stichen. Wunderschöne Stücke
befinden sich unter dem a.lten Mobiliar. Von diesem sind ein
herrliches Renaissancebüfett sowie ein großer, geschnitzter
Barockkasten besonderer Erwähnung weit. Zahlreiche Uhren
in Bronze und Holz aus der Empire- und Biedermeierzeit, vor
treffliche Bronzefiguren und Reliefs aus dem achtzehnten
und neunzehnten Jahrhundert dürften gleich den interessa.nten
Holzplastiken aus dem fünfzehnten bis achtzehnten Jahrhun
dert und dem Nürnberger Zinngeschirr des siebzehnten und
a.chtzehnten Jahrhunderts viele Liebhaber finden. Von den
Arbeiten in Silber fällt ein kompletter, mit Steinen reich
besetzter ungarischer Magnatenschmuck besonders auf. Kost
bares Porzellan, Alt-Wiener, Meißener, französischer, Wed-
gewooder und Sclrlaggenwalder Provenienz sowie europäische
und ostasiatische Fayencen, darunter das viel begehrte Kreu-
ßiner, Rärcner und Westerwalder Steinzeug entzücken das
Auge des Beschauers. Ausgezeichnet präsentiert sich die
Gläsersammlung, der unter vielen, schönen Stücken zwei
tadellos erhaltene Exemplare von Josef Mildner angehören.
(Auktion bei Wawra.) Bei C. J. Wawra in Wien
findet am 31. Mai dieAuktion einer kleinen, erlesenen Samm
lung von modernen und alten Gemälden statt. Unter den
modernen Gemälden befinden sich einige prächtige Aquarelle
von Rudolf Alt (Micbaelerplatz in Wien, Dürnstein, Gastein),
ein Selbstporträt von Amerling, signiert Rom 1848, drei
Waldmüller (Herren-, Damen- und Kinderporträt), zwei
Isidor Kaufmann (ein Judenbild, „Ein gutes Geschäft“ be
titelt, und „Ermahnung"), Werke von Fr. Gauer.mann, Remi
van Haaven, Kuehl, Raab, Schödl, Schulze u. a. Unter den
älteren Gemälden sind besonders zwei signierte Gemälde des
Kremser Schmidt, „Das Konzert" und „Wirtshausszene“
hervorzuheben. Georg Deckel ist mit einer Miniatur ver
treten, die ihn selbst darstellt.
(Schidlof-Auktionen in Genf und Wien.) Am
26. und 27. April fand in den ideal ausgestatteten Räumen der
Galerie Moos in Genf unter; der Leitung von Leo Schidlof
(Wien), Max Moos und Paul Dreyf us (Genf) die Versteigerung
einer Kollektion hervorragender alter und moderner Gemälde
und Antiquitäten statt. Den größten Preis erzielte das Gemälde
„L’Elu" von Ferdinand Hodler, welches unter lauten Beifalls
kundgebungen des Publikums um 71.000 Schweizer Franken
einer Schweizer Liebhaberin zugeschlagen wurde. Dieser Betrag,
der unter Hinzurechnung des fünfzehnprozentigen Aufgeldes
Fr 81.650 ausmacht, beträgt nach dem jetzigen Kurse zirka