MAK
tfr. 12 
Internationale Sammler-Zeitung 
Seite 93 
Wilm, erster Vorsitzender; Hans Volkert, zweiter Vorsitzender; 
Reinhold Pfeiffer, Schriftführer; Hans Neumann, Kassenwart; 
Als Beisitzer: Kar] Bauer, Prof. Oskar Graf, Prof. Peter v. Halm. 
Rolf v. Hörschelmann. In Bayern tätige freie Graphiker, die 
der Fachgruppe beitreten wollen, mögen sich schriftlich an 
den ersten Vorsitzenden, München, Winthirstraße 13, wenden. 
(Kunstausstellung in Bremen.) In der Bremer Kunst 
halle wurde unter dem Titel „Deutsche Malerei des 20. Jahr 
hunderts' 1 eine Ausstellung von etwa 250 Gemälden eröffnet, 
die eine Anzahl von Meisterwerken unserer Epoche enthält; 
diese Meisterwerke sind natürlich aus Privatbesitz, meist von 
auswärts entliehen, denn von den Führern der älteren Gene 
ration sind gute Arbeiten weder in den Ateliers noch im Handel 
zu haben. Am Beginn stehen Max Liebermann, Max SleVogt 
und Lovis Corinth mit den Getreuen aus beiden Sezess onen. 
Dresden wird durch Sterl und Ludwig V. Hofmann, Dreher 
und Stotz vertreten, München durch einige Mitglieder der 
Scholle, durch Weisgerber und Teutsch, durch Jagers 
pacher und Seewald, Unold und Schülin. Eine feine 
Sondergruppe bilden Großmann Und Pascin mit W. Wagner 
und W. Thöny. Von den Jüngeren fanden besondere Be 
achtung Kokoschka, Heckei, Kirchner und Pechstein, 
Daneben fallen auf Kerschbaumer und Jaeckel, Oskar 
Moll und Otto Müller. Mit Krauskopf und Kohlhoff be 
ginnt für das Biemer Publikum die Problematik, mit Chagall 
und Campendonck, mit Feininger und Boccioni, die mit 
je einem Bilde vertreten sind, das unbedingt Revolutionäre. 
Die ganze Veranstaltung macht einen glänzenden Eindruck 
und findet lebhaftes Interesse. 
(Karl de Bouclta), der ausgezeichnete Glasmaler, ist 
74 Jahre alt, in München gestorben. Er stammte aus einer 
französischen Emigrantenfamilie und war als Sohn des Malers 
Karl de Boucl e am 16. Juli 1845 in München geboren; an der 
dortigen Kunstakademie und an der Akademie für Glasmalerei 
in Schleißheim studierte er. Werke von seiner Hand (Öl- und 
Glasmalereien) finden sich in fast allen bedeutenden Museen 
des In- und Auslandes. Am bekanntesten sind die Glasfenster, 
die er für die Blasiuskirche in Regensburg und den Dom 
in Augsburg malte. Kaiser Wilhelm II., der ihn zum Ilof- 
glasmaler ernannte, beauftragte ihn seinerzeit mit der Her 
stellung des von ihm für die Kirche in Aalesund (Norwegen) 
nach dem Brande der Stadt gestifteten Fensters. Die Technik 
der Glasmalerei hatte durch Bouch.6 eine neue Belebung er 
fahren und war von ihm zu bedeutender Höhe geführt worden. 
(Eine Florentiner Theaterentdeckung.) Professor 
Oskar Fischei, der Berliner Kunstgelehrte, der die von der 
Berliner Akademie der Künste für das nächste Jahr geplante 
große Theaterausstellung angeregt hat und dafür seine seit 
20 Jahren betriebenen Forschungen zur Verfügung stellte, 
veröffentlicht in der „Zeitschrift für bildende Kunst“ eine 
interessante Entdeckung. Sie zeigt, daß wir auch heute noch 
von einem interessanten Stück alter Theaterkunst eine 
Anschauung gewinnen können. Eine alte Nachricht meldet, daß 
der berühmte Erbauer der Florentiner Domkuppel, Brunu- 
leschi, für das Theater tätig war. Er war der Erfinder der 
Maschinerie des Paradieses, die am Fest der Annunziata all 
jährlich den Florentinern das Schauspiel der Verkündigung 
an Maria vorführte. Kinder spielen da Gottvater mit der drei 
fachen Krone, den Engelsboten und Maria, so wie es Filippo 
Lippi und Fra Angelico gemalt haben. Es muß nach den 
staunenden alten Beschreibungen ein höchst kunstvolles Werk 
gewesen sein: „Der Himmel öffnete sich im Glorienschein, der 
Engel fuhr aus der Luft herab und wieder empor.“ Nun stellt 
Fischei fest, daß Brunulescliis Schüler Michelozzo, als er die 
Florentiner Kunst nach Mailand verpflanzte, dort die Fest 
dekoration seines Meisters als Innendekoration der Kapelle 
genau verwandt hat, die er dort für den Residenten der Medico, 
Pizello Portinari, bei San Eustorgio baute. Amadeo hat dafür 
die himmlische Glorie, die jubilierenden Engel und die Ver 
kündigung an die Wände der Kapelle gemalt. So können wir 
dort noch heute das Raumbild wie mit Zauberschlag gebannt 
genießen, das der große Florentiner für sein heimatliches Fest 
gestaltete. 
(Römische Funde.) Der skandinavische Norden bildet 
eine unerschöpfliche Fundgrube für Altertümer der verschie 
densten Art. So ist jetzt wieder dem Kopenhagener National 
museum eine Anzahl hochinteressanter Funde zugegangen, 
die man bei Erdarbeiten in einem Giab in Hoby auf der Insel, 
Laaland entdeckte. Die Funde bestehen aus außerordentlich 
schönen römischen Arbeiten aus den beiden ersten Jahr 
hunderten nach Christi und bringen zum Teil figürliche Dar 
stellungen, die von besonders hohem antiquarischem Wert 
sind. Sie umfassen Kannen und sonstige Gefäße von Bronze 
sowie zwei große silberne Schalen mit Reliefbildern aus der 
Welt Homers. Die eine Schale zeigt auf der einen Seite Priamus 
der den Achilles um Auslieferung der Leiche Hektars bittet. 
An den Seiten befinden sich Sklaven und Sklavinnen. Die 
andere Seite der Scha'e zeigt Odysseus, der sich durch das 
Lager der schlafenden Trojaner schleicht, um die Rosse des 
Thrakerkönigs Rhesos zu rauben. Rhesos selbst liegt schlafend 
hinter seinem Streitwagen. Auf der anderen Seite dieser 
Schale ist die Sage des griechischen Helden Pliiloktetes dar 
gestellt, der auf dem Wege nach Troja von einer giftigen 
Schlange gebissen und auf der Insel Lemos zmückgelassen 
wurde. Die Abbildungen zeigen die Fußwaschung des Philok- 
tetes gleich nach dem Schlangenbiß sowie sein Zusammen 
treffen mit Odysseus zehn Jahre später. Beide Schalen sind 
vom Künstler mit der Bezeichnung in griechischen und latei 
nischen Buchstaben: „Chirisophos machte es" versehen. 
MUSEEN. 
(Schenkung für das Wiener Naturhistorische 
Museum.) Eine erfreuliche Bereicherung ihrer Bestände hat 
die prähistorische Sammlung des Naturhistoriseben Museums 
in Wien durch die geschenkweise Überlassung der großen und 
reichhaltigen Sammlung heimischer Altertümer aus vorge 
schichtlicher Zeit erhalten, die Generalabt Dungel, Prälat 
des Stiftes Göttweig, in fast 50jähriger Forschertätigkeit zu 
stande gebracht hat. Sie enthält unter anderem eiszeitliche 
Funde aus der Gudenushöhle und von Willendorf, größere 
Fundserien aus den Nekropolen von Kuffern und Statzendorf 
sowie zahlreiche Siedlungs-, Einzel- und andere Funde aus 
dem mittleren Niederösterreich, für dessen Vorgeschichte also 
ein sehr schätzenswertes Material. 
(Ein neues Museum in Breslau.) Um eine neue Kunst 
stätte, die eine wertvolle Ergänzung zu den Museen der Stadt 
bildet, ist Breslau reicher geworden: Das „Haus Albert und 
Toni Neißer ', ein Vermächtnis des 1916 verstorbenen be 
rühmten Breslauer Dermatologen Albert Neißer, das nach 
dem Willen des Stifters als eine Art Museum eingerichtet worden 
ist, wird in diesen Tagen dem allgemeinen Besuch geöffnet 
werden. Die von dem Architekten Grisebach erbaute, in dem 
Vorort Scheitnig gelegene Neißersche Villa enthält neben 
altem und modernem Kunstgewerbe moderne Gemälde, haupt 
sächlich von dem Brüderpaar Fritz und Erich Erlcr, die auch 
drei Räume darin selbständig bis ins Kleinste eingerichtet und 
mit Bildern geschmückt haben. 
(Germanisches Museum.) Das Geimanische Museum 
in Nürnberg hat in jüngster Zeit die Grabfigur des 1246 ver 
storbenen Grafen Heinrich III. von Sayn erworben, eines der 
hervorragendsten Werke deutscher Kunst, welche seit Jahr 
zehnten in den Handel kamen, und unter den Werken der 
Plastik des hohen Mittelalters das bedeutendste. Der Ver 
storbene ist nach Art der mittelalterlichen Grabfiguren in der 
unbestimmten Stellung zwischen Stehen und Liegen dargestellt, 
doch so, daß in der gesamten Haltung wie in den Faltenzügen 
die aufrechte Richtung stärker betont ist. Ihm zur Seite steht 
sein Sölinchen. Aus dieser Darstellung hat sich die Sage ent 
wickelt, der Graf habe das Kind durch einen unvorsichtigen 
Schlag getötet. Das Grabmal ist in Eichenholz ausgeführt,
	        
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