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Internationale Sammler-Zeitung
Nr. 13
haben, lernt man von neuem an einem sehr wirkungs
vollen großen "Wandbehang mit dem Triumph des
Antonius und der Kleopatra und an einem Stück aus
der Derius Mus-Serie kennen. Italienische Barockkunst
ist durch eine Arbeit nach Romanelli vertreten.
Französisches Barock kennzeichnet eine ganz hervor
ragende Serie mit dem Leben Caesars, in Brüssel
gewirkt.
Den Einfluß, den Ende des 17. Jahrhunderts die
Pariser Gobelinmanufaktur auf die Brüsseler Bikl-
wirkerei ausgeübt hat, zeigen Arbeiten nach van
Schoor. Eine vorzügliche Monatsfolge und ein großer
Behang nach Teniers vertreten die national vlämische
Art.
Brüsseler Tapisserien des 18. Jahrhunderts sind
vor allem in der Wiedergabe des Landschaftlichen —
an den Teniers-Bildern geschult — von größter Feinheit.
Eine Szene aus dem Soldaten leben nach Hyazinthe
de la Peigne und Darstellungen Von Erdteilen ge
hören koloristisch zu den feinsten Stücken der Samm
lung.
Die Abteilung enthält noch wundervolle Wappen
teppiche mit Grotesken in der Art des Berain und
schließt mit einem wohlerhaltenen Meisterwerk der
Pariser Gobelinmanufaktur, einer Calecutischen Land
schaft nach Desportes undrnit zwei gewirkten Portiät-
bildernder Kaiserin Maria Theresia und Josefs II. ab,
Die Durchführung dieser einzigartigen Ausstellung
ist einem Komitee zu danken, das aus den Herren
Regierungsrat Hermann Trenkwald, Dr. Hermann
Julius Hermann, Regierungsrat Di. Ludwig Baldaß
und Fräulein Hermine Bach, der bekannten Restau
ratorin der Gobelins, besteht. Regierungsrat Balddß
hat mit der ihn auszeichnenden Gründlichkeit das
Verzeichnis der ausgestellten Gobelins bearbeitet. Dieser
Katalog, wie das vom selben Verfasser stammende,
sehr empfehlenswerte Werkelten „Die Wiener Gobelin
sammlung“ (beide im Verlage von Eduard Holzel,
Wien, erschienen), werden über den aktuellen Anlaß
hinaus, für den sie geschrieben wurden, wichtige Bei
träge zur Literatur der Bildteppiche bilden, die bisher
leider sehr arm ist.
Im Zusammenhänge damit sei auch des anläßlich
der Ausstellung bei Eduard Hölzel erschienenen an
ziehenden Büchleins „Das Wiener Belvedere“ von
Dr. Bruno Grimschitz gedacht, dem zehn Bild
tafeln beigegeben sind. Ansichtskartensammler seien
schließlich auf die von der staatlichen Lichtbildstelle
ausgegebenen drei Ansichtskartenserien aufmerksam
gemacht, auf denen die prachtvollsten Gobelins repro
duziert sind.
Renoir-Fälschungen.
Kürzlich wurden 123 Bilder des französischen Malers
Louis Mi gnon in Bausch und Bogen von einem amerika
nischen Bilderhändler argekauft und als echte Renoirs
weiter Verkauft. Für die Echtheit verbürgte sich im
Katalog der angesehene amerikanische Kunstkritiker
Lewis Hind, der sich im Vorwort zu der typisch amerika
nischen Reklamephrase verstieg: „Ich hätte nie ge
dacht, daß dieser Teufelskerl so geschickt wäre!“
Über die näheren Umstände der Fälschungen, die
in amerikanischen Kunstkreisen große Aufregung ver
ursachen, wird berichtet: Schon im verflossenen März
protestierte das „Bulletin de la vie Artistique“ nach
drücklich gegen die Versteigerung von 36 Renoirs,
die das Blatt als falsch bezeic.hnete, die aber nach
dem amerikanischen Katalog sämtlich Werke des
großen Impressionisten waren, Geschenke an ein
langjähriges Modell, von dem der nunmehrige Ver
käufer sie erworben habe. Pierre Renoir, der Sohn
des Künstlers, dem eine Abbildung eines der Haupt
stücke zu Augen gekommen war, erklärte, daß sie
keine Schöpfungen seines Vaters seien, der auch nie
eine so große Anzahl Bilder verschenkt hätte. Nichts
destoweniger fand im Laufe des Fiühjahrs eine weitere
Versteigerung von 96 „Renoirs“ in New York statt;
im Katalog wurde kaltblütig darauf hingewiesen, daß
Mr. Pierre Renoir über das Tun und Lassen seines
Vaters sehr schlecht unterrichtet sein müsse, denn der
Augenschein würde jeden Kunstkenner von der Echt
heit der Sammlung überzeugen. Nun hat aber die Re
daktion des „Bulletin de la vie Artistique" ein Schreiben
des Malers Luden Mignon erhalten, der den Schwindel
aufdeckt. Mignon behauptet, daß er selbst sämtliche
Bilder gemalt habe, die dann als Renoirs in New' York
weiterverkauft wurden. Im Oktober 1919 habe er an
einen New Yorker Kunsthändler seine sämtlichen Bilder
und Pastelle verkauft, die auch mit seinem richtigen
Namen, Luden Mignon, gezeichnet waren. Anscheinend
ist, um höhere Preise zu erzielen, seine Unterschrift
fortgekratzt und dafür „Auguste Renoir“ gesetzt
worden. Natürlich haben diese in Renoirs umge
wandelten Mignons auch ihre amerikanischen Renoir-
Preise erreicht.
Der Nachlaß des Grafen Anton Wolkenstein.
• Fünf Tage hindurch wurden die Schätze, die seiner
zeit das Schloß des Grafen Anton Wolkenstein
zierten, im Kunstauktionshaus Leo Schi dl of in Wien
versteigert. Eine so große Auktion zu so Vorgeschrittencr
Jahreszeit zu veranstalten, war ein Wagnis, doch gab
der Erfolg dem Auktionator recht. Trotz der sommer
lichen Hitze, welche sich an manchen Tagen unange
nehm fühlbar machte, war der Auktionssaal von der
ersten bis zur letzten Minute immer gedrängt Voll, und
es begann ein lebhafter Wettkampf um den Besitz
jedes einzelnen Stückes. Die Versteigerung brachte
denn auch ein Gesammtergebnis von 7,725.920
Kronen, ein Resultat, welches wohl die kühnsten Er
wartungen übertroffen hat.
Von einem Abflauen der Preise war nicht das .ge
ringste zu merken. Gemälde, Miniaturen und Anti
quitäten erreichten im Gegenteil vielfach Rekordpreise,
wie sie selbst im Februar d. J., zur Zeit des tiefsten
Standes der österreichischen Krone, nicht zu ver
zeichnen waren. Auch Teppiche hielten im allgemeinen
den Preisstand vom Frühjahre, nur Schmuckstücke
v r aren bedeutend billiger als noch vor einem Monat zu
haben.
Die beiden ersten Tage der Auktion waren den
Gemälden alter und moderner .Meister gewidmet.
Das Bildnis des Grafen Wolkenstein von Lenbach
(Katalognummcr 919) erzielte K 80.000, die beiden
Kreidezeichnungen seintr Gemahlin von demselben