Nr. 13
Internationale Samniler-^eitung
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Germaniamarken mit dem Aufdruck „Danzig") begonnen
worden.
(Türkische Neuheiten.) Anfangs Mai hat die türkische
Regierung eine neue Serie Postmarken herausgegeben, die in
London mit den Platten der dort 1913 gedruckten Serie her
gestellt worden ist. Es ist aber kein gewöhnlicher Nachdruck
der Marken von 1913, denn wenn auch die Platten und die Aus
führung gleich geblieben sind, erscheinen die Verschiedenen
Bilder nun auf anderen Werten als 1913. Auch sind einige Ab
weichungen in den Randzeichnungen bemerkbar. Die neue
Serie enthält Werte zu 5, 10 und 20 Para, ferner 1, 3, 5, 10,
25 und 50 Piaster in den Farben orange-braun, grün, rot, stahl
blau, himmelblau, schwarz, hellviolett, dunkelviolett und
lichtbraun. Die 5 Paramarke zeigt den Leanderturm am Ein
gang des Bosporus mit Stambul und der Sophien-Moschee im
Hintergrund, die 10 Paramarke Phenerbagtsche mit dem Feuer
turm, doch ist auf diesem Bilde diesmal die Arabesken Zeichnung
weggelassen, die viele Leute für armenische Buchstaben an
sahen, die 20-Paramarke die Selim-Moschee in Adrianopel..
Diese letztere Marke ist die größte der Serie nämlich 43 x 29 mm,
während die 5- und 10-Paramarken und die 1 Piastermarke
37 x23 mm, die 3- und 5-Piastermarken 39 > 25 mm und die 10-,
25 , und 50 Piastermarken 42x27 mm groß sind. Die i-Piaster-
marke zeigt die Sultan Ahmed-Moschee in Stambul mit ihren
sechs Minaretts, die 3 Piastermarke den Holder Suleimanich-
Moschee in Stambul, die 5-Piastermarke den malerischen Punkt
von Kandiili im mittleren Bosporus und die 10-Pi" stermarke
die schöne Landschaft von Kiathanee mit der Brücke über den
sogenannten „Süßen Wassern von Europa“. Die 25-Piaster-
markegibtdie Mohammed-Moschee in Stambul wieder, die 50-
Piastermarke die Ansicht von Hünkiar-Iskelesi, dem Landungs-
p. atz im mittleren Bosporus für die „Süßen Wasser von Asien".
Die Ausführung und die Farben der Marken sind besonders
schön und fein. Eine Merkwürdigkeit ist die Tugra (der Name des
ottomanischen Reiches mit dem kaiserlichen Namenszug)
auf den Marken zu 5 und 10 und 20 Para und 1, 10 und 50 Piaster,
welche diese Verzierung tragen. Bei der Ausgabe von 1913 war
der Namenszug des Sultans Mehmed Reschid zu lesen. Das
Wort Reschid mußte durch Waliebbc’in, dem Namen des
neuen Padischahs, ersetzt werden. Das Klischee in arabischer
Schrift, das in London nicht Verfertigt werden konnte, wurde
in Konstantinopel hergestellt, war jedoch* nicht rechtzeitig
nach England Versandbereit. Infolgedessen ist auf der neuen
Serie der Namenszug des regierenden Sultans in der Tugra weg-
■ gelassen und die dafür bestimmt. Stelle freigeblieben. Mit der
5-1’iastermarke der neuen Serie ist die im Marz d, J. heraus
gegebene Hilfsmarke in Umlauf geblieben. Es ist die 4 Para
marke der Serie 1913 (braun) mit dem roten Überdruck
„5 gurusch" (Piaster).
VERSCHIEDENES.
(Lady Borne- Jones), die Gattin des größten englischen
Präraphaeliten, dem sie 38 Jahre lang die treue Gefährtin in
I.eben und Werk -war, ist, achtzigjährig, in London gestorben.
Nach des Künstlers Tod (1898) schrieb sie die Memoiren
ihres Lebens, die 1904 erschienen und als eines der besten
Werke über den Präraphaelitismus und seine Bedeutung für
die englische Kunst des letzten Jahrhunderts gelten.
(Das erste indogermanische Schriftdenkmal.)
Auf einen hochwichtigen Fund, der sich jetzt im Leipziger
Museum für Völkerkunde befindet, lenkt Rudolf Möschkau
in der „Umschau“ die Aufmerksamkeit. Es handelt sich um
einen unansehnlichen Scherben, der bei Seltsch, südlich
von Saa.z, in Nordböhmen gefunden wurde. Das Stück ist
nach seinem sorgfältig geschlemmten Ton, dem hellgrauen
.mäßigen Brand, mit oberflächlicher Schwärzung nach dem
Rande zu und nach seiner Ornamentik ein typischer Vertreter
der Spiral-Mäander-Keramik, Ein dreieckiges Zwickelfeld
daran ist mit drei Reihen eingeritzter linearer Zeichen gefüllt,
in denen wir die erste steinzeitliche Scherbeninschrift aus
Mitteleuropa erblicken dürfen. Die Zeichen weisen eine große
Formverwandtschaft mit den Runen auf. und stehen auch mit
den ältesten griechischen, phönikiscb-semifischen und kre
tischen sowie deutschen und wolhynischen Alphabeten in engem
Zusammenhang. Es liegen also hier Schriftzeichen von ureuro-
päischem Charakter vor, wie sie zuerst noch in der eiszeitlichen
Rentierperiode des Magdalenicns und der nacheiszeitlichen
Vorstufe zur jüngeren Steinzeit, dem Asylien, in Südfrankreich
geprägt wurden, dann in der jüngeren Steinzeit in portugiesi
schen Dolmen und Ganggräbern häufiger weiden und bis zur
ersten Eisenzeit auf der Iberischen Halbinsel fortleben. Da die
eigentliche und älteste Entstehung der Schrift in Europa auf
der Iberischen Halbinsel und im westlichen Frankreich zu
suchen ist, so müssen die Schriftzeichen des Seitscher Scherbens
hier ihre Wurzel haben, und es ist anzunehmen, daß sie direkt
nach Mitteleuropa verpflanzt worden sind. Durch diesen
Scherben ist also zum erstenmal auf dem steinzeitlichen
Boden Mitteleuropas der zeilenweise Gebrauch einer linearen
Schritt, anscheinend mit Silben- und Buchstabenzeichen, be
legt und damit ein im eigentlichen Sinn indogermanisches
Schriftdenkmal, das erste seiner Art, aus dem Siedlungsgebiet
der nachmals Illyrer genannten Stämme aufgefunden. Lesbar
ist die Inschrift allerdings nicht; sie ist von den ersten lesbaren
Schriftdenkmälern durch eine Spanne von rund 3000 Jahren
getrennt, spricht aber durch ihre Verknüpfung mit den Runen
iür eine organische Entwicklung der altgermanischen Schrift,
ohne fremden Einfluß.
(Ein Chodowiecki-Fund.) Einen hervorragenden Bei
trag zur Geschichte der Silh uette kann ein Fund liefern, den
Dr. Hans Timotheus Kroeber demnächst bei Heinrich Staadt
in Wiesbaden in Buchform veröffentlichen wird. Es sind
39 Einzelblätter von Silh uetten aus dem Nachlaß des Satirikers
Lichtenberg, in de n n K ceber Arbeitei Chodow'cckis nach
weist. Sie stellen in vollendeter Weise, mit einem köstlichen
Einschlag von Humor gemischt, männliche und weibliche
Charaktertypen dar: „DerverwegeneKerl“, „Die kleinstädtischj
Neugierde", „Der Grobian“, „Die Nervenschwache", „Die alte
Saufbütte", „Der echte Schmaucher".
(Unsittliche Graphik.) Man schreibt uns aus Weimar:
Vor ein paar Tagen sah es aus, als stehe das staatliche Bauhaus
unter Belagerungszustand, da es von uniformierten Schutz
leuten umzingelt war. Auf die Frage nach diesem ungewöhn
lichen Vorgänge, erfuhr man, daß die Oberstaatsanwaltschaft
eine Durchsuchung sämtlicher Räume angeordnet habe, vor
nehmlich des Ateliers des Graphikers Prof. Walter Klemm,
der der Herstellung sittlich anstößiger Zeichnungen beschuldigt
sei. Zu dieser Haussuchung kam eine zweite in den Geschäfts
räumen des hiesigen Verlagsbuchhändlers Bruno Wollbrück
(Nachfolger Kiepenhäuers) wegen Ermittlung und Beschlag
nahme der erwähnten Bilder. Die radierten Entwürfe waren
vom Künstler unter dem Namen „Erbsünde" in einem einer
Mappe eingelegten Privatdruck für Bibliotheken, Museen und
Akademien, nicht aber für die breite Öffentlichkeit bestimmt.
Im ganzen waren gegen 350 Exemplare in Aussicht genommen.
Nun sind sämtliche Platten und alle auch in hiesigen Privat
häusern noch auffindbaren Exemplare beschlagnahmt worden.
Das letzte Wort in der peinlichen Angelegenheit, über die hier
unter den Kunstkreisen begreifliche Erregung herrscht, wird
zweifelsohne das Gericht zu sprechen haben.
(Kunstförderung in Bayern.) Zur Ausführung künst
lerischer Arbeiten hat das bayrische Staatsministerium für
Unterricht und Kultus ans dem staatlichen Fonds zur För
derung und Pflege der Kunst durch den Staat mehrere Zu
schüsse bewilligt. Es kommen in Frage: die Schaffung'eines
Deckengemäldes in der katholischen St. Antoniuskirche in
Ingolstadt (M 12.000); die Deckenhemalung der Pfarr- und
Wallfahrtskirche in Gößweinstein (M 50.000); die malerische
Ausschmückung der Dominikuskirche in Kaufbeuern (hieftir
stehen einschließlich eines staatlichen Zuschusses M 20.000