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MAK

Full text : Jahrgang 12 (1920) (14)

Seite  110

Nr.  14

Internationale  Sammler-Zeitung

die  zur  Auffindung  eines  Tempels  und  bedeutsamer  Skulpturüberreste ­
  führten.  Über  die  Funde  berichtet  Dr.  Giglioli,
der  Leiter  des  Etruskischen  Museums  der  Villa  Giulia  in  Kom
in  italienischen  Kunstblättern.  Sie  bestehen  hauptsächlich  aus
einer  Statue  in  Lebensgröße  und  drei  größeren  Fragmenten
aus  gebranntem  bemaltem  Ton.  Die  gut  erhaltene  Figur  eines
schreitenden  Mannes,  wahrscheinlich  des  Apollo,  ist  archäologisch ­
  und  ästhetisch  von  hohem  Interesse.  Im  strengen  Schönheitskanon ­
  des  um  die  Wende  des  6.  Jahrhunderts  üblichen
archaischen  Stils  gehalten,  zeigt  sie  trotz  dem  stereotypen
Ausdruck  eine  ganz  persönliche  Durchdringung  des  kraftvollen
Bewegungsmotivs,  neben  der  auch  in  -Nebensachen  meisterhaften ­
  Materialbeherrschung.  Daneben  sind  Kopf  und  Schulteransatz ­
  einer  Hermesstatue  und  der  kopflose  Torso  einer  Hirschkuh ­
  mit  gefesselten  Beinen  erhalten.  Nach  der  gut  begründeten
Hypothese  Dr.  Gigliolis  handelt  es  sich  um  die  Bruchstücke
einer  Gruppe,  die  den  Streit  des  Herakles  mit  Apollo  darstellte.
In  der  Tat  fanden  sich  Überreste  einer  dritten  und  vierten
Figur,  die  als  Herakles  und  Artemis  gedeutet  worden  sind.
Die  Bedeutung  der  Funde  von  Veji  erhellt  aus  dem  Umstande,
daß  wir  in  ihnen  die  ersten  Freiskulpturen  der  etruskischen
Kunst  besitzen,  deren  hohe  Blüte  die  Malereien  von  Corneto
und  Chiusi,  die  Grabreliefs  von  Cervetri  unrl  die  Akroterien
von  Com  ca  dem  Kunstfreunde  schon  länger  geoffenbart  haben.

MUSEEN.
(Übersiedlung  des  Berliner  Kunstgewerbemuseums. ­
  )In  der  zweiten  Hälfte  des  Juli  beginnt  der  Umzug
der  Sammlungen  des  Berliner  Kunstgewerbemuseums  ins
frühere  königliche  Schloß.  Im  Schloß  wird  Geheimrat  von
Falke,  der  künftige  Generaldirektor,  der  das  ganze  Werk
selbst  leitet,  zum  ersten  Male  Gelegenheit  haben,-  an  einem
großen,  mustergültigen  Beispiel  die  Trennung  der  Schauund
  Studiensammlung  durchzuführen.  In  das  jetzige  Kunstgewerbemuseum ­
  in  der  Prinz-Albrecht-Straße  zieht  dann  die
Vorgeschichtliche  Abteilung  unter  Geheimrat  Schuchhardt
aus  dem  Völkerkundemuseum  herüber.  Mit  dessen  anderen
Sammlungen  steht  sie  ja  mit  Besitz  aus  der  Ur-  und  Frühgeschichte ­
  nur  in  losem  Zusammenhänge.  Ins  untere  Stockwerk
kommt  die  Historische  Musiksammlung,  deren  kostbare  Instrumente ­
  Gurt  Sachs  zu  einer  historischen  Darstellung
ordnen  wird,  mit  einem  Pälestrinaraume,  einem  Bachzimmer
usw.  Das  an  der  Prähistorischen  Abteilung  geräumte  erste
Geschoß  des  Völkerkundemuseums  wird  die  neue  entwicklungsgeschichtliche ­
  Abteilung  einnehmen,  die  Prof.  Dr.  Heinrich
Cunow  einrichtet.
(Vom  Germanischen  Nationalmuseum  in  Nürnberg.) ­
  Die  Museumsleitung  ist  gegenwärtig  mit
den  Vorarbeiten  für  die  Einrichtung  des  von  Hermann  Bestelmeyer
  ansgeführten  großen  Erweiterungsneubaues,  der  trotz
aller  Schwierigkeiten  nunmehr  unter  Dach  und  Fach  gebracht
werden  konnte,  beschäftigt.  Der  Neubau  enthält  52  Säle
und  22  Depoträume,  die  allen  modernen  Anforderungen  entsprechen. ­
  Behinderte  die  räumliche  Enge  des  alten  Klostergebäudes ­
  die  übersichtliche  Aufstellung  der  Sammlungen
und  das  wissenschaftliche  Studium  der  einzelnen  Stücke,
so  wird  in  den  neuen  Räumen  zu  großartigster  Entfaltung
der  vielen  wissenschaftlichen  und  kulturgeschichtlichen  Schätze
Gelegenheit  sein,  die  bisher  in  den  Kellerräumen  des  Museums
der  Öffentlichkeit  entzogen  waren,  weil  für  ihre  Aufstellung
kein  Platz  war.  Dazu  gehören  unter  anderem  eine  vollständig
eingerichtete  alte  Goldschmiedewerkstätte,  eine  Kupferschmiedewerkstatt ­
  aus  einem  Alt-Nürnberger  Kupferschmiedshof, ­
  eine  Färberstube,  ein  altes  Kontor  aus  einem  Nürnberger
Patrizierhause  und  eine  —  Narrenzelle  für  Geisteskranke  aus
dem  späteren  Mittelalter.  Dem  Vorbild  des  Bayrischen  Nationalmuseum ­
  in  München  folgend,  beabsichtigt  die  Leitung
ferner  ganze  Zimmer  im  Stil  verschiedener  Zeiten  einzurichten.
Für  wissenschaftliche  Zwecke  ist  die  Aufstellung  eigener

Studiensammlungen  vorgesehen,  während  zugleich  große  Schausammlungen
  zusammengestellt  werden  sollen.  Ein  Kupferund
  ein  Messingsaal  wird  die  bei  der  Beschlagnahme  im  Krieg
aus  künstlerischen  Gründer,  ausgesonderten  und  an  das  Museum
gefallenen  Stücke  vereinigen.  Die  Münzsammlung  wird  eine
wertvolle  Bereicherung  durch  die  5000  Gold-  und  Silbermünzen
aus  der  Schenkung  des  Kommerzienrats  Kahlbaum  (Berlin)
erfahren.  Mit  dem  Einzug  des  Museums  in  die  neuen  Räume
wird  ein  großer  Teil  der  in  der  Öffentlichkeit  erhobenen  Forderungen ­
  nach  einer  Reform  und  Verjüngung  des  Germanischen
Nationalmuseums  seine  Erfüllung  finden.
(Das  Leipziger  Zeitungsmuseum.)  Aus  Leipzig  wird
uns  geschrieben:  Die  im  Deutschen  Museum  für  Buch  und
Schrift  bestehende  Abteilung  für  Zeitungswesen  hat  so  bemerkenswerten ­
  Zuwachs  erfahren,  daß  der  Plan  zur  Errichtung
eines  Saales  der  Presse  in  dem  Museum  in  greifbare  Nähe
rückt.  Gesammelt  werden  unter  anderem  Festschriften  und
Jubiläumsnummern  der  einzelnen  Zeitungen,  Plakate  und
graphische  Darstellungen.  Die  Fest-  und  jubiläumsnummern
der  einzelnen  Zeitungen  finden  nicht  nur  näcli  ihrer  äußerlichtechnischen, ­
  typographischen  und  illustrativen  Seite  hin
Interesse.  Auch  der  Inhalt  ist  für  zeitungsgeschichtliche  Arbeiten ­
  von  großer  Bedeutung.  Besonders  wertvoll  für  die
Presseforschung  sind  die  sogenannten  ..Bibfiotheksausgaben“,
die  von  einzelnen  Zeitungen  auf  haltbarem  Papier  oder  dauerhaften ­
  Einbänden  veranstaltet  werden.
(Vom  Genfer  Museum.)  Als  Vermächtnis  der  Frau
Fröderic  Mayor  hat  das  Museum  unter  anderem  einen  Corot
erhalten,  der  die  schöne  kleine  Gruppe  von  Werken  dieses
Meisters  im  Franzosensaal  vortrefflich  ergänzt.  Das  Gemälde
stellt  den  Genfer  Hafen  mit  Spazierweg  und  Salöve  dar  und
ist  realistischer  gemalt,  als  man  es  von  diesem  Künstler  gewohnt
ist.  Man  könnte  das  Stück  für  einen  guten  Bocion  oder  einen
frühen  Kodier  halten.
(Das  Stuttgarter  Landesgewerbemuseum)  hat
durch  Aufbringung  von  40  Zentnern  Bronze  die  Neresheimer
Glocke,  eines  der  herrlichsten  Werke  deutscher  Bronzegießereikirnst
  der  Frührenaissance,  das  in  Nürnberg  im  Jahre
1550  für  die  Stadt  Neresheim  geschaffen  wurde,  vom  Reichskommissär ­
  für  Metallwirtschaft  dauernd  für  seine  Sammlungen
freibekommen.
(Ein  J.  P.  Hebel-Museum  und  -Archiv)  soll  in
Karlsruhe  durch  den  Geschichts-  und  Altertumsverein  mit
Unterstützung  der  badischen  Regierung  eingerichtet  und
später  zu  einem  Archiv  badischer  Dichter  und  Schriftsteller
ausgebaut  werden.

VOM  KUNSTMARKT.
(Versteigerung  bei  Hollstein  &  Puppel.)  Vom
31.  Mai  bis  5.  Juni  fand  bei  Hollstein  &  Puppel  in  Berlin
die  von  uns  angekündigte  Versteigerung  von  Kupferstichen,
Radierungen,  Holzschnitten,  Schabkunst-  und  Farbenblättern ­
  des  15.  bis  18.  Jahrhunderts  statt.  Nennenswerte
Preise  erzielten  hiebei:  Nr.  255,  Jacques  Callot,  10  Blatt  aus:
Die  großen  Kriegsübel,  M  1050;  Nr.  274,  Canaletto,  Hafenplatz ­
  in  Venedig,  M  610;  Nr.  350,  Dürer,  Die  Grablegung,
Aus  der  großen  Passion,  B.  13,  M  1900;  Nr.  359  b,  Ders.,
Johannes  und  die  sieben  Leuchter,  Aus  der  Apokalypse,  B.  62,
M  1700;  Nr.  360a,  Ders.,  Die  vier  Engel,  die  Winde  aufhaltend,
Ebendaraus,  B.  66,  M  1250;  Nr.  362,  Ders.,  Die  Geburt  Christi,
Aus  dem  Marienleben,  B.  85,  M  1000;  Nr.  376,  Ant.  v.  Dyck,
Jan  Breughei,  Rad.  W.  1,  V,  M  1450;  Nr.  672,  Lukas  van
Leyden,  Die  Madonna  in  der  Landschaft,  B.  84,  M  2600;
Nr.  686,  Ders.,  Der  Narr  und  die  Frau,  B.  150,  M  700;  Nr.  777,
Adriaen  van  Ostade,  Die  Sänger  am  Fenster,  B.  19;  Rov.  19,
IV,  M  700;  Nr.  785,  Ders.,  Der  Quacksalber,  B.  43,  Rov,  43,  II,
M  950;  Nr.  787,  Ders.,  Der  Tanz  im  Wirtshaus,  B.  49,  Rov.  49,
VII,  M  610;  Nr.  919,  Rembrandt,  Christus  treibt  die  Händler
            
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