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MAK

Full text : Jahrgang 12 (1920) (15)

Seite  114

Internationale  Sammler-Zeitung

Nr.  15

Schickungen  durch  den  Kunstklub  Rotterdam,  den
Rubensklub  Brüssel  und  die  Münchener  Galerien
Fleischmann  und  Heinemann,  mit  denen  Rudolf  Bangel
in  lebhafter  Geschäftsverbindung  stand.  1894  ließ  die
Galerie  Fleischmann  ihre  wertvolle  Sammlung  moderner
Gemälde,  die  erste  lebende  und  jüngst  verstorbene
Meister  umfaßte,  versteigern.  Der  Erlös  aus  212  Nummern ­
  betrug  rund  M  153.000.  Andere  Versteigerungen
zum  Teil  sehr  interessanter  Kollektionen  gruppieren
sich  um  diese.  Die  506.  Versteigerung  war  die  letzte
in  dem  Geschäftslokal  Neue  Mainzerstraße.  1899  fand
der  Umzug  in  das  wiederum  eigens  erbaute  Haus
Kaiserstraße  66  statt,  das  im  Erdgeschoß  zwei  Oberlichtsäle ­
  für  Ausstellungen  und  im  ersten  Stock  geräumige ­
  Auktionssäle  enthielt.  Mit  Stolz  und  Befriedigung ­
  darf  die  Firma  auf  die  nun  folgenden  14  Geschäftsjahre ­
  zurückblicken.  Brachten  sie  auch  gewaltige
Arbeitslast  und  keine  großen  finanziellen  Erfolge  mit
sich,  so  waren  sie  doch  ertragsreich  und  fruchtbar  für
das  Kunstleben  Frankfurts.  Die  Beziehungen  zu  Künstlern, ­
  die  schon  in  den  achtziger  Jahren  angebahnt
worden  waren,  konnten  weiter  ausgedehnt  werden.
Arbeiten  von  Hcrmione  von  Preuschen-Telman,
Emil  Lugo  (Gedächtnisausstellung  1902),  Ludwig  von
Hofmann,  Anton  Burger  (Gedächtnisausstcllungl905),
Edmund  Steppes  (1906,  Katalog  mit  Vorwort  von
Henry  Thode),  Joh.  Lippmannund  Hermann  Dumler
wurden  in  diesen  Jahren  ausgestellt.  Daneben  fanden
Ausstellungen  von  Künstlcrgruppen  und  von  Privatsammlungen ­
  statt  —  schwedische,  holländische,  Karlsruher, ­
  Dresdener,  englische  Meister,  Künstlergruppe
Pankraz(Berlin),  Pan-Presse,  Die  Brücke  (Pechstein  und
E.  Kirchner  erstmalig  in  Frankfurt),  Nachlaß  A.  Röder
(Wiesbaden),  Kollektion  Wimmer  (München).  Bei  Ausstellungen, ­
  die  besonders  der  Frankfurter  Kunst  galten,
hielt  Furtwängler  ander  Hand  der  ausgestellten  Werke
Vorträge  über  „Heimische  Kunst“.  Den  Teilnehmern
wurden  als  Erinnerungsgaben  Original-Steinzeichnungen ­
  überreicht.  Auch  auf  dem  Gebiete  des  Versteigerungswesens ­
  entfaltete  die  Firma  rege  Tätigkeit.  1902
kam  die  weitberühmte  Goethe-Galerie  von  Wilhelm  von
Kaulbach  (die  21  Kartons  erbrachten  M  30.000)  und

der  künstlerische  Nachlaß  aus  dem  Kaulbach-Museum
(München)  unter  den  Hammer.  Hieran  schlossen  sich
Auktionen  vieler  deutscher,  aber  auch  holländischer,
französischer,  belgischer,  österreichischer,  italienischer
und  Schweizer  Sammlungen.  In  diesen  Zeitraum  fallen
weiter  die  ersten  Versteigerungen  bedeutender  ostasiatischer ­
  Kollektionen  —  darunter  1913  im  Aufträge
der  chinesischen  Regierung  —  die  durch  die  Eigenart
ihrer  Objekte  Weltruf  erlangten.  1913  verlegte'  die
Firma  ihre  Geschäftsräume  in  den  Westflügel  der  von
Heinrich  Burnit  und  Oskar  Sommer  erbauten  „Neuen
Börse“,  die  die  größten  Oberlichtsäle  Frankfurts  enthält, ­
  in  denen  zur  Eröffnung  die  „Kunstausstellung
Deutsch-Afrika",  Gemälde  ■  und  nach  künstlerischen
Gesichtspunkten  gesammelte  Ethnographika  von  Ernst
Vollbehr  gezeigt  wurde.
Der  Ausbruch  des  Weltkrieges  legte  das  Geschäft
zunächst  fast  völlig  still.  Erst  allmählich  erwachte
wieder  die  Kauflust.  Die  ersten  Auktionen  galten  der
Unterstützung  von  gemeinnützigen  Kriegseinrichtungen ­
  —  Kriegsfürsorge,  Flotten  Verein,  Stuttgarter  Städtische ­
  Kriegshilfe,  Hessischer  Landesverein  vom  Roten
Kreuz,  VI.  Kriegsanleihe,  Frankfurter  Sammlung  der
Nationalstiftung.  Die  weiteren  Jahre  brachten  zunehmendes ­
  Interesse,  so  daß  daran  gedacht  wurde,'das
Haus  auf  eine  breitere  Grundlage  zu  stellen  und  die
Abhaltung  von  Kunstauktionen  in  Zukunft  als  Hauptaufgabe ­
  zu  betrachten.  Monatlich  erschienen  nunmehr
ein  bis  zwei  Kataloge.  Die  Versteigerungsergebnisse  der
letzten  Jahre  standen  unter  dem  Zeichen  des  allmählichen ­
  Anwachsens  der  Preise  bis  zu  einer  noch  nie
gesehenen  Hochkonjunktur.  Die  Erlöse  der  Sammlungen
Stadtrat  Hanau,  Th.  H.  Thomann,  Dr.Hans  Boeleke,
Gogel,  Adolf  Klein,  Hammel,  Pollack,  Kapitän
Schmidt  spiegeln  dieses  stete  Ansteigen  wieder.  Am
10.  Mai  1920,  dem  fünfzigjährigen  Geburtstag  des
Hauses,wurde  der  tausendste  Katalog  über  Gemälde
erster  alter  Meister  aus  der  Sammlung  des  Fürsten
zu  Erbach-Schönberg  ausgegeben.  Die  Auktion
stellt  mit  ihrem  Ergebnis  Von  M  2,000.000  den
Rekord  in  den  Ergebnissen  einer  Frankfurter  Versteigerung ­
  dar.

Die  Galerie  Gans.

Mit  Fritz  von  Gans,  dessen  Tod  wir  bereits  gemeldet ­
  haben,  ist  der  Besitzer  der  weltberühmten
Frankfurter  Galerie  dahingegangen.
Adolph  Donath  bezeichnet  die  Galerie  in  seinem
Buche  „Psychologie  des  Kunstsammelns“  als  ein
Muster  jener  Sammlungen,  die  trotz  ihrem  musealen
Anstrich  eine  angenehme  Wohnlichkeit  haben.  Er  gibt
von  ihr  folgende  knappe  Beschreibung:  In  zwei  Sälen,
die  man  vom  Speisezimmer  erreicht,  wo  in  eingebauten
Schränken  altpersische  Fayencen  liegen,  spielt  sich
sozusagen  die  Sammeltätigkeit  des  Hausherrn  ab.  Der
größere  Raum,  der  Hauptsaal,  schützt  die  alten  Gemälde ­
  und  die  Reihe  der  Antiken,  die  hier  in  Glasschränken ­
  und  Vitrinen  wissenschaftlich  geordnet  sind.
Dieser  Hauptsaal  nun,  der  unter  anderen  Rembrandts
„Kreuzabnahme"  und  „Kopf  einer  Alten“,  Van  Dyks
Porträt  des  Earl  de  Arundel,  Murillos  „Johannes
mit  dem  Kinde“,  einen  „Alten  Herrn“  von  Giovanni
Battista  Moroni,  drei  venezianische  Ansichten  seines
Landsmannes  Guar  di  und  einige  Porträts  von  Guardis
englischen  Zeitgenossen  Hoppner  ur.d  Lavrence
enthält,  ist,  als  Raum  genommen,  von  den  üblichen
Galeriesälen  wesentlich  kaum  verschieden.  Hingegen  aber

erregt  die  künstlerische  und  architektonische  Ausgestaltung ­
  des  zweiten  Saales  besondere  Aufmerksamkeit.
Es  sind  eigentlich  zwei  romanische  Interieurs,  die
ein  stattlicher  dunkelbrauner  Holzbogen  trennt,  die  aber
in  ihrer  Intimität  doch  wie  ein  einziger  Raum  wirken.
Eine  antike  Büste  des  Aristoteles,  hinter  der  ein
Gobelin  seine  diskreten  Farben  zeigt,  wird  durch  den
Rundbogen  sichtbar.  Von  den  altenglischen  Chippendale-Stühlen ­
  aus,  deren  Stil  hier  durchaus  nicht
stört,  können  wir  ruhig  die  Bilder  studieren,  die  uns
umgeben.  Da  ist  ein  Porträt  des  Haarlemers  Verspronck,
  den  man  für  einen  Frans  Hals  halten  könnte
—-  so  stark  hat  sich  der  Schüler  in  die  Art  seines  Meisters
hineingelebt  .—  da  hängen  Teniers,  van  der  Heyde,
Goyen,  Isaak  Ostade.  Dann  aber  führt  uns  der  Weg
vorbei  an  einem  stolzen  griechischen  Kopfe,  der  von
zwei  pompejanischen  Vasen  flankiert  ist,  vor  den
romanischen  Rundbogen.  Hier  ergötzt  uns  der  „Entenbauer“ ­
  des  Jan  Steen,  dieses  kunstwissenschaftlich
oft  gewertete  Bild,  dort  .ergreift  uns  die  Tiefe  einer
Landschaft  von  Isaak  Ostade,  hier  eine  Landschaft
von  Hobbema,  dort  der  „Old  Parr“  des  Rubens,
dieser  Charakterkopf  mit  dem  weißen  Bart,  der  auch
            
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