MAK
Nr. 15 
Internationale Sammler-Zeitung 
Seite 115 
van Dyck begeistert hat. Und flugs sehen wir uns 
mitten drin in der italienischen Renaissance bei 
Be Hin i und flugs wieder bei den Flandern, die Anto- 
nello von Messina die Wege wiesen; bei einem typi 
schen Porträt von Memling und einer ,,Madonna mit 
Kind“ von Gerard David. Und von den Brüggern 
Meistern führen uns drei Jahrhunderte zu Goyas 
„Dame mit weißem Hündchen“ und zu John Consta- 
bels luftiger „Hafenpartie“. 
Die Schätze der Galerie Gans sollten schon zu Leb 
zeiten des Besitzers versteigert werden. Ob es zu dieser 
Auktion kommt, steht noch dahin. Wenn sie veran 
staltet würde, wäre sie eine große Sensation des inter 
nationalen Kunstmarktes. 
Notgeld. 
Noch vor der Ausstellung in Salzbuig, die im Anschluß 
an die Kalenderschou. im September geplant wird, soll in 
Krems a. D. eine Notgeldausstellung stattfinüen. Das Datum 
steht noch nicht fest, doch wird die Ausstellung jedenfalls 
noch im August eröffnet we'den und bis in den Septembe: 
hinein dauern. Nach Schluß der Ausstellung in K.ems wird 
das gesamte Ausstellungsmatenal als Wanderausstellung 
in den Städten Österreichs zu sehen sein. 
Neues Notgeld hat die Gemeinde Pfarrkirchen im 
Mühlkreis (Oberösterreich) ausgegeben. Die 20 Heller-Scheine 
zeigen das Schloß Altenhof, die 50 Heller-Scheine eine Gesamt 
ansicht des Ortes. 
Haslach hat Notgeld zu 10, 20, 30 und 50 Heller ausge 
geben. Es wird, fast mö. bten wir sagen, merkwürdigerweise, 
an Sammler ohne Aufgeld abgegeben. Denn die meisten Ge 
meinden versenden das Notgeld, das gar nicht in den Verkehr 
gebracht wird, sondern ausschließlich für die Sammler be 
stimmt ist, gegen ein mehr oder minder hohes Agio. 
Die Gemeinde St. Ägidi in Oberösterreich hatte den 
originellen Einfall, die alten Lebensmittelkarten zur Her 
stellung des Notgeldes zu verwenden. Auf den verschiedenen 
Kärtchen sind die Gutscheine zu 10, 20 und 50 Heller gedruckt. 
Nach Absatz der kleinen Auflage soll eine zweite, vollständig 
Veränderte Auflage erscheinen, die wie die erste zum Preise 
von K 1'50 pro Serie abgegeben wird. 
Die Ausgabe von Notgeld kündigen ferner an: die Ge 
meinden Eisenerz, Freinberg, Hochburg-Ach unQ Fran 
kenmarkt in Oberösterreich. 
Aus Berlin wird uns berichtet: Bei dem künstlerischen 
Tiefstand unserer Reichsmünzen, für den trotz mancher Wett 
bewerbe und Bemühungen verschiedener Seiten eine Abhilfe 
nicht zu erreichen war und das Eingreifen des Reichskunst- 
warts dringend zu wünschen ist, haben einige neue Münzen 
erhöhtes Interesse, die Ludwig Gieß von der Unterrichts 
anstalt des Berliner Kunstgewerbemuseums, der im vorigen 
Jahre berufene Münchener Medaillenkünstler und Bildhauer, 
als Notgeld für den Kreis Büdingen in Obeihessen kürz'ich 
geschaffen hat. Der Künstler, der auch für das Reich sehr gute 
Prägungen des Reichsadlerwappens entworfen hat, schuf für 
Ausführung in schwärzlichem oxydierten Eisen schlanke und 
knappe Zahlen- und Schriftbilder und auf. der Rückseite ganz 
einfache Darstellungen aus dem Beruf des Ackerbaues (Kuh, 
Garbe, Ähren), dem die Bevölkerung des Kreises obliegt. 
Rembrandt-Preise einst und jetzt. 
Es ist ein tragisches Schicksal, daß Rembrandt, 
der zu seinen Lebzeiten so schw r er mit Geldsorgen zu 
kämpfen hatte, mit der Summe, die heute für eine 
Radierung, ja für eine kleine Zeichnung von ihm gezahlt 
wird, sich aus aller Kot hätte erretten können. Eine 
kurze Zeit freilich war er der bestbezahlte Maler 
Hollands, aber dann setzte eine Entwertung seiner 
Bilder ein, die ihn trotz des ausgedehnten Handels, 
den er mit seinen Sachen bctiieb; auf keinen grünen 
Zweig kommen ließ. 
Durch einen der wenig, n erhaltenen Briefe Rem- 
. bra.ndts wissen wir, daß er für die beiden heute in 
München befindlichen Bilder „Grablegung“ und „Auf 
erstehung Christi“ vom Prinzen Friedrich von 
Oranien je 1000 Florin forderte. Laut der erhaltenen 
Quittung erhielt er aber nur 600 klorin für jedes Bild, 
nebst 22 Florin für Leinwand und Rahmen, das heißt 
etwa 2500 Mark. Ähnliche Preise erhielt er in den 
nächsten Jahren, so für ein Porträt 500 'Florin, etwa 
2000 Mark, für ein Doppelbildnis 560 Florin. Die heute 
so berühmte „Nachtwache“, der Auftrag einer Schützen 
gilde, brachte ihm 1600 Florin, da jede der 16 darge- 
stell.en Personen durchschnittlich 100 Florin zahlen 
mußte, die einen mehr, die anderen weniger, je nach 
dem Platz, den sie in dem Bilde einnahmen. Diese Sum 
men aber erhielt Rembrandt nur während der kurzen 
Zeit, da er in Mode war, und nur beim persönlichen 
Verkauf an wohlhabende Besteller. Nach den Gut 
achten der Sachverständigen wurden seine Bilder meist 
viel geringer eingeschätzt, auf 100, 60, ja 20 Florin. 
Zu was für Schleuderpreisen seine Werke in de 
Blüte seiner Kraft und seines Könnens verkauft wurden’ 
beweist die Versteigerung seines gesamten Kunst 
besitzes im Jahre 1657, die seinen finanziellen Ruin 
besiegelte. Für alle seine Schätze, die vorzügliche 
Bilder berühmter Meister, Von seiner Hand allein 
67 Werke enthielten, wurde nur eine Summe Von 
4964 Florin erz’eit, während heute für oas geringste ' 
Bild des Meisters das Zwanzigfache gezahlt wird. Ein 
Großneffe Rembrandts, Wybrand de Geest, schildert 
in seinem im Jahre 1702 erschienenen „Statuen- 
kabinMt" diesen außerordentlichen Preissturz der 
Rembrandtschen Bilder: Es ist erst kurze Ze’t her, 
daß die Unwissenheit der vorgeblichen Kenner den so 
kraftvollen und bewunderungswürdigen Werken Rem 
brandts gegenüber derart war, daß man eines seiner 
Porträts für sechs Stüber kaufen konnte. Kurze Zeit 
darauf wurde jedoch das Bild für 11 Florin verkauft, 
und jetzt muß man schon einige hundert Gulden an- 
legen, wenn man einige dieser. stolzen Malereien er 
werben will. 
Erst zu Anfang des 18. Jahrhunderts, begegnet man 
höheren Preisen für Rembrandt-Bilder. Eine Darstellung 
der „Heiligen drei Könige“ brachte im Jahre 1711 
2010 Florin, die „Ehebrecherin vor Christus“ 2510 
Florin, und die jetzt in Berlin befindliche „Susanna“ 
700 Florin. Das sind aber auch die höchsten Preise, 
die während des 18. Jahrhunderts für Rembrandt 
bezahlt wurden; kleinere Bilder, besonders Landschaften 
und die heute am höchsten geschätzten Werke der
	        
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