Nr. 15
Internationale Sammler-Zeitung
Seite 117
Alfred von Keller war 1844 nahe von Zürich geboren, studierte
anfangs in München Philosophie, dann aber Malerei bei Ramberg
und Lembach. 1873 erregte in der Wiener Weltausstellung
sein Bild „Audienz bei Ludwig XV.“ Aufmerksamkeit.
Ein Aufenthalt in Paris Anfang der achtziger Jahre
brachte ihn mit-den Meistern des Impressionismus zusammen
und bekehrte ihn zur neuen Malweise. Nach der Rückkehr
wurde er Professor, an der Münchner Akademie, später Mitbegründer
und Präsident der Sezession.
(Herbstausstellung der Berliner Akademie der
Künste.) Die Berliner Akademie der Künste gedenkt ihre
diesjährige Ausstellung, die im Herbst stattfinden wird, nach
einem andern Programm zu veranstalten, als die bisherigen
akademischen Ausstellungen. Während in den letzten Jahren
neben den Mitgliedern nur besonders -eingeladene Gäste zugelassen
worden sind, ist die-freie Beschickung der Herbstausstellung
den in Groß-Berlin wohnenden Künstlern ermöglicht.
Maler und Bildhauer können je zwei Werke zur Ausstellung,
in der das Porträt besondere Berücksichtigung
finden soll, einsenden. Architektur und Graphik wird die
Ausstellung nicht bringen, da für diese beiden Künste eine
besondere Ausstellung im nächsten Jahre veranstaltet werden
wird. Über die Aufnahme der Werke wird die Ausstellungskommission
der Akademie als Jury entscheiden. Das Programm
und die für die Beschickung der Ausstellung erforderlichen
Formulare sind vom Bureau der Akademie, Pariser
Platz 4, gegen eine Unkostengebühr von zwei Mark zu beziehen.
Mit dieser Zusammenfassung der ganzen Künstlerschaft
in der akademischen Ausstellung kehrt die Akademie
zu dem Prinzip zurück, nach dem ihre Ausstellungen vor der
Begründung der Großen Berliner Kunstausstellung in früheren
Jahrzehnten veranstaltet worden sind.
(Alte chinesische Kunst.) Aus München wird uns
geschrieben: Die Firma Hugo Helbing hat eine Separatausstellung
von alter chinesischer Kunst eröffnet. Die
ausgestellten Stücke umfassen einen Zeitraum von der frühen
Sung-Zeit (10. bis 12, Jahrhundert) bis Ende der Kien-Lung-Zeit
(18. Jahrhundert). Die Ausstellung bleibt mehrere Wochen
geöffnet.
(Julius Benczur.) Der hochangesehene ungarische
Maler, einer der bedeutendsten seiner Nation, ist am 16. v. M.
im Alter von 76 Jahren in Dolany bei Szecsen verschieden.
Benczur war eijier der Hauptvertreter der von Piloty herangebildeten
Historienmalerschule, die er durch die in seiner
Stammeseigenart begründete Neigung zu malerischem Prunk
und rauschender Farbe bereicherte. Er war im JänTrer 1844
zu Nyiregyhaza geboren, kam schon mit 16 Jahren an die
Malerakademie in München und war bald bei Piloty, der ihn
auch zur Arbeit an den Fresken im Maximilianeum heranzog.
Sein .Gemälde „Abschied Ladislaus Hunyadys von seinen
Freunden“, 1877 gemalt, befindet sich im ungarischen Nationalmuseum.
Eine Reihe großer Historien, zumeist aus der Geschichte
Ungarns, folgte. 1882 war sein Gemälde „Bacchantin"
in der Wiener internationalen Kunstausstellung viel bewundert.
Benczur war auch als Bildnismaler bedeutend; seine Porträts
hervorragender Persönlichkeiten Ungarns, deren nationale
Art er in bedeutendem Stil traf, haben in vielen Ausstellungen
des Auslandes Staat gemacht. Seit 1906 war Benczur, der
vielfach^ausgezeichnet wurde, lebenslängliches Mitglied des
Magnatenhauses.
(Wiedertäuferausstellung in Münster.) Im Landesmuseum
zu Münster i. W. ist eine Ausstellung „Die Wiedertäufer
in Münster 1534/35“«eröffnet, die zum ersten-Male alles
veieinigt, was von den Wiedertäufern und ihrem König Jan
van Leyden erhalten oder über sie geschrieben ist. Neben
Akten und Urkunden, religiösen Zeitschriften und zeitgenössischen
Zeitungen, allen historischen und dichterischen Bearbeitungen
sind auch die erhaltenen Bildnisse des Königs und
seiner Gefährten, sein Spieltisch, seine Mimzen us w, ausgestellt.
(Ein kolossaler Diamant.) In der südafrikanischen
Premiermine ist ein großer, blaüweißer, fehlerloser Diamant
gefunden worden, der gegen 1500 Karat wiegt und dessen
Wert auf fünf bis sechs Millionen Schilling geschätzt wird.
Dieser wundervolle neue Stein erhält dadurch noch eine besondere
Bedeutung, daß er wahrscheinlich den fehlenden Teil
des Cullinan-Diamanten darstellt. Der Cullinan-Diamant, bekanntlich
der größte Edelstein der Erde, der 3000 Karat wog,
wurde mit einem Messer aus dem Quarz herausgelöst und erschien
damals zerbrochen. M'an hatte aber bisher den dazu
gehörigen Teil nicht finden können, und er soll nun in dem
neuen Diamanten ans Licht gekommen sein.
MUSEEN.
(Grecos „Christus in Gethsemane“.) Nach einer
Meldung aus London hat die dortige Nationalgalerie aus dem
Kloster Las Saluevas in Madrid Grecos „Christus in Gethsemane“
erworben.
(Museumsdirektor Frauberger.) In Oberbayern,
wo er Erholung suchte, ist, fast 76 Jahre alt, Heinrich Frauberger,
der langjährige Direktor des Düsseldorfer Kunstgewerbemuseums,
gestorben, Frauberger, ein geborener Österreicher,
übernahm 1882 die Errichtung und Leitung des Düsseldorfer
Kunstgewerbemuseums. Der Schwerpunkt seiner Tätigkeit
lag auf der Befruchtung des Handwerkes und Gewerbes,
weniger auf dem Gebiet der kunstgeschichtlichen Forschung
im Sinne des modernen Museumswesens. Zweifellos hat er,
unterstützt von seiner Frau, die eine Meisterin der Spitzenweberei
war, viel und in weitem Umkreise für die Bildung
des rheinischen Kunstgewerbes getan.
(Einbruch in das Gothaer Landesmuseum.) In der
Nacht auf den 24. J.uli wurde, wie uns aus Gotha gemeldet
wird, das dortige Landesmuseum von Einbrechern heimgesucht.
Den Tätern, die spurlos verschwunden sind, sind alte
Uhren, Dosen, Ringe und Armspangen von sehr hohem Materialwert
in die Hände gefallen. Das Museum befand sich
früher im Besitze des Herzogs von Sachsen-Koburg - Gotha.
(Ein Museum westeuropäischer Innenkünst) des
16., 17. und 18. Jahrhunderts haben unter dem Namen „Vieux
Morges“ Alexis und Emiline Forel in Morges am Genfei See
gegründet. Herr und Krau Forel haben seit Jahrzehnten geforscht
und gesammelt, und man verdankt ihnen mehrere
verständnisvolle Werke übe die römische und gotische Zeit
Frankreichs. Es handelt sich um eine Auswahl von Möbeln,
Plastiken, Keramiken und graphischen Erzeugnissen.
(Gründung eines Haeckel-Hauses.) In Jena soll
ein Haeckel-Haus errichtet werden, das nicht nur eine Erinnerungstätte,
sondern noch eine Fundgrube und Arbeitsstelle
zu weiteren Forschungen, besonders auf dem Gebiete
der Entwicklungslehre, werden soll. Das warHaeckels letzter
Wunsch, und man hat bereits mit der Umgestaltung der einstigen
Villa des Gelehrten begonnen, um die vonH aeckel hinter -
lassene einzigartige Sammlung von Manuskripten, Büchern,
Briefen, Bildern und Kunstwerken, zur Entwicklungslehre
der Nachwelt nutzbar zu machen.
(Ein Rubens-Museum in Antwerpen.) Das Wohnhaus
von Rubens in Antwerpen ist in den Besitz der Stadt
Antwerpen übergegangen und soll nun zu einem kleinen
Rubens-Museum umgestaltet werden.
(Vom G enter Museum.) Wie der Amsterdamer „Telegraaf“
berichtet, ist das Museum in Gent wieder geöffnet.
Die kostbarsten Gemälde und die prächtigen Gobelins aus
dem 18. Jahrhundert waren rechtzeitig geborgen worden, so
daß sie keinen Schaden nahmen. Der Bau ist etwas beschädigt
worden, kann aber leicht restauriert werden. Binnen kurzem
werden neue Säle eingeweiht werden, in denen der Konservator
L. Maeterlinck die alte und die neue Genter Malerschule
sowie eine'stattliche Kollektion.Daubignys Vereinigt hatte.