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MAK

Full text : Jahrgang 12 (1920) (17)

Nr.  17

Internationale  Sammler-Zeitung

Seite  131

Josef  Appel.  Geboren  zu  Wien,  18.  Mai  1767,  gestorben ­
  daselbst  4,  Dezember  1834.  Schon  Appels  Vater  besaß
eine  bedeutende  numismatische  Sammlung,  welche  seine  Söhne
Franz  und  Josef  teilten,  so  daß  ersterer  die  Medaillen,  letzterer
die  Münzen  behielt,  welche  dieser  mit  großem  Fleiße  und
Kostenaufwande  vermehrte.  Seine  Münzenkenntnis  war  allgemein ­
  so  anerkannt,  daß  man  ihn  in  schwierigen  und  zweifelhaften ­
  Fällen  stets  zu  Rate  zog,  wo  er  dann  schnelle  und  sichere
Auskunft  erteilte.  Appel  stand  seit  1787  in  Staatsdiensten  und
bekleidete  zuletzt  die  Stelle  eines  Kommissärs  bei  der  k.  k.
(später  aufgelösten)  Einlösungs-  und  TilgungsdepUtation  und

bei  der  Fabrikation  der  Einlösungs-  und  Anticipationsscheine.
Seine  numismatischen  Werke  sind  wegen  ihrer  Gründlichkeit
noch  immer  sehr  geschätzt,  insbesondere  das  „Repertorium
zur  Münzkunde  des  Mittelalters  und  der  neueren  Zeit"(Wien
1719  bis  1728,  4  Bände  in  .7  Teilen  mit  K.  K.).  An  Werken
gab  er  heraus:  Münz-  und  Medaillensammlung  (Wien  1805  bis
1808,  2  Bände  mit  K.  K.),  nach  seinem  eigenen  neuen  Systeme
geordnet;  Skizze  einer  Sammlung  sämtlicher  unter  Kaiser
Franz  I.  geprägten  Medaillen  (Wien  1822)  und  sein  Schachspiel-Unterricht" ­
  erschien  in  mehreren  Auflagen.
(Wird  fortgesetzt.)

Die  Kärntner  Abstimmungsmarken.

Aus  Klagenfurt  wird  uns  gemeldet:
Bei  den  Postämtern  der  Zone  B  und  bei  der  Markenausgabestelle ­
  in  Klagenfurt  (Landtagssaal)  gelangen  vom  16.  September ­
  bis  10.  Oktober  d.  J.  Volksabstimmungsmarken
zur  Ausgabe.  Bei  der  Markenabgabestelle  Klagenfurt  sind
jedoch  nur  ganze  Sätze  erhältlich.  Die  Ausgabe  an  Private
kann  wegen  der  geringen  Auflage  nur  in  ein  bis  zwei  Sätzen
erfolgen.  Der  Preis  beträgt  sowohl  bei  den  Postämtern  als  auch
bei  der  Ausgabestelle  das  Dreifache  des  normalen  Wertes,
das  sind  K  175'05.  Einzelne  Sätze  werden  von  der  Markenausgabestelle ­
  unter  Anrechnung  von  Verpackungskosten  und  Versicherung ­
  für  K  180'—  ausgegeben.  Im  Postverkehr  gelten  neben
den  Abstimmungsmarken  die  jetzt  üblichen  Postwertzeichen,

Die  Abstimmungsmafke  ist  eine  Überdruckmaike  mit  den
M  vkenbildern  der  gegenwärtigen  Postwertzeichen  und  umfaßt
neunzehn  Werte.  Der  Überdruck  lautet  in  zwei  Zeilen:
„Kärnten,  Abstimmung".  Die  niederen  Werte  sind  auf  farbigem ­
  Papier  gedruckt,  die  Werte  zu  80  b,  1  und  2  K
auf  weißem  Papier,  doch  in  lichteren  Farben.  Die  Marken
sind  ungezähnt  mit  geränderten  Farben  aufgelegt;  Fälschungen
sind  dadurch  so  gut  wie  ausgeschlossen.
Die  Auflagehöhe  ist  schon  durch  den  beschränkten  Vorrat
des  besonderen  Papieres  sehr  begr.  nzt;  Nach-  oder  Neudrucke
werden  durch  die  Postverwaltung  nicht  Veranstaltet.  Der
Überschuß  aus  dem  Erlös  der  Abstimmungsmarken  kommt  dem
Lande  Kärnten  zugute.

Chronik.

BIBLIOPHILIE.
(Ein  Goethe-Fund.)  Aus  .Hamburg  wird  gemeldet,
daß  Professor  Pieper  in  Altona  ein  Jugendwerk  Goethes,
den  1762  geschriebenen  „Josef",  gefunden  habe,  dessen  Manuskript ­
  der  junge  Dichter  nach  seiner  eigenen  Angabe  später
„mehr  aus  Mißmut  als  aus  Überzeugung“  verbrannt  hat.
Von  einzelnen  Goethe-Forschern,  so  von  Professor  Heuer,
Direktor  des  Goethe-Museums  in  Frankfurt  am  Main,  wird
die  Echtheit  dieses  Manuskriptes  angezweifelt,  wogegen  Von
anderer  Seite  wieder  eingewendet  wird,  daß  Goetlu;  im  vierten
Buche  Von  „Dichtung  und  Wahrheit",  bei  Erzählung  der
Geschichte  seines  Jugendwerkes,  mitteilt,  daß  er  als  Knabe
einem  Mündel  seines  Vaters,  dem  Rechtskandidaten  Clauer,
die  Dichtung  diktiert  habe.  Professor  Pieper  will  nun  festgestellt
haben,  daß  die  von  ihm  gefundene  Schrift  aus  Clauers  Feder
herrühre  und  zahlreiche  eigenhändige  Korrekturen  des  Dichters
zeige.  Der,,  Josef"  umfaßt  die  im  ersten  Buche  Moses  berichteten
Vorgänge  in  fünf  Teilen;  1.  Josef  wird  verkauft.  2.  Josef  bei
Potiphar  und  Saphiera  (wie  der  Dichter  die  Frau  Potiphars
nennt).  3.  Josef  im  Gefängnis.  4.  Josefs  Erhöhung  und  sein
Werk.  5.  Josef  und  seine  Brüder;  Wiedersehen  mit  dem  Vater.
(Umbenennung  der  Wiener  Hofbibliothek.)  Mit
Zustimmung  der  Staatsregierung  wurde  die  Umbenennung
der  Hofbibliothek  in  Wien  in  ,,  Nationalbibliothek"  verfügt.
(Der  Wiederaufbau  der  Universitätsbibliothek
Löwen.)  Deutschland  hat  bekanntlich  nach.dem  Friedensvertrag ­
  die  Pflicht  übernehmen  müssen,  die  Universitätsbibliothek ­
  in  Löwen,  die  während  des  Krieges  vernichtet
worden  ist,  aufzurichten.  Die  ^Arbeiten  für  die  Wiederaufrichtung ­
  erfolgen,  wie  uns  geschrieben  wird,  in  Leipzig  und
es  ist  ein  Stab  von  Beamten  und  Hilfsarbeitern  am  Werke,
darunter  allein  zwölf  Bibliophile  aus  den  verschiedenen
Wissensgebieten.  Sie  haben  mit  Benutzung  der  erhalten  gebliebenen ­
  Kataloge  der  Bibliothek  zu  prüfen,  was  in  Deutschland ­

  von  den  in  Löwen  vernichteten  Büchern  noch  vorhanden
ist.  Erhebliche  Schwierigkeiten  bereitet  natürlich  der  Ersatz
der  verlorengegangenen  Handschriften.  Von  Büchern  sind
schon  verschiedene  größere.  Sendungen  nach  Löwen  abgegangen. ­
  Einstweilen  sind  vom  Reich  sieben  Millionen  Mark
für  die  Beschaffung  der  Bücher  zur  Verfügung  gestellt  worden.
(Zur  Geschichte  des  Buches.)  Die  Buchhandlung
des  Graphischen  Kabinetts,  Berlin  W.  50,  Kurfürstendamm  232,
wird  im  Laufe  des  Winters  eine  Anzahl  kleiner  „Ausstellungen
zur  Geschichte  des  Buches"  veranstalten,  die  in  zwangloser.
Ordnung  erfolgen  und  in  der  Hauptsache  Stücke  aus  Berliner
Privatbesitz  zeigen  sollen.  Als  erste  dieser  Veranstaltungen
wird  Anfang  Oktober  eine  „Ausstellung  monumentaler  Bibeldrucke ­
  des  16.  Jahrhunderts"  stattfinden.
(Versteigerung  der  Bibliothek  Linke.)  Am  28.  und
29.  September  gelangt  bei  Oswald  W'eigel  in  Leipzig  der
zweite  Teil  der  Bibliothek  Johannes  Linke  zur  Versteigerung,
der  650  Nummern  auf  dem  Gebiete  der  historischen  Theologie
zum  Verkaufe  stellt.
(Ein  Verband  deutscher  Erzähler.)  Um  den  drohenden ­
  Verfall  des  deutschen  Buches  entgegenzuwirken,  haben
sich  namhafte  deutsche  Prosaautoren  zum  „Verband  Deutscher
Erzähler"  (E.  V.)  zusammengeschlossen.  (Geschäftsstelle:
Berlin  W.  66,  Wilhelmstraße  52.)  Ihm  gehören  unter  anderen
an:  Raoul  Auernlieimer,  Adam  Beyrlein,  Dr.  Walter  Bloem,
Karl  Bulcke,  Georg  Engel,  Otto  Ernst,  Herbert  Eulenberg,
Gustav  Frenssen,  Alexander  v.  Gleichen-Rußwurm,  Dr.  Walter
Harlan,  Dr.  Gerhart  Hauptmann,  Paul  Oskar  Höcker,  Hans
v.  Hülsen,  Dr.  Arthur  Landeberger,  Dr.  Heinrich  Lilienfein,
Thomas  Mann,  Walter  V.  Molo,  Dr.  Rudolf  Presber,  Ilse  Reicke,
Karl  Rosner,  Werner  Schcff,  Dr.  Ewald  Gerhard  Seliger,
Hermann  Stehr,  Hermann  Sudermann,  Jakob  Wassermann,
Ernst  v.  Wolzogen,  Dr.  Ernst  Zahn,  Fedor  v.  Zobeltitz.  Den
Vorstand  bilden  Georg  Engel  als  erster  Vorsitzender,  Walter
            
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