MAK
Nr. 18 
Internationale Sammler-Zeitung 
Seite 139 
szene“ und ein allerliebstes Genrebild „Der Raucher" 
repräsentiert ist. Zwei Blumenstücke deuten auf van 
B aalen hin, einen mit Recht geschätzten holländischen 
Maler des 17. Jahrhunderts. 
An Alt-Holland reiht sich Alt-Wien, das seine 
besten Namen entboten hat. Der ältere Lampi er 
scheint mit zwei Porträts, dem eines Wiener Patriziers 
und dem einer Dame, die beide aus demselben Jahre 
(1801) stammen und. wahrscheinlich auch in einem 
familiären Zusammenhänge stehen. Bemerkenswert ist, 
daß das eine mit „Cavaliere de Lampi“, das andere mit 
„Eques de Lampi" signiert ist. Von Carl Agricola 
finden wir das Porträt der Gattin des Künstlers. Auf 
der Rückseite die Bezeichnung von Agricolas eigener 
Hand: „Meine innigstgeliebte Frau Marie, geborene 
von Saar, welche den 22. Oktober 1808 gestorben ist. 
Agricola". Ein gleiches Sujet behandelt auch Friedlich 
Amerling, aus dessen Nachlaß Leo Schidlof im nächsten 
Monat eine größere Kollektion von Werken zur Ver 
steigerung bringen wird. Mit gebührendem Respekt 
vor seinem großen Können nähern wir uns wie immer 
Ferdinand Waldmüller, der mit drei signierten Por 
träts vertreten ist. Zeitlich das früheste ist ein herziges 
Kinderbildnis, das 1827 datiert ist. Es folgen ein 
Männerporträt aus dem Jahre 1828 und daa. Porträt 
einer älteren Frau mit der Jahreszahl 1856. 
Hans Makart, figuriert mit einer „Allegorie auf die 
Künste", Peter Kr afft hat sich „Mignon und den 
Harfner" zum Vorwurf genommen. Das Stilleben ist 
repräsentiert durch Josef Lauer und Nigg, die Wiener 
Landschaftsinalerci durch Emil Jakob Schindler, 
den Schüler Zimmermanns. Von Wiener Meistern 
nennen wir noch Michael Ne der („Beim Brotbacken“ 
und „Beim Spinnen“), Anton Schrödl („Schafe“), 
Remi van Haanen (Seestück), Eugen Jettei („Pflü 
gende Pferde“) Rudolf Huber („Kühe im Wasser'), 
Jo ef Schuster („Alpenflora“) und andere. Die 
Bilder Hans Temples entbehren nicht eines ge 
wissen intimen Reizes. Das eine, „Hofbibliothek 
in Wien“, zeigt im Vordergründe den bekannten 
Kunstmäzen und Sammler Grafen Karl Lanck.orons- 
ki, dem als Oberstkämmerer auch die Hofbibliothek 
unterstand. Auf dem anderen Gemälde, „Der Rubens 
saal des Hofmuseums", ist eine Reihe Wiener Kunst- 
gelehrter von Rang vereinigt. Man sieht da-den Direktor 
der Gemäldegalerie dieses Museums Dr. Gustav Glück 
sowie die Kustoden Regierungsrat Dr. Baldaß und 
Dr. St ix. Den Wienern gesellt sich der Salzburger 
Franz von Pausinger bei, von dem wir einige seiner 
gesuchten Kohlenzeichnungen erwähnen möchten. 
„Röhrender Hirsch“ mag wohl das Beste in dieser 
Serie sein. Der Tiroler Theodor v. Hörmann führt 
uns neben einer „Dorfstraße“ sein letztes Werk vor, 
eine „Ansicht von Znaim". Gabriel von Max, der seiner 
Geburt nach den Österreichern beizuzählen wäre, hat 
ein „Mädchen als Diana" verkörpert. 
Wenden wir uns den modernen Meistern anderer 
Nationalitäten zu, so stoßen wir auf einen hervor 
ragenden Schüler des Hofmalers der Dauphine Jacques 
Louis Da viel, den Lyoner Pierre Revoil, dessen „Min 
strel und die Mädchen“ von Nagler in seinem Künstlcr- 
lexikon als eines der bedeutendsten Werke Renoirs 
angeführt ist. Dieses Gemälde hat den Weg von dem 
Schlosse des Herzogs von Angouleme genommen, wo 
es eine der Zierden der Sammlung war. Auf einen russi 
schen Künstler, oder zumindestens auf einen, der in 
Rußland seine Tätigkeit entfaltete, weist die „Dame 
mit dem Hündchen" hin; für die Qualität des Bildes 
spricht wohl die Tatsache, daß es von berufener Seite 
auf K 60.000 geschätzt wurde. Von kunsthistorischem 
Interesse ist eine Studie zu dem bekannten Bismarck- 
Porträt von Lenbach, das Jäger auf der Auktion 
Daniel Peuthe in Wien im Jahre 1887 erstand. Peuthe 
hatte die Studie von Lenbach selbst, mit dem er be 
freundet war. 
Gut vertreten sind in der Sammlung die Tschechen. 
Wir begegnen da Wenzeslaus Manes („Heilige Familie", 
pinxit Pragae 1843), Hans Schwaiger („Maria Emp 
fängnis“ und „Gastmahl"), Carl Screta -{-„Kreuz 
abnahme“) und anderen; von Polen nennen wir Her 
mann Kowalskv („Manöverszene" und „Touristen 
in Tiroler Bergen“). Dem Schweden Axel Nordgren 
wird die stimmungsvolle „Mondnacht am Meere“ bei 
uns viele Freunde werben; man wird gewiß in Zukunft 
fleißiger nach Werken dieses ausgezeichneten Gude- 
Schülers Ausschau halten, der heute außerhalb seines 
Vaterlandes noch nicht viel verbreitet ist. Einmal ein 
Prophet, der in der eigenen Heimat gilt und der sich 
darum auch den Weg darüber hinaus bahnen wird. 
Der Däne Ziesenis fesselt durch das Porträt einer 
Dame. Sammler von Porzellanbildern seien speziell 
auf das Porzellanbild von Joseph Gaspard Coste auf 
merksam gemacht, der ein Stilleben auf Porzellan der 
Manufaktur Dihl De Guerard hingezaubert hat. Ein 
Originalbronzerahmen erhöht gewiß den Wert des sehr 
schönen Stückes. Der Rahmen wegen verdienen übrigens 
auch einige Bilder älterer französischer Schule Beach 
tung. 
Reichhaltiger noch als die Gemäldeabteilung ist die 
der Miniaturen und Aquarellporträts. Es ist ein 
Vorzug dieser Abteilung, daß die meisten Künstler mit 
kleinen Kollektionen vertreten sind, in denen die Wahl 
allerdings nicht leicht fallen wird. An der Spitze 
marschiert Carl von Saar mit nicht weniger als 
21 Nummern. Siebzehn davon sind Aquarellporträts 
von wundervoller Erhaltung und Farbenfrische, was 
sie dem Umstande verdanken, daß sie bisher in 
einer Mappe verwahrt waren. Die Porträts stellen 
Wiener Persönlichkeiten, hauptsächlich Maler und 
Schauspieler, dar; so erkennen wir in einem Porträt 
den Maler Eduard Swoboda, in einem anderen den 
Maler Rahl, in einem dritten den Bildhauer Fernkorn, 
in einem den Dichter Castelli, in einem den Komiker 
der Leopoldstädter Bühne, Wenzel Scholz. Saar folgen 
Agricola und Anreiter mit je fünf Miniaturen, 
Emanuel Peter und Robert The er mit je vier, Albert 
Theer mit drei usw. Sehr gut sind die Arbeiten des 
Ungarn Nikolaus Barabas; vom Schweizer Rodolph 
Bell registrieren wir zwei Miniaturen, die seinem 
Lehrer Isabcy n hestehen. Isabey selbst fehlt natürlich 
in der Sammlung auch nicht: er stellt ein Porträt des 
Zaren Alexanders T. von Rußland bei, das in einem 
Goldmedaillon mit echten halben Perlen gefaßt ist. 
Blicken wir weiter, so entdecken wir die anderen 
Meister der Miniaturmalerei: Daffinger und Lieder 
den Älteren, Genot und Jacques Marie le Gros, 
Guerard und E. Harding, Richard Schwager und 
Adalbert Suchy, Charles W. Tayler, Felicie de 
Wattewyl, Josef Zeleny, Joseph Zumsande usw. 
Die Miniatur der Watte\vyl hatte schon früher die Auf 
merksamkeit Leo Schidlofs auf sich gelenkt, der sie in 
se'nem Werke „Die Bildnisminiatur in Frankreich“ 
reproduziert und besprochen hat. Aus der Sammlung 
Pierre Dec.ourcelles in Paris stammt eine Miniatur 
des Fürsten Nikolaus Esterhazy in Totis als Fieseo, 
das Laban dem Füger zuspricht. Schidlof hat in über 
triebener Vorsicht der Angabe Labans die Worte „oder 
dessen Schule“ beigefügt. Bemerkenswert ist die Fülle 
von Miniaturen auf Kupferemail. In dieser Technik 
exzellieren neben einigen unbekannten Holländern und
	        
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