MAK
Seite 148 
Internationale Sammler -Zeitung 
Nr. 19 
AUKTIONSHAUS FÜR ALTKUNST 
BLUMKA & HERZOG. 
WIEN ■ PALAIS TRAUTTMANSOORFF • I., HERRENGASSE 21 
übernimmt 
ANTIQUITÄTEN ei " e,n wie VT Samm,u " 9e " VERSTEIGERUNG 
Bedingungen coulantest. 
ERSTE AUKTION IM NOVEMBER. 
An Neuheiten von Notgeld liegt uns vor: 
Von der Marktgemeinde St. Veit an der Gölsen 
ganz nette Scheine zu 10, 20 und 50 Heller, von Pfarr- 
Werfen (Salzburg) Notgeldscheine zu 10, 20, 50 und 
80 Heller mit Ansichten des Ortes selbst, der Sölden- 
Hütte und des Tennengebirges. 
St. Georgen im Attergau (Oberösterreich) sendet 
uns drei Serien ein, die in Farbe und Ausführung voll 
ständig verschieden sind. Auf den 50 Heller der letzten 
Ausgabe ist in humorvoller Weise die Milchaufnähme 
durch die hohe Kommission persifliert. 
Die bei Deutschland verbliebenen Teile des Netze 
kreises Kolmar, Czarnikau und Filehne haben Not 
geldscheine zu 25 und 50 Pfennige in den Verkehr ge 
bracht, Der 25-Pfennig- Schein ist rotbraun gedruckt 
und soll an die den Netzekreis durchschneidende Ost 
bahn erinnern. Hinter einem Tannenwald ist das 
Zeichen des Handels, der Merkurstab, als dekoratives 
Beiwerk sichtbar. Der 50* Pfennig-Schein zeigt in 
resedagrünem Druck einen Teil Schönlankes, vom 
Osten gesehen. 
Die Stadt Wien hat 20.000 Serien ihres Notgeldes 
vom Jahre 1918 an den städtischen Kassen zum Ver 
kauf gestellt. Der Preis der vier Werte umfassenden Serie 
beträgt K 50 - — . Wir wissen nicht,, ob sich viele Samm 
ler finden werden, die diesen Betrag an eine außer 
Kurs gesetzte Notgeldserie wenden werden. Die An 
kündigung der Ausgabe hatte aber das gute, daß die 
Scheine aus den Auslagen der Notgeldhändler ver 
schwanden, wo sie mit dem Nominalbetrag von K 175 
pro Serie angeschrieben waren. 
Chronik. 
BIBLIOPHILIE. 
(Die Bibliothek Alfred von Bergers.) Wie wir hören, 
hat die Buchhandlung Ed. Beyers Nachf. in Wien die kost 
bare Bibliothek des ehemaligen Direktors des Burgtheaters, 
Alfred Freiherrn von Berger, erworben^ 
(Ein Heine-Fund.) Heines Handexemplar der Erst 
ausgabe der „Harz reise" mit den interessanten hand 
schriftlichen Korrekturen des Dichters ist, wie das „Litera 
rische Echo" 'anzeigt, aufgefunden worden und wird von 
Friedrich Hirth in originalgetreuer Wiedergabe als zweiter 
Heine-Gedächtnisdruck im Verlag Hoffmann und Campe er 
scheinen. Das Handexemplar gibt wertvolle Aufschlüsse über 
Heines Arbeitsweise. 
(Das Hohe Lied Salomos.) Bibliophile wird es 
interessieren, daß im Verlag Banas und Dette in Hannover 
in nächster Zeit „Das Hohe Lied Salomos“, geschrieben von 
Leopold Fuc.hs und in zwei Farben vom Stein abgezogen, 
erscheint. Das Werk ist in bloß 50 Exemplaren hergestellt 
worden. 
BILDER. 
(Rafaels „Heilige Familie“.) Aus Paris wird 
berichtet: Der englische Porträtist Sir John Lavery be 
streitet in einem eben veröffentlichten Buch die Echtheit 
des Bildes „Die heilige Familie" von Rafael im Louvre. 
Er behauptet, das Bild sei von Giulio Romano gemalt. 
Der Direktor des Louyre weist diese Behauptung als unbe 
gründet zurück. — Wir wissen noch nicht, wie Lavery seine 
Ansicht begründet, möchten aber bemerken, daß der Streit 
um die Echtheit des Bildes sehr alt ist. Gestützt auf eine 
Bemerkung Vasaris in seinem „Leben des Giulio Romano" 
ist schon frühzeitig die Meinung entstanden, daß Romano 
das Werk ausgeführt habe. Andere. wieder vertraten die 
Ansicht, daß Rafael und Romano gemeinsam an dem Bilde 
gearbeitet haben, dessen Zeichnung unbestritten von Rafael 
herrührt. 
(Auffindung zweier Bilder von Munkacsy.) Aus 
Budapest wird uns geschrieben: In einer Schusterwerk 
statt wurden zwei Bilder von Munkacsy gefunden. Gelegent 
lich einer Verlassenschaftsabhandlung stellte es sich heraus, 
daß die Bilder von Munkacsy ursprünglich einem Schneider, 
dem er 80 Gulden schuldete, als „Macherlohn" übergeben 
worden rvaren, das heißt, Munkacsy mußte sie für den Schneider 
malen. Als er. später, ein berühmter Mann, aus dem Ausland 
heimkehrte, signierte er über Wunsch des Schneidei meisters 
die zwei Bilder. Sie tragen neben dem Namen Munkacsys 
die Jahreszahl 1863. Die kostbaren Werke haben sich auf 
einen der Schwiegersöhne des Schneiders, eben den ei wähnten 
Schustermeister vererbt, in dessen Verlassenschaft sie nun 
vorgefunden und mit K 400.000 geschätzt wurden. Angeb 
lich soll Munkacsy auch das Geschäftsschild des Schneiders 
gemalt haben. Für dieses Tafelbild wurden einmal dem 
Schneidermeister hundert Gulden geboten; er lehnte ab, und 
am nächsten Tage w r ar das Schild — gestohlen.
	        
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