Nr. 20
Internationale Sammler-Zeitung
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seinem Nachlaß figurieren.' Wir nennen Amerling (Männer-
k°pf), Tina Blau, Wenzel Brozik (Der Prager Fenstersturz
1618), Canon, Eduard und Hugo Charlemont, John Con
stable, Defregger (Ein Tiroler), Egger-Lienz (Einzug
König Etzels in Wien, Entwurf zum Rathausfestsaal-Ge
mälde), Peter Rendi (Die Abbrändler), Klimt (Damen- und
Mädchenbildnis), Heinrich Lefler, Carl Moll (Heiligenstadt),
Anton Romako (Rauhenstein und Rauheneck), Karl Sterzer
jun. (Liebesfrühling), Franz v. Stuck (Frauenbildnis), Wald
müller (Frauenbildnis). Unter den Aquarellen und Zeichnungen
finden wir die dre’ Alt, Josef Gisela, Munkacsy (Studie
zum Bilde ,,Chiistus vor Pilatus“), Verschuur, Zursande
und andere. Einige gute Miniaturen (darunter ein Daffinger)
und Kunstgegenstände aus Bronze und Elfenbein vervoll
ständigen die Sammlung.
(Neuerwerbungen der Galerie St. Lukas in
Wien.) Die Galerie St. Lukas in Wien, I., Josefsplatz 5
(Palais Pallavicini), stellt sich zur neuen Saison mit einer statt
lichen Reihe interessanter Neuerwerbungen ein. Im Vorder
grund steht eine Kollektion von Holzskulpturen aus der
Zeit der Frührenaissance, die einst den Stolz eines bekannten
Wiener Skulpturensammlers gebildet hatten. Die Wertvollste ist
ein dreiteiliger Altarfder allem Anscheine nach von einem donau
ländischen Meister herrührt. Ein anderer Altar, aus Eichen
holz geschnitzt, weist auf einen hervorragenden Prager Meister
der Renaissance hin: Seine Entstehung mag in die zweite
Hälfte des 15. Jahrhunderts fallen. Auf dem Gebiete der
Gemälde hat sich in der Galerie St. Lukas eine Speziali
sierung in der Richtung der alten Meister vollzogen. Die
moderne Kunst hat vollends der alten das Feld räumen müssen,
was insoferne nicht zu beklagen ist, als der Inhaber der Galerie,
Herr Herzig, dadurch sich mit größerer Intensität den alten
Meistern zuwenden-konnte. Die Frucht seiner Bemühungen
tritt denn auch schon in der Fülle der neuen Erwerbungen
zutage. Besonderes Glück hatte Herr Herzig mit Italienern
und Flärnen, die jetzt in Prachtstücken in der Galerie Lukas
vertreten sind. Eine auf Pappelholz gemalte Dreieinigkeit,
repräsentiert die beste Zeit Tintorettos, jene Epoche des
Künstlers, in der er nach einem vielzitierten Worte mit dem
,.goldenen Pinsel Tizians“ gearbeitet hat. Die Dreieinigkeit
auf Wolken thronend, unter ihr ein anmutiges Landschafts
bild, das von Heiligen belebt wird. An die Art des Tiepolo
gemahnt ein reizendes, auf Kupfer gebanntes Gemälde, das
in christlicher Anschauungsweise den Sieg des Guten über
den Bösen symbolisiert. Ein Engel zieht ein Menschenkind
zu sich empor, indes der Teufel ergrimmt den Kampfplatz
verläßt. Von Italienern nennen wir noch Allessandro Magnasco
in dessen Landschaft die Formenfrische und Farbenglut der
venezianischen Malerei fesselt. Die flämischen GroBmaler sind
in der Galerie St. Lukas in erster Linie durch Jakob Jordaens
vertreten, bei dessen „Bacchanal“ man einen Hauch vom
Geiste des Rubens verspürt, an dem er sich vorzugsweise ge
bildet. Jan Brueghel der Ältere, der sogenannte Samt-
Brueghel, hat in einem Blumenstilleben Rosen und Tulpen
fein zusammengestimmt. Eine Delfter Vase hebt noch den
Reiz der lieblichen Kinder Floras. Zwei andere Blumenstill
leben stehen seinem Schüler, Daniel Seghers nahe, der ihm
im Dekorativen sogar voraus ist. Die Gattung ist noch durch
Bosschaert repräsentiert, der eine figurale Vase mit Blumen
beistellt. Den kräftigen Pinselstrich David Vinckboons
zeigen zwei prachtvolle Landschaften, während uns Valcken-
borch das bunte Treiben vor Augen zaubert, das zur Zeit
der Weinlese in den rebengesegneten Rheinländern herrscht.
An den Rhein führt uns auch eine „Kreuzigung Christi“,
die sich von einer rheinischen Landschaft abhebt. Es ist offen
bar das Werk eines oberrheinischen (Kölner?) Meisters, der
nach einer alten deutschen Gepflogenheit das Golgatha durch
eine Staffage aus der näher liegenden deutschen Heimat er
setzt. Das Bild wäre vor 1400 zu datieren. Einem deutschen
Meister einer späteren Epoche, wahrscheinlich dem Historien
maler Johann Heinrich Schönfeld (1609 bis 1675), ist eine
„Kleopatra" zuzuschreiben, die durch die glückliche Kontra-
stierung des Inkarnats und der Farben des Gewandes überaus
wirkt. Das Tierstück finden wir in der Galerie St. Lukas in
vielen ausgezeichneten Exemplaren. Hervorheben möchten
wir namentlich die „Hirsche" von Balthasar Pawel Omme-
ganck, den man bekanntlich auf eine Stufe mit Paul Potter
stellt. Die „Gemsen im Hochgebirge" sind aber auch ein Ge
mälde von bester Qualität. Noch wären von den Neuerwerbun
gen zu nennen: Bilder von Lievens (Porträt der Königin
Henriette von Spanien), von Gonzales Coques (Musizierende
Gesellschaft), Katharina Trew (vollsigniert, was äußerst
selten ist), E. Bristow (Genreszene, signiert und datiert 1812),
Herr und andere,
(55. Kunstauktion von Albert Kende.) Die am
5. und 6. November bei Albert Kende in Wien stattfindende
Kunstauktion zeichnet sich duich eine Reihe hervorragender
Gemälde aus. In eister Linie ist Brackeleers „Häuslicher
Zwist“ zu nennen, ein Bild, das im. Jahre 1840 für Fr. 130.000
verkauft wurde. Ein Galerie werk ist die Madonna mit dem
Kinde, die der Richtung des Bastiano Mainardi angehört.
Pieter Ri j sbrack ist durch ein Stilleben mit allerlei Geflügel,
Franchoy-s durch die Halbfigui des heiligen Johannes Evan-
gelista vertreten. Von Moritz v. Schwind finden wir die
Oiiginalzeichnung der „Schuhprobe und Eikennung“ aus
Aschenbrödel und „Maler Schmutzer und dei Bär“. Wald
müller erscheint mit den Porträts der Baronin Stüimer und
des Generals v. Huszar. Unter den Poizellanen ist eine Berliner
Vase hervorzuheben, die Kaiser Wilhelm I. einem öster
reichischen Aristokraten zum Geschenke gemacht hatte. Klein,
aber erlesen ist die Sammlung der Teppiche, von denen ein
Stück (Cuschak) mit K 300.000 bewertet ist. Untei den Kupfer
stichen befinden sich zwei Blättei aus der sehr geschätzten
Folge der „Cries of London“, ein Brustbild Beethovens von
Kriehuber, Blätter von Angelica Kauffman, Gowslip, Ba-
retti u. a. Auf die Uhren ist schon anderer Stelle hingewiesen
worden.
(Die Auktion bei Glückselig & Wärndorfer.)
Unter ungemein reger Beteiligung von Sammlern und Kunst
händlern aus Wien und dem. Auslande, namentlich Ungarn und
Deutschland, nahm die vom 26. bis 29. von Glückselig &
Wärndorfer in Wien durchgeführte Auktion (siehe die Vor
besprechung in der Nummer 19) einen glänzenden Verlauf.
Es notierten:
Gemälde und Skulpturen. Nr. 1, Jakob Alt, Blick
aus dem Kolosseum in Rom, K 11.500; Nr. 2, Rudolf v. Alt,
Gastein, Partie am Bahnhof, K 26.000; Nr. 3, Schule des
Hendrik van Baien, Raub der Europa, K 10.500; Nr. 4,
Barrau, Weiblicher Halbakt, K 9300; Nr. 5, Bartolozzi,
Bildnis eines jungen Kavaliers, K 15.500; Nr. 6, Blauet,
Arkadische Szene, K 7500; Nr. 7, Joh. Ohr. Brand, Reiter,
dem eine Bäuerin einen Gemüsekorb entgegenhält, K 28.500;
Nr. 8, Bredaei d. J., Szene aus den Türkenkriegen, K 18.000;
Nr. 9, Caracci, Familie des Fauns in einer Landschaft,
K 34.000; Nr. 10, Rudolf v. Alt, Salzburg, K 22.500; Nr. 11,
Compton, Der Schiern von Dreikirchen aus, K 4300; Nr. 12,
Hugo Darnaut, Gartenlandschaft mit blühenden Sträuchern,
K 6700; Nr. 13, Ders., Schloß im Park, K 12.500; Nr. 14,
Rud. v. Alt, Gastein, I< 30.000; Nr. 15, Deutsche Schule,
zweite Hälfte 16. Jh., Maria im Strahlenkränze, K 6700;
Nr. 16, Deutsche Schule, nach 1800, Domruine mit altem
Kirchhof, K 9700; Nr. 17, Art des Domenichino, Caritas,
K 32.000; Nr. 18, Philipp van Di rk, Dame am Balkon, K 4800;
Nr. 19, Schule des van Dyck, Erzherzog Leopold Wilhelm,
Statthalter der Niederlande, K 60.000; Nr. 20, Thomas Ender,
Heiligenblut, K 6600; Nr. 21, Ders., Schloß Seben mit der
Ruine Anger bei Klausen, K 6400; Nr. 22, Ed. v. Engerth,
Strand am Wege zur blauen Grotte, K 2100; Nr. 23 und 24,
Jan van Baien, Spielende Amoretten, K 84.000; Nr. 25,
Engerth,Traunstein, von Ebensee gesehen, K 2100; Nr. 26,