MAK
Nr. 21 
Seite 1G5 
Internationale Sammler-Zeitung 
Kardinal Alexander für Karl V. nach Spanien mitbekommen, 
zwei hat Dr. Johann Eck nach Deutschland gebracht, von 
denen die eine, vielleicht auch die zweite, nach der Veröffent 
lichung nach Rom zurückgeschickt worden ist. Es ist anzu 
nehmen, daß Karl V. das ihm zugestellte Original seinem 
Bruder, dem Erzherzog, späteren König Ferdinand I. über 
mittelte, der seine Stelle in Deutschland vertrat und während 
der Vertreibung Ulrichs auch Regent und bald Herzog von 
Württemberg wurde. Durch ihn ward die Urkunde nach Stutt 
gart gekommen sein, wo nach seiner Weisung sein Statthalter 
auf Grund der Bulle am 26. November 152-2 ein Ausschreiben 
gegen Luther erlassen hat. Sie ist nach Ulrichs Rückkehr 
dort geblieben, zusammen mi-t einer Bulle von 1523, die Sich 
ausdrücklich auf Gebiete Karls V. und Ferdinands bezieht. 
Sie ist von einer Hand aus der zweiten Hälfte des 16. Jahr 
hunderts in einem Verzeichnis des Staatsarchivs eingetragen. 
Was Luther am 10. Dezember 1520 verbrannt hat, war jeden 
falls ein gedrucktes Exemplar; wie sie in Rom und in Deutsch 
land gefertigt worden sind. 
LEO SCHIDLOPS Kunstauktionshaus 
Wien, I., Tuchlauben 8 
Telephon 5470/I/III, 8904 Telegr.-Adr. Schidauktion, Wien 
□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□ 
alter und moderner Ge 
mälde, Miniaturen, Anti 
quitäten, Teppiche, teil 
weise aus dem Nachlaß 
des Malers Friedrich von 
□□□□□□□□ Amerling □□□□□□□□ 
AUSSTELLUNG: 26. bis 30. November 1920 
VERSTEIGERUNG: 1. bis inkl. 4. Dezember 1920 
* 
NUMISMATIK. 
(Die Wiener Notgeldausstellung.) Mit einiger 
Verspätung ist am 5. November die von uns angekündigte 
erste Wiener Notgeldausstellung im Saale des Land 
hauses in der Herrengasse eröffnet worden. In etwas kleinerem 
Maßstabe als die Salzburger, bietet diese Notgeldausstellung 
doch einen interessanten überblick über die Entwicklung 
des Notgeldes in Österreich von seinen Anfängen, dem ,,Münz 
geld des Magistrates der Stadt Wien" im Jahre 1805, bis in 
unsere, so notgeldgesegnete Zeit. Der Schwerpunkt liegt 
natürlich in dem Notgeld Deutschösterreichs seit dem Umsturz. 
Im ganzen sind an 2000 Gemeinden vertreten: den Löwen 
anteil hat Niederösterreich, das komplett ist. Hauptaussteller 
ist ' der „Von“, die Vereinigung der österreichischen Not 
geldsammler, doch haben Privatsammler und Händler vieles 
beigesteuert. In der Sammlung des Herrn Fritz Seliger fiel 
uns der erste, nur in diesem einzigen Exemplare vorhandene 
Druck der Perchtoldsdorfer Ausgabe auf. Steiermark, Salz 
burg, Tirol und Vorarlberg sind ziemlich vollständig vertreten, 
dagegen ist das an Notgeld besonders ergiebige Oberösterreich 
nur durch die spekulativsten Orte repräsentiert. Dazu gehört 
in erster Linie Eferding, das mit seinen 465 Scheinen den 
Vogel abschießt. Die Eferding-Sammlung, von Herrn Albert 
Bartfeld exponiert, gewinnt noch dadurch an Wert, daß sie 
alle Unica, Originale mit Stecherzeichen, mit Stahlzeichen, 
Fehldrucke, Fehldrucke der Nachdrucke usw. enthält. Das 
Notgeld der Sudetenländer stammt aus der großartigen Privat - 
sammlung des Oberstleutnants Müller v. Wandau, dem 
auch sonst manch wertvoller Beitrag zu danken ist. Der hi 
storische Teil wird hauptsächlich von dem staatlichen Münzen 
kabinett bestritten, das die Noten der Nationalbank, die 
Wiener Stadtbancozettel (das sogenannte Scheingeld), Not 
geld aus der Zeit der ersten französischen Republik, der Assig 
natenepoche, ungarisches Munizipal- und Belagerungsnot 
geld aus den Jahren 1848, 1849 und 1860, Notgeld von Belgien 
aus den Jahren 1914 bis 1916, aus der Zeit des Rate-Ungarn 
usw. zur Verfügung gestellt hat. Wer sich für den Werdegang 
des Notgeldes interessiert, der hat in der Ausstellung reichlich 
Gelegenheit zu Studien. Besonders instruktiv sind in dieser 
Richtung die Matrizen und Druckplatten zum Notgeld von 
St. Wolfgang und Ostermietbing (Oberösterreich). Im Vorrauni 
der Ausstellung sind Verkaufsstellen etabliert, wo Notgeld 
zu ungerechtfertigt hohen Preisen verkauft wird. Hoffentlich 
fällt wenigstens ein Teil des Mehrverdienstes dem wohltätigen 
Zwecke zu, dem die Ausstellung dient. 
BENJAMIN WELWART 
WIEN, I. BEZIRK, POSTGASSE NR. II. 
ANTIQUITÄTEN 
ANKAUF VERKAUF 
ANTIKE MÖBEL, GEMÄLDE, SKULPTUREN 
sowie SÄMTLICHES ALTES KUNSTGEWERBE 
PHILATELIE. 
(Die größte Markensammlung der Welt.) Über 
das endgültige Schicksal der größten Markensammlung der 
Welt, die der verstorbene, unter dem Namen Ferrary be 
kannte Sammler Philippe la Ren,otiväre hinterlassen hat, 
ist noch immer keine Entscheidung getroffen. Ferrary starb 
während des Krieges in der Schweiz und vermachte seine 
Markensammlung, die sich damals in Paris befand, wo sie' 
auch noch heute ist, dem Berliner Reichspostmuseum. Jetzt 
hat der französische Treuhänder für das Vermögen ehemals 
feindlicher Ausländer verfügt, daß die Sammlung, sobald 
die Katalogisierungsafbeiten beendet sind, öffentlich ver 
steigert wird. Ein freihändiges Angebot von 15 Millionen 
Francs wurde von ihm zurückgewiesen, da er allgemein der, 
Ansicht ist, daß durch die Versteigerung ein ungleich höherer 
Preis zu erzielen ist. Ferrary hat länger- als fünfzig Jahre 
Marken gesammelt und jährlich große Summen zur Ergänzung
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.