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Zentralblatt für Sammler, Liebhaber und Kunstfreunde. 
Herausgeber: Norbert Ehrlich. 
12. Jahrgang. Wien, 1. Februar 1920. Nr. 3. 
Die Juwelen der Prinzessin Lobanow. 
Aus Lausanne wird uns geschrieben: 
Während einer Woche war Lausanne der Sammel 
punkt der bedeutendsten Juwelenhändler Europas. 
Aus Paris und London, von Italien und Polen waren 
sie herbeigeeilt; sogar einige Deutsche waren darunter, 
die. sich aber sehr zurückhielten. Was alle diese Leute 
nach, der Stadt am Lac Leman gelockt hatte, war der 
Verkauf der berühmten Juwelensammlung der im 
Herbst vorigen Jahres in Vevey ver storbenen Prinzessin 
Lobanow von Rostow. 
Die Prinzessin Vera Nikolajewna hatte mit 16 Jahren 
den Prinzen Jakob Lobanow von Rostow geheiratet, 
einen Bruder des ehemaligen russischen Ministers des 
Äußern. Sie selbst war eine Prinzessin Dolgoruki, und 
der Stammbaum ihrer Familie reicht bis zu der Dynastie 
der Ruriks, der Großfürsten von Rußland zurück. 
Sehr jung verwitwet, verließ sie ihre Heimat nach dem 
Tode des Großfürsten Sergius, der 1904 einem nihi 
listischen Bombenattentat zum Opfer fiel. Der Groß 
fürst Sergius war in Moskau ein Gast ihres Hauses. 
,Sein tragisches Ende erschien der Prinzessin als das 
Vorzeichen einer furchtbaren Revolution. Seit jener 
Zeit lebte die Prinzessin abwechselnd bald in Paris, bald 
in ihren Villen in Mcntonc. und in Vevey und begann 
dort, ihre Sammlung schöner Perlen und Juwelen an 
zulegen. Wunderte sich, jemand, daß sic zu diesem 
Zweck große Summen aufwendete, so erwiderte sie: 
„Das sind vorteilhafte Kapitalanlagen; ich verschwende 
nichts; im Gegenteil, ich erwerbe damit ein zweites 
Vermögen.“ Die Ereignisse sollten ihr recht geben. 
Seit dem Zusammenbruch Rußlands hatte sie ihre 
Villa Zina bei Vevey nicht mehr verlassen. In schlichter 
Zurückgezogenheit widmete sie sich dem. edlen Liebes- 
werk, ihre unglücklichen Landsleute, die nach, der 
Schweiz geflüchtet waren, zu unterstützen. Aber das 
Herzleiden, an dem sic litt, hatte sich infolge so vielen 
Kummers verschlimmert und führte zu einem jähen 
Ende. In ihrem Testament setzte sie Herrn Deckei de 
Duiliier aus Vevey als. ihren Universalerben und 
Testamentsvollstrecker ein, der 35 Jahre ihr Sekietär 
gewesen war. Als zweiten Testamenlsvollstiecker be 
stimmte sie Herrn de Fontenay, den französischen 
Gesandten in Serbien. Von dem Vermögen, das die 
Prinzessin in Rußland besaß, war nichts mehr übrig: 
Ihr Palast in Moskau war geplündert und ihre Güter 
von den Bauern verteilt worden. Ihr blieb nur noch, ihre 
Juwelensammlung und einige Besitztümer in Frank 
reich, darunter ihr kostbares Mobiliar, mit dessen 
Verkauf jetzt in Paris begonnen worden ist und das 
bedeutende Summen einbringt. 
Die Versteigerung der Juwelen leitete Louis Cartier, 
der bekannte Pariser Juwelier. Der höchste' Preis, 
den ein Objekt brachte, war Fx 533.000 für ein wunder 
volles, dreireihiges Perlenhalsband, bestehend aus 
171 rosa Perlen, das Kaiser Nikolaus I. einst für seine 
Lieblingstochter Marie gekauft hatte. Es wurde von 
einem der großen Pariser Händler erworben. Aber er 
mag wohl nachts darauf ein Alpdrücken gehabt haben, 
da er das Halsband am nächsten Tage ohne jeden Ge 
winn einem seiner Kollegen überließ. 
Am gesuchtesten waren die Perlen: . eine lange 
Kette von nicht sehr großen Perlen brachte Fr 101.000, 
und zwei große Perlenknöpfe Fr 60.000.. Sogar einzelne 
Perlen erzielten leicht. 15.000 Schweizer Franken pro 
Stück. Doch zahlte man auch für gewisse Schmuckstücke 
mit Diamanten hohe Preise; so zum Beispiel: für ein 
Diadem Fr 70.000 und für ein Paar Diamanto.hrge- 
hänge Fx 104.000. Die Rubinen waren wenigex begehrt. 
Aber die große Mode schienen besonders die Saphire 
zu sein. So sallen wir auf der Auktion eine Brosche mit 
einem einzigen Saphir, nach seiner natürlichen Form 
geschliffen, nicht sehr groß, aber tadellos, von einigen 
Bi'ilkuiten umgeben. Diese Brosche wurde von einem 
Pariser mit Fr 34.000 bezahlt. Die Gräfin de Fontenay, 
die der Auktion beiwohnte hatte an einem Ring mit 
Saphir Geschmack gefunden, den ihr die Händler über 
ließen, indem sie so galant waren, den Preis nicht über 
Fr 11.000 hinaufzutreiben. Bemerkenswert war auch 
unter den Luxusgegenständen eine goldene Handtasche 
mit drei .Saphiren geschmückt, die nicht sehr klar waren; 
. sie erreichte Fr 197.000. 
Die anwesenden Engländer, Vertreter von drei 
der bedeutendsten Firmen aus Hatton Garden, dem 
Londoner Viertel der Juwelengroßhändler, boten nur 
auf Sachen von sehr hohem Weit. Ein Wettbewerb 
entbrannte zwischen ihnen und einer- Gruppe von etwa 
15 Pariser Kaufleuten, die sich zusammengetan hatten, 
wobei es zu aufregenden Szenen kam. Die letzteren 
tiugen gewöhnlich den Sieg davon, da niemand mit 
ihren hohen Preisen rivalisieren konnte. So wird also 
der größte Teil der Juwclcnsammlung nach Frankreich 
kommen, ein Zeichen für den Reichtum, dieses Landes. 
Das Gesamtergebnis der Auktion wird mehrere 
Millionen Francs betragen, ohne jedoch die übertrie 
benen Zahlen zr. erreichen, die man vorher genannt hatte. 
Die Schweizer Juweliere sagten, daß sie-nicht konkur 
rieren konnten mit Pi eisen, die ihnen oft mit'dem 
wirklichen Wert der Steine oder Perlen in keinenr -Ver- 
hältnis zu stehen schienen.
	        
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