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Internationale Sammler-Zeitung
Nr. 4
können aus leichtsinnig weggeworfenen Grassamen
die ersten Felder entstanden sein, wie aus abgegangenen
Fruchtkörnern die ersten Gärten und aus heim gebrachten
jungen Tieren die ersten Haustiere.
Die Ethnographen haben endlich erkannt, daß die
alte Einteilung der Urvölker in „Jäger“ und „Ackerbauer“
nicht mehr stimmt und haben die „Sammler“
als die älteste Form menschlicher Gemeinsamkeit
proklamiert. Übrigens wird ja weit hinaus über die
nächste Verwandtschaft der Menschen von den verschiedensten
Tieren Sammeltrieb betätigt und auch
nicht immer um der Nahrungsmittel willen allein,
ich will nur an die allbekannten einheimischen Beispiele
erinnern: Hamster, Bienen, Elster.
Also der Sammeltrieb entwickelte sich vom Uranbeginn
der werdenden Menschen, war ihnen nützlich,
die besonders damit begabten Familien kamen
deshalb besser vorwärts und vererbten den Trieb
ihren Nachkommen. Freilich ist nun der Zusammenhang
längst verwischt, nur die Kinder bekunden in
ihren Spielen die dunkle Erinnerung an die alte Zeit,
Unser Kulturleben hat so lange schon andere Erwerbsformen
eingeführt, daß dafür der alte Trieb oft eher
schädlich als nützlich sich erweist. Es geht damit
wie mit den Resten alter außer Gebrauch gekommener
Organe, beispielsweise dem vielberühmt gewordenen
Wurmfortsatz, der bei den Nagetieren und jetzt
noch bei den Halbaffen einen wohl ausgebildeten
zweiten Magen darstellt und bei den Kulturmenschen
höchstens mehr den Chirurgen nützlich wird, die ihn
herausschneiden. Decken sich aber einmal Sammel- und
Erwerbstrieb, dann gibt es auch einen besonderen
Aufschwung, wofür die Entwicklung des Briefmarkenhandels
ein lehrreiches Beispiel liefert.
Über den Wert des Sammelns selbst schrieb Doktor
Krueg: Aus den in der Urzeit zusammengetragenen
Steinen entwickelten sich Werkzeuge und Waffen,
dann die Kenntnis der Metalle und ihre Verwendbarkeit,
viel später die Wissenschaften, Mineralogie und Chemie.
Aus den heimgebrachten Hölzern und Früchten, Bauwerk
und Hausrat dann der Ackerbau als Grundlage
aller Kultur, in später Zeit die Wissenschaft der Botanik
usw. Nebenbei bemerkt, entstammen die heute noch am
meisten beliebten Konserven der uralten Sammeltätigkeit,
da eingetragene Vorräte durch alkoholische,
essig- oder milchsaure Gärung scheinbar verdarben
und hinterdrein doch besonders schmackhaft befunden
wurden und Fleischstücke, in der beständig vom
Herdrauche durchzogenen Hütte aufgehangen, nicht
faulten. Das Sammeln verschiedener fremdartiger
Tiere, besonders das Konservieren der Toten, hat sich
wohl erst mit der Anlegung von Raritätenkabinetten
entwickelt, aber was ist daraus geworden: Zoologie
und vergleichende Anatomie usw. und damit die Erkenntnis
vom Werdegange aller Organismen mit Einschluß
der Menschen. In den Raritätenkabinetten
waren wohl auch die ersten Aufsammlungen von alten
Münzen, Grabfunden, Steinen mit Inschriften und dergleichen,
und wie wurde dadurch die prähistorische und
historische Forschung gefördert. Was endlich sollten
wohl die sämtlichen Gelehrten jeglichen Faches anfangen,
wenn vor ihnen nicht andere Leute die Gedanken
und Befunde der Vorgänge in Bibliotheken
aufgesammelt hätten.
Das nur in wenigen, nur in den gröbsten Zügen über
den Nutzen der Sammeltätigkeit für die Allgemeinheit.
Der einzelne folgt seinem dunklen Drange, ohne daß
er deswegen an irgend einen Nutzen zu denken braucht.
Was er sammelt, das ergeben die Umstände, unter
denen er lebt, „sammelwürdig“ ist natürlich alles,
was ihm Freude macht, mag es auch späterhin als
kindischer Tand wieder weggeworfen werden. Auswüchse
gibt es selbstverständlich dabei geradeso wie
auf jedem anderen Gebiete.
Zweifachen erzieherischen Nutzen hat aber
jede Art des Sammelns. Es lehrt den Sammler die
Objekte seines Interesses genauer ansehen und aus
ihrer Umgebung herausfinden, und die Übung, die er
dafür gewinnt, ist nicht ganz Verloren für das übrige
Leben, Es lehrt aber auch feine Unterschiede,
zwischen scheinbar gleichartigen Gegenständen erkennen,
führt dadurch dazu, Einteilungen und Kategorien
zu machen, also zur ersten Stufe genauerer
Natureikenntnis. In meiner Jugend wurde mir in der
Schule gesagt: „Alles, was man in ein System bringen
kann, ist eine Wissenschaft.“ Darüber ließe sich nun
allerdings streiten, sicher richtig ist aber der viel ältere
Satz „Qui bene distinguit, bene docet“.
Die zweite Auktion bei Glückselig & Wärndorfer.
Die zweite Kunstversteigerung, die das Auktionshaus
für Altertümer Glückselig & Wärndorfer
in Wien am 25., 26. und 27. Februar veranstaltet,
steht, was die Zahl und Qualität der Objekte betrifft,
ganz auf der Höhe der ersten, mit der sich das junge
Institut so glücklich eingeführt hat.
Unter den Gemälden fesselt besonders eine Madonna,
in der sich venezianische und süddeutsche Kunst
des 15. Jahrhunderts kreuzen. Maria im reichen Brokatgewand
neigt das Haupt gegen das Christkind, das sie
mit der Rechten umfaßt, während die Linke in gezierter
Haltung leicht erhoben ist. Im Nimbus der Madonna
liest man in spätgotischer Schrift „Ave Maria gratia
plena, Dominus te cum. Benedicta tu in mulieribus“.
Links im Goldgründe sind noch die Reste einer giiechischen
Inschrift wahrnehmbar. Zeitlich am. nächsten
steht diesem Gemälde ein segnender Christus, den
Frimmel einem venezianischen Meister des 16. Jahrhunderts
zuweist. Ein großes, effektvolles Bacchanal
trägt alle Kennzeichen Jodocus de Wingh.es, des im
Jahre 1603 zu Frankfurt gestorbenen niederländischen
Manieristen. Ein Prachtstück ist Hoets „Diana in
Wolken“. Von links her nähern sich, zwei antikisierend
gewappnete Krieger einem Wäldchen. Beide blicken
zu Diana empor, die auf Wolken zu thronen scheint.
Nikolaus Ncuchatel ist mit dem vorzüglichen Brustbilde
eines Herrn im mittleren Alter, der Mannheimer
Klotz mit der lebensvollen Figur einer blonden Dame
vertreten. Von neueren Meistern möchten wir Friedrich
Friedländers „Spieler“ hervorheben, ein Hauptwerk
des Malers, das allerdings noch unter dem. Einflüsse
Waldmüllers tmd Danhausers enststanden ist;
Waldmüller selbst ist durch ein Jugendwerk, „Drei
Heilige“ nach, Tizian, repräsentiert. Künstlerisch wie
lokalgesc.h.ic.htlic.h interessant ist. das von Adalbert
Suchy signierte Porträt des Wiener Uhrmachers Jakob
Degen, des ersten Erfinders eines Flugapparates;
dem Bilde ist eine Beschreibung der Erfindung aus dem
Jahre 1808 beigegeben.
Unter dem Mobiliar sind in erster Reihe zwei
großartige Museumsstücke, Barockaltäre aus Tirol,
zu nennen. Die deutsche Renaissance erscheint mit
einer Reihe von Kasten und Buffets gut vertreten.
Numerisch vielleicht am stärksten ist die Abteilung