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MAK

Full text : Jahrgang 12 (1920) (4)

Seite  26

Internationale  Sammler-Zeitung

Nr.  4

können  aus  leichtsinnig  weggeworfenen  Grassamen
die  ersten  Felder  entstanden  sein,  wie  aus  abgegangenen
Fruchtkörnern  die  ersten  Gärten  und  aus  heim  gebrachten ­
  jungen  Tieren  die  ersten  Haustiere.
Die  Ethnographen  haben  endlich  erkannt,  daß  die
alte  Einteilung  der  Urvölker  in  „Jäger“  und  „Ackerbauer“ ­
  nicht  mehr  stimmt  und  haben  die  „Sammler“
als  die  älteste  Form  menschlicher  Gemeinsamkeit
proklamiert.  Übrigens  wird  ja  weit  hinaus  über  die
nächste  Verwandtschaft  der  Menschen  von  den  verschiedensten ­
  Tieren  Sammeltrieb  betätigt  und  auch
nicht  immer  um  der  Nahrungsmittel  willen  allein,
ich  will  nur  an  die  allbekannten  einheimischen  Beispiele
erinnern:  Hamster,  Bienen,  Elster.
Also  der  Sammeltrieb  entwickelte  sich  vom  Uranbeginn ­
  der  werdenden  Menschen,  war  ihnen  nützlich, ­
  die  besonders  damit  begabten  Familien  kamen
deshalb  besser  vorwärts  und  vererbten  den  Trieb
ihren  Nachkommen.  Freilich  ist  nun  der  Zusammenhang ­
  längst  verwischt,  nur  die  Kinder  bekunden  in
ihren  Spielen  die  dunkle  Erinnerung  an  die  alte  Zeit,
Unser  Kulturleben  hat  so  lange  schon  andere  Erwerbsformen ­
  eingeführt,  daß  dafür  der  alte  Trieb  oft  eher
schädlich  als  nützlich  sich  erweist.  Es  geht  damit
wie  mit  den  Resten  alter  außer  Gebrauch  gekommener
Organe,  beispielsweise  dem  vielberühmt  gewordenen
Wurmfortsatz,  der  bei  den  Nagetieren  und  jetzt
noch  bei  den  Halbaffen  einen  wohl  ausgebildeten
zweiten  Magen  darstellt  und  bei  den  Kulturmenschen
höchstens  mehr  den  Chirurgen  nützlich  wird,  die  ihn
herausschneiden.  Decken  sich  aber  einmal  Sammel-  und
Erwerbstrieb,  dann  gibt  es  auch  einen  besonderen
Aufschwung,  wofür  die  Entwicklung  des  Briefmarkenhandels ­
  ein  lehrreiches  Beispiel  liefert.
Über  den  Wert  des  Sammelns  selbst  schrieb  Doktor
Krueg:  Aus  den  in  der  Urzeit  zusammengetragenen
Steinen  entwickelten  sich  Werkzeuge  und  Waffen,
dann  die  Kenntnis  der  Metalle  und  ihre  Verwendbarkeit,
viel  später  die  Wissenschaften,  Mineralogie  und  Chemie.
Aus  den  heimgebrachten  Hölzern  und  Früchten,  Bauwerk ­
  und  Hausrat  dann  der  Ackerbau  als  Grundlage
aller  Kultur,  in  später  Zeit  die  Wissenschaft  der  Botanik
usw.  Nebenbei  bemerkt,  entstammen  die  heute  noch  am
meisten  beliebten  Konserven  der  uralten  Sammeltätigkeit, ­

  da  eingetragene  Vorräte  durch  alkoholische,
essig-  oder  milchsaure  Gärung  scheinbar  verdarben
und  hinterdrein  doch  besonders  schmackhaft  befunden
wurden  und  Fleischstücke,  in  der  beständig  vom
Herdrauche  durchzogenen  Hütte  aufgehangen,  nicht
faulten.  Das  Sammeln  verschiedener  fremdartiger
Tiere,  besonders  das  Konservieren  der  Toten,  hat  sich
wohl  erst  mit  der  Anlegung  von  Raritätenkabinetten
entwickelt,  aber  was  ist  daraus  geworden:  Zoologie
und  vergleichende  Anatomie  usw.  und  damit  die  Erkenntnis ­
  vom  Werdegange  aller  Organismen  mit  Einschluß ­
  der  Menschen.  In  den  Raritätenkabinetten
waren  wohl  auch  die  ersten  Aufsammlungen  von  alten
Münzen,  Grabfunden,  Steinen  mit  Inschriften  und  dergleichen, ­
  und  wie  wurde  dadurch  die  prähistorische  und
historische  Forschung  gefördert.  Was  endlich  sollten
wohl  die  sämtlichen  Gelehrten  jeglichen  Faches  anfangen, ­
  wenn  vor  ihnen  nicht  andere  Leute  die  Gedanken ­
  und  Befunde  der  Vorgänge  in  Bibliotheken
aufgesammelt  hätten.
Das  nur  in  wenigen,  nur  in  den  gröbsten  Zügen  über
den  Nutzen  der  Sammeltätigkeit  für  die  Allgemeinheit.
Der  einzelne  folgt  seinem  dunklen  Drange,  ohne  daß
er  deswegen  an  irgend  einen  Nutzen  zu  denken  braucht.
Was  er  sammelt,  das  ergeben  die  Umstände,  unter
denen  er  lebt,  „sammelwürdig“  ist  natürlich  alles,
was  ihm  Freude  macht,  mag  es  auch  späterhin  als
kindischer  Tand  wieder  weggeworfen  werden.  Auswüchse ­
  gibt  es  selbstverständlich  dabei  geradeso  wie
auf  jedem  anderen  Gebiete.
Zweifachen  erzieherischen  Nutzen  hat  aber
jede  Art  des  Sammelns.  Es  lehrt  den  Sammler  die
Objekte  seines  Interesses  genauer  ansehen  und  aus
ihrer  Umgebung  herausfinden,  und  die  Übung,  die  er
dafür  gewinnt,  ist  nicht  ganz  Verloren  für  das  übrige
Leben,  Es  lehrt  aber  auch  feine  Unterschiede,
zwischen  scheinbar  gleichartigen  Gegenständen  erkennen, ­
  führt  dadurch  dazu,  Einteilungen  und  Kategorien ­
  zu  machen,  also  zur  ersten  Stufe  genauerer
Natureikenntnis.  In  meiner  Jugend  wurde  mir  in  der
Schule  gesagt:  „Alles,  was  man  in  ein  System  bringen
kann,  ist  eine  Wissenschaft.“  Darüber  ließe  sich  nun
allerdings  streiten,  sicher  richtig  ist  aber  der  viel  ältere
Satz  „Qui  bene  distinguit,  bene  docet“.

Die  zweite  Auktion  bei  Glückselig  &  Wärndorfer.

Die  zweite  Kunstversteigerung,  die  das  Auktionshaus ­
  für  Altertümer  Glückselig  &  Wärndorfer
in  Wien  am  25.,  26.  und  27.  Februar  veranstaltet,
steht,  was  die  Zahl  und  Qualität  der  Objekte  betrifft,
ganz  auf  der  Höhe  der  ersten,  mit  der  sich  das  junge
Institut  so  glücklich  eingeführt  hat.
Unter  den  Gemälden  fesselt  besonders  eine  Madonna, ­
  in  der  sich  venezianische  und  süddeutsche  Kunst
des  15.  Jahrhunderts  kreuzen.  Maria  im  reichen  Brokatgewand ­
  neigt  das  Haupt  gegen  das  Christkind,  das  sie
mit  der  Rechten  umfaßt,  während  die  Linke  in  gezierter
Haltung  leicht  erhoben  ist.  Im  Nimbus  der  Madonna
liest  man  in  spätgotischer  Schrift  „Ave  Maria  gratia
plena,  Dominus  te  cum.  Benedicta  tu  in  mulieribus“.
Links  im  Goldgründe  sind  noch  die  Reste  einer  giiechischen
  Inschrift  wahrnehmbar.  Zeitlich  am.  nächsten
steht  diesem  Gemälde  ein  segnender  Christus,  den
Frimmel  einem  venezianischen  Meister  des  16.  Jahrhunderts ­
  zuweist.  Ein  großes,  effektvolles  Bacchanal
trägt  alle  Kennzeichen  Jodocus  de  Wingh.es,  des  im
Jahre  1603  zu  Frankfurt  gestorbenen  niederländischen
Manieristen.  Ein  Prachtstück  ist  Hoets  „Diana  in

Wolken“.  Von  links  her  nähern  sich,  zwei  antikisierend
gewappnete  Krieger  einem  Wäldchen.  Beide  blicken
zu  Diana  empor,  die  auf  Wolken  zu  thronen  scheint.
Nikolaus  Ncuchatel  ist  mit  dem  vorzüglichen  Brustbilde ­
  eines  Herrn  im  mittleren  Alter,  der  Mannheimer
Klotz  mit  der  lebensvollen  Figur  einer  blonden  Dame
vertreten.  Von  neueren  Meistern  möchten  wir  Friedrich ­
  Friedländers  „Spieler“  hervorheben,  ein  Hauptwerk ­
  des  Malers,  das  allerdings  noch  unter  dem.  Einflüsse ­
  Waldmüllers  tmd  Danhausers  enststanden  ist;
Waldmüller  selbst  ist  durch  ein  Jugendwerk,  „Drei
Heilige“  nach,  Tizian,  repräsentiert.  Künstlerisch  wie
lokalgesc.h.ic.htlic.h  interessant  ist.  das  von  Adalbert
Suchy  signierte  Porträt  des  Wiener  Uhrmachers  Jakob
Degen,  des  ersten  Erfinders  eines  Flugapparates;
dem  Bilde  ist  eine  Beschreibung  der  Erfindung  aus  dem
Jahre  1808  beigegeben.
Unter  dem  Mobiliar  sind  in  erster  Reihe  zwei
großartige  Museumsstücke,  Barockaltäre  aus  Tirol,
zu  nennen.  Die  deutsche  Renaissance  erscheint  mit
einer  Reihe  von  Kasten  und  Buffets  gut  vertreten.
Numerisch  vielleicht  am  stärksten  ist  die  Abteilung
            
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