Nr. 4
Internationale Sammler-Zeitung
Seite 27
„Porzellan“, zu der eine berühmte Wiener Sammlung,
die des verstorbenen gräflich Schönbornschen Archi
vars Dr. Fr. von Reeger, das Hauptkontingent ge
stellt hat: die aus dieser Sammlung herrührenden
Objekte sind im Katalog durch Sternchen gekenn
zeichnet. Eine bedeutende ostasiatische Porzellansamm
lung mit Gegenständen aus der Sammlung der Brüder
Goncourt, sowie deutsche Krüge vervollständigen
die Gruppe „Keramik“, in der, wie schon angedeutet,
Alt-Wien dominiert.
In der Gruppe „Metall“ findet sich der mächtige
Bronzemörser aus der Apotheke in der Himmelpfort-
gassc in Wien: im breiten Mittelteile des auf K 50.000
geschätzten Stückes ist ein Medaillon mit Wappen,
im oberen Teil ein Arabeskenfries und die Inschrift
„Catarina Barbara Ulrechin Wittibe Apotheckerin
zur güldenen Cron lies mich giesen 1656. Prochrante
Jon Heinrichsen Pt. Provisore“. Erwähnenswert sind
weiters einige deutsche getriebene Becher um 1700,
zwei Silberdosen aus derselben Zeit sowie eine Anzahl
deutscher Renaissanceschüsseln aus Messing. Uhren
sammler werden in dieser Abteilung auch auf manches
Begehrenswerte stoßen.
Das Ergebnis der
Leo Schic! lof hat auf dem Wiener Kunstmarkte
einen Rekord geschaffen. Die von ihm in den drei Tagen
vom 4. bis 6. Februar durchgeführte Kunstversteigerung
übertrifft nämlich mit ihrem Ergebnisse von K 7,629.800,
(mit dem 10%igen Aufgelde zirka 8% Millionen
Kronen), alle Vorangegangenen Wiener Auktionen,
als deren bedeutendste bisher die Lobmcyr-Auktion
galt. Freilich, die 3’/ 2 Millionen Kronen, die 1917 bei
C. J. Wawra eingingen, wogen relativ soviel als heute
das Doppelte, da damals die Geldentwertung noch nicht
so weit vorgeschritten war wie jetzt, und das Ausland
mit seiner hohen Valuta noch nicht in den Wettbewerb
eintreten konnte.
Am ersten Auktionstage brachten die 100 Gemälde
alter und moderner Meister in zwei Stunden K 3,565.400.
Den höchsten Preis errang Danhausers letztes
Werk „Der Feierabend", das um K 270.000 in den
Besitz eines alten Wiener Sammlers überging. Ein
Snyders zugeschriebenes Stillebcn wurde um K 140.000
von einem Mailänder Liebhaber erworben, der gleich
falls „Das Paradies" von Savery um K 111.000 erstand.
Das „Lesende Mädchen“ von Defregger wurde um
Iv 125.000 zugeschlagen. Die Miniaturen und Aquarelle,
die am zweiten Auktionstage an die Reihe kamen,
ergaben K 1,500.400. Ein kleines Kupferemail von
Charles Boit ging für K 71.000 nach Schweden, eine
Miniatur von Domenico Bossi erzielte K 64.000, eine
Porzellanminiatur von Zasche K 40.000. Am dritten
Auktionstage wurden Antiquitäten versteigert und
erzielten K 2,564.400. Alt-Wiener Tassen, allerdings
von höchster Qualität, erreichten bis zu K 48.000. Die
Preise von Empiregläsern von Kothgasser bewegten
sich zwischen K 10.000 und K 19.000. Ein Augsburger
Deckelpokal brachte 50.000 K. Zwei Goldemaildosen
aus dem Ende des achtzehnten Jahrhunderts erzielten
je K 210.000. Der höchste Betrag wurde für ein aus
457 Perlen bestehendes Kollier bezahlt, welches auf
K 120.000 geschätzt war, mit der Hälfte dieses Betrages
ausgerufen und unter allgemeiner Spannung um
K 570.000 zugeschlagen wurde. Auch die Textilien
waren sehr begehrt. Eine Verdüre erzielte K 125.000.
Perserteppiche wurden bis zu K 150.000 bezahlt und
größtenteils von Pariser Käufern erworben.
Unter den Textilien finden sich mehrere
Stücke, die lebhaftem Interesse begegnen dürften:
so ein Ghiordes aus dem Ende des 17. Jahrhunderts,
ein Heratteppich, Anatol-Teppiche, Kazaks, ein Samar
kand mit japanischem Motiv und anderes.
Über den Katalog erübrigt sich ein Wort des Lobes:
er ist sozusagen im Ebenbilde des ersten geschaffen
und wird' in seiner herrlichen Ausstattung mit den
prachtvollen Tiefdrücken, den Heliogravüren und den
farbigen Tafeln gewiß bald so gesucht sein, wie sein
Vorgänger, der heute schon eine bibliophile Seltenheit
bildet. Schade, daß nur 500 numerierte Exemplare
hergestellt wurden: der für Kataloge ungewöhnlich
hohe Preis von K 60'— würde gewiß dem Absätze
einer weit größeren Auflage nicht im Weg gewesen sein.
Der nichtillustrierte Katalog steht Interessenten kosten
los zur Verfügung.
Der Auktion geht am 22., 23. und 24. Februar eine
Schaustellung der zur Versteigerung kommenden
Kunstgegenstände voraus: schon um des vorbildlichen
Arrangements willen, das jedes Objekt in möglichst
bester Weise zur Geltung bringt, darf sie auf einen
Massenbesuch rechnen.
Scliidlof-Auktion.
Wir lassen nachstehend die erzielten Preise folgen;
die eingcklammerten Zahlen sind die Schätzungs
summen.
Gemälde des 16.—18. Jahrhunderts.
Nr. 1, Art des van Baalen und Jan Bruegel, Bacchanal
imWalde, K 65.000 (45.000); Nr. 2, Bologneser Schule, um 1520,
Heilige Familie, K 40.000 (15.000); Nr. 3, Joh. Chr. Brandt,
Waldlandschaft, K 10.000 (6000); Nr. 4, Ders., Landschaft,
K 13.000 (16.000); Nr. 5, Adam Braun, Fürst Kaunitz,
K 13.000 (5000); Nr. 6, Jan Bruegel d. J„ Waldlandschaft,
K 40.000 (30.000); Nr. 7, Böttner, Nach dem Bade, K 66.000
(65.000); Nr. 8, Colin, Stadtansicht, K 76.000 (55.000); Nr. 9,
Drooch-Sloot, Holländische Landschaft, K 71.000 (50.000);
Nr. ■ 10, Desgl. K 66.000 (50.000); Nr. 11, Englische Schule,
18. Jh., Porträt eines älteren Mannes, K 8000 (5000); Nr. 12,
Französische Schule, 18. Jh., Poiträt eines Kavaliers, K 14.000
(8000); Nr. 13, Desgl., K 7000 (5000); Nr. 14, Francois Gerard,
zugcschr., Porträt einer jungen Dame, K 48.000 (5000) f Nr. 15,
Grassi, Porträt eines jungen Kavaliers, K 18.000 (15.000);
Nr. 16, Holländische Schule, Einhebung dos Zehnten, K 51.000
(20.000); Nr. 17, Holländische Schule, 17. Jh., Schlachtenbild,
K 41.000 (40.000); Nr. 18, Holländische Schule, Art des Jan
Asselyn, Seehafen, K 41.000 (35.000); Nr; 19, Holländische
Schule, 17. Jlr., In der Spelunke, K 18.000 (10.000); Nr. 20,
Dies., Der Überfall, K 27.000 (15.000); Nr. 21, Holländische
Schule, 18. Jh., Landschaft, K 18.000 (10.000); Nr. 22, Dies.,
Landschaft, K 17.000 (10.000); Nr. 23, Janneck, Beim Gold
schmied, K 9000 (6000); Nr. 24, Maulpertsch, Entwurf zu
einem Deckengemälde, K 15.000 (5000); Nr. 25, Nolpe, Land
schaft, K 15.000 (8000); Nr. 26, Panfilo, Spinnende Frau mit
ihrem Knaben, K 46.000 (35.000); Nr. 27, Ders., Der Bäcker,
K 41.000 (35.000); Nr. 28, Oberdeutscher Meister, Zwei Heiligen
figuren, K 78.000 (28.000); Nr. 29, Rejkaert, Der Pfeifen
raucher, K 70.000 (80.000); Nr. 30, Roos, Landschaft, K 13.000,
(6000); Nr. 31, Savery, Im Paradies, K 110.0000 (80.000);
Nr. 32, DanielSegliers, Madonna mit Blumen, K 155.000
(100.000); Nr. 33, Snyders, Stilleben, K 140.000 (120.000);
Nr. 34, Abraham Storck, Ansicht von Amsterdam, K 70.000
(25.000); Nr. 35, Toorenvliet, Beim Zauberer, K 70.000
(35.000); Nr. 36, Valckenborgh, Flucht vor den Wölfen,
K 71.000 (25.000); Nr. 37, Vlämischer Romanist, 16. Jh.,
Heilige Familie, K 24.000 (6000); Nr. 38, Vinck-Booms,
Ansicht einer Festung, K 45.000 (30.000).