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MAK

Full text : Jahrgang 12 (1920) (6)

Seite  42

Internationale  Sammler-Zeitung

Nr.  6

Fünfzig  Jahre  Wiener  Kunstsalon.

Das  bekannte  Wiener  Kunsthaus  S.  Lebel,  Wien,
I,,  Kolowratring  6,  feierte  dieser  Tage  in  aller  Stille
das  Fest  seines  fünfzigjährigen  Bestandes.
Die  Firma  wurde  im  Jahre  1870  von  dem  inzwischen
verstorbenen  Herrn  Siegmund  Lebel  in  demselben
Lokale  gegründet  und  widmete  sich  zunächst  dem  Vertriebe ­
  photographischer  Reproduktionen  alter  Meister.
Lebel  erkannte  mit  sicherem  Blicke  die  Ausgestaltungsmöglichkeit ­
  eines  guten  Verlages,  griff  das  damals  neue
Verfahren  der  einfarbigen  Heliogravüre  auf,  welchem
im  Laufe  der  Jahre  die  farbige  Gravüre  folgte,  die  in
den  letzten  Jahren  derart  vervollkommnet  wurde,
daß  die  heutige  Technik  es  möglich  macht,  Blätter
herzustellen,  die  sich  vom  Original  kaum  unterscheiden.
Lebels  feines  Kunstverständnis  wirkte  auf  das  Publikum. ­
  direkt  erzieherisch,  seine  Devise:  „Lieber  eine
gute  Reproduktion  als  ein  schlechtes  O.iginal",  machte
seinen  Verlag  zu  einem  der  ersten  des  Kontinents.
Der  kürzlich  erschienene  illustrierte  Katalog  mit  mehr
als  400  Blättern  zeigt  eine  derartig  gute  Zusammenstellung ­
  der  Sujets  und  der  Meister,  daß  die  Blätter
des  Verlages  nicht  nur  im  Inlande,  sondern  auch  in  aller
Herren  Ländern  einen  beliebten  Wandschmuck  bilden.
Insbesondere  sind  es  die  Reproduktionen  nach  Gemälden
alter  Meister,  die  schönen  englischen  und  französischen
Frauenköpfe,  die  den  Verlag  S.  Lebel  so  beliebt  gemacht ­
  haben.
Von  dem  Verlagsgeschäft  getrennt,  gründete  Lebel
seinen  Kunstsalon  alter  und  moderner  Meister.  Sein

geschulter  Blick,  seine  guten  Beziehungen  zu  sämtlichen
Künstlern,  deren  Freund  und  vielfach  Berater  er  war,
seine  Verbindungen  mit  den  großen  Kunstsalons  des
Auslandes,  seine  freundschaftlichen  Zusammenkünfte
mit  den  meisten  Sammlern  Wiens  brachten  es  mit  sich,
daß  in  seinem  Salon  stets  erstklassige  Originale  zu
finden  w r aren.  So  manches  Talent  wurde  am  Kolowratring ­
  entdeckt  und  nahm  von  dort  seinen  aufsteigenden
Weg,  so  manches  Galeriewerk  ging  durch  seinen  Salon,
der  stets  ein  Sammelpunkt  des  künstlerischen  Wien
gewesen  ist.
Nach  dem  Ableben  ihres  Vaters  hat  seine  von  ihm
im  Kunstfach  erzogene  Tochter  Frau  Lucie  Spitzer-Lcbel
  im  Vereine  mit  ihrem  Gatten  Herrn  Emil
Spitzer  das  Geschäft  übernommen  und  führt  es  im
Sinne  ihres  Vaters  weiter.  Der  Verlag  erfuhr  eine  weitere
Ausgestaltung  und  Bereicherung  durch  schöne  Wiener
Ansichten  von  Graner  und  Kozeluh,  Aktstudien  des
kürzlich  nach  Amerika  gegangenen  Czedekowsky,  ein
herrliches  Früchtestilleben  von  Jost  usw.  Dem  Originalsalon ­
  jedoch  wird  besondere  Liebe  und  Sorgfalt  gewidmet. ­
  Außer  den  beliebten  modernen  Wiener  Meistern
sind  alte  Meister,  hauptsächlich  Niederländer,  reichlich
vertreten,  Werke  von  Brekelenkam,  Molenaer,  Drooch-Sloot,
  Toorenvliet,  Rykacrts  usw\,  reihen  sich  an  Alt-Wiener,
  französische  und  englische  Meister.  Ein  Rundgang ­
  durch  die  Salons  der  rührigen  Firma  zeigt  uns
stets  den  Geist  des  leider  so  früh  verblichenen  Gründers
der  Firma.

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Die  österreichische  Luxussteuer.

In  dem  Steuerbukett,  das  der  österreichischen
Nationalversammlung  gegenwärtig  vorliegt,  befindet
sich  auch  eine  sogenannte  Luxussteuer,  die  gleichmäßig ­
  zehn  Prozent  betragen  soll.  Von  dieser  Steuerpflicht ­
  soll  nur  dort  eine  Befreiung  eintreten,  wo  die
Waren  bei  den  Erzeugern  oder  bei  der  Einfuhr
schon  mit  der  Luxussteuer  behandelt  werden.
Wir  geben  im  nachstehenden  ein  Verzeichnis  der
Gegenstände,  die  für  Sammler  in  Betracht  kommen;
die  Regel,  die  Besteuerung  im  Kleinhandel,  ist  mit
„Kl.",  die  Ausnahmen,  Besteuerung  beim  Erzeuger,
mit  „Erz."  und  die  Besteuerung  bei  der  Einfuhr  mit
,,E.“  kenntlich  gemacht.
Möbel.
1.  Vollständige  Einrichtungen:
a)  Speisezimmer  bei  einem  Preis  über  K  6000  (Kl.);
b)  Schlafzimmer  bei  einem  Preis  über  K  6000  (KL);
c)  Küchen  bei  einem  Preis  über  K  3000  (Kl.);
d)  Salons  (Kl.);
e)  Herrenzimmer  bei  einem  Preis  über  K  4000  (KL).
2,  Einzeln  verkäufliche  Stücke:
a)  ohne  Rücksicht  auf  den  P.eis:
Klubsessel,  Lehnstühle  und  Fauteuils  mit  Leder  oder
Stoff  überzogen,  geschnitzte  Stühle,  Leder-  und  Stoffdiwans
(nicht  mit  Wachsleinwand  überzogene),  Schaukelstühle,  Trumeaukasten
  mit  Spiegel,  Toilettetische,  Blumentische  (ausgenommen ­
  geflochtene),  Säulen  für  Figuren,  Silberkasten,
Serviertische,  Taburette,  Bankett.',  Messingmöbel  (KL);
b)  nach  dem  Preise:
Kredenz  bei  einem  Preis  über  K  3000  (Kl.),
Schreibtisch  bei  einem  Preis  über  K  1200  (KL),
Gesellschaftstisch  bei  einem  Preis  über  K  400  (KL),
Speisezimmertisch  bei  einem  Preise  über  K  1000  (KL).

Kleider-  und  Wäscheschrank  bei  einem  Preise  über
IC  1000  (KL),
Bücherkasten  bei  einem  Preise  über  IC  1000  (KL),
Bett  mit  Einsatz  bei  einem  Preise  über  K  800  (KL),
Nachtkästchen  bei  einem  Preise  über  K  400  (KL),
Waschtisch  bei  einem  Preise  über  IC  1200  (ICL),
Stuhl  bei  einem  Preise  über  K  200  (KL).
Textilartikel.
1.  Teppiche:
a)  viereckige  bei  einem  Preise  über  K  200  füi  einen  Quadratmeter ­
  (Erz.);  ,  .
b)  Laufteppiche  bei  einem  Preise  über  K  100  für  einen
Meter  Länge  (Erz.).
2.  Vorhänge,  jeder  Art,  bei  einem  Preise  über  K  500  für
das  Fenster  (KL).
3.  Gobelinbilder,  Portieren  (Kl.).
Geschirr,  Bestecke
jeder  Art:
a)  aus  Porzellan  (Erz.);
b)  aus  Nickel  oder  Kupfer  (Erz.).
Glas.
1.  Hohlglas:
Gegenstände  aus  gepreßtem  Hohlglas,  geschliffenem,
glasiertem,  graviertem,  geätztem  oder  mit  gefärbten  Mustern
und  Zeichnungen  versehenem  Hohlglas,  ohne  Rücksicht  darauf,
ob  das  Glas  gefärbt  ist  oder  nicht  (KL).
2.  Tafelglas:
a)  geschliffene  Spiegel  (KL);
b)  Glastafeln  für  Möbel,  Wände  und  Türen  (Kl.);
c)  geschliffene  ungefärbte,  facettierte,  mattierte,  geätzte ­
  oder  gepreßte  Tafeln  (KL)  ;
d)  Ziergegenstände  aus  Glas  für  Haushalt  und  Kanzleien ­
  (KL).
            
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