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Internationale Sammler-Zeitung
Nr. 7
Bilder.
(Beschädigung eines Rubens-Bildes.) Zu den
Opfern der blutigen Wirren in Deutschland zählt auch ein berühmtes
Rubens-Bild dei Dresdner Galerie, das durch eine
verirrte Kugel beschädigt wuide. Es handelt sich um die
,,Batseba“ des niederländischen Meisters, ein Bild aus dessen
späterer Schaffenszeit, ln den Zügen der Bstseba, die an einen
Springbrunnen da-gestellt erscheint, ist unschwer die schöne
Gattin des Künstlers Helene Fourmcnt zij erkennen. Oberhalb
der Batseba ist noch eine zweite Frauenfigur sichtbar und links
neben ihr steht ein Neger. Es ist ein ziemlich großes Holzbild,
das 1749 in Paris für die Dresdner Sammlung käuflich erworben
wurde. Der an der Dresdner Akademie als Professor
wirkende Maler Oskar Kokoschka hat an die dortige Arbeiterschaft
einen Aufruf gerichtet, der allen, die Vorhaben, „ihre
politischen Theorien mit dem Schießprügel zu argumentieren“,
die flehentliche Bitte unterbreitet, solche militärische Übungen
nicht mehr vor der Gemäldegalerie, sondern auf den Schießplätzen
der Heide abhalten zu wollen, wo menschliche Kultur
nicht gefährdet werde.
Medaillen.
(Medaille auf die Vereinigung der Wiener numismatischen
Gesellschaften.) Ludwig Hujer hat auf das
denkwürdige Ereignis der Vereinigung aller Wiener Numismatiker
zu einer großen Gesellschaft eine Denkmünze ausgeführt,
die zum Preise von K 19-—• von Dr. Fritz Dworschalc,
Wien, I., Burgring 19, bezogen werden kann. Die Vordeiseite
zeigt zwei weibliche Köpfe, nach rechts überschneidend; der
eine, lorbeerbekränzt, weist klassische Züge auf, ein Symbol
der antiken und wohl der Münzkunde überhaupt; der andere
— leicht gesenkt — richtet den Blick auf eine Medaille, welche
die Rechte hält. Im Abschnitt die Signatur: L. HUJER
Auf der Rückseite liest man: Vereinigung der Numismatischen
Gesellschaft mit der Österreichischen Gesellschaft für Münzund
Medaillenkunde. Wien, 27. Jänner 1919.
Numismatik.
(Notgeld.) Die Gemeinde Tulln in Niederösterreich hat
Notgeld, lautend auf 10, 20 und 50 Heller, mit Giltigkeitsdauer
bis 30. September d. J., ausgegeben. — Aus Waidhofen
an der Ybbs schreibt man uns: Dem Bemühen der Werkbundvereinigung
ist es gelungen, die Stadtgemeindevertretung zur
Ausschreibung eines Künstlerwettbcwcrbes einheimischer
Künstler zu bewegen, der geeignete Notgeldentwürfe liefern
sollte. Aus der reichen Zahl gelungener Entwürfe wuiden die
der Herren Professor Robert Leitner und Professor Franz
Schönbrunner sowie des Fräuleins Steffi Reinelt zur Ausführung
gebracht. Vor einigen Tagen fand nun die Ausgabe statt.
— Die Gemeinde Spitz an der Donau gibt mit Ende März
unter dem Titel „Wachauer Notgeld" Gutscheine zu 10, 20 und
50 Heller mit zehn verschiedenen Bildern aus der Wachau
heraus. Eine Serie umfaßt daher 30 Gutscheine. Die Gutscheine
kommen in den einzelnen Gemeinden mit dem betreffenden
Bilde (Spitz hat vollständige Serien) zur Ausgabe.
Verschiedenes.
(Tod bekannter Sammler.) In Basel ist hochbetagt
die Besitzerin einer ausgezeichneten Privatsammlung, Frau
Professor J. J. Bachofen-Burckhardt, gestorben. Sie hatte
in ihrem schönen Hause am Münsterplatz, in dem sie als würdige,
lebhafte Repräsentantin des Altbasler Patriziates waltete,
ihre meist schon vom Großvater ihres Mannes gesammelten,
aber stets glücklich ergänzten Schätze vereinigt, die sie ihren
Gästen gerne mit altväterlicher Umständlichkeit zeigte. Ihren
prachtvollen Konrad Witz hatte sie dem Basler Museum als
Leihgabe überwiesen, aber die nicht minder kostbaren altdeutschen
und frühholländer Bilder (Schäufelin, Bruyn, Barent
van Orley, de Bles) waren mit dem Stolz des Besitzes, der
holländischen Abteilung (Rembrandt, Teniers, Brouwer usw.),
die fast alle bekannten Namen vertreten sah, bei ihr verblieben.
Ein vortrefflicher Katalog, der von Rudolf F. Burckhardt
verfaßt ist, erhält das Andenken der verehrten Frau bei den
zahlreichen Freunden, die sie besonders unter den deutschen
Kunstgelehrten besaß.
(Die entführten Kunstprämien.) Aus Prag wird
uns geschrieben: Die vom Kunstvereine seinen Mitgliedern
schon im Jahre 1918 versprochene Prämie, ein Terrakottarelief
nach Luca della Robbia, wird von ein. m eigenartigen
Mißgeschick verfolgt. Erst war der Modelleur der Rakonitzer
Schamottewarenfabrik zum Militär eingerückt. Dann konnte
wegen Kohlenmangel nicht gebrannt werden. Jetzt endlich
sollte eine größere Sendung an den Kunstverein gelangen,
allein der Waggon mit den Madonnen blieb aus. Nach langem
Forschen konnte nur festgestellt werden, daß er zwar glücklich
in Prag eingelangt war, jedoch von hier aus irrtümlich nach
— Rumänien dirigiert wurde. Seither ist er vollständig verschollen,
alles Forschen nach dem Schicksale der Kunstvereinsprärnien
war bisher vergeblich. Leider ist nicht daran zu
zweifeln, daß die ebenso hübschen wie kostbaren Prämien des
Kunstvereines auch in Rumänien ihre Liebhaber rascher finden
werden als die Staatsbahndirektion ihren verlorenen Waggon.
Vom Kunstmarkt.
(Der österreichische Ausverkauf.) Die allgemeine
Notlage weiter Kreise, insbesondere des Mittelstandes, zwingt
die Angehörigen dieser Schichten bekanntlich, Schmuck,
Hausrat, Bildei und andere Erinnerungen einstigen Wohlstandes
zu veräußern. Vielfach gehen solche Werte durch
Händler indirekt ins Ausland, und nun scheint es, daß dieser
Teil des „österreichischen Ausverkaufes“ besonders organisiert
werden soll. Aus Innsbruck wird uns nämlich berichtet:
Der Stadtvertretung Innsbruck bietet sich Gelegenheit, eine
direkte Verbindung mit einer holländisch-amerikanischen
Gesellschaft anzuknüpfen, mit deren Hilfe es der Innsbrucker
Bevölkerung ermöglicht werden soll, entbehrliche W'ertgegenstände
und Sachgüter in Holland zur Versteigerung zu
bringen. Die Transporte der zur Versteigerung gelangten Güter
werden jedesmal von einem Vertrauensmann der Stadt auf
Kosten der Gesellschaft nach Holland begleitet, der auch das
Versteigerungsprotokoll führen wird. Die Wertabschätzung der
zur Ablieferung gelangenden Gegenstände erfolgt bei der Übergabe
an die Sammelstelle auch durch ein von der Stadt bestelltes
Kollegium. Die Parteien sind berechtigt, die sofortige
Auszahlung des Schätzungsbetrages zu verlangen.
Für den Fall des Zustandekommens der Abmachung haben die
Holländer das sofortige Abrollen von Lebensmittelsendungen
nach Innsbruck als Vorschuß auf die zu erwartenden Eingänge
bindend zugesagt.
(Verschiebung der Auktion im Budapester
Ernst-Museum.) Das Ernst-Museum in Budapest teilt
uns mit, daß die für den 24. März angekündigt gewesene Auktion
hervorragender Gemälde und der Holitsch-Sammlung auf
kurze Zeit verschoben werden mußte.
(Die Sammlung Franz Hauer.) Die Sammlung Franz
Hauer, die J. Wawra in Wien am 15. März unter den
Hammer brachte, ergab K 840.850. Der Löwenanteil entfiel
natürlich auf dieWeike des Professors Egger Lienz, von denen
das „Mittagesssen“ K 90.000, die „Bergmäher" K 70.000 einbrachten.
Nachstehend die Preise: Nr. 1, Robert Andersen, Mädchen
beim Ankleiden, K 1800; Nr. 2, Ders., Junges Mädchen,
K 400; Nr. 3, Ders., Mädchenbildnis, K 500; Nr. 4, Ders.,
Stilleben, K 600; Nr. 5, Ders., Sitzendes Mädchen, K 550;
Nr. 6, Andrö, Im Luxemburgpark, K 6500; Nr. 7, Emanuel
Baschny, Blick auf Heiligenstadt, K 3400; Nr. 8, Fritz
Beyerlein, Das Parktor, IC 4600; Nr. 9, Walter Beyermann,
Die Mutter, K 7000; Nr. 10, Alfred Buchta, Rückenvkt.