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Seite 58 
Internationale Sammler-Zeitung 
Nr. 8 
Die Literatur der Scheffel-Denkmäler ist Legion 
und die Zahl der Abbildungen in allen Arten der Re 
produktionstechnik unerschöpflich! Nur der Weltkrieg 
hat es vermocht, den Strom von Anbot und Nach 
frage zu stauen, doch schon heute, kaum daß sich des 
Friedens Fittig regt, wird es im Reiche des Sammel 
wesens wieder lebendig. Die alte Garde des geschicht 
lichen Romans entsteigt dem Grabe und vereinzelte 
Antiquariatskataloge heben schüchtern ihr Haupt und 
fragen nach dem neuen Frühling der Welt des Samm 
lers. Die besten: Scheffel, Ebers, J. Wolff, Baumbach, 
Eckstein, Gregorovius, Bodenstedt und der im guten 
Sinne moderne Grisebach, der König der Bibliophilen 
— sie alle erscheinen wieder nach zehn- und zwanzig 
jähriger Grabesruhe vor den Toren ihrer treuen Freunde 
und Sammler und erhoffen frohen Einlaß, der ihnen 
ja gewiß ist! Der schöne Spruch vom Schicksal des 
Buches wird mit den kommenden arbeitsfrohen Jahren 
wieder' über dem Heim des Bücherfreundes in goldenen 
Lettern erstrahlen; eine Gloriole ungetrübter Freude 
und klugen Fleißes. Dann mag so mancher Glückliche 
des Deutsch-Römers Henri cus Ulrichs „Alaudae“ oder 
die philologischen Meisterstücke der Scheffel-Über 
setzungen H. Weinkauffs zur Hand nehmen und dort 
lesen, daß nicht alles vergangen ist, was Geist und 
Fleiß geschaffen, denn — habent sua fata libelli! 
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Eine neue Schidlof-Auktion. 
Die Kunstversteigerung, die Leo Schidlof am 
12., 13., 14. und 15. April in seinem Auktionshaus, 
Wien, I., Tuchlauben 8, veranstaltet, wird durch die 
Fülle hervorragender Objekte überraschen. Wir ver 
möchten nicht viele Wiener Auktionen aufzuzählen, 
die quantitativ wie qualitativ so gut beschickt waren 
wie diese. Der Katalog, apart in seiner Ausstattung 
wie alle Schidlof-Kataloge, verzeichnet nicht weniger 
als 608 Nummern, von denen man der überwiegenden 
Mehrheit besondere Qualität zuerkennen muß. Es 
wären da auch nicht die unsignierten Bilder auszu 
nehmen oder jene, wie zum Beispiel der Ester hazy- 
keller, deren Autor nicht zu entziffern ist. 
Das Hauptkontingent unter den G. mälclcn — 155 
an der Zahl — stellen die Meister des neunzehnten Jahr 
hunderts, allen voran Wien, das mit seinen klang 
schönsten Namen vertreten ist. Da ist Hans Canon, 
dessen geniale Kraft sich in „Marats Tod“ und 
in dem „Selbstbildnis" offenbart. Die feine Studie „Die 
Mittagsruhe“ konnten wir schon in der Wiener Staats 
galerie bewundern, wo sie durch mehrere Jahre als 
Leihgabe ausgestellt war. Ein freudiges Wiedersehen 
feierten wir auch mit Danhausers „Dichterliebe“, 
die im Jahre 1906 bei C. J. Wawra unter dem Hammer 
kam. Wenn wir nicht irren, erzielte das poesievolle Ge 
mälde damals K 48.000: bei der heutigen Geldent 
wertung wird sich der Preis wohl verdoppeln, minde 
stens aber jene Höhe erreichen, die in der Schätzungs 
liste markiert ist, nämlich K 80.000. Pettenkofcn 
finden wir in seiner „Tränke", da, wo er am stärksten 
ist, in seinen Pferdetypen, in denen ihm bis heute noch 
immer niemand gleichkommt. Von packender Natura- 
listik ist Friedrich Gaueimanns Gemälde > „Wölfe 
überfallen einen Hirsch"; ein Seitenstück hiezu ist das 
Tierbild von CarlPischinger „Pferd und Hunde“. Karl 
Von Blaas ist durch eines seiner Hauptwerke, durch 
das aus dem Jahre 1837 stammende Gemälde „Moses 
auf dem Berg Sinai" repräsentiert, für welches der 
Zweiundzwanzig jährige schon den Rompreis erhielt. 
Ein vorzügliches Bild ist Karl Schindlers „In der 
Vorratskammer"; geradezu entzückend aber Friedrich 
Friedländers „Mutterglück“. Unter den Bildnissen 
wäre ein Damenporträt von Franz Eybl hervorzu 
heben, das alle Vorzüge dieses sehr geschätzten Por 
trätmalers aufweist. Gefällig sind die Porträts von 
Johann Baptist Lampi dem Jüngeren, Bildnis der 
Gräfin Platter), Amerling („Medea“ und Bildnis 
eines Mädchens), Artur Ferraris (Gattin des Künst 
lers), dem zu früh der Kunst entrissenen FerryBera- 
ton (Damenporträt) und anderes. Der Ungar Joszef 
Borsos ist durch ein Damenporträt vertreten, das aus 
seiner besten Zeit stammt. Unter den Landschaften 
sind einige Emil Jakob Schindler, Raffalt, Marko 
der Ältere und der Jüngere, Lichtenfels und ein 
Seestück von Rudolf von Alt, unter den Stilleben 
Arbeiten von Schödl, Andreas Lach und G. Seitz 
bemerkenswert. 
Die Reihe der ausländischen Künstler des 19. Jahr 
hunderts eröffnet Charles Emile Jacque, einer der 
geschätztesten Meister der Schule von Barbizon, der 
mit einer „Lämmerherde“ glänzend vei treten sit. Ihm 
würdig zur Seite Leonce de Chabry, ein Schüler des 
Natciss Diaz und wie dieser in Frankreich hoch im 
Ansehen stehend. Antoine Laurent, der berühmte 
Miniaturenmaler, figuriert mit einem trefflichen Demen- 
porträt. Unter den Deutschen dieser Epoche steht 
Lenbach obenan, von dem ein Herrenporträt vorhan 
den ist; ihm reihen sich Teutwart, Schmitson und 
Kaspar Kaltenmoser („Beim Garnen“) an. Von den 
niederländischen Meistern sind Ten Kates „Rats 
stube“, die „Lämmer her de" von Eugen Verböek- 
hoven, die Küstenansicht von Fritz Hüdebrandt, 
das Triptychon von Fiorentin Houze, der „Vieh 
mai kt" von Edmond de Pratere zu nennen. Der 
Schwcizer Alexander Calame ist mit einer sehr guten 
Landschaft vertreten. Eine beachtenswerte Neu 
erscheinung ist der Amerikaner James Wcbb, der uns 
eine „Meere c kü'te“ von großem Reiz vor c Auge zaubert. 
Unter den Gemälden alter Meister (Nr. 156 bis 
Nr. 201 des Katalogs) dominieren die Niederländer des 
17. und 18. Jahrhunderts. Wir begegnen einem signierten 
und datierten Blumenstück von Wilhelm van Aalst, 
zwei signierten Werken von S. G. P. Collini („Holländi 
scher Kanal“ und „Pferdeschwemme"), einem cha.rak- 
teristischen Bauernbild von Engbert van Hemskeerk, 
einem Soldatenbild von Singelbach, einem miniatur 
artig ausgeführtem Bildchen, das Schidlof Poelen- 
borgh zuweist und einem aus einem größeren Gemälde 
ausgeschnittenen Studienkopf eines Mannes, der Jakob 
Jordaens zugeschrieben wird. Neben den Nieder 
ländern finden wir in dieser Abteilung einige deutsche 
Gemälde des 18. Jahrhunderts, darunter das Poiträt 
einer Dame mit Kindern auf Kupfer, das auf K 50.000 
geschätzt wird, Werke der französischen Schule des 
18. Jahrhunderts (hl. Josef mit dem Jesukinde), 
einen frühen Italiener, eine „Heilige Familie", die 
Dr. Gabor Tärey als einen Petro di Sano beglaubigt, 
weiters zwei Italiener des 18. Jahrhunderts, typische 
Werke von Francesco Nuvolone, genannt II Panfilo, 
ein authentisches Werk von Hans Rottenhammer, 
„Christus heilt die Kranken" (expertisiert von Dr. Lud 
wig Baldass), und zwei signierte Stilleben des Münch 
ners Johann Ainand Wink.
	        
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