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Internationale Sammler-Zeitung
Nr. 8
Handschriften.
(Handschriften von Diderot.) Diderots Handschriften
sind so zahlreich und so in der ganzen Welt zerstreut
worden, daß bisher noch keine Gesamtausgabe der Werke
dieses berühmten französischen Philosophen der Aufklärungsepoche
existiert, die auf Vollständigkeit Anspiuch machen
könnte. Unter diesen Umständen werden der wissenschaftlichen
Welt neue Mitteilungen wertvoll sein, die der ehemalige Rektor
des Seminars von Langres, der Geburtsstadt Diderots, in einer
soeben erschienenen Studie über den Abbe Diderot, den Bruder
des Enzyklopädisten, gemacht hat. Nach dessen Ausführungen
hat der letzte Erbe von Diderots Tochter einem gewissen
Gautier, der an der Front gefallen ist, ein umfangreiches
Paket übergeben, das zahlreiche Handschriften enthielt, die
nach einer Prüfung auf ihre Bedeutung für die Jetztzeit veröffentlicht
werden sollen. Die Manuskripte, die sorgfältig
geordnet und registriert waren, stellten das gesamte Archiv
der Familie Diderot dar und waren bis zum heutigen Tage
vor den Augen aller Fremden eifersüchtig versteckt worden.
Einige dieser wertvollen Handschriften aus der Feder Diderots
werden schon jetzt veröffentlicht, der größte Teil allerdings
ist seinem Inhalt nach völlig unbekannt geblieben. Nach der
Schätzung Gautiers selbst ist die Zahl der unveröffentlichten
Manuskripte so groß, daß man den bisher bekannten Werken
Diderots mindestens acht bis neun neue Bände von je etwa
600 Seiten hinzufügen wird müssen. Außer einigen vollständig
abgeschlossenen Werken, Skizzen und Plänen befindet sich
unter diesen neuaufgefundenen Manuskripten auch der gesamte
Briefwechsel mit Sophie Volland, mit der Diderot
bis zu deren Lebensende zusammengelebt hat, sowie zahlreiche
an verschiedene Persönlichkeiten gerichtete Briefe, die sicherlich
dazu beitragen werden, die nicht wenigen unaufgeklärten
Punkte im Leben des Philosophen aufzuhellen.
Numismatik.
(Notgeld.) Es wird jetzt bald keine Gemeinde in Österreich
geben, die nicht ihr Notgeld hat. Neuestens melden wieder
die Ausgabe voir 10-, 20- und 50-Heller-Scheinen Amstetten,
Langenlois und Pöggstall in Niederösterreich, Attnäng-Puchheim,
Eferding und Ried in Oberösterreich. In Budapest
haben die Zeitungen zum sogenannten „Zeitungsgeld“
Zuflucht genommen, das ist in den Zeitungsdruckereien hergestelltes
Notgeld, das nach einer stillschweigenden Übereinkunft
von allen Zeitungsverkäufern an Geldes statt akzeptiert
wird. Wie übrigens der ungarische Finanzminister kürzlich
in der Nationalversammlung mitteilte, wird die Regierung in
den nächsten Tagen Kleingeld in den Verkehr bringen. —
Aus Paris wird gemeldet: Die Pariser Handelskammer erhielt
vom Handelsminister die Erlaubnis zur Ausgabe von Papierkleingeld,
um der herrschenden Kleingeldnot abzuhelfen.
Der Druck dieser Kleingeldscheine wird sogleich begonnen
werden, so daß in ungefähr drei Wochen die Ausgabe von
I-Francs- und 50-Centimes-Scheinen erfolgen kann.
Philatelie.
(Neue österreichische Briefmarken.) Wie wir erfahren,
wird die Ausgabe einer 80 Hellermarke vorbereitet.
Auch wird eine neue Emission geplant, doch sind die Beratungen
darüber noch nicht abgeschlossen.
(Das Ende der bayerischen Marken.) Infolge des
Überganges des bayerischen Postwesens an das Deutsche Reich
wurden mit 1. April die Reichspostwertzeichen in Bayern
eingeführt. Die bayerischen Marken blieben nur bis 0. April
in Verwendung, doch werden auch bis Ende Mai Briefe mit
solchen Wertzeichen ohne Nachtaxe abgesandt werden. Unverwendet
bleibende bayerische Postwertzeichen können bis
Ende Mai bei allen bayerischen Postanstalten gegen Reichspostwertzeichen
umgetauscht oder bar eingelöst werden. Den
öffentlichen Stellen und Behörden werden für die einzuliefemden
bayerischen Dienstwertzeichen solche mit dem Überdruck
„Deutsches Reich“ verabfolgt, so daß nun das Fazit ist,
daß eine neue baverische Uberdruckmarke entsteht, auf die
Sammler eifrigst jagd machen werden.
(Eine klassische Markensammlung.) Demnächst
wird in Paris der Verkauf der berühmten Markensammlung
Ferrary erfolgen. Die Sammlung, die 1867 von dem Baron
Philippe von Ferrary angelegt worden ist, war bei seinem l’od
im Jahre 1917 durch letzwillige Verfügung des Besitzers dem
Berliner Postmuseum vermacht worden. Die französische Regierung
hatte natürlich daraufhin die Sammlung als Eigentum,
feindlicher Ausländer beschlagnahmt. Die Ferrary-Sammlung,
die die berühmten Sammlungen von Sir Daniel Cooper, Judge
Philbriek und Baron Rothschild umfaßt, soll nunmehr von der
französischen Regierung öffentlich versteigert werden. Dabei
erwartet man einen Erlös von mindestens 25 Millionen Franken.
Unter den Tausenden wertvoller Marken, die die Sammlung
enthält, befindet sich eine Ausgabe, eine Britisch-Guyana
von 1856, die als die seltenste Marke der Welt gilt und deren
Wert heute auf 45.000 bis 65.000 Franken geschätzt wird.
Der verstorbene Baron Ferrary pflegte ständig alle pliilatclistischen
Märkte der Welt zu besuchen, um seltene Stücke aufzutreiben
und alle Markenhändler in der alten und neuen Welt
standen als Agenten in seinen Diensten.
(Philatelistentag in Karlsbad.) Am 27., 28. und
20. Juni wird in Karlsbad ein Philatelistentag abgehalten
werden. Bei genügendem Interesse dürfte die Gründung des
deutschen Philatelistenverbamdes der Tschechoslowakei erfolgen.
Anmeldungen und Zuschriften sind an den Obmann
des vorbereitenden Ausschusses Dr. Karl D. Becher in Karlsbad
zu richten.
Verschiedenes.
(Zwei unbekannte Werke Berninis entdeckt.)
In den Lagerräumen der Akademie der schönen Künste zu
Siena hat, wie die „Kunstchronik“ meldet, Professor Arturu
Biligiardi einige bisher unbekannte Arbeiten Berninis
aufgefunden. Es sind zwei Tonmodelle des großen Barockmeisters,
von denen das eine sich auf das Grabdenkmal Alexander
VII. in der Peterskirche bezieht, während das andere
für einen Engel auf dem Ponte S. Angelo bestimmt war. Die
Modelle zeigen so unverkennbar das Gepräge der künstlerischen
Eigenart Berninis, daß Zweifel an ihrer Echtheit ausgeschlossen
sind.
(Tschechische Volkskunst.) Im Frühjahr soll im
Pariser Louvre eine Ausstellung tschechischer Volkskunst
gezeigt werden, zu der die tschechischen Museen und Sammler
ihre wertvollsten Objekte entsenden wollen. Präsident des
vorbereitenden Komitees ist der Franzose Pelle, Generalstabschef
der tschechischen Armee. Die Ausstellung verfolgt insbesondere
die Tendenz, dem Auslände die Einheitlichkeit der
tschechischen und der slowakischen Kultur ad oculos zu demonstrieren.
Museen.
(Das Liebig-Museum in Gießen.) Am 26. März fand
in Gießen die feieiliche Eröffnung des in dem alten Liebigschen
Laboratorium eingerichteten Liebig-Museums statt. Der
Reiz des Museums liegt in erster Linie in der möglichst getreuen
Wiederherstellung der einfachen und doch weltberühmt gewordenen
Arbeitsräume und Arbeitsmittel des großen Chemikers,
sodann aber auch in den reichen Erinnerungen, die Freunde
und Gönner des Museums gestiftet haben, darunter etwa
90 Briefe Liebigs an A. W. Hof mann und andere, die die Witwe
Hofmans dem Museum überlassen hat.