Nr. 9
Internationale Sammler-Zeitung
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artig und würden bei einem Verkauf Rekordpreise erzielen. Eine
andere Münze von Knidos zeigt einen Apliroditekopf, der dem
Meisterwerk des Praxiteles in ebenbürtiger Schönheit nachge
bildet ist. Weber besaß sodann die einzige, bisher bekannte
Münze, die aus Smyrna, einer Hauptmünzstätte des klassischen
Altertums, aus dem 5. Jahrhundert erhalten ist. Es ist eine
schöne Silbermünze mit einem archaischen Apollokopi und
einer Lyra auf der Rückseite. Von besonderem Wert ist auch,
weil nur noch ein einziges anderes Exemplar vorhanden ist,
eine Münze aus Himera in Sizilien, die den Helden. Pelops in
seinem Wagen und die Nymphe des Ortes, eine entzückende
drapierte Figur, in dem spätarchaischen Stil des frühen
5. Jahrhunderts zeigt.
Philatelie.
(Neue österreichische Marken.) Außer 80-h-Marken
kündigt die österreichische Postverwaltung auch 20-K-Marken
an. Um dem Mangel an 2-K-Marken abzuhelferi —• so ziemlich
die ganze Emission dieser Werte ist von der Druckerei weg
in den Schleichhandel gelangt — werden nun 2-K-Marken
im Buchdruckverfahren hergestellt werden. Dadurch werden
natürlich die im Kupferdruckverfahren hcrgestellten 2-K-
Werte noch wertvoller werden. Heute zahlt man für eine solche
Marke schon 3 bis 4 Kronen.
(Deutsche Riesenschiffe auf amerikanischen
Briefmarken.) Die früheren deutschen Riesenschiffe, in
erster Linie der Riesendampfer „Leviathan“ (die frühere
,,Vaterland 1 ) sollen Onkel Sams Briefmarken zieren und da
durch Amerikas See- und Handelsmacht aller Welt ver
künden, wenn die Pläne der National Marine League, 268 Pearl
Street, in Washington Anklang finden. Die Liga hat Ent
würfe nach der Bundeshauptstadt gerichtet und darum
ersucht, diese odei ähnliche Zeichnungen zu ein und zwei
Cent-Marken zu benützen.
Verschiedenes.
(Die belgischen Kunstansprüche.) Jules Destree,
der belgische Minister der Wissenschaften und Künste, war
kürzlich zu Verhandlungen über die Ausführung der Versailler
Vertragsbestimmungen in Berlin und hat dann in Brüssel zum
selben Zweck einige deutsche Beauftragte, Dr. Bersu und
Dr. Jacob, empfangen. Nach dem Vertrag muß die Rück
gabe der Flügel des Genter Altars und des Löwener Altars
von Bouts aus dem Berliner Kaiser Friedrich-Museum und
aus der Münchner Pinakothek innerhalb von sechs Monaten
nach Unterzeichnung des Vertrages erfolgen. Die Einzelheiten
der Auslieferung sind nun in den Besprechungen geregelt worden.
In einem Interview, das Destree dem Brüsseler „Soir“ gegeben
hat, macht ex jetzt die interessante Mitteilung, daß seine viel
weitergehenden, vor dem Waffenstillstand geäußerten Wün
sche — „Rückerstattung der methodisch geraubten Gemälde
und Plastiken und Wiedergutmachung durch gleichwertige
Kunstwerke und historische Denkmale für die in Belgien an-
gerichteten Verwüstungen“ — und die entsprechenden For
derungen Italiens „bei dem Eigensinn und dem Unverständnis
der amerikanischen Delegierten Anstoß erregten“ und darum
gescheitert sind. Destree beabsichtigt völlige Wiederherstellung
des Genter Altars in allen seinen Teilen an seinem ursprüng
lichen Platze in der Kathedrale von St. Bavo in Gent, trotz
dem der Altar dem Staate gehört. Die jetzt in Gent befind
lichen Kopien der in Beilin und Brüssel befindlichen Originale
sind nach seiner Äußerung von geringerem Wert und durch
Hinzufügungen, welche die Prüderie einer späteren Geistlich
keit auf dem Gewissen hat, entstellt. Adam und Eva hat man
wegen ihrer Nacktheit überhaupt entfernt. Der Minister fragt,
ob der Dombauhüttenvorstand von St. Bavo jetzt verstehen
wird, daß es in diesen Dingen keine „Schamlosigkeit“ gibt,
und ob er die nackten Figuren annehmen wird ? Eine andere
Schwierigkeit sieht er darin, daß die Berliner Flügel geputzt
worden sind, was sie aus dem Gesamtbild herausfallen lassen
würde. Der ganze Altar soll unentgeltlich in St. Bavo zugäng
lich sein. Gegen Österreich gedenkt Deströe dreierlei For
derungen zu erheben: nach dem Schatz des goldenen Vließes,
den Rüstungen aus dem Arsenal und dem Altar von Sankt
Ildefonso von der Hand des Rubens im Hofmuseum. Vor
einer Kommission von drei Juristen werden Belgien und
Italien ihre Kunstansprüche gegen Wien begründen.
Museen.
(Jordaens „Adam und Eva“.) Aus Budapest wird
uns berichtet: Das Budapester Museum hat Jordaens „Adam
und Eva“ zum Preise von 3 Millionen Kronen erworben. Da der
Staat gegenwärtig nicht' in der Lage ist, Kunstkäufe vorzu
nehmen, wurde unter den Kunstmäzenen eine Sammlung für den
Ankauf des Bildes eingeleitet. Der Bankier Simon von Krausz
beteiligte sich hieran mit I Million Kronen. Das Bild gehörte
früher dem Grafen Eugen Karacsonyi und befand sich in
dessen Ofener Palais. Bei der Proklamierung der Rätediktatur
übergab Karacsonyi einem Professor namens Pederi die Auf
sich über sein Palais und verließ die ungarische Hauptstadt.
Als er nach dem Sturze der Räterepublik zurückkehrte, übergab
ihm Pederi das Palais samt Einrichtung in unversehrtem
Zustande. Karacsonyi wollte sich ihm hiefür durch ein großes
Geschenk erkenntlich zeigen, doch Pederi wies dieses zurück
und erbat sich bloß einige kleinere Möbelstücke und das Bild
von Jordaens. Graf Karacsonyi, welcher der Meinung war,
daß das Bild nur einige tausend Kronen wert sei, erfüllte den
Wunsch Pedcris. Dieser scheint aber den Wert des Bildes ge
kannt zu haben, denn er bot dasselbe dem Museum zum Kaufe
an und forderte, da auch ausländische Käufer sich eingefunden
hatten, als Preis 3 Millionen Kronen. Dieser Preis wurde vom
Museum als berechtigt anerkannt.
Vom Kunstmarkt.
(Neuerwerbungen der Wiener Galerie St. Lukas.)
Die Galerie St. Lukas, Wien, I., Josefsplatz 5 (Palais Palla-
vicini), hat in jüngster Zeit eine Reihe von Neuerwerbungen
gemacht, die darnach angetan sind, die Aufmerksamkeit
der Sammler auf sich zu lenken. In ei'ster Linie wäre da ein
herrlicher Paul Potter zu nennen, ein Stierkopf, der die geniale
Kraft dieses mit Recht so hochgeschätzten Niederländers
offenbart. Bartholomäu; Breenberg (Bartholome), einer
der besten Schüler P. Brils, ist mit einer der römischen Ruinen
landschaften vertreten, die seinen Namen bekannt gemacht
haben. In der Kasseler Galerie gibt es wohl kaum schönere
Arbeiten dieses Künstlers. Vom „kleinen Van t)yck“, wie
Gonzales Coques (Cocx) wegen seiner Beliebtheit als Porträt
maler in kleinem Format genannt wurde, finden wir ein Kollek
tivporträt, das in der Literatur rühmlich hervorgehoben wird.
Es ist dies „Die musikalische Unterhaltung einer Antwerpener
Familie“. Auf einen hervorragenden Maler der spanischen
Renaissance weist ein koloristisch überaus wirksames Bild
hin, das den historischen Akt der Überreichung einer Freiheits
charta festhält. Von großem Stimmungsreiz ist eine irische
Landschaft von William Ashford, dem bekannten englischen
Landschafter-, der schon in jungen Jahren von Birmingham
nach Dublin übersiedelte und in seinen Werken den Zauber
der irischen Landschaft ausschöpfte. Die Landschaft ist in
der Galerie St. Lukas auch sonst vorzüglich repräsentiert.
So durch einen Alexander Calame, einen Alois Schönn
(Dalmatinischer Karst), ein Bildchen von Sir N. Pukett