MAK
Nr. 9 
Internationale Sammler-Zeitung 
Seite 69 
artig und würden bei einem Verkauf Rekordpreise erzielen. Eine 
andere Münze von Knidos zeigt einen Apliroditekopf, der dem 
Meisterwerk des Praxiteles in ebenbürtiger Schönheit nachge 
bildet ist. Weber besaß sodann die einzige, bisher bekannte 
Münze, die aus Smyrna, einer Hauptmünzstätte des klassischen 
Altertums, aus dem 5. Jahrhundert erhalten ist. Es ist eine 
schöne Silbermünze mit einem archaischen Apollokopi und 
einer Lyra auf der Rückseite. Von besonderem Wert ist auch, 
weil nur noch ein einziges anderes Exemplar vorhanden ist, 
eine Münze aus Himera in Sizilien, die den Helden. Pelops in 
seinem Wagen und die Nymphe des Ortes, eine entzückende 
drapierte Figur, in dem spätarchaischen Stil des frühen 
5. Jahrhunderts zeigt. 
Philatelie. 
(Neue österreichische Marken.) Außer 80-h-Marken 
kündigt die österreichische Postverwaltung auch 20-K-Marken 
an. Um dem Mangel an 2-K-Marken abzuhelferi —• so ziemlich 
die ganze Emission dieser Werte ist von der Druckerei weg 
in den Schleichhandel gelangt — werden nun 2-K-Marken 
im Buchdruckverfahren hergestellt werden. Dadurch werden 
natürlich die im Kupferdruckverfahren hcrgestellten 2-K- 
Werte noch wertvoller werden. Heute zahlt man für eine solche 
Marke schon 3 bis 4 Kronen. 
(Deutsche Riesenschiffe auf amerikanischen 
Briefmarken.) Die früheren deutschen Riesenschiffe, in 
erster Linie der Riesendampfer „Leviathan“ (die frühere 
,,Vaterland 1 ) sollen Onkel Sams Briefmarken zieren und da 
durch Amerikas See- und Handelsmacht aller Welt ver 
künden, wenn die Pläne der National Marine League, 268 Pearl 
Street, in Washington Anklang finden. Die Liga hat Ent 
würfe nach der Bundeshauptstadt gerichtet und darum 
ersucht, diese odei ähnliche Zeichnungen zu ein und zwei 
Cent-Marken zu benützen. 
Verschiedenes. 
(Die belgischen Kunstansprüche.) Jules Destree, 
der belgische Minister der Wissenschaften und Künste, war 
kürzlich zu Verhandlungen über die Ausführung der Versailler 
Vertragsbestimmungen in Berlin und hat dann in Brüssel zum 
selben Zweck einige deutsche Beauftragte, Dr. Bersu und 
Dr. Jacob, empfangen. Nach dem Vertrag muß die Rück 
gabe der Flügel des Genter Altars und des Löwener Altars 
von Bouts aus dem Berliner Kaiser Friedrich-Museum und 
aus der Münchner Pinakothek innerhalb von sechs Monaten 
nach Unterzeichnung des Vertrages erfolgen. Die Einzelheiten 
der Auslieferung sind nun in den Besprechungen geregelt worden. 
In einem Interview, das Destree dem Brüsseler „Soir“ gegeben 
hat, macht ex jetzt die interessante Mitteilung, daß seine viel 
weitergehenden, vor dem Waffenstillstand geäußerten Wün 
sche — „Rückerstattung der methodisch geraubten Gemälde 
und Plastiken und Wiedergutmachung durch gleichwertige 
Kunstwerke und historische Denkmale für die in Belgien an- 
gerichteten Verwüstungen“ — und die entsprechenden For 
derungen Italiens „bei dem Eigensinn und dem Unverständnis 
der amerikanischen Delegierten Anstoß erregten“ und darum 
gescheitert sind. Destree beabsichtigt völlige Wiederherstellung 
des Genter Altars in allen seinen Teilen an seinem ursprüng 
lichen Platze in der Kathedrale von St. Bavo in Gent, trotz 
dem der Altar dem Staate gehört. Die jetzt in Gent befind 
lichen Kopien der in Beilin und Brüssel befindlichen Originale 
sind nach seiner Äußerung von geringerem Wert und durch 
Hinzufügungen, welche die Prüderie einer späteren Geistlich 
keit auf dem Gewissen hat, entstellt. Adam und Eva hat man 
wegen ihrer Nacktheit überhaupt entfernt. Der Minister fragt, 
ob der Dombauhüttenvorstand von St. Bavo jetzt verstehen 
wird, daß es in diesen Dingen keine „Schamlosigkeit“ gibt, 
und ob er die nackten Figuren annehmen wird ? Eine andere 
Schwierigkeit sieht er darin, daß die Berliner Flügel geputzt 
worden sind, was sie aus dem Gesamtbild herausfallen lassen 
würde. Der ganze Altar soll unentgeltlich in St. Bavo zugäng 
lich sein. Gegen Österreich gedenkt Deströe dreierlei For 
derungen zu erheben: nach dem Schatz des goldenen Vließes, 
den Rüstungen aus dem Arsenal und dem Altar von Sankt 
Ildefonso von der Hand des Rubens im Hofmuseum. Vor 
einer Kommission von drei Juristen werden Belgien und 
Italien ihre Kunstansprüche gegen Wien begründen. 
Museen. 
(Jordaens „Adam und Eva“.) Aus Budapest wird 
uns berichtet: Das Budapester Museum hat Jordaens „Adam 
und Eva“ zum Preise von 3 Millionen Kronen erworben. Da der 
Staat gegenwärtig nicht' in der Lage ist, Kunstkäufe vorzu 
nehmen, wurde unter den Kunstmäzenen eine Sammlung für den 
Ankauf des Bildes eingeleitet. Der Bankier Simon von Krausz 
beteiligte sich hieran mit I Million Kronen. Das Bild gehörte 
früher dem Grafen Eugen Karacsonyi und befand sich in 
dessen Ofener Palais. Bei der Proklamierung der Rätediktatur 
übergab Karacsonyi einem Professor namens Pederi die Auf 
sich über sein Palais und verließ die ungarische Hauptstadt. 
Als er nach dem Sturze der Räterepublik zurückkehrte, übergab 
ihm Pederi das Palais samt Einrichtung in unversehrtem 
Zustande. Karacsonyi wollte sich ihm hiefür durch ein großes 
Geschenk erkenntlich zeigen, doch Pederi wies dieses zurück 
und erbat sich bloß einige kleinere Möbelstücke und das Bild 
von Jordaens. Graf Karacsonyi, welcher der Meinung war, 
daß das Bild nur einige tausend Kronen wert sei, erfüllte den 
Wunsch Pedcris. Dieser scheint aber den Wert des Bildes ge 
kannt zu haben, denn er bot dasselbe dem Museum zum Kaufe 
an und forderte, da auch ausländische Käufer sich eingefunden 
hatten, als Preis 3 Millionen Kronen. Dieser Preis wurde vom 
Museum als berechtigt anerkannt. 
Vom Kunstmarkt. 
(Neuerwerbungen der Wiener Galerie St. Lukas.) 
Die Galerie St. Lukas, Wien, I., Josefsplatz 5 (Palais Palla- 
vicini), hat in jüngster Zeit eine Reihe von Neuerwerbungen 
gemacht, die darnach angetan sind, die Aufmerksamkeit 
der Sammler auf sich zu lenken. In ei'ster Linie wäre da ein 
herrlicher Paul Potter zu nennen, ein Stierkopf, der die geniale 
Kraft dieses mit Recht so hochgeschätzten Niederländers 
offenbart. Bartholomäu; Breenberg (Bartholome), einer 
der besten Schüler P. Brils, ist mit einer der römischen Ruinen 
landschaften vertreten, die seinen Namen bekannt gemacht 
haben. In der Kasseler Galerie gibt es wohl kaum schönere 
Arbeiten dieses Künstlers. Vom „kleinen Van t)yck“, wie 
Gonzales Coques (Cocx) wegen seiner Beliebtheit als Porträt 
maler in kleinem Format genannt wurde, finden wir ein Kollek 
tivporträt, das in der Literatur rühmlich hervorgehoben wird. 
Es ist dies „Die musikalische Unterhaltung einer Antwerpener 
Familie“. Auf einen hervorragenden Maler der spanischen 
Renaissance weist ein koloristisch überaus wirksames Bild 
hin, das den historischen Akt der Überreichung einer Freiheits 
charta festhält. Von großem Stimmungsreiz ist eine irische 
Landschaft von William Ashford, dem bekannten englischen 
Landschafter-, der schon in jungen Jahren von Birmingham 
nach Dublin übersiedelte und in seinen Werken den Zauber 
der irischen Landschaft ausschöpfte. Die Landschaft ist in 
der Galerie St. Lukas auch sonst vorzüglich repräsentiert. 
So durch einen Alexander Calame, einen Alois Schönn 
(Dalmatinischer Karst), ein Bildchen von Sir N. Pukett
	        
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