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Internationale Sammle r-Zeitung
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nicht kennen, und die vielleicht nur im Aushängebogen
Ende-April unter den Karlsschülern zirkulierte. Jeden
falls waren in der zur Jubilatenmesse 1781 veröffent
lichten Erstausgabe Bogen des Erstdruckes durch
geänderte, neugedruckte Bogen ersetzt worden, so
daß der Erstdruck der „Räuber“ in einer unterdrückten
Fassung vorhanden war, von der bisher zwei Bogen
(der der Vorrede und . der Bogen 13) aufgefunden und
mit einer ausführlichen Darstellung des Sachverhaltes
in der von Carl. Schüddekopf besorgten (Leipzig im
Jahre 1905 erschienenen) Faksimileausgabe wieder
gegeben sind.“
Der zweite Teil der Versteigerung Davidsohn
Von Hans Boerner (Leipzig).
Die Versteigerung der zweiten Abteilung von Paul
Davidsohns berühmter Kupferstichsammlung fand
bei C. G. Boerner in Leipzig vom 22. bis 26. No
vember -statt. Am 27. November wurde eine andere
wertvolle Kupferstich-Sammlung dort versteigert, die
besonders ein gutes und reiches Dürer-Werk enthielt.
Obgleich die Lage des Kunstmarktes sich gegenüber
dem Frühjahr des Jahres, in dem die erste Abteilung
der Davidsohnsammlung versteigert wurde, merklich
in mancher Beziehung verschlechtert hat, kam dies
bei den beiden Versteigerungen kaum zum Ausdruck.
Daß die Preise auf den ersten Blick niedriger erscheinen,
liegt am Material, das der mittlere Teil des Kupfer
stecher-Alphabets bietet, in dem die ganz großen
Meister fehlen. Auch insofern war das Ergebnis dem
früheren ähnlich, als das Ausland zwar vielfach Kost
barkeiten davontrüg, aber beiweitem nicht die Rolle
spielte, die man nach den Valutaverhältnissen eigent
lich erwarten sollte, während deutsche Privatliebhaber
und vor allem auch die Kupferstichkabinette von Berlin,
Dresden und München einen großen Teil der Sammlung
festhielten und gerade auch eine' bedeutende Anzahl
der besten Blätter erstanden. Übrigens war das Ausland
numerisch diesmal stärker vertreten als im Frühjahr.
Fast jedes Land hatte seinen Vertreter bei der Verstei
gerung. Amerikaner waren auch diesmal noch nicht
persönlich erschienen.
Zur Beurteilung der nachstehend veröffentlichten
Hauptpreise der Versteigerung sei folgendes gesagt:
Die Preise für die Radierungen Claude Lorrains
waren zum Teil hoch, wenn man bedenkt, daß David
sohn die allerfeinsten Drucke des Meisters nicht besaß.
Auffällig gut wurden bezahlt die sonst wenig geschätz
ten holländischen Meister des 16. Jahrhunderts Gol-
tzius, de Gheyn. Das berühmte Hollar-Werk,
das nicht weniger als 450 Nummern umfaßte und das
den Auktionsbesucher auf eine harte Geduldprobe
stellte, wurde durchgängig und ohne merkliches Nach-
lasseii des Interesses gut, zum Teil sehr hoch bezahlt.
Daß die ungewöhnlich schönen Drucke der Land
schaften Hirschvogels und Lautensacks, die kost
baren Becher, die hier unter dem Namen Jamnitzer
verzeichnet waren, die. Meister des 15. Jahrhunderts,
M an't eg na, Mecken und andere, sehr hohe, zum Teil
Rekordpreise erzielten, war nicht verwunderlich.
Die schöne Serie der Stiche von Lucas van Leyden
brachte es nicht zu Überraschungen, obgleich die
Preise sich auf der Höhe des heutigen Handels hielten.
Ebenso konzentrierte sich das Interesse innerhalb
der wundervollen Werke der französischen Porträt
stecher, besonders des Nanteujl, mit sehr hohen
Preisen nur auf die besonderen Qualitäten und Selten
heiten des Werkes, während der ausgezeichnete Durch
schnitt hier eher'etwas zurückblieb. Die umfängliche
Sammlung der Stiche Marc Anton Raimondis und
seiner Schule haben sich zwar trotz mancher gleich
gültiger Blätter darunter gut verkauft, brachten aber
nur hie und da einmal einen sensationellen Preis. Die
Niederländer Radierungen eines Livens, Haeften,
Pott er usw. traten wie immer im Interesse zurück.
Auf das berühmte Ostade-Werk Davidsohns konzen
trierte sich jedoch eine außerordentliche Kauflust
aller Beteiligten, so daß hier nach meiner Meinung er
staunlich hohe Preise erzielt wurden. Man muß be
denken, daß die frühesten Zustände Ostadescher
Radierungen, die hier verzeichnet waren, zwar heuter
sehr selten sind, daß aber die Sammlung kaum einen
frühen Druck besaß, der in den letzten zwanzig Jahren
überhaupt nicht vorgekommen wäre und daß die besten
Drucke Ostades bisher immer nur und auch in den
größten Auktionen mit wenigen Hunderten bezahlt
wurden. Noch überraschender waren die Preise für
die letzten Plattenzustände des Ostade-Werks, die
man früher mit wenigen Mark verkaufte und die schließ
lich auch heute noch nicht selten geworden sind.
Die im Anschluß daran versteigerte Kupferstich-
sammlung hielt sich zwar nicht durchgängig auf der
Höhe der Qualität der Davidsohn-Sammlung, enthielt
dafür aber eine Ware, die den Handel von der ersten
bis zur letzten Nummer lebhaft interessierte. Die Be
teiligung war deswegen eine sehr rege und jede ausge
zeichnete Qualität wurde sehr hoch bezahlt. Zu be
merken ist die außerordentliche Steigerung in der
Schätzung des deutschen Holzschnittes, aber nur
in seinen besten Qualitäten. Das Dürer-Werk, das
natürlich mit dem Davidsohnschen nicht in eine Linie
gestellt werden durfte, verkaufte sich sehr gut, wenn
auch der nicht immer beachtete große Preisunterschied
zwischen den ersten Qualitäten der Blätter und einer
recht guten Mittelware, besonders auch bei den Holz
schnitten, entsprechend zum Ausdruck kam. Die
Preise für die kleine Rembr an dt-Sammlung waren
eher niedriger als diejenigen, die der Handel heute
für mittlere und schlechte Qualitäten verlangt und
oft auch bekommt.
Daß man 2700 Nummern bei so starker Beteiligung
in sechs Tagen erledigen konnte, ohne die Sitzungen
übermäßig auszudehnen, wurde nur ermöglicht durch
ein Publikum geübter Kenner, Sammler und Händler,
das durch sein sachliches Interesse die Auktionsleitung
bestens unterstützte.
Nr. Hauptpreise der Auktion 130.
31 Claude Lorrain, Die Erscheinung M 2.050
'34 Der Tanz am Ufer . M 4.200
36 Der Rinderhirt . M 7.900
38 Der Hafen M 2.600
41 Die Holzbrücke M 2.400
45 Die Landschaft mit. der ziehenden Herde . . M 3.500
48 Hirt und Hirtin . M 7.000
49 Der Raub der Europa M 4.600
50 Campo Vaccino M 2.600
53 Das Standbild Neptuns M 2.800
54 Das Standbild des Atlas . M 3.000
56 Das Fest in Rom M 3 300
72 Jacob de Gheyn,. Die Uniformen der Offiziere M 2.050
104 Albrecht Glockendon, Christus am Ölberg M 1.750
118 Hendrik .Goltziu.s, „Die Folge der Meister
werke“ . M 5.700