MAK
Nr. 10 
Internationale Sammler-Zeitung 
Seite 109 
Eine neue Auktion bei Gilhofer & Ranschburg. 
Zum zweiten Male in dieser Saison bringen die 
beiden Kunsthandlungen Gilhofer &Ranschburg 
und L..Schaf ranek in Wien eine hervorragende 
Kunstsammlung auf den Markt. Die Auktion, die 
lür die Tage vom 24. bis 28. (mit Ausschluß des Feier 
tages am 2G.) Mai festgesetzt ist und in S. Herzogs 
Ausstellungssälen im Tuchlaubenhof, I., Tuchlauben 7 a, 
stattfindet, erstreckt sich auf Gemälde alter und neuerer 
Meister, Aquarelle, Miniaturen und Handzeichnungen, 
französische und englische Kupierstiche und Farb 
stiche des- 18. Jahrhunderts, Schweizer Ansichten in 
Farben, Porzellan, Glas, Arbeiten in Gold, Silber und 
Bronze, Skulpturen und Möbel, Textilien und Waffen. 
Die Abteilung ,,Gemälde alter und neuerer 
Meister“ bietet eine Revue der besten Namen. Be 
sonders gut sind die österreichischen Schulen ver 
treten, die älteren unter anderen durch vier Altarflügel 
aus der Zeit um 1490 und zwei Bilder aus dem 18. Jahr 
hundert, die das „heilige Abendmahl“ und die „büßende 
Magdalena“ darstellen. Unter den neueren Meistern 
rangiert in erster Linie Wal dm ül ler, von dem ein 
herrlicher „Ausblick auf den Schneeberg“ vorhanden 
ist. Die Echtheit des Gemäldes, das nicht signiert ist, 
wurde von Dr. B a 1 d a ß und Dr. F r i m m e 1 beglaubigt. 
Daffinger ist mit einem bisher sorgsam gehüteten 
Schatz aus einem Wiener Patrizierhause, einem Porträt 
einer jungen Gräfin Kinsky in einer Landschaft, ver 
treten. Daß dieser bei Alt-Wiener Sammlern außer 
ordentlich beliebte Künstler auch auf seiner ureigensten 
Domäne, der Miniature zu treffen ist, sei hier gleich 
beigefügt. Wir finden in der Sammlung auch eine 
vorzügliche Elfenbeinminiatur seiner Schwägerin 
Caroline Edlen von Sipölenz. Die naturwüchsige, frische 
Anmut Defreggers atmet eiip. dunkeläugiges Mädchen 
mit gescheitelten Haaren, das man auch ohne das 
charakteristische rote Jäckchen mit dem gelben Hals 
tuch als eine Tirolerin erkennen würde. Ungemein 
herzig ist das „geteilte Frühstück“ von Ranftl, 
das die gute Hausgenossenschaft von Kind und Hund 
zeigt. Martin Johann Schmidt, der Kremserschmidt, 
erscheint mit einer packenden biblischen Szene 
„Abrahams Opfer“, ein Motiv, das in einer der griechi 
schen Mythe angepaßten Form in Jannecks „Opferung 
der Iphigenie“ wiederkehrt. Von einer neuen, gewiß 
nicht schlechteren Seite präsentiert sich Isidor Kauf 
mann in seinem „Bittsteller“. Wenn es noch eines 
Beweises bedurft hätte, zeigt der Künstler, daß er auch 
außerhalb des von ihm sonst kultivierten Genres 
. ganz und voll seinen Mann stellt. 
Von österreichischen Künstlern seien weiters noch 
genannt: Joh. Baptist Lampi der Jüngere (zwei 
Mädchenporträts), Eugen Jette! (Landschaft mit Mühle), 
.Max Schödl (Papagei), Karl Moll (Der Schönbrunner 
Park bei Sonnenschein) usw. Ihnen reiht sich der 
Münchener Eduard Grützner an, der eine seiner 
köstlichen Mönchstypen beistellt. Von den Deutschen 
ist auch ein in der Art Tischbeins gehaltenes Damen 
porträt sowie ein Kaulbach „Die Geburt Christi“ 
darstellend, bemerkenswert. Auf den berühmten Hof 
maler Karls II. von England, Sir Peter Lely, weist 
ein Porträt einer Dame hin, während „Ein Hafendamm 
bei Ebbe“ keinen geringeren als Constantin Meunier 
als Autor nennt, der, wie man vyeiß, ehe er der große 
Bildhauer geworden, sich seine Sporen als moderner 
realistischer Maler verdient hatte. 
In der Abteilung „Aquarelle, Miniaturen und 
Handzeichnungen“ dominiert die Miniature, die 
durch ihre Hauptmeister repräsentiert ist. Da ist der 
hervorragendste Isabev-Schüler, der Schweizer Rudolf 
Bell mit einem Porträt der Kronprinzessin Marie 
Bonaparte, der Schwester Napoleons, der feine englische 
Miniaturist Thomas H. Hüll mit dem Porträt einer 
jungen Dame mit gepudertem Haar — diese Miniatur 
ruht noch in dem alten, goldenen Originalrahmen —, 
Emanuel Peter mit Porträts eines Grafen und einer 
Gräfin Szapary, Kapeller mit einer Miniatur Josef 
von Sonnenfels usw. 
Unter den Aquarellen finden wir einen vorzüglichen 
Rudolf von Alt (das österreichische Museum am Wiener 
Stubenring mit der ehemaligen Franz Josef-KaSerne), 
zwei Porträts von Josef Teltscher (Graf und Gräfin 
Trauttmansdorff), ein Porträt eines Herrn von 
Schmigotz von Lieder dem Alteren, eine Skizze von 
Fendi (Mutter und Säugling), Bilder von Johann 
und Thomas Ender und vielen anderen. Kriehuber 
ist außer mit einem Aquarellporträt einer jungen 
Gräfin Desfourdes mit einer Bleistiftzeichnung Liszts 
vertreten. Ein Prachtstück ist das niederösterreichische 
Album von Josef Heideloff, das, hübsch auf Karton 
aufgezogen, 30 Aquarelle von sehenswerten Objekten 
des Landes aus der Zeit von 1791 bis 1815 birgt. Das 
Pastell findet in einem Mädchenkopf von Jean 
Baptist Greuze den vollendetsten Ausdruck. 
Eine kleine, aber erlesene Kollektion von Kupfer 
stichen und Holzschnitten von Dürer, Rem- 
brandt, Lukas van Leyden und- Schongauer 
leitet zu den englischen und französischen Kupfer 
stichen und Farbstichen des 18, Jahrhunderts 
hinüber, die auf der Höhe der Blätter stehen, die die 
beiden Auktionsfirmen im März d. J. versteigerten. 
Auch diesmal fehlt kein bedeutender Name der Zeit. 
Besonders hingewiesen sei auf folgende Hauptblätter: 
„Saturday evening“ und „Sunday Morning“ von Bigg, 
Römische Ruinen von Bonnet, „Le coupe de tonnere“ 
und „Le serpent sous les roses“ von Boilly, „La jeune 
fille decouverte“ von Chaponnier, „Die Kindstaufe“ 
und „Le Retour des Alpes“ von F. N. König und 
„Ecole de Dance“ von Lavreince. Von Freudeberg 
ist unter anderem das erste Blatt der gesuchten Folge 
„Suite d’Estampes“, das „Le Lever“ bezeic.hnete 
Blatt vorhanden. Liebhaber von Schweizer Ansichten 
finden eine reizende Auswahl an Aquatintablättern 
in Farben von Descourtis, J. Meyer, Sutei und 
anderen. 
Diesen Abteilungen schließen sich die Porzellane 
und Fayencen an, unter denen sich Alt-Wien und die 
deutschen und französischen Manufakturen in pracht 
vollen Gruppen und Einzelstücken befinden. Aus der 
Fülle sei nur die eindrucksvolle Alt-Wiener Gruppe 
„Das Elternglück“ herausgegriffen. Unter den Gläsern 
ragen die Mildener Arbeiten, wie die Empiregläser 
von Kothgasser, hervor, die merkwürdig niedrig 
geschätzt sind. Bei der letzten Schidlof-Auktion sind 
weit höhere Preise eingestellt und auch erreicht 
worden. 
Unter den Arbeiten in Gold, Silber, Bronze, 
Eisen usw. kommen Objekte von großem Kunst- 
und Materialwert vor. Hervorzuheben wären namentlich 
die seltenen Wiener Silberarbeiten aus der Zeit um 1783, 
so zum Beispiel der Tafelaufsatz in Form eines Rokoko 
pavillons, ein Tafelaufsatz, der aus einer reich mit 
Masquerons und Ornamenten durchbrochenen Schale 
gebildet wird usw. Von den vielen reizenden Taschen 
uhren sei nur eine goldene Taschenuhr mit Doppel 
gehäuse, eine französische Arbeit um 1750, erwähnt. 
Die Abteilungen Skulpturen, Möbel und Luster 
enthalten, gediegene Arbeiten englischer, französischer 
und österreichischer Meister. Die hervorstechendsten
	        
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