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Internationale Sammler-Zeitung
Nr. '10
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Stücke sind ein englischer Klappschranksekretär aus
der Zeit um 1“95 und ein Wiener Sehreibsekretär aus
Mahagoni mit vier feuervergoldeten Göttinnen. Unter
den Textilien fallen besonders die herrlichen alten
Brüsseler Spitzengarnituren auf.
Den Beschluß der Sammlung bilden die Waffen,
unter denen sich eine vorzüglich erhaltene Rüstung
eines japanischen Edelmannes (Daimos) aus dem
18. Jahrhundert, albanische Steinschloßpistolen mit
Kolben und Laufschienen aus Silber, kunstvoll ge
arbeitete türkische und indische Säbel, Siebenbürger
und Krainer Frauengürtel befinden.
Die Sammlung ist vorn 19. bis 23. Mai der allge
meinen Besichtigung zugänglich.
Der Nachlaß des Erzherzogs Ludwig Viktor.
Nach dem großen Silberschatz und den Gebrauchs-
gegeflständen aus Schloß Kleßheim folgt nun Ende
Mai im Dorotheum die erste große Kunstauktion
aus dem Nachlaß des Erzherzogs Ludwig Viktor,
welche die wichtigsten Kunstwerke der Sammlung
umfaßt.
Unter den 250 Gemälden, Aquarellen Und Minia
turen der Sammlung finden sich neben den Haupt
meistern der Alt-Wiener Schule, vier prächtige Wald
müller, Werke von Dallinger, Fendi, Einsle^ Gauer
mann (zwei monumentale Jagdstücke), Hartinger, Lach,
Marko, Nigg, Petter, Ranftl, Ed. Ritter, Albert
Schindler usw., eine Reihe hervorragender deutscher
Bilder, darunter ein großes Damenporträt von Lenbach,
ein lebensgroßes Bild des jungen Erzherzogs Max
von Josef Stieler, zwei Genrebilder von Bürkel, ein
Tiroler Dirndl von Defregger, weiters Bilder von
Hermann, Friedrich August, Wilhelm Kaulbach, Dürck,
Bischoff, Geselschap, Albert Keller, Guido von Maffei,
Gabriel Max, Hugo Kauffmann, Tischbein, Grassi
und ein wundervolles Selbstbildnis von Angelika
Kauffmann.
Unter den alten Meistern ragen hervor: eine
Edeldame von Philipp de Champagne (signiert), dann
Werke von Elisabeth Chaudet, Gerard, Carlo Dolci,
Ticpolo, Frans Francken, Salomon de Bray, Martin
van Meytens, Miereveit, Jan Molenaer, Pieter Neff,
William van de Velde, Kaspar Netscher.
LTitcr den Aquarellen befinden sich viele wert
volle Rudolf von Alt, mehr als 20 ausgezeichnete
Franz Alt und ebenso viele Franz Heinrich (venetianische
Veduten), 40 Blatt mit Ansichten der oberitalienischen
Seen von Josef Rebell und sechs reizende Rciter-
und Herdenbilder von Wilhelm von Rebell. Unter
den Miniaturen finden wir zahlreiche Stücke des
17. und 18. Jahrhunderts (Kaiser Karl V., Kaiser
Franz T. und Franz II., Friedrich der Große, Kinder
Maria Theresias), ferner ausgezeichnete Werke von
Manschgo (Bildnis Grillparzers), Daffinger, Robert
Theer, Weixlbaum, Gabriel Decker, Johann Ender
und Kriehuber.
Die kunstgewerblichen Arbeiten der Samm
lung werden hervorragend vertreten durch sieben große
Brüssler Gobelins des 16. bis 17. Jahrhunderts und
eine reichhaltige Kollektion von Vieuxlaque-Möbeln
mit Goldbronzebeschlägen von französischer und
holländischer Provenienz. Daran schließt sich eine
außerordentliche Sammlung von sogenannten Galan
teriewaren des 18. Jahrhunderts, nämlich Dosen,
Tabatieren, Etuis, Necessaires aus süddeutschen und
Wiener Porzellan sowie aus verschieden farbigem
Kupferemail, darunter Arbeiten von Dresdner und
Berliner Emailleurcn; von Porzellan ein herrliches
Frankenthaler Frühstückservice aus der Louis XVI.-
Epoche und solche aus der Wiener Sorgenthalerperiode,
weiterhin ein großes Nymphenburger Frühstückservice
der Rokokozeit mit bunten, sehr schönen Darstellungen
aus Ovids Metamorphosen.
Von den Inkunabeln der Porzellankunst sind
zu nennen: Ein Meißener Frühstückservice mit Relief-,
goldauflagen, wahrscheinlich vom. Emailleur Hunger,
dem Mitbegründer der Wiener Fabrik, dann ein Früh
stückservice, um 1720,. mit Chinoiserien aus radiertem
Silber. Aus der Wiener Frühzeit seien einige Kapital
stücke von bemalten Geschirren und eine stattliche Figur
des heiligen Johann von Nepomuk auf Sockel hervor
gehoben, ein Stück, das bisher in keinem zweiten
Exemplar bekannt ist. Die Wiener Technik der späteren
Zeit repräsentieren einige mythologische Figuren von.
Niedermayr und Kinderfiguren aus der Zeit des Sevres-
einflusses, endlich zwei herrliche weibliche Porträt
büsten auf Sockeln nach dem Modell Grassi, Von der
außerordentlich reichhaltigen Kollektion süddeutscher J
und Delfter Fayencen sowie ostasiatischer Porzellane 1
sind für die bevorstehende Auktion nur die hervor
ragendsten Stücke ausgewählt worden, die übrigen
sollen erst in einer späteren Auktion vereinigt werden.
Erwähnt seien von diesen Kabinettstücken einige
Sätze von Delfter Vasen mit holländischem Lackdekor
auf rotem und grünem Grunde, eine Künersberger
Platte mit der Ansicht des dortigen Schlosses, ein
Unikum, ein vollbezeichneter Göginger Krug von
Ferber, eine Fuldaer Kürbisflasche, eine ausgezeichnete
Höchster Kanne und eine Reihe von Holitscher figuralen
Fayencen,
Gleich hervorragend in der Arbeit wie in der Größe
und Seltenheit ist eine Riesenvase der Empirezeit
aus Petersburger Porzellan mit der bunten Darstellung
des Siegers von Aspern, Erzherzog Karls, ein Geschenk
Kaiser Alexanders I. an den Erzherzog.
Den Hauptclou der Sammlung bilden, wie schon
in der vorigen Nummer erwähnt, das Reiseservice
der Kaiserin Maria Louise aus Vermeil, eine be-
zerchnete Arbeit des Pariser Goldschmiedes Biennais
(ein Geschenk Napoleons I. an seine Gemahlin
Maria Louise) und das Schreibzeug Napoleons I-,
gleichfalls eine signierte Arbeit Biennais mit Gold-
auflagcn und einer Porträtminiatur von Isabey.
Zwei Wiener Sammlungen.
(Fortsetzung.) *
Nachstehend die Preise der
Glassammlung E. Herzfeld.
VA. 369, Flakon, Biedermeier, K 2800; Nr. 370, Zwei
kleine Flakons, Biedermeier, K 2500; Nr. 371, Trinkglas,
Empire, K 700; Nr. 372, Hyalithglas, in der Art von Egger -
* Siehe Nr. 8 und 9 der ,,Internationalen Samniler-
Zeitung“.
mann, K 10.000; Nr. 373, Pokal, Biedermeier, 1\ 5400; Nr. 375,
Empireglas, signiert „Fischer“, K 20.000; Nr. 376, Glasbecher;
Spätempire, K 3900; Nr. 377, Deckelpokal, Biedermeier,
K 8000; Nr. 378, Galdzwischenglas, Böhmen, 1. Hälfte des
18. Jh., K 34.000; Nr. 379, Facettierter Glasbecher, Böhmen,
Biedermeier, K 2400; Nr. 380, Trinkglas, Biedermeier, K 3000;
Nr. 381, Desgl., K 2500; Nr. 382, Empireglas, Kothgasser,