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Internationale Sammler-Zeitung
Nr. 10
erzielte M 220, eine Aquarellzeichnung von Graf Franz von
Pocci, mit eigenhändiger Datierung 25. April 1853, AI 335,
eine Sepiazeichnung ,,Landsknecht, und Tod“ mit beigefügtem
eigenhändigen Gedicht „Des Landsknechts letzte Nacht“
M 500, und l'ünl eigenhändige Briefe von Moritz von Schwind
an „Herrn Hof-Kapellmeister Franz Lachner" und „Herrn
Professor Carriere" M 205. Ein Konvolut von 200‘eigen
händigen Briefen und Skizzen deutscher Maler aus den Jahren
1782 1890, das auf M 500 geschätzt war, kam auf M 1050,
während ein Konvolut von 54 Briefen und Visitenkarten
von Bühnenkünstlern aus den Jahren 1806—1880 für M 340
fortging. In der zweiten Abteilung, die die Vertreter der
Literatur und Wissenschaften bis etwa um das Jahr 1750 um
faßte, wurden die beiden Hauptprei.sc für die Briefe- Luthers
und Melanchthöns gezahlt. Der erste wurde von einem
Wiener Vertreter der Wiener Buchhandlung L. Seidels Sohn
auf M 42.200 gesteigert (geschätzt auf M 50.000), während
der andere bei einem Schätzungspreis von M 8000 für M 6300
förtging. Ein Briefentwurf des Philosophen Leibniz vom
Jahre 1672 „An des Kaisers Majestät“, in einer Prozeßange-
legenheit, brachte M 390, ein eigenhändiges Stamm buch blat t
des Astronomen Kepler in lateinischer Sprache aus dem
Jahre 1594 an seinen Thüringer Studiengenossen Jacob
Roller M 800 und ein Stammbuchblatt des Dichters Andreas
Gryphius mit der Bezeichnung „Leyden, Mai 1640" an
Hans Balthasar Charlß M 310.
BIBLIOPHILIE.
(Das schöne niederländische Buch.) Drei Jahr
zehnte buchkünstlerischer Entwicklung in den Niederlanden
und holländischer Graphik ziehen an einem vorüber, wenn man
die Ausstellung besichtigt, die Dr. E. J. Haslingshirs von
der Bibliophilen Vereinigung Joan Blaeu, der Vorsitzende des
Vereines Freie Graphik und ausgezeichnete Künstler f. G.
Veldheer und der Buchkünstler und -zugleich Verleger
J. van Krimpen auf der Frankfurter internationalen Messe
im Goethe-Mjßhaus veranstaltet haben. Ähnlich wie in Deutsch
land ist man innerhalb dieser Entwicklungszeit auch in Holland
mehr und mehr davon abgekommen, durch alle möglichen
Zutaten Vorsatzblätter, Vignetten, Bilder znd dergleichen
das „schöne Buch“ auszugestalten; heute sollen die Schrift
art, das Satzbild, das Papier und der sorgfältige Druck schon
für sich wirken und in ihrem harmonischen Zusammenklingen
das buchgewerbiiehe Kunstwerk bilden. Und Künstler von
Namen haben sich in den Dienst dieser Aufgaben gestellt
und dem genußfrohen Ästheten Bücher von hohem künstle
rischen Wert, freilich auch von entsprechendem Preis ge
schaffen. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Ausgaben
der Privatpresse De Zilverdistel (J. F. van Royen), die sich
u. a. eine auf karolingische Formen zurückreichende eigene
Schrift hat hersteiien lassen, und deren Drucke mit der Hand
abgezogen werden. Auch die Vereeniging Palldium — beide
im Haag •— hat sehr schöne Werke ausgestellt (ihr Leiter
J. van Krimpen u. a. auch ein von ihm selbst auf Pergament
geschriebenes Buch) und ferner noch die Veranstalterin, die
Vereeniging Joan Blaeu. Unter den Graphikern übeiwiegt
die neuzeitliche Kunstrichtung, aber in Vertretern, deren
starkes technisches Können und künstlerisches Empfinden die
Manieriertheit des heutigen Stils nicht zu verdecken vermag.
Dies gilt vor allem vom Vorsitzenden J. G. Veldheer selbst,
dessen „Bergstadt“ zum Beispiel in ihrer ungemein plastischen
Gestaltung starke Wirkungen hervorruft, aber auch — um
nur einige zu nennen — von dem „Sämann" Wicheis-Wierd's-
mas. Von Moulyn fällt vor allem die ungemein duftige Farben-
radierung „Zypressenteich“ und von J. Fekkes ein Bsethoven-
bildnis auf. Waren dies durchweg Vertreter der jüngeren
Generation, so finden sich von den älteren manche sehr schöne
Stücke ausgestellt, zum Beispiel M: A. Bauers beinahe an
Rembrandtsche Technik erinnernder „Einzug“ Sowie vor
allem Radierungen des Nestors der holländischen Graphiker,
Toorop.
BILDER.
(Wiedergefundene Gemälde Rembrandts.) In den
letzten zehn Jahren sind nicht -weniger als 100 bisher un
bekannte Gemälde Rembrandts aufgetaucht, wodurch das
schon 600 Bilder umfassende Lebens werk des Meisters noch
um ein Sechstel erweitert wurde.. Diese immer neuen Rembrardt-
Entdeckungen kommen übrigens zum großen Teil auf das
Verdienstkonto des Kunsthandels, dessen Arbeit immer neue
Werte aus den Verstecken zieht. Gerade jetzt kann man in
Berlin ein ganz unbekanntes früheres Meisterwerk Rembrandts,
eine Susa.nna in der Galerie Haberstock, und ein wenig be J
kanntes Werk gleichfalls aus der Jugend des Meisters, den
Petrus bei den Kriegsknechten, in den neuen Räumen der
Galerie van Diemen, Unter den landen, sehen. Alle diese neuen
Rembrandts wird der Rembrandt-Forscher Dr. Wilhelm R.
Valentiner in einem Bande der „Klassiker der Kunst“ wieder
geben, der demnächst hei der deutschen Verlagsanstalt er
scheint, unter anderem die große „Landschaft mit der Taufe
des Kämmerers“, die vier großen Londoner Kunsthändlern
gehört und im Original bisher der Öffentlichkeit noch nicht
gezeigt worden ist.
NUMISMATIK.
(Die älteste Hohlmünze der Graden von Toggen-
burg.) Rudolf von Höfken, der verdiente Erforscher der
Brakteaten und Weihemünzen, hat in der Aprilnummer der
Berliner Münzblätter die älteste Hohlmünze der Grafen von
Toggenburg veröffentlicht. Es ist die sein rundes Silberbleoh
von der Größe eines Frankenstücks, auf dem in doppeltem
Perlkreis das alte Wappenbild der Toggenburger, ein halber
Adler und ein Löwe, die sich den Rücken zuwenden, dargestellt
ist. Dieses Schildbild findet sich, auf toggenburgischen Siegeln
1191 dis 1213. Bisher war nur ein Gepräge bekannt, auf dem
eine Krone über den Wappentieren erscheint und das efnefjj
entwickelteren Stilperiode des 13. Jahrhunderts angehört. Die
Toggenburger Hohlmünzen sind vielleicht in Fischingen, das
eigene Brakteaten mit dem Stiftswappen, zwei Fischen, ge
schlagen hat, hergestellt; auch diese Klostermünzen zeigen das
relativ große Format, das. die Dimensionen der meisten schwei
zerischen Brakteaten des Hochmittelalters wesentlich über
steigt.
PHILATELIE.
(„Raritäten.“) Aus München wird uns geschrieben:
Jn den letzten Tagen sind, in München und auswärts bayerische
Marken mit dem Überdruck „Deutsches Reich“ 2J4 Mark
Steindruck aufgetaucht, die als ganz besondere Raritäten
angepriesen und pro Stück mit 100 bis 150 Mark angeboten
wurden. Briefmarkensammler seien vor Ankauf dieser Marken
dringend gewarnt. Auf unsere Anfrage beim Reichspost-
ministerium wurde uns mitgeteilt, daß man von der Existenz
von Steindruck-Überdruck-Marken keine Kenntnis hatte.
Man stellte aber durch Nachforschungen fest, daß Steindruck-
marken, die nicht mit dem Aufdruck „Deutsches Reich.' 1
versehen waren, in sehr großer Menge in der Münze zum
Perforieren gelagert und dann, ohne daß speziell Auftrag
dazu erteilt worden war, genau wie die Buchdruckmarken
mit dem Überdruck versehen worden waren. Größere MShgen
sind anscheinend schon vor Monaten an die Postämter, ge
geben worden, ohne daß sie von den Sammlern als Steindruck-
Überdruck-Marken erkannt wurden. Sie sind, da sehr große
Mengen davon vorhanden sind, nicht mehr wert als das, was
sie am Schalter kosten.
VERSCHIEDENES.
(Di.ebstahl zweier Königskronen.) Aus der Waffen
kammer des Königsschlosses zu Madrid verschwanden zwei
mit kostbaren Edelsteinen geschmückte Königskrotten, die
neben ihrem historischen einen unschätzbaren Kunstwert haben.
Bei der einen der Kronen handelt es sich um die Krone des