MAK
Internationale 
gammlerZeifunfl 
Zentralblatt für Sammler, Liebhaber und Kunstfreunde. 
Herausgeber: Norbert Ehrlich. 
13. Jahrgang. Wien, 15. Juli 1921. Nr. 14. 
Die Wiener Messe und der Kunsthandel. 
Ein alter Traum Wiens geht in Erfüllung: Wien 
erhält seine Messe, die erstmalig vom 11. bis 17. September 
abgehalten werden wird, aber mit jedem jungen Jahr 
wiederkehren und eine ständige Institution werden 
soll. Was in den vielen Friedensjahren ein Ding der Un 
möglichkeit schien, die schwere Not der Zeit hat es 
sozusagen im Handumdrehen zustande gebracht. Wien 
wurde sich der wuchtigen Rolle bewußt, die es vermöge 
seiner glücklichen geographischen Lage im Handels 
verkehr zu spielen berufen ist, es wurde inne, welche 
Bedeutung ihm als Messestadt zukäme, und es ward dies 
Ziel gewiß nicht mehr aus dem Auge verlieren. 
Als Waren- und Mustermesse gedacht, sind in das 
Programm der Wiener Messe nur moderne Erzeugnisse 
aufgenommen worden, von Branchen, die dem Sammler 
nahestehen, nur: Buch, Graphik, Philatelie, Not 
geld und allenfalls noch Glas und Keramik, so 
weit sie künstlerisch ausgeführt sind. Die bildende 
Kunst geht seltsamerweise ganz leer aus: in der ersten 
Messe der alten Kunstmetropole ist buchstäblich kein 
Raum für sie. Es gibt kein Plätzchen für Gemälde, 
keines für plastische Arbeiten, von Antiquitäten schon 
gar nicht zu reden, die notorisch den Hauptanziehungs 
punkt für die Fremden aus aller Herren Länder bilden. 
Gewiß, Antiquitäten gehören eigentlich nicht zu 
den Gegenständen, die auf einer Waren- und Muster 
messe vorgeführt werden sollen, aber überall, wo der 
Sinn für die Bedürfnisse von Kulturmenschen lebendig 
ist, sind den Messen Kunstausstellungen und Kunst 
versteigerungen einverleibt worden und überall hat 
man damit die besten Erfahrungen gemacht. Es war 
eine Attraktion da, die sich auch praktisch in eine 
große Summe umsetzte, die der Messe zugute kam. Von 
dieser Erkenntnis arrsgehend, hat Frankfurt am Main 
es bisher nie unterlassen, seine Messe mit einer Kunst 
auktion zu verbinden, für die die ersten Kunstausktions- 
institute, wie Hugo Helbing, F. A. C. Prestel und Ru 
dolf Bangel gewonnen wurden. Dem Beispiele Frank 
furts folgte neuestens die alte Messestadt Leipzig 
und auch das kleinere Graz, das sich eben rüstet seine 
Messe anziehungsreich zu gestalten, will auf das Reiz 
mittel einer Kunstausstellung nicht verzichten. Dort 
haben sich, wie man uns meldet, alle bildenden Künstler 
und alle der bildenden Kunst dienenden Vereinigungen 
zusammengetan, um im Rahmen der Messe eine Kunst 
schau zu veranstalten, von der sie sich viel versprechen. 
In Wien ist, wie gesagt, die bildende Kunst zunächst 
aus der Messe verbannt: man will, so hört man, später 
einmal die Sache in Erwägung ziehen, vielleicht bei 
der nächsten Messe, Die Kunst kann werten. 
Nun, für die Kunst- und Antiquitätenhändler 
Wiens wird dies, das mögen sich die Veranstalter der 
Messe gesagt sein lassen, kein Schade sein: ob nicht 
für die Messe, das möge dahingestellt bleiben. Die 
Kunst- und Antiquitätenhändler brauchen nicht die 
Messe, um ihren Waren Geltung zu verschaffen. Wir 
sind von der Überzeugung durchdrungen, daß die 
Fremden, die aus Anlaß der Messe aus allen Richtungen 
der Windrose nach Wien strömen werden, sie auch 
außerhalb der Messe zu finden wissen werden. Jede 
Antiquitätenhandlung, jeder Kunstsalon, wird eine 
Messeausstellung im kleinen sein, die mit magnetischer 
Kraft die sammelfreudigen Besucher anziehen wird. 
In diesem Punkte will auch die Messenummer 
der „Internationalen Sammler-Zeitung" einsetzen. Der 
Messebesucher, der Sammler ist, und die seltene Ge 
legenheit benützen will, mit seiner besseren Valuta hier 
billig einzukaufen, wird durch unsere Messenummer 
über alles unterrichtet werden, was in seinen Interessen 
kreis gehört, er wird aus ihr nicht nur erfahren, was 
er etwa innerhalb der Messe finden kann, sondern wo 
außerhalb derselben Kunstversteigerungen oder Kunst 
ausstellungen abgehalten, werden, wo er seine Bestände 
erweitern könnte, wo er Ölgemälde alter oder moderner 
Meister, Aquarelle, Miniaturen, Stiche, Bronzen, Porzel 
lane, Münzen, Medaillen, Spitzen, antike Waffen, 
Autographen, Briefmarken, Notgeld, Exlibris, Siegel 
usw. usw. erwerben kann. Ein Verzeichnis nach den 
Liebhabereien und innerhalb derselben nach Bezirken 
und Straßen geordnet, soll ihm die Auffindung der 
Quellen erleichtern. 
An alle Kunst- und Antiquitätenhändler, 
an die Antiquariate und Briefmarkcnhandlun- 
gen Wiens und der Umgebung — denn es ist damit 
zu rechnen, daß viele Messebesucher nicht versäumen 
werden, die reizenden Orte in der Nähe Wiens kennen zu 
lernen — richten wir die herzliche Bitte, uns in un 
serem Bemühen zu unterstützen, ein möglichst voll 
ständiges Verzeichnis bieten zu können. Wir bitten sie, 
uns so rasch als möglich, spätestens abet bis zum 
20. August, diegenaue Adresse, etwaige Speziali 
täten sowie, *wo es angängig ist, auch besonders 
hervorragende Objekte mitzuteilen, die sie zur 
zeit am Lager haben. Alle Mitteilungen werden sorg 
sam registriert werden und den fremden Sammler 
über das orientieren, was er in Wien haben kann. 
Die Messenummer der „Internalionalen Sammler- 
Zeitung" wird so die Lücke füllen, die der sonst gewiß 
sehr redselige Katalog der Messe lassen wird.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.