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MAK

Full text : Jahrgang 13 (1921) (15)

Seite  164

Internationale  Sammler-Zeitung

Nr.  15

kleinen  Minaturen,  Gent-Brügge,  nach  1500,  Kleinoktav,
Fr.  49.200.
Einbände.  Nr.  52,  Polybius-Manuskript  des  Oonnetable
Anne  de  Montmorency,  Fr.  19.600;  Nr.  56,  Bern.  Daniello,
La  Poetica,  1536,  mit  Emblemen  des  Demetrius  Canevarius,

Leibarzt  Urbans  VIIJ.,  Fr.  14.100;  Nr.  58,  Instruktionen  des
Marino  Grimani  Venedig,  16.  Jh„  Fr.  40.200;  Nr.  60,  Venezianischer ­
  Einband  in  orientalischem  Sti',  16.  Jh.,  Fr.  21.100;
Nr.  72,  Sahir  Fargadi,  Gedichte  im  Manuskript,  Persien,  nach
1500,  Fr.  30.000.  *

Die  Geschichte  eines  Werkes  von  Peter  Vischer.

Auf  dem  Umwege  über  Frankreich  erhält  man
Nachricht  von  einem  unbekannten  Werke  Peter
Vischers,  des  großen  deutschen  Meisters  des  16.  Jahrhunderts. ­

Im  Museum  des  Schlosses  von  Montr,ottier,  das
ein  Mäzen,  Flerr  Mares,  der  Florimontakademie  von
Annecy  in  Savoyen  testamentarisch  vermacht  hat,
befinden  sich  zwei  Basreliefs  in  Bronze,  zwei  Friese  und
zwei  Giebelfelder.  Einer  dieser  Friese  stellt  eine  von  Zentauren ­
  verfolgte  Volksmasse  dar,  die  eine  Furt  durchwatet, ­
  der  andere  zwei  nackte  Kämpfer,  die  auf  Delphinen ­
  reiten.  Von  den  zwei  Giebelfeldern,  in  Wappenschildern, ­
  macht  das  eine  einen  Kampf  zwischen
Reitern  und  Männern  zu  Fuß  in  einem  Flusse  ersichtlich; ­
  das  andere  einen  Kampf  zwischen  Männern  und
Zentauren,  die  wütend  aufeinander  losgehen.  Das
eine  Wappenschild  zeigt  eine  Harpyie,  das  persönliche
Abzeichen  Kaiser  Karl  IV.;  das  andere  Schild  mit
dem  Wappen  der  Stadt  Nürnberg  führte  den  Konservator ­
  des  Schloßmuseums  Herrn  Ser  and  auf  die
Spur  der  Herkunft  der  vier  Basreliefs.
Aus  kunstgeschichtlichen  Werken  wußte  man’
daß  in  demselben  Jahre,  in  welchem  Kaiser  Maximilian ­
  sich  wegen  Ausschmückung  seines  Grabmals
in  Innsbruck  an  Peter  Vischer  wandte,  dem  berühmten
Bildhauer  und  Gießer  noch  eine  zweite  Arbeit  übertragen ­
  wurde.  Die  Fuggers  in  Augsburg,  damals
die  reichsten  Bankiers  Europas,  bestellten  bei  ihm  ein
prachtvolles  Bronzegitter  für  ihre  Grabkapelle  in
der  Sankt  Annenkirche.  Dieses  Gitter,  das  der  Nürnberger ­
  Stadtrat  im  Jahre  1530  angekauft  hatte,
um  damit  sein  Rathaus  zu  schmücken,  ist  unglücklicherweise ­
  1809  spurlos  verschwunden;  aber  einer
im  Germanischen  Museum  zh  Nürnberg  auf  bewahrten
Zeichnung  ist  zu  entnehmen,  daß  sämtliche  Motive
des  Gitters  sich  auf  die  dekorative  Kunst  Oberitajiens
stützten.
Von  der  Kenntnis  dieser  Tatsachen  ausgehend,
setzte  sich  Herr  Serand  mit  dem  Germanischen  Museum
in  Nürnberg  in  Verbindung  und  erlangte,  daß  letzteres
ihm  eine  Kopie  der  erwähnten  Zeichnung  zukommen
ließ.  Die  von  dein  französischen  Gelehrten  aufgestellten
Vergleiche  ließen  keinen  Zweifel  mehr  aufkommen
über  die  Richtigkeit  seiner  Vermutungen  bezüglich
des  deutschen  Ursprunges  und  der  Urheberschaft,
der  vier  Basreliefs.  Seine  weiteren  Nachforschungen
enthüllten  ihm  noch  eine  merkwürdige,  ja  geradezu
abenteuediche  Geschichte.
Wie  schon  mitgeteilt,  bestellten  die  Fuggers  bei
Peter  Vischer  das  Kapellengitter.  Dieser  legte  ihnen
einen  Plan,  vor,  den  die  Fuggers  annahmen.  Mittlerweile ­

  vollzog  sich  aber  eine  Wandlung  in  dem  Künstler,
der  von  der  Gotik  zur  italienischen  Renaissance  überging. ­
  Er  änderte  dementsprechend  den  ursprünglichen
Plan  des  Gitters  und  vollendete  mit  Hilfe  seiner  zw r ei
Söhne,  Peter  jun.  und  Hans,  das  Werk.  Die  Erben  der
Brüder  Fugger,  die  inzwischen  (1525)  gestorben  waren,
verweigerten  die  Annahme  des  Gitters,  weil  es  dem
ersten  Plane  nicht  entsprach.  Daraus  entwickelte  sich
ein  Prozeß,  in  dessen  Verlauf  Peter  Vischer  und  alsbald ­
  auch  Peter  jun.  starben.  Der  überlebende  Sohn
und  Bruder  Hans  Vischer  erhielt  von  den  Erben  Fugger
eine  Entschädigung  und  verblieb  im  Besitze  des  Gitters,
das  er  ein  Jahr  später  (1530)  an  die  Ratsherren  von
Nürnberg  verkaufte,  die  das  Werk  für  den  großen
Rathaussaal  bestimmten.  Dieser  neuen  Verwendung
entsprechend  hatte  Hans  Änderungen  vorzunebmen,
die  1540  beendigt  waren.
Nach  der  Schlacht  von  Austerlitz  wurde  auf  Grund
des  Preßburger  Vertrages  die  Freistadt  Nürnberg
Bayern  zugeschlagen.  Das  Gitter  mußte  entfernt
und  als  „altes  Metall“  verkauft  werden.  Es  wurde
in  168  Teile  zerlegt.  Um  zumindest  ein  Andenken  an
das  Kunstwerk  zu  bewahren,  nahmen  mehrere  Kenner,
Künstler  und  Liebhaber  eine  Zeichnung  davon.  1806
wurden  die  Bestandteile  einem  Kaufmanne  von  Fürth
verkauft,  der  sie  an  einen  Nürnberger  abgab,  welcher
seinerseits  wieder  das  Metall  nach  Frankreich  schaffen
ließ,  wo  Bronze  für  die  Kanonen,  deren  die  napoleonische
  Armee  bedurfte,  ein  gesuchter  Artikel  war.
In  Frankreich  brachte  der  Kanonengießer  Frerejean
aus  Lyon  die  Gitterstücke  an  sich.  Überrascht  von  der
Schönheit  der  vier  Basreliefs,  konnte  er  sich  nicht  entschließen, ­
  alle  umzugießen,  bewahrte  die  Basreliefs,
die  dann  Herr  Leon  Mares  erbte  und  nach  dem  Museum
seines  Schlosses  in  Montrottier  übertragen  ließ,  wo
sie  endlich  die  Aufmerksamkeit  eines  Fachkundigen
erregten,  der  ihren  Spuren  mit  Erfolg  nachging.
Die  Entdeckung  Serands  ist  nicht  bloß  von  allgemeiner ­
  künstlerischer  Bedeutung,  da  der  Name  Peter
Vischer  sich  an  sie  knüpft;  sie  hat  für  Frankreich  eine
besondere  Wichtigkeit,  weil  dieses  Land  von  Vischerschen
  Schöpfungen  sich  bisher  nur  des  Besitzes  kleiner
Porträtbüsten  des  alten  Künstlers  (im  Louvre)  und
einer  Plakette  „Orpheus  und  Eurydike“  von  Peter  jun.
(in  einer  privaten  Sammlung)  bewußt  war.
Das  G-ermanische  Museum  in  Nürnberg  hat  bereits
einen  hohen  Preis  für  die  vier  Basreliefs  geboten,
aber  die  Franzosen  geben  natürlich  die  Prachtstücke
nicht  her,  abgesehen  davon,  daß  eine  Veräußerung
durch  die  Widmungsurkunde  formell  untersagt  ist.

Chronik.

BIBLIOPHILIE.
(Ein  Fund  aus  dem  Goethekreis.)  Der  Bssuch  der
Kaiserin  Mutter  Maria  Feodorowna  von  R  i3  and  iti  Weimar, ­
  der  Mutter  der  E:bgroßherzogin,  hat  Goethe  bekanntlich ­
  mit  einem  Mtsksnzuge  gefeiert,  bei  der  er  selbst  der  Chorführer ­

  war  Und  als  solcher  am  meisten  von  all  den  vielen  Darstellern ­
  zu  sp-schsn  hatte.  Nun  hat  Phi.ipp  Rath  eine  kleine
Schrift  gefunden,  die  in  keiner  bekannten  Goethebibliothek
vorhanden  ist  und  die  ein  zweites,  bei  diesem  Besuch  aufgeführtes
  Festspiel  enthä't,  mit  denselben,  darin  aufgeführten
Personen  wie  im  Masksnzuge,  nur  nicht  so  vielen,  wenn  auch
            
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