Nr. 15
lat er nationale Sammler-Zeitung
Seite 165
immer noch 52: Es ist, wie der Titel angibt, eine „Charade,
Bmnennung eines Kleinodes älterer und neuerer Zeit in drei
Silben nach der Frankensprache." Gebunden ist der kleine
Druck in einen hübschen Pappband im Schmuck der Empire
zeit, er enthält nur sechs B.ätter und keine Angabe des Ortes
und des Druckers.. Das Gedicht selbst hat Friedrich Riemer,
der Erzieher von Goethes Sohn Und spätere Leiter der Wei
marer Bibliothek, verfaßt, der Charade voran ging eine Ge
mäldedarstellung als Festspiel. Eie Auflösung der dreisilbigen
'Charade ist „Toison d’or", also der berühmte Orden des Gol
denen Viießes, den die Habsburger von ihren burgundbchen
Almen und diese in einer Art Anknüpfung an das ung.ück-
bringende Vließ der Argonautensage übernommen haben. Von
dem Programmbuche der Gemäldedarstellurg sind Exemplare
bekannt geworden, die Charade scheint ganz verschollen ge
wesen zu sein, ebenso wie eine gleichfalls bei diesen Festspielen
dargestellte Charade, bei der die Auflösung den Namen des
antiken Malers Apollodor gab. Es sei denn, daß das Britische
Müseüm Drucke dieser beiden Festspiele besitzt, was aber
aus dem Goethekatalog der Londoner Bibliothek nicht zu er
sehen ist. Denn dieser bricht zufällig vorläufig gerade beidem
Wort „Charade" ab.
(Peter Hilles Briefe) an Else Laske r-Schüler
kommen, jetzt in einem kleinen Bande bei Paul Cassirer
heraus, reizvoll in der spielerischen und innigen Verbundenheit.,
-dn der sie diese beiden Menschen mit ihrer Umwelt zeigen, und
in defn Bilde von der fast märchenhaften Gestaltung, die all
tägliche Begebnisse der Außenwelt bei diesen beiden Menschen
erfahren haben.
BILDER.
(Wieder ein neuer Rembrandt?) Im „Giornale
d'Italia“ behauptet ein im Rom weilender Holländer, daß ein
in der Galleria Doria befindliches Männerbhdnis, das bis heute
dem Bernardo Strozzi (1581 bis 1644) zugetchiioben wurde,
ein Werk Rembr andts ist. Es ist das Bi.d eines alten Mannes
mit einem weißen Bart, in dem sich, wfe der Holländer schreibt,
ein Künstler äußert, der, gewaltiger als Strozzi, durch die
Macht seines Genies bezaubert. „Diese Figur, dunkel im Ton,
stolz aus dem roten Hintergrund nach vorne tretend, hat einen
majestätischen Kopf, heimgesucht von den Leiden des Lebens,
mit einem nach innen gekehrten B.ick, einem Mund, aus dem
Ergebung spricht und einer hohen gedankenreichen Stirn. In
all dem ist der Pinsel des phantasiercichen Zauberers Rem
brandt zu erkennen. Das Gemälde, das alle charakteristi: chen
Zeichen von Rembrandts Werk aus dem Jahre 1660 hat, ist
breit, kräftig und plastisch angelegt, in dem Kolorit herrscht
ein kräftiges Dunkelrot vor. Das Licht, das von oben nach
rechts fällt, dringt bis in die dunkelsten und fernsten Winkel
und hüllt die Gestalt des Alten wie in ein übernatürliches
Mysterium."
HANDSCHRIFTEN.
(Der dritte Teil der Sammlung Yates Thompson).
Bei Sotheby in London wurde der dritte Teil der unter dem
Namen Yates Thompson bekannten Handschriften- und
Inkunabelnsammlung versteigert. Die beiden vorhergehenden
Auktionen hatten insgesamt für 70 Stücke 130.325 Pfund ge
bracht. Bei der neuen Versteigerung wurden 18.024 Pfund er
zielt. Sechs Handschriften allein brachten die Summe von
10.000 Pfund. Eine der kostbarsten hier verkauften Hand
schriften ist die des „Lancelot vom: See“ in drei Bänden, von
denen der erste Teil zw sehen 1290 und .1310 hergestellt worden
ist. Das wundervolle Manuskript ist wohl die schönste illu
strierte Handschrift, die sich in irgendeiner Privatsammlung
befand. Da der Besitzer selbst vor 20 Jahren dafür 1000 Pfund
zahlte, so war der diesmal erzielte Preis von 3500 Pfund ver
hältnismäßig gering. Wie eine Eintragung a(m Schluß des
zweiten Bandes erzählt, -war die Handschrift für den Messire
Jehau de Crosse, Marschall van Boussac, den Waffengefährten
der Jungfrau von Orleans, geschrieben worden. Ein anderes
Wunderwerk, eines der kleinsten Bücher der Welt, ist das
winzige „Protestacion del Empcrardor“ das Lieblingsgcbet
buch Kaiser Karls V., das nur 1 Zoll zu 1 3 lt Zoll mißt. Es sind
29 Blätter in einer Hülse von Gold, weißer Emaille und Grana
ten. Dafür wurden 800 Pfund erzielt. Das Antiphonar der Zister
zienser-Abtei von Beaupre aus dem 13. Jahrhundert brachte
1510 Pfund, und eine Florentiner Handschrift des 14. Jahr
hunderts, die sich früher in der Ashburnhan-Sammlung be
fand, wurde für 2600 Pfund fortgegeben.
NUMISMATIK.
(Münzenfund.) Bei Aussch'achtungsarbeiten auf dem
neuen Siedlungsterrain Dorabreite bei Krepelsdorf fand man
87 holländische Golddukaten und ein silbernes Lreiguldenstück,
die sämtliche aus dem 18. Jahrhundert stammen.
(Neue Medaille.) Der „Verein der niederösterreichischen
Landesfreunde'' in Baden hat vom Medailleur Josef Prinz
eine Medaille auf den um Baden hochverdienten Vizebürger
meister Alois BrUssatti ausführen lassen, die auf der Vorder
seite das Brustbild Brussattis, auf der Rückseite einen Teil des
Hauptplatzes von Baden zeigt.
PHILATELIE.
(Versteigerung der Sammlung Ferrary.) Im Hotel
Drouot in Paris begann die Versteigerung der berühmten
Markensammlung Piiippe von Ferrary, der im Mai 1917 ge
storben ist. Die Versteigerung wird von der Firma Gilbert
und Broquelet geleitet. Die französische Regierung seque
strierte diese Sammlung, die -während des Krieges im Berliner
Postmuseum war, der Versteigerungserlös ward auf die deut
schen Kriegsschulden angerechnet weiden. Die Sammlung,
bestehend aus mehr als 200 Albums mit unschätzbaren Selten
heiten, wurde bis zur Versteigerung in den Gewölben der Bank
von Frankreich aufbewahrt. Merkwürdigerweise hat Ferrary
seine weltverühmte Sammlung niemals öffentlich gezeigt, und
nicht mehr als ein halb Dutzend hervorragender Sammler
können sich rühmen, sie gesehen zu haben. Am ersten Tage der
Versteigerung brachten 304 Marken etw-a eine Million Franken,
darunter ein Satz uruguayischer 111.000 Franken. Die Zwei-
Cent-Marke von Britisch-Guinena wurde von einem Tabak
fabrikanten in Marseille für 105.000 Franken ersteigert. Das
höchste Gebot, 1.83.000 Franken, erzielte die Zwei-Cent-
Marke der havaischen Mission. Mauritius-Marken wurden
mit 24.000 bis 60.000 Franken bezahlt. Eie Versteigerung soll
erst im Oktober fortgesetzt werden. Man erwartet einen Ge
samterlös von über zehn Millionen Franken.
(Neue deutsche Fiugpostmarken.) Aus Berlin
wird uns geschrieben: Für die von der Reichtpostvei-wadung
geplanten neuen Fiugpostmarken haben alle zu einem be
schränkten Wettbewerb aufgeforderten Künstler Entwürfe
eingesandt. Das Prci: gericht, dem außer zwei An ge hörigen des.
Reichspostministeiiums und dem Direktor der Reichs drucken i
der Reichskunstwart, ferner Professor Bruno Paul in Berlin
und Professor Steiner-Prag-Leipzig, argehöit haben und
zu dem außerdem als Markensachverständiger Oberlar.des-
gerichtspräsident a. D. Karl Lindenberg zugezogen war, hat
einstimmig eine Arbeit des Professor Ernst Aufsesser (Düssel
dorf) als die beste Lösung bezeichnet. Diese stellt in graphi:cher
Ausführüng stilisiert einen herabstoßenden Vogel dar, Man
hofft, den Entwurf unter Wahrung seines künstleri: chen
Wertes so gestalten zu können, daß er auch den technischen
Bedingungen entspricht, die vom Standpunkt des Marker-
massendruks und der Sicherung gegen Nachahmung zu stellen
sind. Bemerkenswert ist auch, daß vom 10. August an alle